mini|Der Bărăgan in Rumänien mini|Das rumänische Banat Die Deportation in die Bărăgan-Steppe oder Bărăgan-Deportation war eine durch die kommunistische Regierung Rumäniens 1951 organisierte Verschleppung von über 40.000 Menschen unterschiedlicher Ethnien, davon etwa ein Viertel Rumäniendeutsche, aus dem Grenzgebiet zum damaligen Jugoslawien in die zwischen der Hauptstadt Bukarest und der Donau gelegene Bărăgansteppe. Betroffen hiervon waren die Bewohner des westlichen rumänischen Banats aus einem 25–50 Kilometer breiten Gebiet entlang der rumänisch-jugoslawischen Grenze zwischen Beba Veche im Kreis Timiș und Gruia im Kreis Mehedinți.genealogy.ro, Banat’s historical chronology for the last Millennium, in englischer Sprache Die Verschleppung endete 1956.
Vorgeschichte Nach dem Zerwürfnis der kommunistischen Staatsführer Stalin (Sowjetunion) und Josip Broz Tito (Jugoslawien), ausgelöst durch unterschiedliche Ansichten über die wirtschaftliche und politische Entwicklung im sich formierenden Ostblock und dem daraus folgenden Ausschluss Jugoslawiens aus dem Kominform-Bündnis im Juni 1948, nahmen die Spannungen zwischen Jugoslawien und dem sich zur Sowjetunion bekennenden Rumänien zu. Aus diesem Grund wurde von der rumänischen Führung ein Plan zur Säuberung des Grenzgebiets „von politisch unzuverlässigen Elementen“ entworfen. Teile der Bevölkerung des westlichen rumänischen Banats im Gebiet nahe der jugoslawischen Grenze wurde von der rumänischen Staatsführung dabei als Sicherheitsrisiko eingestuft.
Die Deportation Mittels einer Deportation sollten Kapitalisten und andere Gegner des Kommunismus, die sogenannten Klassenfeinde, unschädlich gemacht werden. Die rumänische Führung bezweckte zugleich, den einsetzenden Widerstand gegen die bevorstehende Kollektivierung der Landwirtschaft in Rumänien zu brechen, sowie die verstärkte Besiedlung der dünnbesiedelten Gebiete des Bărăgans und die Urbarmachung des ungenutzten Steppenbodens, um diesen für die Landwirtschaft zu gewinnen.
Die Deportation erfolgte aufgrund des Beschlusses Nr. 344 vom 15. März 1951 des Ministerrats der Rumänischen Volksrepublik:
Mitglieder der Koordinierungskommission waren die stellvertretenden Minister Alexandru Drăghici, Marin Jianu, Generalleutnant der Miliz Pavel Cristeseu und der Generalmajor der Securitate Vladimir Mazuru. Der damalige Innenminister Teohari Georgescu und die damalige Außenministerin Ana Pauker zählten als Mitglieder des Politbüros der Rumänischen Arbeiterpartei zu den Hauptinitiatoren und Organisatoren der Deportation.banat.de, Wilhelm Weber: Wer wurde verschleppt?
Am 14. November 1950 erstellte der Geheimdienst Securitate für die bevorstehenden Deportationen den Plan zur Evakuierung von Elementen über einen Abschnitt von 25 km, deren Präsenz eine Gefahr für das Grenzgebiet mit Jugoslawien darstellen, die innerhalb von drei Monaten abgeschlossen sein sollte. Anders als bei der Verschleppung von Rumäniendeutschen in die Sowjetunion zum Ende des Zweiten Weltkrieges, bei der nur Personen deutscher Volkszugehörigkeit im arbeitsfähigen Alter verschleppt wurden, waren von der Bărăgan-Deportation außer Deutschen, Serben, Ungarn und Bulgaren auch Rumänen, insgesamt 12.791 meistens komplette Familien, betroffen, insgesamt 40.320 Personen, Wilhelm Weber: The fate of the Germans in the Banat after the coup d'état on 23rd August 1944 up until the deportation to the Bărăgan Steppes, in englischer Sprache aus 297 Dörfern. Aus dem Banat (Kreis Timiș und Caraș-Severin) waren 33.446 Personen und aus Oltenien (Kreis Mehedinți) 6.874 betroffen. Die Zielgruppe von 40.320 Personen unterteilte sich wie folgt:
Von diesen Personen hatten 9410 deutsche Volkszugehörigkeit.
Die Deportierten wurden in der Bărăgan-Ebene im Gebiet der heutigen Kreise Călărași, Ialomița, Brăila und Galați angesiedelt. Sie erbauten 18 neue Dörfer: Viișoara (erster, provisorischer Name: Mărculeștii Noi), Răchitoasa (Giurgenii Noi), Olaru (Roșeții Noi), Salcâmi (Jegălia Noua), Dâlga (Dâlga Nouă), Movila Gâldăului (Petroiu Nou), Valea Viilor (Feteștii Noi), Fundata (Perieții Noi), Dropia (Dragalina Nouă), Pelican (Borcea Nouă), Ezeru (Cacomeanca Nouă), Lătești (Bordușanii Noi), Măzăreni (Urleasca Nouă), Zagna (Vădenii Noi), Bumbăcari-Dudești (Tătaru Nou, Dudeștii Noi), Schei (Stăncuța Nouă), Brateșu-Frumușița (Borcea Nouă), Rubla-Valea Călmățuiului (Însurățeii Noi).
Als Gerüchte über eine bevorstehende Deportation durchsickerten, versuchten einige Betroffene nach Jugoslawien zu fliehen, andere Familien versteckten ihre Kinder bei Freunden oder Verwandten außerhalb der Grenzzone.
+ Von der Deportation in die Bărăgan-Steppe betroffene Ortschaften und Personen unabhängig von der ethnischen ZugehörigkeitWilhelm Weber: Die Deportation in die Bărăgan-Steppe Rumäniens 1951. Dokumentation, München 1998 Region/Raion Anzahl Ortschaften Anzahl Personen Region BanatKreis Timiș und Kreis Caraș-Severin 190 33.446 Raion Sânnicolau Mare 32 12.694 Raion Timișoara 23 9.095 Raion Deta 50 6.654 Raion Oravița 49 3.330 Raion Reșița 5 432 Raion Moldova Noua 22 670 Raion Almăj 9 571 Region OltenienKreis Mehedinți 107 6.874 Raion Baia de Aramă 2 83 Raion Turnu Severin 25 2.945 Raion Vânju Mare 60 2.699 Raion Strehaia 4 182 Raion Plenița 16 965 Insgesamt Banat und Oltenien 297 40.320 + Von der Deportation betroffene Ortschaften im Banat, Auswahl Deutscher Dorfname Rumänischer Dorfname Zahl der Deportiertendeutscher Volkszugehörigkeit Triebswetter Tomnatic 527 Billed Biled 506 Lenauheim Lenauheim 496 Hatzfeld Jimbolia 486 Ostern Comloșu Mic 436 Großjetscha Iecea Mare 388 Perjamosch Periam 377 Warjasch Variaș 341 Bogarosch Bulgăruș 295 Lowrin Lovrin 274 Johannisfeld Iohanisfeld 253 Gottlob Gottlob 236 Ulmbach Peciu Nou 229 Grabatz Grabaț 224 Sackelhausen Săcălaz 224 Kleinbetschkerek Becicherecu Mic 184 Neubeschenowa Dudeștii Noi 170Kurzer geschichtlicher Überblick. In: hog-neubeschenowa.de Marienfeld Teremia Mare 160 Alexanderhausen Șandra 48
Ablauf Die Deportationen begannen am 16. Juni 1951 mit Hilfe von 10.229 Angehörigen der Grenztruppen-Akademie in Oradea und Vertretern einer Schule für Feuerwehrleute. 1.964 Soldaten bildeten eine Interventions-Reserve. Den Oberbefehl hatten der stellvertretende Innenminister Generalmajor Mihai Burcă und der Minister der „Truppen für die innere Sicherheit“ (), Generalmajor Eremia Popescu.
Die betroffenen Dörfer wurden von Truppen umzingelt und die auf Listen erfassten und von der Deportation betroffenen Personen in der Mitte der Nacht geweckt und aufgefordert, sich innerhalb von zwei Stunden am örtlichen Bahnhof einzufinden. Sie durften nur mitnehmen, was sie tragen konnten. Der Rest ihrer Habe wurde von speziell eingerichteten Kommissionen zu einem Bruchteil des Wertes aufgekauft. Für den Transport wurden 2.656 Reisezugwagen und 6.211 Güterwagen bereitgestellt. Oft mussten sich zwei oder drei Familien einen Waggon teilen. Das Ziel ihrer Reise wurde ihnen nicht mitgeteilt. Die ersten Züge verließen das Gebiet zwischen dem 16. und 20. Juni 1951. Wegen des Mangels an Zügen mussten viele der Betroffenen zwei oder drei Tage in der Sommerhitze ohne Schutz ausharren. Die durch Truppen gesicherten Züge vermieden Stopps an den regulären Haltestellen, um Kommunikation mit anderen Bürgern zu verhindern.
Nach der Ankunft wurden einige wenige „glückliche“ Deportierte besonderen Siedlungen mit sowjetischen Namen wie Iosip Clisitch (hier 859 Personen) zugewiesen, wo sie in behelfsmäßigen Lehmhütten mit Strohdächern untergebracht wurden. Die Mehrheit wurde auf Stoppelfeldern ausgesetzt, wo ihnen ca. 2.500 m² große und mit Pflöcken abgesteckte Haus- und Gartenplätze zugewiesen wurden. Wasser und Brot wurden nur sporadisch verteilt. Viele Kinder litten unter der Hitze.
Trotz des allgegenwärtigen Mangels und der unwirtlichen Umstände mit heißen Sommern und Dauerfrost und Schneestürmen (Crivăț) im Winter gelang es den Deportierten, einfache Häuser aus Lehm und Holz zu errichten. Zuerst dienten mit Planen bedeckte Gruben als Behausung. Danach begann das Schlagen von Lehmziegeln für den Häuserbau; gedeckt wurden die Häuser vielfach mit Schilfrohr. Es war überlebensnotwendig, Brunnen zu erschließen und dem Boden eine Ernte abzuringen.
Die Deportierten durften sich nur in einem Umkreis von 15 km von ihrem Wohnort bewegen und trugen im Personalausweis über dem Lichtbild den Vermerk „D.O.“ (, ). Besuch von auswärts war verboten. Etwa ein Viertel der Betroffenen verstarb während der Deportation. Von den 9.413 deutschen Verschleppten aus 64 Ortschaften verstarben 629 in der Deportation. Etwa 1600 Deportierte wurden im Bărăgan begraben.
Rückkehr Erst 1956 musste Rumänien beim Eintritt in die UNO die Lager der Bărăgan-Steppe auflösen, wonach den überlebenden Verschleppten die Heimkehr erlaubt wurde. Das Dekret Nr. 2694 vom 7. Dezember 1955 regelte die Heimkehr der Deportierten, wie auch die Rückerstattung ihres Feldbesitzes und ihrer Häuser. Darin wurde festgelegt, dass alle Personen, die aufgrund des Ministerratsbeschlusses Nr. 326 S von 1951 zur Sicherstellung der nötigen Arbeitskräfte in den Staatsgütern der Regionen Ialomița und Galați in ihre Herkunftsgebiete zurückkehren durften, dort ihre Felder und Häuser rückerstattet bekommen.Wilhelm Weber: Gesetzestexte und Ministerratsbeschlüsse zur Bărăgan-Deportation, München, 1998 In dem Beschluss wurde den inzwischen gegründeten Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften, auch Kollektivwirtschaft genannt, empfohlen, die Bărăgan-Heimkehrer als Mitglieder aufzunehmen. So hatte man mittels der Deportation in den Bărăgan neben dem „Klassenfeind“ auch den Widerstand gegen die Kollektivierung der Landwirtschaft in der Grenzzone beseitigt.
Die landwirtschaftlichen Flächen wurden 1956 nicht zurückerstattet, da sie bereits in den Besitz der Kollektiv- und Staatswirtschaft übergegangen waren. Die Häuser waren von Zuwanderern besetzt oder verfallen. Für die deutschen Rückkehrer bedeutete der Ministerratsbeschluss jedoch mit einigen Einschränkungen die Rückgabe ihrer 1945 enteigneten Häuser. Der Anteil der Beschäftigten deutscher Volkszugehörigkeit in der Landwirtschaft ging allerdings von 74 Prozent (1948) auf 22 Prozent (1956) zurück.hsozkult.geschichte.hu-Berlin.de, Humboldt-Universität zu Berlin, Hannelore Baier: Die Deutschen in Rumänien 1953-1959, aus: Tagungsbericht Vom Tauwetter zum Frost. Deutsche und andere Minderheiten in Südosteuropa 1953-1963, 2. - 3. November 2007, Klausenburg/Cluj, Rumänien, in: H-Soz-u-Kult, 17. Dezember 2007
Die im Bărăgan zurückgelassenen Steppensiedlungen wurden von den rumänischen Behörden größtenteils zerstört. Nur einige der Siedlungen wurden danach zur Unterbringung von politischen Häftlingen in Arbeitslagern zweckentfremdet. Politische Häftlinge arbeiteten in den Dörfern Rubla, Fundulea oder Latesti. Hier verbrachte unter anderem der Dissident und Schriftsteller Paul Goma einige Jahre politischer Haft., Katharina Kilzer: Raub der Freiheit und der Menschenwürde, 19. Mai 2011 Der nationalliberale Politiker Petre Bejan blieb noch bis 1959 unter Hausarrest in der Ortschaft Măzăreni (Traian).
Reaktionen Internationale Proteste Der Bayerische Landtag verurteilte am 25. September 1951 die Deportation als die gewaltsame Vertreibung von zehntausenden von Menschen aus ihrer Heimat als Verhöhnung der Menschenrechte., Donauschwaben Villages Helping Hands, Jakob Laub: Einleitung zu „Deportiert in den Bărăgan 1951 – 1956“