Die Schlacht bei Arras (auf deutscher Seite als „Frühjahrsschlacht oder auch Osterschlacht bei Arras“ bezeichnet) war eine Schlacht an der Westfront des Ersten Weltkriegs, die vom 9. April bis zum 16. Mai 1917 geführt wurde. Dabei gelang es britischen und kanadischen Truppen, den deutschen Truppen einen strategischen Höhenzug bei Vimy abzunehmen, ohne einen entscheidenden militärischen Erfolg zu erringen. Letzterer Teil der Schlacht ging als Schlacht bei Vimy (englisch Battle of Vimy Ridge) in die kanadische Geschichte ein.
Vorgeschichte mini|links|Die Westfront 1917 Auf der Konferenz von Chantilly im November 1916 hatten sich die britischen und französischen Oberbefehlshaber auf eine gemeinsame Strategie für das Jahr 1917 geeinigt. Demnach sollte im Frühjahr 1917 eine erneute Offensive an der Somme stattfinden, gefolgt von einer weiteren Offensive in Flandern. Durch die Ablösung Joseph Joffres durch Robert Nivelle als französischer Oberbefehlshaber im Dezember 1916 wurden diese Pläne jedoch hinfällig. Da das Gelände an der Somme für eine Durchbruchsoffensive ungeeignet war, sah Nivelle stattdessen vor, den Hauptangriff am Chemin des Dames zu führen, während die Briten eine Woche vorher bei Arras und am Vimy-Rücken eine Ablenkungsoffensive eröffnen sollten. Bei einem gelungenen Durchbruch sollten sich die Angriffsspitzen der Briten und Franzosen im Hinterland der Deutschen vereinigen. Die Februarrevolution in Russland führte dazu, dass die russische Armee nicht wie geplant eine gleichzeitige Offensive starten konnte.
Im Februar und März 1917 führten die deutschen Truppen im Bereich der Somme einen Rückzug auf die Hindenburglinie durch (Unternehmen Alberich). Dieser tangierte die alliierten Planungen nicht sonderlich, da die gut ausgebaute deutsche Rückzugsstellung genau zwischen den geplanten Angriffspunkten der Briten und Franzosen lag.
Planung Der Oberbefehlshaber der British Expeditionary Force in Frankreich, General Douglas Haig, hatte für den 9. April über 200.000 Soldaten östlich von Arras zur Offensive bereitgestellt. Von 180 Bataillonen des ersten Treffens waren 44 schottischer Herkunft. Den Angriff sollten der südliche Flügel der britischen 1. Armee unter General Henry Horne und die gesamte 3. Armee unter Edmund Allenby durchführen. In der ersten Linie waren dabei 16 Infanterie-Divisionen und drei Kavalleriedivisionen zum Angriff nach Osten angesetzt. Den Zangenarm im Norden bildete das kanadische Korps unter Julian Byng, es sollte den Durchbruch auf Douai erzwingen. Zwei Korpskommandos und zwölf Infanteriedivisionen standen in der zweiten Linie als Reserve, sodass die gesamten Streitkräfte im Raum Arras fast eine halbe Million Mann erreichten.
mini|General Julian Byng im April 1917 Ihnen gegenüber stand die deutsche 6. Armee unter Ludwig von Falkenhausen in Front mit zwölf Divisionen und 1.016 Geschützen, dahinter fünf Eingreif- oder Ablösedivisionen, zusammen etwa 300.000 Mann.
Das vorbereitende Artilleriefeuer wurde bereits am 20. März (Z–20) eingeleitet. Es steigerte sich ab dem 2. April zu einem Trommelfeuer und sollte mit 2.817 Geschützen eine Woche lang auf einen Sektor von 40 Kilometer Länge gerichtet werden und unter anderem Stacheldrahthindernisse zerstören und deutsche Batterien ausschalten. Die Artilleriedichte pro Kilometer Frontlinie war etwa dreimal so hoch wie am ersten Tag der Schlacht an der Somme im Vorjahr.Sanders Marble: British Artillery on the Western Front in the First World War. Ashgate studies in world war history, Farnham 2013, ISBN 978-1-4094-1110-9, S. 180. In dieser Phase wurde auch Giftgas eingesetzt, das die vorderen deutschen Linien dezimieren sollte. Hierfür wurden 2.340 Livens-Projektoren bereitgestellt. Den Angriff auf den Vimy-Rücken sollte danach das neuformierte kanadische Korps unter Julian Byng führen, das dem rechten Flügel der 1. Armee angehörte. Der Hauptstoß beiderseits der Scarpe und aus dem Raum Arras nach Osten sollte von der 3. Armee durchgeführt werden. Für die Angriffstruppen wurden Tunnel an die deutschen Stellungen herangetrieben, des Weiteren wurden die deutschen Stellungen teilweise unterminiert und sollten vor dem Angriff gesprengt werden. Für den eigentlichen Angriff der Infanterie war ein kurzes Trommelfeuer und danach eine Feuerwalze vor den vorgehenden Truppen vorgesehen. 60 britische Panzer (45 Mark II und 15 Mark I) sollten den Angriff unterstützen.Paddy Griffith: Battle Tactics of the Western Front: The British Army's Art of Attack, 1916–18. Yale University Press, 1994, S. 85.
Der Angriff wurde auch durch vorbereitende intensive Luftaufklärung unterstützt, die vor allem der genauen Kartographierung der deutschen Grabensysteme und der Artilleriebeobachtung diente.Feindaufklärung aus der Luft auf wegedererinnerung-nordfrankreich.com. Ab etwa 1916 waren beide Seiten in der Lage, bei klarem Wetter tagesaktuelle detaillierte Karten der gesamten Front anzufertigen. In Frankreich bewahrt der SHD (Service historique de la Défense) die Archive auf Im März 1917 wurden daher mehrere deutsche Jagdstaffeln, darunter die Jasta 11 unter Manfred von Richthofen, in den Sektor von Arras verlegt. Sie erhöhten die Verlustrate der britischen Flieger erheblich: im sogenannten Blutigen April verlor das Royal Flying Corps 316 von 730 Piloten.Arras Memorial auf wegedererinnerung-nordfrankreich.com. Auf dem Friedhof des Faubourg d’Amiens steht das Arras Flying Services Memorial. Auf seiner Säule, dessen Spitze einen Globus trägt, stehen die Namen der 991 während des Ersten Weltkriegs an der Westfront getöteten Soldaten der britischen Luftwaffe.
Aufmarsch der Briten mini|Skizze zum kanadisch-britischen Aufmarsch mini|hochkant|General Edmund Allenby, Oberbefehlshaber der britischen 3. Armee mini|hochkant|General Arthur Currie Den Angriff im Norden führte der rechte Flügel der 1. Armee: Das I. Korps unter General Arthur Holland sollte mit der 31. (Wanless O’Gowan), der 6. (Ross) und 24. Division (Capper) zwischen Lens und Givenchy nur ablenkend angreifen. Das südlich stehende kanadische Korps unter Julian Byng sollte aus dem Raum Neuville-Saint-Vaast mit der 3. (Lipsett) und 4. (Watson) kanadischen Division die Linie Givenchy und mit der kanadischen 2. Division (Burstall) Vimy angreifen. Die kanadische 1. Division (Currie) deckte diesen Stoß rechts gegen Thélus ab, als Reserve stand dahinter die britische 5. Division (Stephens). In der Mitte sollte die 3. Armee mit allen drei Korps gleichzeitig angreifen: Den linken Armeeflügel nördlich der Scarpe bildete das XVII. Korps unter Charles Fergusson. Der Angriff erfolgte aus der Linie Roclincourt bis St. Laurent. In der Stoßrichtung der 51. (Harper) und 34. Division (Nicholson) lag Bailleul-Sir-Berthoult, in die der 4. (Lambton) und 9. Division (Lukin) die Ortschaft Athies. Östlich vor der Frontstadt Arras hatte das VI. Korps unter General Aylmer Haldane mit der 15. (McCracken) und 37. Division (Williams) zwischen Blangy bis südlich der Scarpe anzusetzen, rechts sollte die 12. (Scott) und 3. Division (Deverell) den Angriff auf Tilloy-lès-Mofflaines führen, dahinter stand als Reserve die 2. Division (Pereira) sowie die 1. (Mullens) und 3. Kavallerie-Division (Vaughan) bereit. Den rechten Flügel Allenbys im südöstlichen Vorfeld von Arras bildete das VII. Korps unter General Thomas D’Oyly Snow. Hier sollten die 14. (Couper) und 56. Division (Hull) aus dem Raum beiderseits Beaurains vorgehen, die 30. Division (Shea) sollte Wancourt einnehmen, südlich des Cojeul wurde der 21. Division (Campbell) Chérisy als Ziel zugewiesen, als Reserve fungierte die 33. Division (Pinney) Als Armeereserve der 2. Linie waren das XIII. Korps unter General Walter Congreve mit der 17. (Robertson) und 63. Division (Lawrie) nördlich der Scarpe, sowie das XVIII. Korps unter General Ivor Maxse mit der 29. (Beauvoir De Lisle), 50. (Wilkinson) und 18. Division (Lee) südlich des Flusses vorgesehen. Diese Kräfte hatten nach dem Erreichen des Durchbruches nachzufolgen und abgekämpfte Einheiten abzulösen.
Im Süden hatte um einen Tag zeitversetzt der nördliche Flügel der 5. Armee unter General Hubert Gough einen starken Ablenkungsangriff zu führen, angesetzt war dabei: das V. Korps unter Generalmajor Edward Fanshawe mit der australischen 4. Division (Holmes) beiderseits Bullecourt, dahinter stand die 62. Division (Braithwaite) zum Nachstoßen bereit, als Reserve dienten die 4. Kavalleriedivision (Kennedy) und die 7. Division (Shoubridge).
Die deutsche Verteidigung mini|hochkant|Generaloberst Ludwig von Falkenhausen Als Reserven standen Generaloberst von Falkenhausen hinter seiner Front drei Eingreif-Divisionen, bei der 1. Armee zwei Divisionen, die nach dem Schlachtbeginn zugeführt werden konnten. Am 9. April zählte der in Front angegriffene Teil der deutschen 6. Armee sieben Divisionen; drei Eingreifdivisionen und zwei Ablösedivisionen kamen am gleichen Tag an die Front. Die Zahl erhöhte sich bis zum Abend des folgenden Tages um sechs weitere Eingreif-Divisionen und verstärkte die Armee auf 19 Divisionen. Am 12. April zählte die Armee nach der Übernahme der Gruppe Queant dann 21. Divisionen. Der rechte Flügel des AOK 2 – die „Gruppe Aubers“ (Bayerisches III. Korps) wurde während der Schlacht zwischen Neuve-Chapelle und La Bassée nicht direkt angegriffen. Im Kampf involviert waren die fünf südlicher anschließenden Korpsgruppen: Im Norden die „Gruppe Loos“ (IV. Armee-Korps unter General Richard von Kraewel) zwischen dem La-Bassée-Kanal bis Loos mit der 7. und 8. Infanterie-Division. Gruppe Souchez (VIII. Reserve-Korps unter General Georg Wichura) zwischen Loos bis Givenchy-en-Gohelle mit 3 Divisionen: 56. Infanterie-Division, 80. Reserve-Division in Liévin sowie der 16. bayerischen Infanterie-Division bei Givenchy, letztere in Ablöse durch die 4. Garde-Infanterie-Division. Die mittlere „Gruppe Vimy“ (Bayerisches I. Reserve-Korps unter General Karl von Fasbender) hielt den Abschnitt zwischen Givenchy bis St. Laurent im Norden von Arras mit 3 Divisionen in Front und zwei im Anmarsch: 79. Reserve-Division bei Vimy, in Ablösung durch 111. Infanterie-Division, die 1. bayerische Reserve-Division in Ablöse durch die 14. bayerische Infanterie-Division.
mini|Lage der deutschen 6. Armee am 9. April
Im Antransport befand sich das Garde-Reserve-Korps unter General der Kavallerie Wolf Rudolf Freiherr Marschall von Altengottern mit der 1. Garde-Reserve-Division. Hinter der Wotanstellung stand die 3. bayerische Infanterie-Division unter General von Wenninger zur Verfügung. Die „Gruppe Arras“ (IX. Reserve-Korps unter Generalleutnant Karl Dieffenbach) hielt die Front im östlichen Vorfeld von Arras bis Croisilles mit 4 Divisionen: mit der 11. Infanterie-Division und 17. Reserve-Division bei Monchy, die 18. Reserve-Division hielt zwischen Guémappe und Wancourt, die 220. Infanterie-Division stand bei Cherisy und Fontaine-lès-Croisilles. Als Ablöse-Divisionen kamen die 18. Infanterie-Division bei Gavrelle, die 17. Infanterie-Division bei Baileul-Gabain (Rest noch nordöstlich von Cambrai) an die Front heran. Den linken Armeeflügel bildete ab dem 12. April die vom abgegangenen AOK 1 übernommene „Gruppe Queant“ (XIV. Reserve-Korps unter General Otto von Moser) zwischen Croisilles bis in den Raum nordwestlich Cambrai mit der 26. Reserve-Division (in Ablöse durch die 27. Infanterie-Division) und die 2. Garde-Reserve-Division zwischen Pronville bis Moevres. In der hinter der Front liegenden nicht fertig ausgebauten Wotan-Stellung standen zusätzlich die 21. und 47. Landwehr-Division als Armeereserve bereit, die 26. Infanterie-Division stand in Auffrischung bei Rœux.Reichsarchiv: Der Weltkrieg 1914 bis 1918. Band XII, Mittler & Sohn, Berlin, Beilage 8.
Verlauf Die Schlacht bei Vimy mini|hochkant|Gesamtlage am 9. April 1917 mini|Das Gelände vor Vimy Ridge mini|links|Kanadische Infanterie beim Vorrücken durch das Niemandsland