Espa ist ein Ortsteil der Gemeinde Langgöns im mittelhessischen Landkreis Gießen.
Geographische Lage mini|Teilansicht Espa vom Aussichtsturm auf dem Hausberg Espa liegt im Nordosten des Östlichen Hintertaunus. Von Wald umgeben befindet sich das Dorf im Naturpark Taunus an den Quellen der Lahn-Zuflüsse Kleebach und Solmsbach. Die höchste Erhebung in der Gemarkung ist der Gaulskopf mit ; im benachbarten Butzbacher Gebiet erheben sich der Hinterste Kopf () im Südwesten und der Hausberg () im Südosten. Südöstlich um das Dorf herum verläuft die Landesstraße 3053 (Weiperfelden–Espa–Hausen). Nachbarorte sind Weiperfelden (westlich) und Hausen-Oes (östlich).
Ortsgeschichte Mittelalter Erstmals urkundlich erwähnt wurde das Waldhufendorf am 14. Februar 1347 als EspheStAD A 3, Nr. 61, 11. und 1369 in einem Kopiar des 14. Jahrhunderts als Espe.Wolf-Heino Struck: Das Marienstift zu Wetzlar. Regesten 1351-1500. Marburg 1969. Neuzeit Der Bevölkerungsanstieg im 19. Jahrhundert verstärkte die wirtschaftlichen und sozialen Probleme der Bevölkerung enorm. Da das Dorf keine Allmende besaß, gab es in dem in einem Wald gelegenen Ort keinen gemeinsamen Besitz der Einwohner, von dem sich die Besitzlosen ernähren konnten. Als 1824 die Hochweiseler Mark aufgeteilt wurde, bekam Espa keinen Anteil, da es keinen Anteil kaufen konnte. Die wirtschaftliche Not zwang die Bevölkerung zur Heimarbeit, deren Produkte dann im Hausiererhandel vertrieben wurden. Dies betraf besonders die Herstellung von Besen, Körben und Fliegenwedeln und deren Vertrieb, die von Landgängern bis nach England, Niederlande, Norwegen, Schweden, Russland, Australien, USA und Südafrika gehandelt wurden.Dieter Wolf, Landgänger, Hausierer und Auswanderer im 19. Jahrhundert. In: 800 Jahre Weipersfelden 1207–2007. Hrsg. vom Arbeitskreis 800 Jahre Weipersfelden. S. 111–114, S. 111f. Als man merkte, dass sich die Waren besser verkauften, wenn man gleichzeitig musizierte und tanzte, nahm man Mädchen mit auf die Verkaufsreisen. Diese oft schulpflichtigen Kinder bekamen in den USA den Namen Hurdy-Gurdy-Girls. Mit ihrer Vermietung begann oft deren sittlicher Verfall. Dagegen begann der Cleeberger Pfarrer Schellenberg anzukämpfen, geriet aber zeitweise sogar ins Irrenhaus.Dieter Wolf, Landgänger. In: 800 Jahre Weipersfelden, S. 112 f. Als der Pfarrer Ottokar Schupp 1860 seine Pfarrstelle in Espa antrat, beschrieb das Schicksal der Mädchen in dem Heimatroman „Hurdy Gurdy. Bilder aus einem Landgängerdorfe.“Ottokar Schupp: Bilder aus einem Landgängerdorfe. Bielefeld und Leipzig 1867. ND Berlin 2017.
Erst der Bau der Eisenbahn brachte ein gewissen Anstieg der Lebensstandards, weil man aufgrund des Eichenbestandes eine große Zahl von Eisenbahnschwellen liefern konnte. Schließlich wurde die Domäne Kleehof unter den Einwohnern Espas für eine niedrige Pacht aufgeteilt.Dieter Wolf: Landgänger, S. 114.HStAW, 210/250.
Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Espa zum 1. Januar 1977 mit vier weiteren Gemeinden durch das Gesetz zur Neugliederung des Dillkreises, der Landkreise Gießen und Wetzlar und der Stadt Gießen zur neuen Gemeinde Langgöns zusammengeschlossen. Für die nach Langgöns eingegliederten gemeinden wurde je ein Ortsbezirk gebildet. Als Verwaltungssitz wurde der Ortsteil Lang-Göns festgelegt.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Espa angehört(e):
Vor 1803 Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Homburg, Amt Homburg ab 1803 Heiliges Römisches Reich,Durch den Reichsdeputationshauptschluss. Grafschaft Nassau-Usingen, Amt Usingen ab 1806: Herzogtum Nassau,Infolge der Rheinbundakte. Amt Usingen ab 1849: Herzogtum Nassau, Kreisamt IdsteinAbtrennung der Justiz (Justizamt Usingen) bis 1854. ab 1854: Herzogtum Nassau, Amt Usingen ab 1867: Norddeutscher Bund,Der Norddeutsche Bund war der erste deutsche Bundesstaat unter der Führung Preußens. Er war die geschichtliche Vorstufe des Deutschen Reichs. Königreich PreußenInfolge des Deutschen Krieges. Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, ObertaunuskreisEndgültige Trennung zwischen Justiz (Amtsgericht Usingen) und Verwaltung. ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Obertaunuskreis ab 1886: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Usingen ab 1918: Deutsches Reich (Weimarer Republik), Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Usingen ab 1932: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Wetzlar ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Nassau, Kreis Wetzlar ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Wetzlar ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Wetzlar ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Wetzlar ab 1968: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Wetzlar ab 1977: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Lahn-Dill-Kreis, Gemeinde LanggönsAm 1. Januar 1977 als Ortsbezirk zur neu gebildeten Gemeinde Langgöns. ab 1979: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen, Gemeinde Langgöns ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Landkreis Gießen, Gemeinde Langgöns
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011
Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Espa 681 Einwohner. Darunter waren 24 (3,5 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 81 Einwohner unter 18 Jahren, 261 zwischen 18 und 49, 183 zwischen 50 und 64 und 156 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 339 Haushalten. Davon waren 177 Singlehaushalte, 114 Paare ohne Kinder und 87 Paare mit Kindern, sowie 18 Alleinerziehende und 3 Wohngemeinschaften. In 84 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 213 Haushaltungen lebten keine Senioren.
Einwohnerentwicklung
Historische Religionszugehörigkeit • 1885: 116 evangelische (= 78,38 %), 21 katholische (= 14,19 %), 11 jüdische (= 7,43 %) Einwohner • 1961: 138 evangelische (= 77,09 %), 41 katholische (= 22,91 %) Einwohner
Espa bildet heute ein Kirchspiel mit der Kirchengemeinde Cleeberg.
Politik Ortsbeirat Für Espa besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Espa) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung. Der Ortsbeirat besteht aus fünf Mitgliedern. Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 betrug die Wahlbeteiligung zum Ortsbeirat 51,61 %. Dabei wurden gewählt: je zwei Mitglieder der „Freien Wählergemeinschaft“ (FWG) und SPD und ein Mitglied der CDU. Der Ortsbeirat wählte Volker Rühl (SPD) zum Ortsvorsteher.
Wappen Blasonierung: „In von Gold und Rot gespaltenem Schild ein gestieltes Kleeblatt in verwechselten Farben.“Karl Ernst Demandt und Otto Renkhoff: Hessisches Ortswappenbuch C. A. Starke Verlag, Glücksburg/Ostsee 1956, S. 187.
Ein Kleeblatt hat die Gemeinde 1816 für ihr erstes Siegel gewünscht, und seitdem enthalten die Gemeindesiegel den Kleeblattschild. Mit diesem Wappenzeichen ist wohl auf die Adligen von Cleen Bezug genommen, deren rotes Kleeblatt in goldenem Schild allerdings ungestielt ist. Der Ort hat nämlich als ritterschaftlicher Besitz denen von Cleen gehört, nach deren Aussterben (1520) er an die von Heusenstamm-Frankenstein fiel, die ihn 1783 an Hessen-Homburg verkauften. Bevor er durch Tausch 1803 an Nassau gelangte, hat er kein eigenes Siegel geführt. Die Farben wurden dem Adelswappen entnommen, doch zur Unterscheidung von diesem durch die Spaltung verwechselt verwendet.
Kultur und Infrastruktur Im Ort gibt es ein Bürgerhaus, die evangelische Kirche Espa und einen Sportplatz sowie vier Vereine.
Literatur Holde Stubenrauch: Espa: Geschichte und Bilder eines Dorfes im oberen Kleebachtal. 1. Aufl., Geiger, Horb am Neckar, 1994, ISBN 3-89264-979-0. Dieter Wolf: Hurdy-Gurdy. In: Atelier-Galerie Holde Stubenrauch. Emerching Artists for Contemporary Styles (Hrsg.): Hurdy-Gurdy-Girls von Espa in die ganze Welt – auch ein Stück hessische Geschichte des 19. Jahrhunderts. Langgöns-Espa 1992, S. 6–9.
Weblinks
Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Gießen Kategorie:Geographie (Langgöns) Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Gießen) Kategorie:Ersterwähnung 1347 Kategorie:Gemeindeauflösung 1977