Hausen () ist ein Ortsteil der Stadt Pohlheim im mittelhessischen Landkreis Gießen. Die Bebauungen von Hausen und Garbenteich gehen ineinander über.
Geografie Geografische Lage Hausen liegt zwischen dem Südostfuß des Schiffenberg sowie nördlich des Obergermanischen Limes sowie am Nordrande der Wetterau in Mittelhessen am Lückebach. Südwestlich des Ortes treffen sich die Landesstraßen 3129 und 3131, nördlich führt die Bundesstraße 457 entlang. Am südlichen Ortsrand von Hausen verläuft die Bahnstrecke Gießen–Gelnhausen, deren nächstgelegene Stationen in Petersweiher/Watzenborn-Steinberg und Garbenteich sind.
Klima Die mittlere Jahrestemperatur beträgt zwischen 8,0 und 8,4 °C, und die mittlere Jahresniederschlagsmenge beträgt zwischen 610 und 620 mm.
Ortsgeschichte mini|Evangelische Kirche Hausen
Mittelalter Eine vermeintliche Ersterwähnung des Ortes findet sich als Garuuardeshusen im Lorscher Codex und wird auf 886 oder 887 datiert.Karl Glöckner: Codex Laureshamensis (CL). Teil 3: Kopialbuch 2. Die übrigen fränkischen und die schwäbischen Gaue, Güterlisten, späte Schenkungen und Zinslisten, Gesamtregister. Fotomechan. Nachdruck der Ausgabe von 1936, Darmstadt. = Hessische Historische Kommission 1963. CL 3040, S. 222. Es ist aber nicht endgültig geklärt, ob sich dieser Eintrag auf dieses Hausen bezieht. So wird diese Quelle im Lorscher Codex auch auf die heutige Wüstung Hausen (Lich) bezogen.Lutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach in Hessen. Namenbuch. Dissertation Göppingen 1973. S. 127 f, S. 164 f.
Eine erste gesicherte Erwähnung findet sich im Jahre 1284: „... sitam inpede montis Schyffenburg in villa, que Husen appellatur ...“ (gelegen am Fuße des Berges Schiffenberg im Dorf, das Hausen genannt wird).Arthur Wyss: Urkundenbuch der Deutschordens-Ballei Hessen. Band 1–3. Leipzig 1879–1899. Band 3. Nr. 1364, S. 343. Hier wird auch die Siedlungsform villa genannt. 1317 heißt es in einer Urkunde: „... in villis Alpach et Husin.“Ludwig Baur: Hessische Urkunden aus dem Großherzoglich Hessischen Haus- und Staatsarchive. Band 1–5. Band 1. Darmstadt 1860–1873. Nr. 1319, S. 890. 1395 wird „... in Husen prope Schiffenburg“ (in Hausen beim Schiffenberg) erwähnt.Arthur Wyss: Urkundenbuch der Deutschordens-Ballei Hessen. Band 3. Nr. 1267, S. 219.
Bereits um 1000 bestand eine romanische Kapelle, die im späten 13. Jahrhundert durch die heutige Kirche ersetzt wurde. Eine Schule wurde zum Ende des 16. Jahrhunderts genannt.
Neuzeit Hausen gehörte zu dem Teil des Amtes Hüttenberg, einem Kondominat, der bei der Teilung von 1703 an die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt fiel. Dort gehörte es zum hessischen Amt Hüttenberg. L. Ewald: Beiträge zur Landeskunde. In: Grossherzogliche Centralstelle für die Landes-Statistik (Hrsg.): Beiträge zur Statistik des Grossherzogthums Hessen. Jonghaus, Darmstadt 1862, S. 54.
1803 fasste die Landgrafschaft ihre nördlich des Mains gelegenen Gebiete in dem Fürstentum Oberhessen (später: Provinz Oberhessen) zusammen, wo nun auch Hausen lag. 1806 wurde die Landgrafschaft von Napoleon zum Großherzogtum Hessen erhoben. Dieses führte 1821 eine Verwaltungsreform durch, in der das Amt Hüttenberg aufgelöst wurde. Übergeordnete Verwaltung war nun der Landratsbezirk Gießen, zuständiges Gericht das Landgericht Gießen.
Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Hausen:
Hausen gehörte zum Gebiet des Gemeinen Rechts, das hier ohne die Überlagerung von Partikularrecht galt. Dieses behielt seine Geltung auch während der Zugehörigkeit zum Großherzogtum Hessen im 19. Jahrhundert, bis es zum 1. Januar 1900 von dem einheitlich im ganzen Deutschen Reich geltenden Bürgerlichen Gesetzbuch abgelöst wurde. Arthur B. Schmidt: Die geschichtlichen Grundlagen des bürgerlichen Rechts im Großherzogtum Hessen. Curt von Münchow, Giessen 1893, S. 100, Anm. 6 und S. 9, 11.
1897 wurde eine Zigarrenfabrik und 1905 die Schule gebaut. Die Hedwigskapelle wurde 1959 eingeweiht.
Hessische Gebietsreform (1970–1977) Die Gemeinde Pohlheim wurde am 31. Dezember 1970 im Zuge der Gebietsreform in Hessen durch freiwilligen Zusammenschluss der Gemeinden Dorf-Güll, Garbenteich, Grüningen, Hausen, Holzheim und Watzenborn-Steinberg gegründet. Für Hausen wurde, wie für die übrigen ehemaligen Gemeinden von Pohlheim, ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Hausen angehört(e):
886/87: Fränkisches Reich, Wetter(gau) 14. Jahrhundert: Heiliges Römisches Reich, Amt Hüttenberg (Kondominium: Grafschaft Nassau und Landgrafschaft Hessen) ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Amt Hüttenberg (Kondominium: Grafschaft Nassau und Landgrafschaft Hessen-Marburg) Die Zugehörigkeit des Amtes Hüttenberg anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: , und 1604–1648: hessischer Anteil strittig zwischen Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und Landgrafschaft Hessen-Kassel (Hessenkrieg) ab 1604: Heiliges Römisches Reich, Amt Hüttenberg (Kondominium: Grafschaft Nassau-Weilburg und Landgrafschaft Hessen-Darmstadt) ab 1703: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt (durch Teilungsvertrag), Oberfürstentum Hessen, Amt Hüttenberg ab 1806: Großherzogtum Hessen,Infolge der Rheinbundakte. Oberfürstentum Hessen, Amt Hüttenberg ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt Hüttenberg ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk GießenTrennung zwischen Justiz (Landgericht Gießen) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Grünberg ab 2937: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Gießen ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1867: Norddeutscher Bund,Der Norddeutsche Bund war der erste deutsche Bundesstaat unter der Führung Preußens. Er war die geschichtliche Vorstufe des Deutschen Reichs. Infolge des Deutschen Krieges wurde die Provinz Oberhessen dort zwangsweise Mitglied. Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1918: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1938: Deutsches Reich (Weimarer Republik), Volksstaat Hessen, Landkreis GießenIm Zuge der Gebietsreform 1938 wurde die Provinz Oberhessen aufgelöst. ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen ab 1971: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen, Stadt Pohlheim ab 1977: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Lahn-Dill-Kreis, Stadt Pohlheim ab 1979: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen, Stadt Pohlheim ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Landkreis Gießen, Stadt Pohlheim
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Hausen 2097 Einwohner. Darunter waren 141 (6,7 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 447 Einwohner unter 18 Jahren, 906 zwischen 18 und 49, 393 zwischen 50 und 64 und 351 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 894 Haushalten. Davon waren 300 Singlehaushalte, 222 Paare ohne Kinder und 282 Paare mit Kindern, sowie 72 Alleinerziehende und 18 Wohngemeinschaften. In 162 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 642 Haushaltungen lebten keine Senioren.
Einwohnerentwicklung Quelle: Historisches Ortslexikon • 1502: 7 Männer • 1577: 12 Hausgesesse • 1630: 1 zweispännige, 7 einspännige Ackerleute, 11 Einläufige, 2 Witwen, 3 Vormundschaften • 1677: 16 Hausgesesse, davon ein freier • 1742: 2 Geistliche/Beamte, 33 Untertanen, 24 Beisassen/Juden • 1791: 200 Einwohner • 1800: 241 Einwohner • 1806: 253 Einwohner, 46 Häuser • 1829: 272 Einwohner, 49 Häuser • 1867: 326 Einwohner, 56 bewohnte Gebäude • 1875: 314 Einwohner, 55 bewohnte Gebäude
Historische Religionszugehörigkeit • 1829: 271 evangelische, ein katholischer Einwohner • 1961: 881 evangelische, 163 katholische Einwohner
Erwerbstätigkeit • 1961: Erwerbspersonen: 77 Land- und Forstwirtschaft, 289 Prod. Gewerbe, 85 Handel, Verkehr und Nachrichtenübermittlung, 93 Dienstleistungen und Sonstiges.
Wappen Das Wappen wurde am 12. Februar 1969 durch das Hessische Innenministerium genehmigt.
Blasonierung: „Geviert von Rot, Gold, Silber und Blau, belegt mit einem schwarzen Herzschild, darin ein rechtsgewendeter goldener Adler und ein silberner Schrägrechtsfaden.“
Persönlichkeiten Johannes Dern (* 25. Oktober 1850). Er wanderte mit seiner Frau Elizabeth Margarita Dern, geboren am 20. Mai 1852 mit gleichem Geburtsnamen und -ort, nach Nebraska (USA) aus. Er und seine Frau sind die Eltern des US-Politikers George Henry Dern und Urgroßeltern des Charakterschauspielers Bruce Dern sowie Ur-Urgroßeltern der Schauspielerin Laura Dern. Ernst Steiner (1885–1942), ev. Pfarrer in Hausen, als Mitglied des Kaufmann-Will-Kreis von den Nationalsozialisten ermordet
Literatur
Weblinks
Geschichte der Ortsteile. In: Webauftritt der Stadt Pohlheim.
Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Gießen Kategorie:Geographie (Pohlheim) Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Gießen) Kategorie:Ersterwähnung 886 Kategorie:Gemeindeauflösung 1970