Das Substantiv, deutsch auch Hauptwort, Nennwort, Namenwort, Dingwort oder Gegenstandwort, ist eine Wortart. Das Substantiv wird oft auch als Nomen bezeichnet; in der lateinischen Grammatiktradition jedoch hat Nomen eine weitere Bedeutung als Oberbegriff für Substantive, Adjektive u. a. Die deutschsprachige Wikipedia verwendet die Variante Substantiv, weil sie eindeutiger ist, auch wenn in einigen Bereichen heute Nomen häufiger vorkommt.Die terminologische Handreichung für die Kultusministerkonferenz führt „Nomen“ als Hauptvariante und „Substantiv“ als zusätzliche Alternative.

Das Substantiv bildet zusammen mit dem Verb die fundamentalste Unterscheidung im Bereich der Wortarten. Es wird vermutet (wenngleich die Diskussion hierüber nicht abgeschlossen ist), dass die Substantiv-Verb-Unterscheidung in allen Sprachen in irgendeiner Weise markiert wird (also ein Universale darstellt), während andere Wortart-Unterscheidungen im Sprachvergleich eher variieren können. Substantive bezeichnen dabei typischerweise „Dinge“, d. h., stehen für die besonders zeitstabilen Begriffe. Sie können typischerweise (ggf. in Verbindung mit Artikeln) benutzt werden, um zu referieren, d. h. sprachlich auf Dinge in der Welt zu verweisen. Sie können dabei als der Gegenstand der Prädikation dienen, d. h. bilden grammatische Ergänzungen zu Verben und Adjektiven und bekommen dann von diesen eine semantische Rolle bzw. eine Eigenschaft zugeschrieben. Daneben können Substantive allerdings auch als Teil eines Prädikats vorkommen (prädikativer Gebrauch).

Die genannten Eigenschaften von Substantiven, zur Referenz oder als Gegenstand der Prädikation zu dienen, teilen sie vielfach mit Pronomen. Der Unterschied zu letzteren ist, dass Substantive „Inhaltswörter“ sind, also Begriffe bzw. Konzepte von Gegenständen ausdrücken, während Pronomen den reinen Verweis auf ein Individuum leisten, ohne weitere Eigenschaften anzugeben. In einigen Wortartenklassifikationen werden Pronomen nicht von Substantiven bzw. Artikeln unterschieden, vor allem in traditionellen Ansätzen werden sie aber getrennt. Als Inhaltswörter bilden Substantive auch eine offene Klasse, d. h., das Vokabular ist in diesem Bereich frei und regelmäßig erweiterbar; dies im Gegensatz zu Artikeln und Pronomen.

Substantive bilden zusammen mit ihren Ergänzungen (im Deutschen u. a. Artikel, Adjektiv- und Präpositionalphrasen sowie Nebensätze) größere syntaktische Einheiten, die meist als Nominalphrasen oder Substantivgruppen bezeichnet werden. Auch eine solche Nominalphrase kann wiederum Ergänzung zu einem Substantiv werden, sie wird in vielen Sprachen dann mit Genitiv-Kasus markiert.

Als Kategoriesymbol in formalen Grammatiken wird N verwendet (von „“ bzw. „Nomen“).

Terminus Der Ausdruck Substantiv ist gekürzt aus spätlateinisch nomen substantivum „auf eine Substanz bezogenes Nomen“. Die Grundbedeutung von nomen ist „Name“; in den romanischen Sprachen (französisch nom, spanisch nombre usw.) hat der Terminus für ‚Nomen‘ stets außerdem die Bedeutung „Name“. Mit Substanz ist hier ungefähr „selbständig existierende Entität“ gemeint, im Gegensatz zu Eigenschaften und Vorgängen, die nicht selbständig existieren, sondern – in Form von Adjektiven bzw. Verben – Substanzen zugeschrieben werden.

Unter das Nomen fallen traditionell neben dem nomen substantivum das nomen adjectivum (Adjektiv), das nomen numerale (Zahlwort) und das Pronomen. Unter diesen ist das Substantiv das Nomen par excellence, da eben die wörtliche Bedeutung von nomen „Name“ ist, was auf die anderen Subkategorien des Nomens weniger passt. Daher heißt das Substantiv auf Englisch (neben substantive) seit dem 20. Jahrhundert meist noun, auf Französisch nom und ähnlich in einigen anderen Sprachen. Dieser Gebrauch ist seit den 1960er Jahren auch ins Deutsche gekommen, so dass Nomen oft nicht als Oberbegriff, sondern als Synonym zu Substantiv gebraucht wird.

In der deutschsprachigen Grammatik ist Substantiv als Dingwort, Gegenstandswort, Hauptwort übersetzt worden und Nomen als Namenwort, Nennwort. Die Bezeichnung Gegenstandswort ist jedoch mehrdeutig, denn es ist auch eine Bezeichnung für Konkretum im Gegensatz zum Begriffswort bzw. Abstraktum.

Begriff Grundlagen Die beiden Operationen der Referenz und der Prädikation sind wesentlich für menschliche Sprache. Sie werden auf verschiedene Weise in der Grammatik kodiert, darunter insbesondere auch in den beiden Wortarten ‚Substantiv‘ und ‚Verb‘. Eine Unterscheidung zwischen einer nominalen und einer verbalen Kategorie wird offenbar in allen Sprachen gemacht,Dürr, Schlobinski: Deskriptive Linguistik. 2006, S. 78: während es in Bezug auf die einzelnen nominalen Wortarten durchaus Unterschiede gibt.

Wie alle Wortarten hat auch die Kategorie des Substantivs semantische und strukturelle Merkmale. Das wesentliche semantische Merkmal des Substantivs ist seine referentielle Funktion, d. h. sein Potential, zu referieren und mithin als referentieller Ausdruck dem Prädikat gegenüberzustehen. Primär in dieser Funktion treten vor allem zeitstabile Entitäten auf, also Entitäten, die als über längere Zeit unveränderlich konzipiert werden.Talmy Givón: On understanding grammar (Perspectives in Neurolinguistics and Psycholinguistics). Academic Press, New York u. a. 1979, ch. 8. Das sind in erster Linie konkrete Gegenstände wie Dinge, Lebewesen usw. Diese semantischen Kategorien sind jedoch nicht konstitutiv für den Begriff des Substantivs, sondern folgen eben aus der primären Funktion der Referentialität. Oft will man auch auf (typischerweise weniger zeitstabile) Entitäten referieren, die in keine dieser Kategorien fallen, etwa auf „das Schöne“, „das Untersuchen“ usw. Dafür werden dann durch Substantivierung (von schön, untersuchen) Substantive (Schönheit, Untersuchung) bereitgestellt (s. u. zur Wortbildung).William Croft: Syntactic categories and grammatical relations. The cognitive organization of information. Chicago University Press, Chicago 1991, ch. 2.

Durch das Kriterium der lexikalischen Bedeutung steht das Substantiv dem Pronomen gegenüber, welches unter Umständen in dieselbe syntaktische Kategorie wie das Substantiv fallen kann (im Deutschen hat das Personalpronomen dieselbe Distribution wie der Eigenname), aber jedenfalls keine lexikalische Bedeutung (sondern eine grammatische Funktion) hat.

Die strukturellen Merkmale von Substantiven variieren zwischen den Sprachen. Trotzdem kann man auf der Basis der genannten semantischen Eigenschaften die Kategorie des Substantivs über Sprachen hinweg identifizieren.

Einteilungen Substantive lassen sich vor allem nach semantischen, syntaktischen und morphologischen Eigenschaften klassifizieren. Das Ergebnis sind weitgehend voneinander unabhängige Klassifikationen. Eine rein syntaktische Klassifikation basiert ausschließlich auf distributionellen Kriterien, z. B. der Kombinierbarkeit eines Substantivs mit dem definiten Artikel. Nach diesem Kriterium fallen z. B. Personennamen im Hochdeutschen (Hans), Englischen (John) und Französischen (Jean) in eine andere Klasse als im Umgangsdeutschen (der Hans) und Portugiesischen (o João).

Semantische Klassifikation Die traditionell (u. a. in der Schulgrammatik) etablierte Klassifikation versucht, semantische Klassen mit syntaktischen Kriterien abzusichern. Sie ergibt folgende Taxonomie:L. Georg: Elementargrammatik der Englischen Sprache mit stufenweise eingelegten Uebersetzungsaufgaben, Lesestücken und Sprechübungen nebst zwei vollständigen Wörterverzeichnissen. Eine praktisch-theoretische Anleitung, die englische Sprache in kurzer Zeit verstehen, sprechen und schreiben zu lernen. 4., unveränderte Auflage, Leipzig 1869, S. 71 (bei books.google).Elke Hentschel, Harald Weydt: Handbuch der deutschen Grammatik. 3. Auflage. De Gruyter Studienbuch, 2003, S. 147, 148 (bei books.google).

Substantiv (lat. nomen substantivum, auch kurz substantivum) Abstraktum (lat. nomen abstractum), z. B. Kunst, Liebe, Erwähnung, Freundlichkeit Konkretum (lat. nomen concretum) Eigenname (lat. nomen proprium), z. B. Vanessa, Donau, Berlin, Alpen Gattungsname (oder Gattungsbezeichnung, Appellativ[um]; lat. nomen appellativum oder nomen commune) Sammelname (oder Kollektivum; lat. nomen collectivum) Stoffname (oder Stoffbezeichnung; lat. nomen materiale) Mitunter werden Sammelnamen den Gattungsnamen untergeordnet, oder Sammel- und Stoffnamen als Unterbegriffe von Gattungsnamen geführt.Grammatik für den Deutschunterricht (Ausgabe für die Schweiz). Klett, ISBN 978-3-264-83402-4 (Leseprobe (PDF)). Des Weiteren können zählbare Substantive (engl. ) und unzählbare Substantive (engl. ) unterschieden werden.Oxford Dictionaries:

Ein Abstraktum ist ein Appellativum, das sich auf etwas Abstraktes bezieht. Typische Abstrakta sind Substantivierungen und bilden keinen Plural, wie Feindlichkeit. Ein Konkretum ist ein Appellativum, das sich auf konkrete Gegenstände bezieht. Ein Eigenname ist ein Substantiv, das nur spezifische Referenz hat und sich auf eine einzelne Entität bezieht, ohne sie unter einen Begriff zu subsumieren. Die Entität kann auch ein Kollektiv (s. u.) sein, wie Alpen. Ein Appellativum ist ein Substantiv, das sich auf Entitäten bezieht, indem es sie unter einen Begriff subsumiert. Es kann spezifische oder generische Referenz haben. Ein Kollektivum ist ein (typischerweise konkretes) Appellativum, das eine Menge von Individuen als eine komplexe Entität zusammenfasst, wie Gebirge, Polizei. Im Deutschen zerfallen die Kollektiva in zwei syntaktische Klassen, nämlich Massensubstantive und Individualsubstantive. Nach den für diese geltenden syntaktischen Kriterien sind Gebirge, Familie und Strauß Individualsubstantive, Polizei, Geflügel und Obst dagegen Massensubstantive.

Ein Individualsubstantiv ist ein Konkretum, das sich auf einen abgegrenzten Gegenstand bezieht. Im Deutschen bilden Individualsubstantive den Plural (Körner) und werden mit dem indefiniten Artikel (ein Korn), mit Kardinalzahlwörtern (zwei Körner) und dem Quantor viele (Körner) kombiniert. Ein Massensubstantiv ist ein Konkretum, das sich auf einen „kontinuierlichen“ Gegenstand bezieht, d. h. einen solchen, dessen Teile unter denselben Begriff wie der Gegenstand selbst fallen. (Ein Teil von Wasser ist wieder Wasser; aber ein Teil eines Tisches ist kein Tisch.) Im Deutschen bilden Massensubstantive entweder keinen Plural (*Blute) oder einen Sortenplural (Weine sind nicht Exemplare, sondern Sorten von Wein). Sie werden nicht mit dem indefiniten Artikel oder Kardinalzahlwörtern kombiniert (*ein Blut, *zwei Blute), es sei denn, dass wieder Sorten gemeint sind (ein Wein, zwei Weine). Zudem werden sie mit dem Quantor viel (viel Blut/Wein) kombiniert.

Morphologische Klassifikation Als morphologische Kriterien werden u. a. die Deklinationsklasse und der Wortbildungs­statusKürschner: Grammatisches Kompendium. 4. Auflage. 2003, ISBN 3-8252-1526-1, S. 119. verwendet. Der letztere ergibt folgende Einteilung:

Substantiv primäres Substantiv, z. B. Wahn, Freund, Korn sekundäres Substantiv, z. B. Erwähnung (von erwähnen), Freundlichkeit (von freundlich), Träger (von tragen).

Ein sekundäres Substantiv ist eines, das durch Ableitung, nämlich Substantivierung, gebildet ist. Ein primäres Substantiv ist morphologisch einfach, also weder abgeleitet noch zusammengesetzt.

Das Substantiv in der deutschen Sprache Definition Im Deutschen kann man das Substantiv durch folgende strukturelle Kriterien definieren:Duden, Die Grammatik. 7. Auflage. 2005, ISBN 3-411-04047-5, Rn. 219: Kessel, Reimann: Basiswissen Deutsche Gegenwartssprache. 2005, ISBN 3-8252-2704-9, S. 65: ein Wort, das

Es dekliniert, d. h., es flektiert nach Numerus und Kasus (letzteres im Gegensatz zum Verb). Es hat ein festes Genus (im Gegensatz zum Adjektiv). Es kann – ggf. in Kombination mit dem definiten Artikel – ein Nominalsyntagma und mithin einen referierenden Ausdruck bilden.