Der Hachinger Bach ist das einzige Fließgewässer, das, rechts der Isar, innerhalb der Münchner Schotterebene entspringt. Er fließt südlich von München durch die Ortschaften Oberhaching, Taufkirchen, Unterhaching und den Ortsteil Unterbiberg von Neubiberg und tritt in Perlach in das Münchner Stadtgebiet ein. Ab der Versickerungsstelle in Berg am Laim fließt er unterirdisch durch ein Rohr. Er ist knapp zwölf Kilometer lang.

mini|München und Südumgebung mit Hachinger Bach rechts. Ausschnitt aus einer Karte von Philipp Apian: Bairische Landtafeln (1568). Am unteren Bildrand Deisenhofen. Versickerung in der Perlacher Haid.

Geologische Entstehung Bedingungen der letzten Eiszeit mini|Die Osterseen und der Isar-Vorlandgletscher. Karte von August Rothpletz (1917). Der Hachinger Bach ist im nördlichen Anschluss des Eglinger Gletscherfingers (grau) durch das gesamte Gleißental bis nördlich von München als eiszeitliches Fließgewässer eingezeichnet. Der Hachinger Bach entstand neben der Isar in der zweiten ehemaligen Schmelzwasserabflussrinne des heute verschwundenen Wolfratshausener Sees, eines ehemaligen Gletschersees des Isar-Loisach-Gletschers der letzten Eiszeit (Würmeiszeit).Lebensraum Landkreis München. Überarbeitete und erweiterte 2. Auflage. Herausgegeben vom Landkreis München. 1991, S. 294. Es handelt sich dabei um den östlichen, sog. Eglinger Gletscherfinger, der auf der Linie Egling-Ascholding-Deining vorstieß (Abb.).Hermann Jerz: Das Wolfratshausener Becken. Seine glaziale Anlage und Übertiefung. In: Eiszeitalter und Gegenwart. 29 (1979), S. 63–69. Der Hachinger Bach spülte wie andere Schmelzwässer auch die weicheren Schichten aus den davorliegenden Eiszeiten des Tertiärs weg und schuf so Raum zur Ausbildung einer neuen Schotterebene. Das so entstandene Gleißental im Süden des Hachinger Tals ist die südliche ursprüngliche Abflussrinne, die in den heutigen Hachinger Bach mündete und postglazial trockenfiel. Die Talfurche von Deisenhofen reicht bis in den Deckenschotter hinein. Dieser Einschnitt legt den Grundwasserspiegel bloß, so dass dem etwas tiefer als der Grundwasserspiegel gelegenen Bachbett fortwährend Grundwasser zuströmt. Nach dem Ende der Würmeiszeit tiefte sich der Bach ein und schuf die Terrasse entlang der heutigen Straße Oberhaching-Taufkirchen.Adolf Hackenberg, Georg Mooseder (Hrsg.): Der geheimnisvolle Hachinger Bach. Festring Perlach e. V. 3., erweiterte Auflage. 2002.

Hachinger Sperrschicht mini|Die Hachinger Sperrschicht, ein Flussmergel (weißlich über der Wasserlinie), hier sichtbar in einem Entwässerungsgraben der Feuchtwiese Taufkirchen, ist die geologische lokale Voraussetzung für das Entstehen des Hachinger Bachs. Das Grundwasser reicht an manchen Stellen des Oberlaufs des Hachinger Bachs bis an die Erdoberfläche, wo es als Bach austritt (Abb.). Die Quellen des Hachinger Baches werden durch eine quartäre, kleinräumige Flussmergelschicht verursacht (Hachinger Sperrschicht) (Abb.). Diese obere Sperrschicht entstand durch spätglaziale fluviale Ton- und Schluff-Ablagerungen in Folge mäandrierenden Schmelzwasserabflusses eines Vorläufers des Hachinger Bachs.Ralph Annau: Die oberirdischen und unterirdischen Abflußverhältnisse im Hachinger Tal südlich von München. Institut für Allgemeine und Angewandte Geologie der LMU München. Diplomarbeit 1997. Unter der Hachinger Sperrschicht befindet sich jedoch eine größflächigere Hochlage der tertiären (bis vor 2,58 Millionen Jahre) Flinzmergel-Sperrschicht (Abb.), die als Grundwasserstauer fungiert – bei gleichzeitiger lokaler Verringerung der Mächtigkeit der quartären (bis vor 11.700 Jahren bzw. bis Ende der letzten Eiszeit) Lockersedimente, so dass hier – in Abhängigkeit vom Wasserandrang aus Süden – mal mehr oder weniger Grundwasser diffus an die Oberfläche tritt.Dr. - Ing. Chr. Kölling, ISAR CONSULT GmbH Dipl. - Geol. Chr. Tomsu, ISAR CONSULT GmbH Grundwassermodell Östliche Münchner Schotterebene; in: Umweltreport der Stadt München S. 59–66 (ungekürzte Fassung); München, Juni 2003 Die weißliche, 30–40 cm dicke Flussmergelschicht, wie sie im Gebiet der Taufkirchener Feuchtwiese beobachtet werden kann, liegt somit über dem dunkleren, Würm-eiszeitlichen, im oberen Gebiet des Hachinger Bachs nur etwa 7–10 Meter dicken Niederterrassenschotter.Parabraunerde aus Niederterrassenschotter (Isar-Bereich) Der Bach strömte am Ende der letzten Eiszeit vor 10.000 Jahren mit signifikant mehr Wasser aus der Endmoränenlandschaft bei DeiningE. Rutte: Bayerns Erdgeschichte – Der geologische Führer durch Bayern. Ehrenwirth Verlag, München 1992, ISBN 3-431-02348-7. durch das Gleißental und die Hachinger Talsenke und floss damit weiter nach Norden als heute, bis er sich erst im Norden des heutigen Münchens mit der Isar vereinigte.Dietrich Grund, Andreas Huber: Der Hachinger Bach. Seine Entstehung – seine Menschen – seine Mühlen. BoD, Norderstedt 2014.

Heutiger Bachverlauf Das von Süd-Süd-West nach Nord-Nord-Ost verlaufende Hachinger Tal und der in ihm verlaufende Hachinger Bach liegen im Südostteil der Münchner Schotterebene. Ursprung Die heutige Quelle des Hachinger Bachs liegt zwischen den Ortsteilen Deisenhofen und Oberhaching, wo das vom Deininger Weiher kommende Gleißental, das nur Grundwasser, aber kein Oberflächenwasser führt, zum Hachinger Tal wird. Auf einer Länge von etwa 100 m wird der Boden durch auf der Hachinger Sperrschicht austretendes Grundwasser immer feuchter, bis sich ein kleiner Bach gebildet hat. Da der Grundwasserstand stark schwankt, gibt es keine eindeutige Quelle. Damit der Bach nicht ganz trockenfallen kann, wird neben einem Parkweg aus einem etwa 4 Meter tiefen Brunnen Grundwasser gepumpt und mit einem Rohr in das junge Bachbett eingeleitet. Der Grundwasserspiegel sinkt, seit München im Deisenhofener Forst Anfang der 1970er Jahre Brunnen zur Wasserversorgung der Großstadt gebaut hat. Dies führt zu einer verstärkt anhaltenden Einspeisung von Grundwasser in Oberhaching.

Oberer und mittlerer Bachverlauf mini|Hachinger Bach, Ursprung Im oberen Verlauf um seinen Ursprung in Deisenhofen verläuft der Bach durch ein relativ enges Tal mit einer Breite von 100–800 Metern mit steilen, bis zu 15 Meter hohen Talflanken. Die Talbreite weitet sich in Taufkirchen mit flacheren Hängen auf ca. 1,5 km und ebnet sich danach gänzlich ein. Bachsohle und Oberkante des Grundwassers liegen zwischen Quellgebiet und Taufkirchen etwa auf gleicher Höhe. Der Bach gewinnt auf seinem Lauf nach Furth, Potzham und Taufkirchen ständig an Grundwasser. Bei Westerham erreicht er seine maximale Wasserführung. Zwischen Potzham und Taufkirchen Süd entwickelt der Bach im Gebiet der geschützten Feuchtwiesen einen naturbelassenen Abschnitt mit teilweise mehreren Metern Breite. Er durchfließt im weiteren Verlauf die Gemeinden Unterhaching und den Ortsteil Unterbiberg der Gemeinde Neubiberg sowie Ramersdorf-Perlach. Nach der Unterführung der A8 fließt der Bach nahezu vollständig naturbelassen zwischen landwirtschaftlich genutzten Flächen in Richtung auf die Kirche von Unterbiberg (siehe Foto im Infokasten auf dieser Seite), um kurz darauf auf eine Breite von nur 60 cm eingeengt (Durchquerung Unterbiberg) zu werden. Weiterer Grundwasserzutritt und Zuflüsse sind der Mühlbach, der im Autobahnweiher beginnt und am Nordrand von Potzham in den Hachinger Bach fließt, der Entenbach bei Taufkirchen sowie weitere Bäche und Gräben am Südrand von Taufkirchen. Sie lassen die Wassermenge etwas ansteigen.

Unterer Bachverlauf und Versickerung Die Flinzschicht sinkt nördlich von Unterhaching stark ab und damit auch das Grundwasser.Hachinger Bach: Hydrogeologie Dieser Abfall, der auf einer Länge von 1,5 km 20 Meter beträgt, wurde als „unterirdische Stromschnelle“ oder „unterirdischer Wasserfall“ bezeichnet.Erwin Schirm: Die hydrogeologischen Verhältnisse der Münchner Schotterebene östlich der Isar. Beitrag zur hydrologischen Dekade der UNESCO. Bayerische Landesstelle für Gewässerkunde. München 1968. (Diss.) Wegen des starken Abfalls der Flinzschicht müsste der Bach schon dort im Schotter der Münchner Schotterebene versickern. Da er sich aber durch eigene Schlammablagerungen ein dichtes Bett geschaffen hat, führt der Bachlauf weiter an die Südgrenze Münchens. Im Stadtgebiet verläuft der Bach weitestgehend in einem künstlichen Bachbett durch den Ortsteil Perlach, fließt dann weiter am westlichen Rand des Ostparks entlang bis zu seiner früheren natürlichen Versickerungsstelle in Berg am Laim in etwa der Mitte der Kampenwandstraße an der Grenze der Gemarkungen von Perlach und Berg am Laim, nachdem er aus dem Ostpark kommend die Heinrich-Wieland-Straße unterquert hat. An der Versickerungsstelle wird wegen bereits zuvor auftragender Versickerung mit ca. 130 Liter/Sekunde nur noch etwa ein Viertel der Wassermenge gemessen im Vergleich zu Westerham (Taufkirchen) mit 440 Liter/Sekunde.

1933 wurde in der Kampenwandstraße unmittelbar an der Heinrich-Wieland-Straße ein Einlaufbauwerk mit automatischem Schmutzrechen und Versickerungsbecken errichtet. Im Zuge des U-Bahn-Baus Ende der 1970er Jahre wurde 1981 das Einlaufbauwerk verlegt und das seinerzeit angelegte Versickerungsbecken verfüllt. Heute befindet sich an dieser Stelle der P+R-Parkplatz des in unmittelbarer Nähe liegenden U-Bahnhofs Michaelibad. Das Einlaufbauwerk mit einem neu angelegten Versickerungsbecken wurde 120 m weiter nördlich in die Kampenwandstraße verlegt. Das Versickerungsbecken dient heute nur noch dazu, bei Hochwasser das Wasser zu fassen, welches das Einlaufbauwerk nicht mehr aufnehmen kann, um damit Überschwemmungen zu verhindern. Seit 1933 wird der Bach von dieser Stelle aus unterirdisch durch ein Betonrohr bis zum Zamdorfer Gleisdreieck südlich der A 94 an der Südspitze des Münchner Stadtbezirks Bogenhausen geführt und speist den dort beginnenden Hüllgraben. Das Rohr verläuft zunächst unter der Kampenwandstraße, schwenkt an der Hachinger-Bach-Straße Richtung Osten bis zur St.-Veit-Straße, unter der es Richtung Norden unter dem Rangierbahnhof München Ost hindurch bis zur Einmündung in den Hüllgraben führt. Der Hüllgraben fließt im Johanneskirchener Moos in den Abfanggraben, der am Kraftwerk Neufinsing in den Mittlere-Isar-Kanal mündet. Der Höhenunterschied des Hachinger Bachs beträgt vom Ursprung bis zur Versickerung 39 Meter. Das entspricht einem Gefälle von 3,4 Promille.

mini|links|Hachingertal um 1909

Besiedlungsgeschichte Bronzezeit