300px|mini|Marktplatz, Rathaus, Kulturzentrum Kornwestheim ist eine Mittelstadt in Baden-Württemberg. Sie ist die drittgrößte Stadt des Landkreises Ludwigsburg nach Ludwigsburg und Bietigheim-Bissingen und bildet mit Ludwigsburg ein Mittelzentrum. Sie gehört zur Region Stuttgart (bis 1992 Region Mittlerer Neckar) und zur europäischen Metropolregion Stuttgart. Seit 1956 ist Kornwestheim Große Kreisstadt.
Geographie Geographische Lage mini|300px|Karte des Stadtgebiets Kornwestheim liegt im südwestlichen Neckarbecken am Ostrand des Strohgäus auf dem so genannten Langen Feld. Im Stadtgebiet fließt der Holz- oder Gänsbach ostwärts zum Neckar. Kornwestheim liegt etwa zehn Kilometer nördlich von der Stuttgarter Innenstadt.
Nachbargemeinden An Kornwestheim grenzen die Gemeinde Möglingen im Westen, die Städte Ludwigsburg im Norden sowie Remseck am Neckar im Osten an, die alle zum eigenen Landkreis Ludwigsburg gehören. Im Süden liegt die kreisfreie Landeshauptstadt Stuttgart, angrenzend sind die Stadtbezirke Stammheim und Zuffenhausen.
Stadtgliederung mini|Stadtgebiet Kornwestheim Ost Das Stadtgebiet Kornwestheims besteht aus der Kernstadt und dem Stadtteil Pattonville. Letzterer besteht aus dem westlichen und auf Kornwestheimer Markung liegenden Anteil der gleichnamigen Siedlung. Dieser Teil Pattonvilles wurde Anfang der 1990er Jahre Teil der Stadt Kornwestheim. Ursprünglich gehörte er überwiegend zur Gemarkung Aldingen (heute: Remseck am Neckar).
In der Kernstadt Kornwestheim werden gelegentlich Wohngebiete bzw. geografische Stadtteilbezeichnungen (Kornwestheim-Süd, Weststadt, Oststadt) unterschieden, deren Grenzen jedoch meist nicht genau festgelegt sind. In den letzten Jahren entstanden im Osten der Stadt neue Wohn- und Gewerbegebiete, vornehmlich auf den ehemaligen Standorten der Ludendorff-Kaserne und der Wilkin-Kasernenördlich der Aldinger Straße, östlich der B27 auf Höhe des Neuen Friedhofs, die bis Anfang der 1990er von amerikanischen Truppen genutzt wurden. Im Westen der Stadt entstand das Salamander-Areal mit Outletstores auf Teilen der ehemaligen Schuhfabrik. Weitere Teile der Fabrik wurden anderweitig gewerblich genutzt und es entstanden Loft-Wohnungen.
Auf dem Gebiet Kornwestheims liegen die abgegangenen Ortschaften Hoftstätt, Birglingen, Haiynoltz sowie Liebersheim und Wihingen (?). Die Wohnplätze Laborierbau, Solitudeallee und Tambour wurden 1973 aufgehoben. Das Wohngebiet Am Sonnenberg kam 1993 zu Ludwigsburg.
Flächenaufteilung
Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.Statistisches Landesamt, Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Kornwestheim.
Raumplanung Kornwestheim bildet mit der benachbarten Kreisstadt Ludwigsburg ein Mittelzentrum innerhalb der Region Stuttgart, deren Oberzentrum Stuttgart ist. Zum Mittelbereich Ludwigsburg/Kornwestheim gehören noch die Städte und Gemeinden im Süden und Osten des Landkreises Ludwigsburg, im Einzelnen sind dies:
Affalterbach, Asperg, Benningen am Neckar, Erdmannhausen, Freiberg am Neckar, Großbottwar, Hemmingen, Marbach am Neckar, Markgröningen, Möglingen, Murr, Oberstenfeld, Pleidelsheim, Remseck am Neckar, Schwieberdingen und Steinheim an der Murr.
Klima
Geschichte Entstehung des Ortes und Entwicklung mini|hochkant|Leugenstein an der Römerstraße Durch das Kornwestheimer Gebiet führte von Cannstatt her kommend eine Römerstraße, deren Verlauf teilweise als Feldweg erhalten blieb. Ein Teil von ihr wurde in Kornwestheim-Ost nahe der Theodor-Heuss-Realschule restauriert. Im Westteil der Stadt Richtung Autobahn verlief eine noch ältere Straße aus der Bronzezeit.
Kornwestheim als Ort entstand vermutlich im 4./5. Jahrhundert als alemannische Streusiedlung. Erstmals urkundlich erwähnt wurde „Westheim“ um 780 n. Chr. in einer Urkundenabschrift innerhalb des Codex Laureshamensis des Klosters Lorsch. Die Namensform „Kornwestheim“ tauchte 1472 erstmals auf, in der heutigen Schreibweise ist sie seit dem 17. Jahrhundert gebräuchlich.
Angenommen wird, dass es sich bei dem ursprünglichen Westheim um eine westliche Siedlung handelt, in Unterscheidung zu einer östlich gelegenen Siedlung Ostheim, deren Lage allerdings unbekannt ist. Die jüngere Forschung vermutet, dass es sich bei der östlichen Bezugssiedlung um den Nachbarort Aldingen handelte. Jahrhundertelang war Kornwestheim ein wohlhabendes Bauerndorf, das von der Fruchtbarkeit der Lössböden in der unmittelbaren Nachbarschaft profitierte. 1303 verkaufte Graf Ulrich II. von Asperg Kornwestheim an die Herzöge von Württemberg. Zunächst gehörte es zum Amt Cannstatt und ab 1719 zum Amt bzw. ab 1756 Oberamt Ludwigsburg, welches als solches seit 1806 Bestandteil des bis 1918 bestehenden Königreichs Württemberg war.
In den Jahren 1770–1781 lebte und wirkte der Theologe und Ingenieur Philipp Matthäus Hahn als Pfarrer in Kornwestheim. Eigens für ihn wurde 1771 (durch Wilhelm Friedrich Goez) das noch heute bestehende Pfarrhaus mit integrierter Werkstatt (Pfarrstraße 7) errichtet.
Stadtwerdung ab Mitte des 19. Jahrhunderts Die verkehrsgünstige Lage mit einem seit 1846 bestehenden eigenen Bahnhof der Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahnen brachte Kornwestheim ab dem Ende des 19. Jahrhunderts einen großen Bevölkerungszuwachs, vor allem bedingt durch den Bau der Güterumgehungsbahn 1896 und des Rangierbahnhofs 1913–1919 sowie Fabrikgründungen: Der Schuhmacher Jakob Sigle, der hier bereits 1885 seine Werkstatt eröffnet hatte, gründete 1891 gemeinsam mit dem Kaufmann Max Levi seine Schuhfabrik J. Sigle & Cie., die später überregional bekannte Salamander AG. 1898 folgte die von Albert Stotz in Stuttgart gegründete Maschinenfabrik A. Stotz, 1939 eröffnete die Firma Kreidler hier einen Betrieb.
Mit Wirkung vom 1. April 1931 erhielt Kornwestheim das Stadtrecht. Vom Oberamt Ludwigsburg gelangte die Stadt Kornwestheim 1934 zum Kreis, 1938 zum alten Landkreis und somit ab 1973 auf Grund der Kreisreform zum in heutiger Form bestehenden Landkreis Ludwigsburg.
Im Zuge der Aufrüstung der Wehrmacht wurden ab 1934 die Hindenburgkaserne sowie die Ludendorffkaserne für Panzereinheiten gebaut und Kornwestheim wurde 1935/36 Garnisonsstadt. Der Zweite Weltkrieg forderte zahlreiche Opfer. Durch Luftangriffe der Alliierten wurden 162 Menschen getötet und 160 Gebäude zerstört. Insgesamt wurde Kornwestheim zu 8 % zerstört. An der Front starben 478 Kornwestheimer Soldaten. Am 21. April 1945 übernahmen die US-amerikanischen Truppen die Besatzung und nutzten anschließend die vorhandenen Kasernen bis 1993 weiter. Die frühere Hindenburgkaserne erhielt von ihnen den Namen Wilkin Barracks.
Da Kornwestheim Teil der Amerikanischen Besatzungszone geworden war, gehörte die Stadt somit seit 1945 zum neu gegründeten Land Württemberg-Baden, welches 1952 im jetzigen Bundesland Baden-Württemberg aufging.
Kornwestheim wurde am 1. April 1956 Große Kreisstadt.
Neuer Stadtteil Pattonville Aufgrund der Lage zwischen Stuttgart und Ludwigsburg konnte die Stadt bei der Gebietsreform 1973 keine Nachbargemeinden eingliedern, wenngleich es Bestrebungen gab, den heute zu Remseck zählenden Nachbarort Aldingen einzugemeinden. Daher zeigt das Kornwestheimer Stadtgebiet seitdem ein mehr oder weniger geschlossenes Bild. Lediglich die Aufteilung der Siedlung Pattonville im Osten Kornwestheims brachte der Stadt einen neuen Stadtteil. 1954 wurde dort die Siedlung durch die US-Armee errichtet. Nach deren Abzug im Sommer 1993 kaufte der neu gegründete Zweckverband Pattonville-Sonnenbergsiedlung das Gelände vom Bund ab und teilte es auf Kornwestheim und Remseck am Neckar auf. Als Ausgleich für die in Pattonville hinzugewonnene Fläche gab Kornwestheim seinen Anteil an der Sonnenbergsiedlung an Ludwigsburg ab, die sich zuvor zum großen Teil auf Kornwestheimer Gemarkung befunden hatte. Danach wurde Pattonville zivil besiedelt. Neubauten und Umbauten der Häuser erfolgten. Der östliche, größere Teil Pattonvilles befindet sich nach wie vor auf Aldinger Gemarkung und gehört damit zur Nachbarstadt Remseck am Neckar.
Religionen Kornwestheim gehörte ursprünglich zum Bistum Konstanz und war dem Landkapitel Cannstatt zugeordnet. Nach Einführung der Reformation in Württemberg und damit auch in Kornwestheim ab 1534 war die Bevölkerung über mehrere Jahrhunderte hinweg überwiegend protestantisch. Zunächst gehörte Kornwestheim zum Dekanat beziehungsweise Kirchenbezirk Cannstatt, später zum Dekanat beziehungsweise Kirchenbezirk Ludwigsburg der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Die ursprünglich einzige Kirchengemeinde (Martinskirche von 1516 ff.) wurde wegen ihrer Größe aufgeteilt. Es entstanden die Johannesgemeinde (1921 als Notkirche erbaut, heutige Johanneskirche mit Gemeindehaus von 1955), die Paulusgemeinde (Kirche von 1968, aufgegeben 2019) und die Thomasgemeinde (Gemeindehaus von 1975, das ökumenisch genutzt wird). Diese bilden heute zusammen die Gesamtkirchengemeinde Kornwestheim. Die Martinsgemeinde betreut auch die Protestanten des Stadtteils Pattonville (der teilweise auch zur Stadt Remseck am Neckar gehört). In Pattonville steht die 2001 eingeweihte evangelische Heilig-Geist-Kirche, in der regelmäßig Gottesdienste gehalten werden.
Ende des 19. Jahrhunderts zogen auch Katholiken nach Kornwestheim. 1920 wurde für die junge Gemeinde eine eigene Pfarrei mit der Kirche St. Martinus errichtet, die 1958 neu erbaut wurde. Das 1975 erbaute Thomasgemeindehaus wird auch von den Katholiken genutzt. Die Pfarrei St. Martinus Kornwestheim bildet heute eine eigene Seelsorgeeinheit innerhalb des Bistums Rottenburg-Stuttgart.
Neben den beiden großen Kirchen gibt es in Kornwestheim auch Freikirchen, darunter eine Evangelisch-methodistische Kirche. Weiterhin ist auch die Neuapostolische Kirche in Kornwestheim vertreten.
Einwohnerentwicklung
Die Einwohnerzahlen sind Schätzungen, Volkszählungsergebnisse oder amtliche Fortschreibungen der jeweiligen Statistischen Ämter (nur Hauptwohnsitze).
Jahr Einwohner 1595 620 1694 470 1758 628 1803 936 1834 1.373 1855 1.441 1. 12. 1871 1.498 1. 12. 1880 1.723 1. 12. 1890 1.868 1. 12. 1900 2.628 1. 12. 1910 4.088 16. 6. 1925 7.953 Jahr Einwohner 16. 6. 1933 10.200 17. 5. 1939 14.706 12. 1945 12.622 13. 9. 1950 20.734 6. 6. 1961 26.296 27. 5. 1970 28.843 31. 12. 1975 27.771 31. 12. 1980 27.037 25. 5. 1987 28.061 31. 12. 1990 29.198 31. 12. 1995 29.818 31. 12. 2000 29.863 Jahr Einwohner 31. 12. 2005 30.789 31. 12. 2010 31.292 31. 12. 2015 33.153 31. 12. 2020 33.743
Politik Gemeinderat Der Gemeinderat in Kornwestheim besteht aus den 26 gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Oberbürgermeister als Vorsitzendem. Der Oberbürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem Ergebnis.
Parteien und Wählergemeinschaften% 2024Sitze 2024 %2019 Sitze2019 %2014 Sitze2014 CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands28,707 24,45 6 34,25 9 SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands16,674 18,47 5 25,59 7 FW Freie Wählervereinigung Kornwestheim e. V.17,114 19,77 5 14,64 4 GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen17,465 22,13 6 16,16 4 FDP Freie Demokratische Partei14,004 10,83 3 4,46 1 Linke DIE LINKE—— 4,36 1 4,91 1VielfaltBündnis für Vielfalt6,072———— gesamt10026 100 26 100 26 Wahlbeteiligung56,75 % 55,54 % 52,1 %
Bürgermeister An der Spitze der Gemeinde Kornwestheim stand ein Schultheiß, der seit 1930 die Amtsbezeichnung Bürgermeister und seit der Erhebung zur Großen Kreisstadt am 1. April 1956 die Bezeichnung Oberbürgermeister führt. Dieser wird von den Wahlberechtigten auf acht Jahre direkt gewählt. Er ist Vorsitzender des Gemeinderats. Seine allgemeinen Stellvertreter sind der 1. Beigeordnete mit der Amtsbezeichnung Erster Bürgermeister und der 2. Beigeordnete mit der Amtsbezeichnung Bürgermeister. Gemeinde- bzw. Stadtoberhäupter seit 1675 mini|Rathaus und Jubiläumsbrunnen 1675–1685: Johann Jakob Weißmann 1685–1688: Johann Hieronimus Seefried 1688–1694: Jakob Kaspar Sutor 1694–1704: Georg David Herbst