mini|Grundriss mini|Schloss Schleinitz (1916) Schloss Schleinitz ist ein spätgotisches ehemaliges Wasserschloss im Renaissancestil. Es befindet sich im Nossener Ortsteil Schleinitz (Landkreis Meißen) im Ketzerbachtal, 4,5 km südlich Lommatzsch und 13 km westlich von Meißen und war bis 1945 eine der flächenmäßig größten Grundherrschaften von Sachsen.

mini|Portal Hotel Schloss Schleinitz mini|Schloss Schleinitz, vorne mini|Seitliche Schlossfassade

Baubeschreibung Der spätgotische Bau wurde Ende des 15. und Anfang des 16. Jahrhunderts an Stelle einer möglichen Wasserburg mit vorgelagerten zwei Rundtürmen errichtet. Die heute sichtbare Grabensohle lag zu diesem Zeitpunkt mindestens drei Meter tiefer, da der mit einer Staumauer verbundene dahinter liegende Teich noch 1923 eine Tiefe von immerhin vier Metern aufwies. Die heute noch im Grabenbereich sichtbaren beiden Türme sind durch eine Wehrmauer verbunden. Zwischen den beiden Türmen befindet sich der Innenhof, Reste des ehemaligen Zwingers. Die spätgotische Baukonzeption sah nie eine Flutung und Nutzung des umgebenden Grabens als Wassergraben vor, sondern verfolgte bereits das durch den Neubau der Albrechtsburg Meißen vorgegebene nicht mehr ausschließlich militärisch ausgerichtete Schlosskonzept, sondern fokussierte auf die architektonische Machtrepräsentation der Grundherrschaft. Von der ursprünglich gotischen Fassung ist heute nur der linke Flügel mit dem sogenannten Keller erhalten, der das eigentliche Erdgeschoss auf heutiger Grabensohle bildet. Es ist die ehemalige Hauskapelle mit einem Zellengewölbe. Ihr Chor ist mit drei Seiten des Achtecks geschlossen. In der Achse der Kapelle befinden sich zwei Fenster mit Vorhangbögen und starken Überschneidungen der Profile, die den Schleinitzer Baumeister in die geschichtliche Nähe des Arnold von Westfalen rückt. Bis zur Reformation wurde diese herrschaftliche Kapelle durch einen besonderen Altaristen bedient, der Pastor aus Leuben musste hier predigen, bzw. musste der Schullehrer aus Leuben als Organist tätig werden, um auf Verlangen des Grundherren diesen, seine Familie und Untergebenen mit dem Gottesdienst, sowie dem Amt der Kommunion zu versorgen. Der in der Kapelle im Stein ausgesparte Wandschrank zeigt die Jahreszahl 1518 und stammt vermutlich aus der Zeit des Vorgängerbaus des heute sichtbaren Schlosses. Aus der gleichen Zeit wie die Kapelle stammt auch das Obergeschoss des linken Turmes, in dem die Kreisform des Turm-Untergeschosses aufgegeben wurde. Über dem Keller wurde, vermutlich infolge eines Brandes, in der zweiten Hälfte des sechzehnten Jahrhunderts als heutiges Erdgeschoss eine zierliche Bogenhalle und darüber wiederum zwei Obergeschosse errichtet, die in einen fast quadratischen Mittelbau und einen rechten Flügel gegliedert, im Stil der Renaissance die architektonische Ergänzung zum gotischen linken Flügel bilden. Sonst ist der gesamte Bau einfach gehalten. Der vielfach beschriebene gotische Giebel vor dem Satteldach zeigt bereits den Übergang des in der Renaissance oft verwendeten geschweiften Volutengiebels. An der Nordfassade haben sich zwei originale Abtritterker erhalten. Der rechte Turm wird bis heute als Küchenraum verwendet. Seit 1781 führt eine steinerne Brücke über den ehemaligen Wassergraben und zwei Nebentreppen führen beiderseits auf der Schlossseite in den Graben hinunter. 1905 erfolgten starke Umbaumaßnahmen unter dem Dresdner Architekten Hans Gerlach. So wurde im Mittelbau die große zweigeschossige Halle errichtet, der eine ursprüngliche spätgotische Wendeltreppe weichen musste. Oberhalb des Mittelbaus erinnert das sogenannte Dresdner Zimmer mit einer bemalten Holzdecke in dunkelgrauen, braunen und gelben Ornamenten an diese Zeit des Umbaus von 1905.

Orangerie Das Gartenhaus, das als Orangerie erbaut wurde und in einem weitläufigen französischem Park gegenüberstand, ist ein langgestreckter Bau von einfacher Gestaltung. Im Erdgeschoss waren große Öffnungen nach Süden und im Obergeschoss befand sich die berühmte Schleinitzer Bibliothek mit über 3000 Bänden des Dietrich von Bose aus dem Jahr 1690, um die sich der sächsische Historiker Johann Friedrich Ursinus, (* 15. August 1735 in Meißen, † 9. Januar 1796), Pfarrer aus Beicha, kümmerte. Im wertvollen Buchbestand war unter anderem eine Bibel von Hans Lufft aus dem Jahr 1561 aus Wittenberg und ein handgeschriebener Brief von Nikolaus Selnecker. Der Bau wird heute ausschließlich zu Wohnzwecken genutzt. Die noch durch Cornelius Gurlitt 1923 gesichteten Reste des Theaters sind nicht mehr auffindbar.

mini|Lucas Cranach der Ältere: Paradies, 1530, Kunsthistorisches Museum, Wien Lucas Cranach d. Ä. Paradies Als Otto Eduard Schmidt 1904 in seinen kursächsischen Streifzügen das seit Jahren verlassene Schloss und das Gartenhaus betrat, erkannte er in der Kunstsammlung des ehemaligen Besitzers von Bose unter anderem an der geflügelten Schlange ein Originalgemälde von Lucas Cranach d. Ä. Cranach stellte das Paradies als Garten Eden mit einer Vielzahl friedlich miteinander lebender Tiere dar. Das Bild gab es damit in zwei Originalfassungen, eine ist bis heute Bestandteil des Kunsthistorischen Museums in Wien. Beide sind bis auf die Akzentuierung des Geschehens identisch und zeigen weiter in einzelnen protestantisch beeinflussten Interpretationsszenen die Erschaffung Adams durch Gott, den Sündenfall, sowie die Vertreibung. 1928 gab der Besitzer, Freiherr Stephan von Friesen, dieses Gemälde in die Dresdner Gemäldegalerie, um es restaurieren zu lassen, da die Tafel durch Abspringen der Farbe gelitten hat und infolgedessen nicht intakt ist. Der dort zuständige Galeriedirektor Hans Posse erkannte sofort den Wert dieses bisher unbekannten Cranach und bemühte sich um den Erwerb des Bildes für die Dresdner Gemäldegalerie. Nach weiteren Verhandlungen verkaufte Freiherr Stephan von Friesen 1928 für 15.000 Mark das Bild der Dresdener Gemäldegalerie, wo es sofort in der ständigen Ausstellung präsentiert wurde. Dieses Bild wurde dann wie weitere Kunstgegenstände 1945 von den Sowjets geraubt, dann wieder zurückgegeben und konnte ab 1958 bis heute in der ständigen Ausstellung präsentiert werden. mini|Gotische Kapelle

Wirtschaftsgut Schleinitz Unmittelbar in Nordostrichtung in Blickrichtung auf das Schloss befindet sich das ehemalige, mit dem Schloss verbundene 280 ha große Wirtschaftsgut, ein Wirtschaftsgebäudensemble mit ehemaligen Scheunen, Malz-, Backhäusern und Stallungen, die heute als Wohnungen genutzt werden. Zum Gut gehörten 186 ha Feld, 21 ha Wiesen, 65 ha Wald und 8 ha Teiche. Ein eingemauerter Stein im Gerichtsgebäude datiert Teile der Anlage in das Jahr 1558. Eine traditionelle ländliche Nutzung findet in der spärlich besiedelten Ortslage nicht mehr statt. Im alten Getreidespeicher des Rittergutes wurde durch den Förderverein, der mit sechzig ABM-Kräften um 2000 zeitweise größter lokaler Arbeitgeber war, ein Museum für ländliches Brauchtum eingerichtet, in dem Arbeitsmittel und Werkzeuge aus der bäuerlichen Haus-, Feld- und Viehwirtschaft als museale Exponate dargestellt werden. Weiterhin sind Vorführwerkstätten für Schumacher, Sattler und Schmiede zu sehen. Das in der Achse des Schlosses zuletzt fertig sanierte Gerichtsgebäude, das im 16. Jahrhundert ursprünglich als Kellerhaus allein zum Zweck der Vorratsspeicherung erbaut wurde, diente dem Namen nach im 18. Jahrhundert als lokaler Amts- und Richtersitz über die Erb- und Obergerichtsangelegenheiten der Grundherrschaft Schleinitz. Der darauf befindliche achteckige Dachreiter mit Uhr, Laterne und birnförmiger Haube stammt aus späteren Bauperioden.

Geschichte In Schleinitz wurde 1231 erstmals ein Herrensitz, 1443 ein Rittersitz und 1551 ein altschriftsässiges Rittergut urkundlich überliefert. Die Herrschaft übte Erb- und Obergerichtsbarkeit aus. 1696 zählte Schleinitz zum Zuständigkeitsbereich des Amtes Meißen.

Von Schleinitz (1255–1594) Das Geschlecht derer von Schleinitz ist sächsischer Uradel und wurde 1255 das erste Mal urkundlich erwähnt. Die Besitzkomplexe der Familie reichten bis nach Nordböhmen.

mini|Wappen derer von Schleinitz Wappen Das Wappen stellt drei Rosen im gespaltenen Schild dar und trägt rechts ein rotes und links ein silbernes Büffelhorn.

Von Loß (1594–1664) Die Adelsfamilie von Loß zählte zur Machtelite von Sachsen. Christoph von Loß (1574–1620) war durch seine Frau Maria zum Erben seines Schwiegervaters Abraham von Schleinitz geworden und dadurch am Vorabend des Dreißigjährigen Krieges protestantischer Grundherr auf Schloss Schleinitz. Er war der diplomatische Gegenpart zu seinem Bruder Joachim von Loß (1576–1633) auf Schloss Pillnitz, der als der böse Loß überliefert wurde und mit Ursula von Schleinitz auf Saathain verheiratet war. Der Geheimrat Christoph von Loß hatte wesentlichen Einfluss auf die Politik des sächsischen Hofes unter König Christian II.

Von Bose (1664–1773) Vom Reichspfennigmeister Joachim Christian von Bose ging das Erbe an seinen Sohn, Joachim Dietrich von Bose auf Schleinitz, Petzschwitz, Graupzig, Gödelitz, Seegeritz und Burkersdorf. Dietrich von Bose war Ritter des Johanniterordens, kurfürstlicher Kammerherr und Inspekteur der Fürstenschule Sankt Afra in Meißen. Von ihm sind Berichte über sogenannte Jagdcampenments aus den Jahren 1727 bis 1736 überliefert.

Von Zehmen (1773–1906)