Torschlusspanik ist ein zumeist metaphorisch genutzter Ausdruck und bezeichnet im Allgemeinen die Angst, zu spät zu kommen oder den günstigen Zeitpunkt für eine wichtige Entscheidung zu verpassen. Er ist nicht zu verwechseln mit der „Angst, etwas zu verpassen“ (Fear of missing out).
Ursprüngliche Bedeutung mini|Abendliches Gedränge vor dem Millerntor in Hamburg, Lithografie der Gebrüder Suhr um 1820 Ihren Ursprung hat die Redewendung in dem Umstand, dass in früheren Zeiten die Stadttore bei Anbruch der Dunkelheit verschlossen wurden. Stadtbewohner, die nicht rechtzeitig von Ausflügen ins Umland zurückgekehrt waren, oder auch verspätete Reisende mussten gezwungenermaßen außerhalb der Stadtmauern übernachten und waren so Räubern und wilden Tieren schutzlos ausgeliefert. Mit dem Anwachsen der Vorstädte wuchs vielerorts das Bedürfnis, die Tore abends länger offenzuhalten oder Regelungen zu erlassen, die das nächtliche Passieren der Tore gegen eine Einlassgebühr („Sperrgeld“) ermöglichten. Solche Sperr-Reglements existierten in vielen Städten bis weit ins 19. Jahrhundert hinein, so zum Beispiel in Hamburg (bis 1860)Torsperre. In: Franklin Kopitzsch, Daniel Tilgner (Hrsg.): Hamburg-Lexikon. Ellert & Richter, Hamburg 2010, ISBN 978-3-8319-0373-3, S. 703 f. oder Lübeck (bis 1864).
Eine konkrete Schilderung einer Massenpanik im Zusammenhang mit dem Schließen der Tore ist aus dem Jahr 1808 in Hamburg überliefert, wo viele Bürger insbesondere an Wochenenden die Vergnügungsviertel der damals noch vor den Toren gelegenen Vorstadt St. Pauli aufsuchten:
Heutige Verwendung Der Ausdruck Torschlusspanik wird heute in der Regel mit Bezug auf berufliche oder private Lebensentscheidungen wie z. B. Heirat, Partnerschaft oder Kinderwunsch verwendet und umschreibt die Sorge, noch nicht verwirklichte Ziele aus Altersgründen nicht mehr zu erreichen und daher übereilte und unüberlegte Entscheidungen zu treffen.Olga Ejikhine: Beim Wort genommen: der Sprachführer durch die Welt der Redewendungen. hier online. Verwandt damit sind Begriffe wie „biologische Uhr“ oder Midlife-Crisis.Späte Torschlusspanik. In: Focus Online. 16. Oktober 2009.
Darüber hinaus wird die Metapher aber auch im gesellschaftlich-politischen Kontext verwendet, um Situationen mit erhöhtem Handlungsdruck zu beschreiben. So schrieb beispielsweise das Time Magazine während des Berliner Mauerbaus 1961:
2023 wurde von einigen Medien ebenfalls eine „Torschlusspanik“ unter Ausreisewilligen in Tunesien konstatiert, um den Anstieg der Migration auf der Mittelmeerroute zu erklären.
„Torschusspanik“ Zuweilen wird die Redewendung auch als Torschuss-Panik, z. B. im Fußball, missverstanden oder von Sportjournalisten bewusst in ironischer Absicht verwendet. Diese Wortbildung gilt jedoch nicht als feststehende Redewendung.
Weblinks
Floskel des Monats: Torschlusspanik auf journalist.de (Mai 2023)
Einzelnachweise
Kategorie:Redewendung Kategorie:Handlung und Verhalten