mini|Reinhold Würth (2020) Reinhold Würth (* 20. April 1935 in Öhringen) ist ein deutsch-österreichischer Unternehmer, Milliardär und Kunstmäzen. Er baute ab 1954 das Schrauben-Handelsunternehmen Würth zum internationalen Marktführer in der Befestigungs- und Montagetechnik mit rund 86.000 Mitarbeitern auf. In den Medien wird er daher oft als Schraubenkönig bezeichnet.
Würth war von 1999 bis 2003 Professor am Interfakultativen Institut für Entrepreneurship an der Universität Karlsruhe (TH) und ist mit mehreren Ehrendoktorwürden ausgezeichnet worden.
Leben Jugend Reinhold Würth ist der Sohn von Alma Würth und Adolf Würth, die im Juli 1945 eine Schraubengroßhandlung für das Schreiner- und Metallhandwerk im hohenlohischen Künzelsau gründeten. Er erhielt Unterricht in Violine.Christoph Platen, Thomas Rietschel: In: neue musikzeitung, 1998, Nr. 10. Als Reinhold Würth 14 Jahre alt war, meldete ihn sein Vater von der Oberrealschule ab und stellte ihn 1949 als Lehrling und zweiten Mitarbeiter in seinem Großhandelsbetrieb für Schrauben in Künzelsau ein.
Berufsleben Als sein Vater 1954 starb, war Reinhold Würth 19 Jahre alt. Nach seiner Volljährigkeit (mit damals 21 JahrenVolljährigkeit von 21 auf 18 Jahre heruntergesetzt. In: paradisi.de, 2008.) übernahm er zwei Jahre später, also 1956, die Geschäftsführung. In den folgenden Jahrzehnten gelang es Würth, aus dem regionalen Handelsunternehmen ein weltweit agierendes Unternehmen zu machen. Seine Kunden stammen bis heute aus dem gewerblichen und industriellen Bereich. Allmählich ging Würth dazu über, auch Schraubenproduzenten aufzukaufen. Da der inländische Markt für Befestigungstechnik immer sehr fragmentiert und konjunkturanfällig war, erweiterte Würth seinen Handel auf das Ausland. 1962 erfolgte die Gründung der ersten ausländischen Verkaufsgesellschaft in den Niederlanden.
Im Jahr 2020 ist die Würth-Gruppe mit über 400 Gesellschaften in über 80 Ländern tätig. Sie erzielte im Geschäftsjahr 2020 einen Umsatz von 14,4 Mrd. Euro.Unternehmens-Porträt. Würth Gruppe; abgerufen am 27. Mai 2015. 1994 zog sich Reinhold Würth aus der operativen Geschäftsführung der Würth-Gruppe zurück und übernahm bis 2006 den Vorsitz des Unternehmensbeirats. Von 1999 bis 2003 war er Institutsleiter am neu gegründeten Institut für Entrepreneurship an der Universität Karlsruhe. Reinhold Würth gründete 1987 für einen dauerhaften Bestand des Unternehmens vier Familienstiftungen (benannt nach seiner Frau Carmen Würth und den drei Kindern), auf die er seine Anteile am operativen Geschäft übertrug. Reinhold Würth war bis 31. Dezember 2024 Vorsitzender des Stiftungsaufsichtsrats als oberstes Gremium der Würth-Gruppe. Anschließend übernahm sein Enkel Benjamin Würth diese Position.Würth-Konzern in neuen Händen: Diese Pläne hat Enkel Benjamin. In: stimme.de, 2. Januar 2024. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Carmen Würth gründete er zudem 1987 die gemeinnützige Stiftung Würth.
Reinhold Würth führt den Titel Prof. Dr. h. c. mult. als nicht-akademischen Ehrentitel.
Steuerhinterziehung Ende März 2008 wurden Vorwürfe laut, Würth habe sich der Steuerhinterziehung schuldig gemacht. Der Spiegel veröffentlichte aus ihm zugespielten Dokumenten, dass die Staatsanwaltschaft Stuttgart gegen Würth, vier weitere aktuelle und frühere Führungskräfte des Konzerns sowie eine ehemalige Wirtschaftsprüferin bereits seit Herbst 2006 ermittelt hatte.Schrauben-Milliardär Würth im Visier der Staatsanwaltschaft. In: Der Spiegel , 30. März 2008. Das Amtsgericht Heilbronn verhängte gegen Würth einen Strafbefehl in Höhe von 700 Tagessätzen. Die konkrete Höhe der Geldstrafe wurde nicht öffentlich, konnte aber laut Spiegel bis zu 3,5 Millionen Euro reichen. Bei der Bemessung der Geldstrafen habe man berücksichtigt, dass der Steuerschaden von Würth ausgeglichen wurde, teilte die Stuttgarter Staatsanwaltschaft mit. 2012 wurde dies fristgemäß aus dem Bundeszentralregister gelöscht. Gegen zwei andere Verantwortliche der Würth-Gruppe wurden ebenfalls Geldstrafen festgesetzt.
Nach Feststellung der Staatsanwaltschaft hätten alle Beschuldigten „keine eigenen Vorteile“ erlangt.Manfred Stockburger: 3,5 Millionen Euro Strafe für Würth. In: Heilbronner Stimme, 29. Mai 2008. Strittig seien vielmehr die Kostenverrechnungen zwischen inländischen und ausländischen Konzernteilen gewesen. Die steuerrechtliche Legalität der steuermindernden Verrechnung über die deutsche Muttergesellschaft war der Kern der Auseinandersetzung zwischen Würth und der Steuerbehörde. Da die Klärung der Rechtmäßigkeit mehrere Jahre beansprucht hätte und damit eine Rufschädigung des Lebenswerkes von Würth zwangsläufig zu erwarten gewesen wäre, nahm er das kleinere Übel von Steuernachzahlung und Geldstrafe in Kauf.Martin Buchenau: Würth einigt sich mit der Staatsanwaltschaft. In: Handelsblatt, 29. Mai 2008. In einem Interview mit der FAZ äußerte Würth: „Wenn ich noch jünger gewesen wäre, hätte ich mich vor Gericht gewehrt.“Georg Meck: „Blicke ich in den Spiegel, sehe ich einen Gauner“. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22. März 2009, Interview.
Würth nahm nach dem Verfahren zusätzlich die österreichische Staatsbürgerschaft an, trat aus der FDP aus„Ich war ein Spätzünder, Albert ein junger Wilder“. In: Impulse, 5. November 2010. und erwog, den Firmensitz der Würth-Gruppe in die Schweiz zu verlegen. Laut Handelsblatt ließ er aber wegen des Aufwands und auf Drängen seiner Frau davon ab.
Vermögen Reinhold Würth gehört zu den reichsten Menschen der Welt. Einer Forbes-Milliardärs-Liste zufolge liegt Reinhold Würth inklusive seiner Familie auf Platz 47 der weltweit reichsten Menschen. 2024 bezifferte Forbes Würths Vermögen auf 27,5 Milliarden US-Dollar und stufte ihn und seine Familie als drittreichste Deutsche ein. Laut Business Insider beläuft sich sein Vermögen im Jahr 2024 sogar auf rund 33,54 Milliarden Euro.
Familie Würth ist seit 1956 mit seiner Ehefrau Carmen (geb. Linhardt * 1937) verheiratet, aus der Ehe gingen drei Kinder hervor. Carmen und Reinhold Würth sind Mitglieder der Neuapostolischen Kirche.Würths Welt – Vom Schraubenhändler zum Weltkonzern. Dokumentarfilm, Deutschland, 2015; siehe #Filme, siehe dort ab 15:45 Min. Sie wohnen seit 1974 im Schloss Hermersberg bei Niedernhall; das 1540 errichtete Bauwerk ließ er, wie auch andere historische hohenlohische Gebäude, mit einem hohen Aufwand renovieren.Dagmar Deckstein: Würths Welt. In: sueddeutsche.de, 5. Januar 2009. Einen Zweitwohnsitz hat Würth in Salzburg. Reinhold Würth kaufte 2009 die Motoryacht Vibrant Curiosity, deren Wert auf 100 Millionen Dollar geschätzt wird. Über 40 Jahre lang flog Würth mit seinen Geschäftsflugzeugen; er hatte eine Lizenz als Berufspilot (ATPL), die er 2015 aus gesundheitlichen Gründen abgab.Burkhard Riering: Reinhold Würth: Der rastlose Ruheständler. In: deutsche-handwerks-zeitung.de, 21. April 2015.
Im Juni 2015 wurde der damals 50-jährige Sohn von Würth entführt, der geistig behindert ist und daher in einem Wohnheim in Schlitz lebte. Er wurde unverletzt von den Geiselnehmern freigelassen.Hans Georg Frank: Entführung von Würth-Sohn: Stunden der Angst. In: swp.de, 18. Juni 2015. Am 14. März 2018 meldeten verschiedene Nachrichtenagenturen, dass der mutmaßliche Entführer gefasst wurde.Entführer von Milliardärssohn Würth gefasst. In: n-tv.de, 14. März 2018. Im Oktober 2018 wurde gegen einen Beschuldigten verhandelt.Wiebke Ramm: Wie Carmen Würth mit dem Entführer ihres Sohnes verhandelte. In: spiegel.de, 15. Oktober 2018. Am 27. November 2018 sprach das Landgericht Gießen den Angeklagten frei, da das Gericht es als nicht erwiesen ansah, dass es sich bei dem Angeklagten tatsächlich um den Entführer handelt.Landgericht Gießen: Angeklagter im Entführungsfall Würth freigesprochen. In: hessenschau.de, 28. November 2018.
Am 3. Oktober 2025 starb seine 66-Jährige Tochter Marion.https://www.n-tv.de/panorama/Schraubenkoenig-Wuerth-trauert-um-seine-Tochter-article26079463.html
Einführung von Familienmitgliedern in das Unternehmen Reinhold und Carmen Würths Tochter Bettina wurde nach einer Ausbildung in der Firma ihres Vaters später Mitglied des Unternehmensbeirats der Würth-Gruppe und hatte von 2006 bis 2024 dessen Vorsitz inne.
Seit 1. Januar 2025 ist Enkel Benjamin Würth Vorsitzender des Stiftungsaufsichtsrates der Würth-Gruppe, die Position übernahm er von seinem Großvater. Benjamin Würths Bruder Sebastian übernahm 2025 den Vorsitz des Beirats der Würth-Gruppe. Beide sind Söhne von Reinhold Würths Tochter Marion (1958–2025). Tochter von „Schraubenkönig“ Würth ist tot, 7. Oktober 2025 bei T-Online
Enkelin Maria Würth, Tochter von Bettina Würth, ist Kunsthistorikerin und leitet seit 2025 die Kunstaktivitäten des Unternehmens. Ihr Arbeitsschwerpunkt sind die Museen und die Sammlung Würth.
Positionen Würth war ein langjähriges Mitglied der FDP und Parteispender, trat jedoch 2008 aus. Er machte immer wieder seine politischen Positionen deutlich. 2019 nutzte er die Bühne, die ihm die Bild-Zeitung bot, und gab zu Protokoll, dass er lieber Friedrich Merz als CDU-Vorsitzenden gesehen hätte als Annegret Kramp-Karrenbauer, die er nicht für kompetent hielt. Bei der Europawahl 2019 habe er die Grünen gewählt.
Deutschland habe in der Umweltpolitik versagt. Er halte den Ausstieg aus der Atomkraft nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima für falsch. „Wir sind ja hier auch nicht in Fukushima, wo es 100 Erdbeben am Tag gibt“, sagte Würth.
Würth warnte 2018 vor einem Rechtsruck, denn „viele kleinkarierte Menschen würden heute sehr gerne unser Grundgesetz ändern, nach dem wir verpflichtet sind, Menschen, die in Sorge um ihr Leben sind, bei uns aufzunehmen“. Er forderte, „dieses Recht bei[zu]behalten“. Die „Nähe großer Teile der AfD zu braunem Gedankengut [… erinnere ihn] fatal an die Weimarer Zeit“.Unternehmer Reinhold Würth: „Viele kleinkarierte Menschen würden gerne unser Grundgesetz ändern.“ In: welt.de, 19. Juli 2018. Würth bekräftigte seine Position im März 2024 abermals, als er 25.000 Mitarbeiter der Würth-Gruppe in einem Schreiben davor warnte, bei kommenden Wahlen aus Unmut über die Ampelregierung die AfD zu wählen.
Nach der Europawahl in Deutschland am 9. Juni 2024 sagte Würth, sollte dieser Trend anhalten, müsse man vorsichtig sein, wo und wie man investiere. Man werde in Ruhe analysieren, ob man das Geld nicht künftig eher in anderen Ländern einsetze.
Im September 2024 gab Würth an, dass seine Äußerungen zur AfD zu einem Gesamtumsatzrückgang von rund 1,5 Millionen Euro geführt hätten, der hauptsächlich durch Kunden in Ostdeutschland verursacht wurde. Angesichts eines Gesamtumsatzes von mehr als 20 Milliarden Euro falle der Rückgang kaum ins Gewicht.
Förderer von Kultur und Wissenschaft Neben seiner unternehmerischen Tätigkeit ist Reinhold Würth als Förderer von Kunst und Kultur in Erscheinung getreten. 1991 gründete er in Künzelsau die weltweit erste Kombination eines Verwaltungsgebäudes mit einer Kunstgalerie. Würth ist von der Motivation seiner Mitarbeiter durch Kunst überzeugt.Reinhold Würth: „Schraubenkönig ist ein echt blöder Name“. In: suedkurier.de, 11. November 2019. Bis 2021 gründete und unterhielt er vierzehn Museen. Darunter befinden sich das Museum Würth und die Sammlung für Schrauben und Gewinde in Künzelsau sowie die Kunsthalle Würth in Schwäbisch Hall mit moderner und zeitgenössischer Kunst.
Neben den jeweiligen Landeszentralen der Würth-Gruppe befinden sich heute Kunstmuseen in Dänemark, Frankreich, Österreich, Holland, Norwegen, Italien, das Forum Würth Arlesheim, das Forum Würth Rorschach und das Forum Würth Chur in der Schweiz und das Museo Würth La Rioja in Spanien.Ursula Böhm: In: arte, 19. Januar 2008. Die Sammlung Würth, die in den Museen wechselnd gezeigt wird, gehört zu den bedeutendsten europäischen Privatsammlungen. Sie umfasste 2026 über 21.000 Gemälde, Zeichnungen und Skulpturen von namhaften Künstlern vom 15. Jahrhundert bis heute.