Queckborn ist der nach Einwohnerzahl zweitgrößte Stadtteil von Grünberg im mittelhessischen Landkreis Gießen. Der Ort liegt 3 km südwestlich von Grünberg im Vorderen Vogelsberg am Äschersbach.

Ortsgeschichte

mini|Personen in der Queckborner Bruchgasse um 1900. Mittelalter Die älteste schriftliche Erwähnung des Ortes stammt aus dem Jahre 930: „Quetbrunn“.Ernst Friedrich Johann Dronke: Codex diplomaticus Fuldensis. Kassel 1850. Nr. 677, S. 313 f. 1108 wurde ein „Arnolt de Quecbrunnen“ (Arnold von Queckborn) genannt. „Predium quod dmonus Mathfridus habuit in Quecbrunnun et in Sahsun“ (Das Eigentum, welches Mathfried in Queckborn und in Saasen (Reiskirchen) hatte, wird 1111/1137 überliefert).Manfred Stimming: Mainzer Urkundenbuch. Band 1. Darmstadt 1932. Nr. 616, S. 537. Datiert nach Otto Dobenbecker: Regesta diplomatica necnon epistalaria historiae Thuringae. Band 1. Jena 1895. Nr. 1357. S. 279 f. 1199: „Quecburnen“.Mainzer Urkundenbuch. Band 2.2, Nr. 695. Im Jahr 1241 ist der Ritter Giso, genannt von „Queppurne“ („Giso miles dictum de Q.)“ urkundlich erwähnt.Ludwig Baur: Urkundenbuch des Klosters Arnsburg in der Wetterau (AUB). Darmstadt 1851. Nr. 31, S. 20. Dieser übernahm 1241 die Vogtei über einige Güter der Grangie Burkhardsfelden.Andreas Kuczera: Grangie und Grundherrschaft. Zur Wirtschaftsverfassung des Klosters Arnsburg zwischen Eigenwirtschaft und Rentengrundherrschaft 1174-1400. Dissertation. Darmstadt und Marburg 2003. Hrsg.: Hessische Historische Kommission Darmstadt und Historische Kommission für Hessen. = Quellen und Forschungen zur hessischen Geschichte 129. S. 122. 1275 erscheint „Albertus de Kwakburne“Arthur Wyss: Urkundenbuch der Deutschordens Ballei Hessen. Band I. Leipzig 1879. Nr. 316, S. 237.. 1311 lässt sich in „Queppurnen“ eine Mühle nachweisen: „sito infra molendium et ipsam in Queppurnen“ (gelegen unterhalb der Mühle und auch in Q.).Ludwig Baur: Hessische Urkunden. Band I, Darmstadt 1860. Nr. 460, S. 323. „Friederich von Queckborn“ erscheint 1358 urkundlich.Ludwig Baur: Hessische Urkunden aus dem Großherzoglich Hessischen Haus- und Staatsarchive. Band 1 - 5. Band 1. Darmstadt 1860 - 1873. Band I, Nr. 934, S. 624. Der Ortsname lässt sich mit „zu den lebendigen, fließenden Brunnen“ deuten.Vgl. Lutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach in Hessen. Namenbuch. Dissertation. Göppingen 1973, S. 289 f.

Vermutlich bereits im 11. Jahrhundert wurde die Kirche in Queckborn erbaut.

Neuzeit 1894 wurden die Quellen der Ortslage gefasst, sie liefern bis heute das gesamte Trinkwasser nicht nur für Queckborn, sondern auch für Gießen.siehe auch Burgstall Queckborn

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Queckborn:

Hessische Gebietsreform (1970–1977) Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Queckborn zum 31. Dezember 1970 auf freiwilliger Basis in die Stadt Grünberg eingemeindet. Für Queckborn sowie für alle ehemals eigenständigen Gemeinden von Grünberg und die Kernstadt wurde je ein Ortsbezirk gebildet.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Queckborn angehört(e):

1391 und später: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Amt Grünberg ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Marburg, Amt Grünberg 1604–1648: Heiliges Römisches Reich, strittig zwischen Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und Landgrafschaft Hessen-Kassel (Hessenkrieg) ab 1604: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, (Oberfürstentum Hessen,) Amt Grünberg, ab 1806: Großherzogtum Hessen,Infolge der Rheinbundakte. Fürstentum Ober-Hessen, Amt Grünberg ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt Grünberg ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk GrünbergTrennung zwischen Justiz (Landgericht Grünberg) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Grünberg ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Gießen ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Grünberg ab 1867: Norddeutscher Bund,Der Norddeutsche Bund war der erste deutsche Bundesstaat unter der Führung Preußens. Er war die geschichtliche Vorstufe des Deutschen Reichs. Infolge des Deutschen Krieges wurde die Provinz Oberhessen dort zwangsweise Mitglied. Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Grünberg ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Grünberg ab 1874: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1918: Deutsches Reich (Weimarer Republik), Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis GießenIm Zuge der Gebietsreform 1938 wurde die Provinz Oberhessen aufgelöst. ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen ab 1946: Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen ab 1971: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen, Stadt GrünbergAm 31. Dezember 1970 als Ortsbezirk zur Stadt Grünberg. ab 1977: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Lahn-Dill-Kreis, Stadt Grünberg ab 1979: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen, Stadt Grünberg ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Landkreis Gießen, Stadt Grünberg

Recht Materielles Recht In Queckborn galt der Stadt- und Amtsbrauch von Grünberg als Partikularrecht. Das Gemeine Recht galt nur, soweit der Amtsbrauch keine Bestimmungen enthielt. Dieses Sonderrecht alten Herkommens behielt seine Geltung auch während der Zugehörigkeit zum Großherzogtum Hessen im 19. Jahrhundert, bis es zum 1. Januar 1900 von dem einheitlich im ganzen Deutschen Reich geltenden Bürgerlichen Gesetzbuch abgelöst wurde. Arthur Benno Schmidt: Die geschichtlichen Grundlagen des bürgerlichen Rechts im Großherzogtum Hessen. Curt von Münchow, Giessen 1893, S. 67, Anm. 40 und S. 103.

Gerichtsverfassung seit 1803 In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Provinz Oberhessen wurde das Hofgericht Gießen als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Queckborn das „Amt Grünberg“ zuständig. Das Hofgericht war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt. Nach der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 wurden die Aufgaben der ersten Instanz 1821 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Landgerichte übertragen. „Landgericht Grünberg“ war daher von 1821 bis 1879 die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht, das für Queckborn zuständig war.

Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolge derer die bisherigen großherzoglichen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in „Amtsgericht Grünberg“ und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Gießen. Am 1. Juli 1968 erfolgte die Auflösung des Amtsgerichts Grünberg; Queckborn wurde dem Amtsgericht Gießen zugelegt.

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag, dem 9. Mai 2011, in Queckborn 1335 Einwohner. Darunter waren 18 (1,3 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 279 Einwohner unter 18 Jahren, 549 zwischen 18 und 49, 270 zwischen 50 und 64 und 231 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 528 Haushalten. Davon waren 126 Singlehaushalte, 162 Paare ohne Kinder und 192 Paare mit Kindern, sowie 36 Alleinerziehende und 9 Wohngemeinschaften. In 102 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 366 Haushaltungen lebten keine Senioren.

Einwohnerentwicklung Quelle: Historisches Ortslexikon • 1577: 32 Hausgesesse • 1630: 1 vierspännige, 1 dreispännige, 3 zweispännige Ackerleute, 6 Einläuftige • 1677: 50 Hausgeseß, davon 14 freie • 1742: 2 Geistl./Beamte, 83 Untertanen, 30 Junge Mannschaften, 5 Beisassen/Juden • 1806: 525 Einwohner, 100 Häuser • 1829: 641 Einwohner, 110 Häuser • 1867: 599 Einwohner, 110 bewohnte Gebäude • 1875: 610 Einwohner, 113 bewohnte Gebäude

Historische Religionszugehörigkeit • 1829: 641 evangelische (= 100 %) Einwohner • 1961: 722 evangelische (= 81,77 %), 154 katholische (= 17,44 %) Einwohner

Historische Erwerbstätigkeit • 1961: Erwerbspersonen: 226 Land- und Forstwirtschaft, 181 Prod. Gewerbe, 38 Handel, Verkehr und Nachrichtenübermittlung, 21 Dienstleistungen und Sonstige.

Politik Für den Stadtteil Queckborn besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Queckborn) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung. Der Ortsbeirat besteht aus neun Mitgliedern. Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 betrug die Wahlbeteiligung zum Ortsbeirat 47,62 %. Alle Kandidaten gehörten der „Bürgerliste Queckborn“ an. Der Ortsbeirat wählte Jens Kruske zum Ortsvorsteher.

Vereine Mehrere Vereine bestimmen das kulturelle Dorfleben: ASV Saibling e. V. 1980 Queckborn DRK Queckborn Freiwillige Feuerwehr Queckborn Gesangverein Obst- und Gartenbauverein Queckborn Singtreff Mittendrin Sportverein 1927 Queckborn VdK Ortsgruppe Queckborn/Harbach

Verkehr Im Osten führt die Landesstraße 3007 und im Norden die Bundesstraße 49 am Ort vorbei. Der Bahnhof Queckborn lag an der Strecke der Butzbach-Licher Eisenbahn. Nächstgelegener Bahnhof ist inzwischen Grünberg (Oberhess) an der Bahnstrecke Gießen–Fulda.

Persönlichkeiten Johann Friedrich Christoph Buff (1756–1826), evangelischer Geistlicher in Gießen

Literatur

Weblinks Die Stadtteile. In: Webauftritt der Stadt Grünberg.

Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen

Einzelnachweise Die Zugehörigkeit des Amtes Grebenau anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: , und

Kategorie:Ort im Landkreis Gießen Kategorie:Geographie (Grünberg, Hessen) Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Gießen) Kategorie:Ersterwähnung 1108 Kategorie:Gemeindeauflösung 1970