Peter Guy Winch (* 14. Januar 1926 in Walthamstow, London; † 27. April 1997) war ein englischer Philosoph, der wichtige Beiträge zur Philosophie der Sozialwissenschaften, zur philosophischen Ethik und Religionsphilosophie geleistet hat. Er war ein Interpret Ludwig Wittgensteins.
Leben Winch besuchte die Leyton County High School for Boys.D.Z Phillips, Peter Winch in the Oxford Dictionary of National Biography, 2004. Er diente von 1944 bis 1947 in der Royal Navy. 1949 schloss er sein Studium an der Universität Oxford ab. Ab 1951 unterrichtete er Philosophie an der Universität von Swansea. 1964 ging er an das Birkbeck College der Universität London, seit 1967 war er Professor am King’s College London. 1984 wurde er an die Universität Illinois, Urbana-Champaign Campus, berufen.
Winch war mit Erika Neumann verheiratet. Sie hatten zwei Kinder.
Werk Winchs bekanntestes Buch ist The Idea of a Social Science and its Relation to Philosophy (Das Konzept einer Sozialwissenschaft und deren Bezug zur Philosophie) von 1958, das gegen den Positivismus in den Sozialwissenschaften gerichtet war und die Ansichten R. G. Collingwoods und des späten Wittgensteins weiterentwickelte, Winch wendet sich gegen eine Pflicht der Sozialwissenschaften, die Philosophie abzuschütteln und die Naturwissenschaften nachzuahmen, ihren Newton zu finden, um auf die Höhe der Zeit zu kommen. Winch wollte in dem Buch das implizierte Bild der Philosophie korrigieren und damit auch die Vorstellung einer naturwissenschaftlichen Sozialwissenschaft. Das richtige Verständnis von Philosophie ergebe zugleich das richtige Verständnis von Gesellschaft:
Er wurde ferner vom Wittgenstein Schüler Rush Rhees und von der zum Katholizismus konvertierten Philosophin Simone Weil beeinflusst. Man hat seine Philosophie als sociologism bezeichnet.C. Sutton: The German Tradition in Philosophy. Weidenfeld & Nicolson, London, 1974. Einige wenige Soziologen nahmen seine radikale Kritik des Faches auf.Anthony Giddens: New Rules of Sociological Method. Hutchinson, London, 1976.
Winch kannte Wittgenstein und verstand sich als treuer Wittgensteinianer, aber dieser Einfluss wirkte vor allem durch Rhees, der sein Kollege an der Universität von Swansea war.Colin Lyas: Peter Winch Biographie 1980 übersetzte und veröffentlichte Winch Wittgensteins Culture and Value. Nach Rhees Tod, 1989, wurde Winch ein Nachlassverwalter Wittgensteins. Winch bestand auf der Kontinuität des wittgensteinischen Lebenswerkes, vom Tractatus zu den Philosophischen Untersuchungen, er sah das Spätwerk als die Vollendung der gesamten analytischen Tradition an.Peter Winchs Introduction zu den von ihm herausgegebenen Studies in the Philosophy of Wittgenstein, London, 1969. und Peter Hacker: Wittgenstein's Place in Twentieth Century Philosophy. Blackwell, Oxford, 1996.
Rush Rhees machte Winch mit den Arbeiten Simone Weils bekannt. Ihre Philosophie zog ihn an, aber auch ihre Wittgenstein ähnliche Persönlichkeit, in ihrer Askese, ihrem Sozialismus und der Tolstoischen Religiosität.
Winch versuchte in seinen philosophischen Arbeiten zuerst die Wittgenstein-Interpretation von Missverständnissen zu befreien. In seinen originären Arbeiten verließ er die Oxforder Sprachphilosophie und analysierte die Lebenswelt mit der Begrifflichkeit des späten Wittgenstein, etwa als Sprachspiel. Winch berührte auch Bereiche, die Wittgenstein sehr wichtig gewesen waren, die er aber in seiner Lehre nur wie nebenbei behandelt hatte, wie Ethik und Religion. Ein Beispiel ist Winchs moralische Unterscheidung zwischen einem gelungenen und einem gescheiterten Mordversuch.Peter Winch: Trying. In: P. W.: Ethics and Action. Das allmähliche Verebben der Begeisterung für Wittgenstein erfasste auch Winchs durchaus eigenständige Leistung und er wurde von weiten Teilen der gegenwärtigen Philosophie ignoriert.
Wittgenstein hatte gesagt, die Philosophie lasse die Welt ganz genauso, wie sie vorgefunden wurde,Philosophical Investigations §124 aber Winch war damit nicht ganz einverstanden, neue dominierende Ausdrucksweisen zerstörten die alten Strukturen:
Publikationen (in Auswahl) The Idea of a Social Science and Its Relation to Philosophy. Routledge & Kegan Paul, London, 1958. Die Idee der Sozialwissenschaft und ihr Verhältnis zur Philosophie. Suhrkamp Theorie, Frankfurt am Main, 1966. Nature and Convention. In: Proceedings of the Aristotelian Society. Band 60, 1959–1960, S. 231–252. Understanding a Primitive Society. Aristotelian Philosophical Quarterly, Band 1, 1964, S. 307–324. Can a Good Man Be Harmed? In: Aristotelian Society Proceedings. 1965–1966, S. 55–70. Wittgenstein's Treatment of the Will. In: Ratio. Band 10, 1968, S. 38–53. Introduction: The Unity of Wittgenstein's Philosophy. In: Peter Winch (Hrsg.): Studies in the Philosophy of Wittgenstein. Routledge, London, 1969, S. 1–19. Ethics And Action, Routledge, London, 1972. (als Hrsg. und Übersetzer): Ludwig Wittgenstein: Culture and Value. Oxford 1980. Simone Weil: 'The Just Balance' , Cambridge UP, Cambridge 1989. Trying to Make Sense, Blackwell, Oxford, 1987. Versuchen zu verstehen. Suhrkamp, Frankfurt am Main, 1992. Joachim Schulte (Übersetzer). Persuasion. In: Midwest Studies in Philosophy. Band 17, 1992, S. 123–137.
Literatur Colin Lyas: Peter Winch Philosophy as the Art of Disagreement On the Social and Moral Philosophy of Peter Winch Peter Winch Peter Winch 1926–97 Winch, Malcolm, and the Unity of Wittgenstein's Philosophy Philosophical Investigations, Ludwig Wittgenstein, Oxford 1958 Tractatus Logico Philosophicus, Ludwig Wittgenstein, London 1922
Weblinks Rupert Read: Peter Winch 1926–1997 Cora Diamond: Winch, Malcolm, and the Unity of Wittgenstein's Philosophy
Einzelnachweise
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