Eich ist eine rheinhessische Ortsgemeinde im Landkreis Alzey-Worms in Rheinland-Pfalz und Sitz der gleichnamigen Verbandsgemeinde, der sie auch angehört.

Geographische Lage Eich liegt in Rheinhessen zwischen seinen Nachbarorten: Gimbsheim im Norden Hamm am Rhein im Osten Worms-Ibersheim im Süden und Mettenheim im Westen. Nördlich vorbei am Ort zieht sich der Gimbsheimer Altrhein mit dem Altrheinsee, dem Elisabethensee und dem Heinrichs-Talaue-See; östlich liegt mit Rheinanbindung und Marina der Eicher See.

Geschichte Die älteste Erwähnung ist im Lorscher Codex erhalten und datiert im 14. Regierungsjahr König Karls in der Zeit zwischen Oktober 781 und Oktober 782. Anlass war eine Schenkung des Wanbert in Heichinen (Eich). Dem Kloster Lorsch wurden damals zwei Hofreiten mit zwei Huben, sieben Wiesen und drei Leibeigenen geschenkt. Weiter fünf Schriftdokumente mit Bezug auf Eich sind im Lorscher Codex enthalten.Ortsliste zum Lorscher Codex, Eich, Archivum Laureshamense – digital, Universitätsbibliothek Heidelberg. Das Kloster Otterberg war im Ort begütert.Jürgen Keddigkeit, Michael Werling, Rüdiger Schulz und Charlotte Lagemann: Otterberg, St. Maria. Zisterzienserabtei Otterburg. In: Jürgen Keddigkeit, Matthias Untermann, Sabine Klapp, Charlotte Lagemann, Hans Ammerich (Hg.): Pfälzisches Klosterlexikon. Handbuch der pfälzischen Klöster, Stifte und Kommenden, Band 3: M–R. Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde. Kaiserslautern 2015. ISBN 978-3-927754-78-2, S. 524–587 (538).

Die ehemaligen Orte oberes (superior) und unteres (inferior) Lochheim sind durch die Überschwemmungen und Laufveränderungen des Rheines heute nicht mehr vorhanden, jedoch erinnern noch Urkunden im Lorscher Codex daran.Ortsliste zum Lorscher Codex, Wüstung Lochheim, Archivum Laureshamense – digital, Universitätsbibliothek Heidelberg.

Die Ortsteile Lochheim inferior und superior sind auf der Karte Descripto pagi Wormatiensis von Andreas Lamey und Ferdinand Denis eingezeichnet.Frühmittelalterliche Gaue mit altem und neuem Rheinlauf: Pagi Rhenensis ex medio aevo Tabula & Chartisantiquis desumta, Pag. 294, Kurpfälzische Akademie der Wissenschaften, Mannheim 1766 mini|Ansichtskarte von Eich, 1914 verschickt Am 22. März 1515 nahm Franz von Sickingen ein beladenes Rheinschiff mit Wormser Bürgern auf dem Rhein weg, weil sie vorher einer Zahlungsaufforderung nicht nachkamen. Mehrere Ratsherrn und den Altbürgermeister brachte man auf die Ebernburg und ließ sie nur „gegen schweres Lösegeld“ frei.Friedrich Wolfgang Karl von Thudichum: Papsttum und Reformation im Mittelalter 1143–1517, 1903, S. 484

1938 wurde am südöstlichen Ortsrand ein Lager des Reichsarbeitsdienstes angelegt, das wenig später in ein Straflager umgewandelt wurde, in dem ab 1942 vorwiegend polnische Gefangene inhaftiert waren. Mindestens 61 Häftlinge wurden in Eich bestattet.

Von einer Fischersiedlung hat es sich zu einer landwirtschaftlich geprägten Gemeinde entwickelt, die inzwischen auch als Wohnsitz für die Beschäftigten der nahen Städte dient.

Politik Gemeinderat mini|Die Eicher Gemeindeverwaltung Der Gemeinderat in Eich besteht aus 20 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzendem.

Die Sitzverteilung im Gemeinderat: Wahl SPD CDU FDP FWG GLA Gesamt 2024 9 4 – 7 – 20 Sitze 2019 11 3 2 4 – 20 Sitze 2014 11 4 2 3 – 20 SitzeDer Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2014, Stadt- und Gemeinderatswahlen 2009 11 4 3 1 1 20 Sitze 2004 11 5 1 2 1 20 Sitze 1999 11 5 1 2 1 20 Sitze FWG = Freie Wählergemeinschaft Eich e. V. GLA = Grüne Liste Altrhein e. V.

Bürgermeister Horst Widder (SPD) übernahm das Amt des Ortsbürgermeisters von Eich am 11. Juli 2024 von Bernd Hermann. Bei der Direktwahl am 9. Juni 2024 war er als einziger Bewerber mit einem Stimmenanteil von 76,0 % gewählt worden.

Nachdem am 15. September 2020 der langjährige Bürgermeisters Klaus Willius im Alter von 76 Jahren verstarb, hatte der bisherige Erste Beigeordnete Bernd Hermann die Amtsgeschäfte fortgeführt und war Anfang 2021 zum Nachfolger gewählt worden. Bei der Wahl 2024 trat er nicht erneut als Ortsbürgermeister an.

Amtsinhaber seit 1946: 1946–1966: Rudolf Becker (SPD) 1966–1979: Hans Ludwig Menger (FWG), Träger des Ehrenringes der Gemeinde Eich 1979–1994: Günter Reich (SPD), Träger des Ehrenringes der Gemeinde Eich 1994–2020: Klaus Willius (SPD) 2021–2024: Bernd Hermann (SPD) Seit 2024: Horst Widder (SPD)

Wappen

Kultur, Religion und Sehenswürdigkeiten Kirche mini|hochkant|Eich Evangelische Pfarrkirche Die evangelische Pfarrkirche entstand ab dem Jahr 1839 nach dem Bauplan des großherzoglich-hessischen Provinzialbaumeisters Ignaz Opfermann (1799–1866) aus Mainz.

Konfessionsstatistik Mit Stand 30. Juni 2005 waren von den Einwohnern 52,8 % evangelisch, 24,3 % römisch-katholisch und 22,9 % waren konfessionslos oder gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an.Gemeindestatistik Eich Der Anteil der evangelischen und katholischen Kirchenmitglieder an der Gesamtbevölkerung ist seitdem gesunken. Ende Januar 2026 waren von den Einwohnern 33,7 % evangelisch, 18,4 % katholisch und 47,9 % waren konfessionslos oder gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an.Eich Gemeindestatistik, abgerufen am 21. Februar 2026

Eicher See Der Eicher See ist ein zu Eich und Hamm gehörender Baggersee mit Zugang zum Rhein. Er wird auch „Rheinhessisches Meer“ genannt, weil er der größte See in Rheinhessen ist. Der See ist mit einigen hundert Wochenendhäusern umgeben und verfügt über eine Marina, in der auch große Yachten anlegen können.

Musik Neben dem evangelischen Kirchenchor gibt es noch den Männergesangsverein Sängerbund, den evangelischen Posaunenchor und den katholischen St.-Michaels-Chor. Der ökumenische Kirchenchor singt in der katholischen und in der evangelischen Kirche, der evangelische Posaunenchor Eich spielt regelmäßig in der Kirche, tritt aber auch bei außerkirchlichen Ereignissen auf.evangelisch-eich.de Als weitere musikalische Botschafter für Eich fungieren der Mandolinenclub Goldklang, der Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr Eich.

Bauwerke Siehe auch: Liste der Kulturdenkmäler in Eich

Im Dorfkern befindet sich ein steingewölbter Kuhstall, dieses historische Kreuzgewölbe wird heute als Weinprobierstube eines Weingutes genutzt. Klassizistische Säule Gegenüber der Osthofener Straße 60, an der Abzweigung zum Alsheimer Weg, befindet sich diese klassizistische Säule als Erinnerung an die 'Eicher Strasse von der Rheinstrasse bis an den Rhein' mit 3695 Klafter = ca. 9,24 km aus den Jahren 1828/29. Diese verweist auf das damalige gültige „Großherzogliche Hessische Längenmaß“: Wovon vier Fuß einen Meter, 10 eine Großherzogliche Hessische Klafter und 1500 Klafter eine Stunde betragen.Eich (Rheinhessen), Provinzialstr. um 1828 Altes Schulhaus Das Schulhaus wurde ab 1904 genutzt. Es hat zweieinhalb Stockwerke mit Wohnung. Es wurde mit einer evangelischen und einer katholischen Klasse belegt. 1927 wurde im Keller eine Mädchenfortbildungsschule eingerichtet. Ab Ostern 1934 gab es keine Konfessionsschule mehr und die Klassen wurden zusammengelegt. Nach Aufgabe der Schulräume 1966 wurde der untere Teil des Schulhauses 1967 als Gewerberaum genutzt. Seit 1978 werden die Räume für einen Jugendtreff im Erdgeschoss genutzt und im ersten Stock wurde im gleichen Jahr ein Heimatmuseum eingerichtet.

Sport Mit der Altrheinhalle verfügt Eich seit 1974 über eine Sportstätte mit 6.000 Zuschauerplätzen, die aber auch für Konzerte und Fernsehsendungen genutzt wird. Im Umfeld der Halle bestehen auch Wettkampfstätten für Leichtathletik und eine Tennisanlage (seit 1977). Am Eicher See gibt es einen Segelclub und zwei Boulebahnen. Am Altrheinsee ist ein Badestrand eingerichtet. Außerdem gibt es noch den Turnverein von 1888 Eich, den FC Germania 07 Eich, den Tennisclub Blau-Weiß und zwei Angelsportvereine. Es sind der AC Rheinlust 1954 Eich und der ASV Eich.

Regelmäßige Veranstaltungen Von 1992 bis 2013 fand am zweiten Samstag nach Ostern die so genannte Motorradsegnung statt. Hierzu kamen über 12.000 Motorradfahrer aus ganz Deutschland in den Ort und ließen ihr Motorrad und sich segnen, um anschließend an einer Ausfahrt durch die ganze Region teilzunehmen. Aufgrund einer Verschärfung der Versammlungsbestimmungen und Kostenerstattung für die Rettungsdienste ab 2014 wurde die Veranstaltungsreihe aufgegeben.Manfred Janß: In: Allgemeine Zeitung. 19. Februar 2014. Im Jahr 2006 wurde die Segnung von Karl Kardinal Lehmann vorgenommen. Des Weiteren veranstaltet die Freiwillige Feuerwehr Eich alljährlich am letzten Wochenende im Juni das dreitägige Altrheinfest.

Wirtschaft und Infrastruktur Schwerpunkt ist immer noch die bäuerliche Landwirtschaft. Aber auch die Sand- und die Erdölförderung haben sich zu wichtigen Wirtschaftszweigen entwickelt.

Bildung Eich verfügt über eine Grundschule und seit dem Schuljahr 1998/99 über eine regionale Schule, heute Realschule plus, auf der der Realschulabschluss erworben werden kann.

Persönlichkeiten In Eich geboren Werner Krämer (1940–2025), römisch-katholischer Theologe und Hochschullehrer

Mit Bezug zur Gemeinde Bernhard Dreymann (1788–1857), Orgelbauer, schuf 1844 die Orgel der evangelischen Kirche Friedrich Magnus Schwerd (1792–1871), Gymnasiallehrer, Geodät, Astronom und Physiker, erhielt in Eich Privatunterricht vom katholischen Pfarrer Bernhard Nägele Ignaz Opfermann (1799–1866), Architekt und Baubeamter, plante die evangelische Pfarrkirche von Eich, Baubeginn 1839 Gustav Eberlein (1847–1926), Bildhauer, Maler und Schriftsteller, schuf das Kriegerdenkmal 1870/71 in Eich Klaus Baranenko (1941–2011), Fotograf, fotografierte die Landschaft um Eich Walter Passian (1949–2017), Schriftsteller und Dramatiker, schuf Singspiele für die Musicaltage Eich

Literatur

nach Autoren / Herausgebern alphabetisch geordnet Karl Johann Brilmayer: Rheinhessen in Vergangenheit und Gegenwart, Gießen 1905, S. 118–120. Ludwig Drach: Chronik der Auswanderer von Eich 1851/52, Hrsg. Gemeinde Eich. Jacob Grimm: Weisthümer, 1. Teil, Göttingen 1840, Weisthum zu Eichen von 1340, S. 808. Henning Kaufmann: Rheinhessische Ortsnamen, München 1976, S. 47–49. Dieter Krienke und Ingrid Westerhoff: Kreis Alzey Worms. Verbandsgemeinden Eich, Monsheim und Wonnegau (= Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz 20.3). Wernersche Verlagsgesellschaft, Worms 2018, ISBN 978-3-88462-379-4, S. 53–61. Karl Josef Minst: Lorscher Codex, Deutsch, Band III, Lorsch 1970, Eicher Urkunden Nr.: 1450, 1860, 1880–81, 1965. Lucia Reuter-Matejka: 1200 Jahre Eich, Eich 1981. Klaus Rädle: Der Nibelungenschatz – Eine Spurensuche. Berlin Pro Business 2011, ISBN 978-3-86805-904-5. Günter Reich: Eich und seine Landwirtschaft im Wandel der Zeit, Eich 2000. Dokumentation über die Eicher Ortsstraßen 1700 bis 1950, Eich 2002 Eicher Familienbuch, Eine Dokumentation über 250 Jahre, 2 Bände A–K und L–Z, Eich 2009.

Weblinks

Offizielle Website der Ortsgemeinde Eich Geschichtliche Informationen zu Eich bei regionalgeschichte.net

Einzelnachweise

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