Bad Zwesten (bis 1992 Zwesten) ist eine Gemeinde im nordhessischen Schwalm-Eder-Kreis, in der es eine unter dem Namen Bad Zwestener Löwensprudel bekannte Mineralquelle gibt. Der Ort ist ein Kurort mit zwei Kliniken, der als Heilquellenkurbetrieb und Luftkurort seit 1992 den Namenszusatz Bad führt.

Geografie mini|ohne|hochkant=1.5|Bad Zwesten vom Berg Altenburg gesehen, links der alte Ortskern mit Kirche, rechts Neubaugebiet und Hardtwaldkliniken Geografische Lage Bad Zwesten liegt in den östlichen Ausläufern des Kellerwalds etwa 8 km (Luftlinie) südöstlich von Bad Wildungen. Der Ort mit seinen Ortsteilen befindet sich in den Tälern der Schwalm, eines südlichen Nebenflusses der Eder, und ihrer Zuflüsse Wälzebach und Urff. Außerdem liegt er an der Ostgrenze des Naturparks Kellerwald-Edersee. Die südlichen Ortsteile Oberurff-Schiffelborn und Niederurff befinden sich an der Urff, die unterhalb von Niederurff in die Schwalm mündet. Die höchste Erhebung ist der 636 Meter hohe Hunsrück im Kellerwald, nicht zu verwechseln mit dem westlich des Rheins gelegenen Mittelgebirge Hunsrück.

Nachbargemeinden Bad Zwesten grenzt im Norden an die Stadt Fritzlar, im Osten an die Stadt Borken, im Süden an die Gemeinden Neuental und Jesberg (alle im Schwalm-Eder-Kreis) sowie im Westen an die Gemeinde Haina und die Stadt Bad Wildungen (beide im Landkreis Waldeck-Frankenberg).

Gemeindegliederung Bad Zwesten (Sitz der Gemeindeverwaltung): 2.608 Einwohner Betzigerode: 198 Einwohner Niederurff: 381 Einwohner Oberurff-Schiffelborn: 623 Einwohner Wenzigerode: 177 Einwohner Einwohnerzahlen Stand 31. Dezember 2024

Geschichte mini|Brunnentempel Zwesten Die älteste bekannte schriftliche Erwähnung von Zwesten erfolgte in der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts im Codex Eberhardi als „Tuwesten“.

1538 kam es bei der Hochzeit Otto von Löwensteins zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen adligen Festteilnehmern und aufgebrachten Bauern des Dorfes, der sogenannten „Zwestener Bluthochzeit“.Manfred-Guido Schmitz: Die "Bluthochzeit von Zwesten", der Prozeß vor dem Kaiser und das Attentat auf König Jérôme: Als Bad Zwesten "Schlagzeilen machte". M.-G.-Schmitz-Verlag, Kelkheim, 2003, ISBN 978-3-9222-7281-6

Der seit Jahrhunderten bekannte Sauerbrunnen südlich des Ortes wurde 1914 mit einer Brunneneinfassung versehen. Ab 1922 wurde die Quelle durch einen Abfüllbetrieb als Zwestener Löwensprudel wirtschaftlich genutzt. Bereits 1932 wurde die Quelle als „gemeinnützig“ anerkannt und 1960 wurde sie zur staatlich anerkannten Heilquelle erklärt. Sie bildete die Grundlage für den Fremdenverkehr.

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurden zum 31. Dezember 1971 die bis dahin selbständigen Gemeinden Betzigerode, Niederurff, Oberurff-Schiffelborn, Wenzigerode auf freiwilliger Basis eingemeindet. Für alle durch die Gebietsreform eingegliederten Ortsteile wurde je ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung eingerichtet.

1992 wurde die Gemeinde Kurort. Dabei wurde ihr das Prädikat Heilbad verliehen und der Name in „Bad Zwesten“ geändert. Das Prädikat wurde 2012 in „Heilquellenkurbetrieb und Luftkurort“ geändert.

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011

Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag, den 9. Mai 2011, in Bad Zwesten 3917 Einwohner. Nach dem Lebensalter waren 716 Einwohner unter 18 Jahren, 1582 zwischen 18 und 49, 917 zwischen 50 und 64 und 708 Einwohner waren älter. Unter den Einwohnern waren 155 (4,0 %) Ausländer, von denen 84 aus dem EU-Ausland, 34 aus anderen europäischen Ländern und 34 aus anderen Staaten kamen. Die Einwohner lebten in 1798 Haushalten. Davon waren 576 Singlehaushalte, 468 Paare ohne Kinder und 518 Paare mit Kindern sowie 201 Alleinerziehende und 36 Wohngemeinschaften. In 297 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 1248 Haushaltungen lebten keine Senioren.

Einwohnerentwicklung Quelle: Historisches Ortslexikon • 1575/85: 105 Hausgesesse • 1742: 122 Häuser • 1747: 119 Hausgesesse

Historische Erwerbstätigkeit • 1961 Erwerbspersonen: 170 Land- und Forstwirtschaft, 248 produzierendes Gewerbe, 64 Handel und Verkehr, 84 Dienstleistungen und Sonstiges

Religion Historische Religionszugehörigkeit Quelle: Historisches Ortslexikon • 1861: 890 evangelisch-reformierte, 7 evangelisch-lutherische, 4 katholische, 74 jüdische Einwohner • 1885: 794 evangelische (= 91,26 %), keine katholischen, 76 jüdische (= 8,74 %) Einwohner • 1961: 1083 evangelische (= 86,16 %), 158 katholische (= 12,87 %) Einwohner • 1987: 2486 evangelische (= 78,30 %), 347 katholische (= 10,63 %), 342 sonstige (= 10,77 %) Einwohner • 2011: 2512 evangelische (= 64,16 %), 507 katholische (= 12,95 %), 896 sonstige (= 22,89 %) Einwohner

Jüdische Gemeinde mini|Stolpersteine vor den früheren Wohnhäusern jüdischer Familien in Bad Zwesten

Erstmals urkundlich erwähnt wurden jüdische Mitbürger in Zwesten 1646 als Schutzjuden. Mitte des 18. Jahrhunderts lebten 15 jüdische Familien mit 61 Personen im Ort. In den Nachbardörfern Oberurff und Niederurff lebten zu dieser Zeit 21 bzw. 43 jüdische Personen. Wahrscheinlich wurde in Zwesten um 1741 eine Synagoge gebaut, die 1769 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Anfang des 20. Jahrhunderts waren die jüdischen Mitbürger in Vereinen und Verbänden sowie aufgrund ihrer Teilnahme am Ersten Weltkrieg aktiv in das Gemeindeleben eingebunden. Während der Novemberpogrome 1938 wurde die Synagoge geschändet, danach als Scheune benutzt und 1969 abgerissen. 1938 lebten 84 jüdische Mitbürger in Bad Zwesten, von denen viele den Ort verließen. Die letzte Familie wurde 1941 von der Gendarmerie in Jesberg deportiert, so dass der Ort im nationalsozialistischen Sinne als judenfrei galt.

Politik Gemeindevertretung Für die Gemeindevertretung der Gemeinde Bad Zwesten erbrachte die Kommunalwahl am 15. März 2026 folgendes amtliche Endergebnis,Votemanager: Amtliches Endergebnis der Gemeindewahl am 15. März 2026 - 23° Election Manager: Bad Zwesten 2026 in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:Votemanager: Amtliches Endergebnis der Gemeindewahl am 14. März 2021

Gemeindevertretung – Kommunalwahlen 2026

Wahlvorschläge%2026Sitze2026%2021Sitze2021%2016Sitze2016%2011Sitze2011%2006Sitze2006%2001Sitze2001 36,0 8 37,3 9 42,5 10 34,7 8 42,4 10 43,7 10 42,6 10 29,4 7 25,4 6 31,9 7 28,2 6 30,6 7 13,3 3 18,6 4 15,7 3 16,1 4 11,6 3 11,6 3 8,1 2 – – – – – – – – – – BL Bürgerliste Bad Zwesten – – 14,7 3 16,3 4 5,8 1 9,3 2 5,9 1 – – – – – – 11,4 3 8,5 2 8,2 2 Gesamt 100,0 23 100,0 23 100,0 23 100,0 23 100,0 23 100,0 23 Wahlbeteiligung in % 59,7 57,0 55,0 69,7 58,1 67,4

Bürgermeister Nach der hessischen Kommunalverfassung wird der Bürgermeister für eine sechsjährige Amtszeit gewählt, seit dem Jahr 1993 in einer Direktwahl, und ist Vorsitzender des Gemeindevorstands, dem in der Gemeinde Bad Zwesten neben dem Bürgermeister ehrenamtlich ein Erster Beigeordneter und sieben weitere Beigeordnete angehören.Gremien: Gemeindevorstand Bürgermeister ist seit dem 1. Juli 2023 der parteiunabhängige Achim Siebert. Er wurde als Nachfolger von Michael Köhler (FDP), der nach vier Amtszeiten nicht wieder kandidiert hatte, am 12. März 2023 im ersten Wahlgang bei 60,6 Prozent Wahlbeteiligung mit 58,7 Prozent der Stimmen gewählt.hessenschau: Bürgermeisterwahl am 12. März 2023 in Bad Zwesten

Amtszeiten der Bürgermeister; Hinweis: für die Ansicht der archivierten Einzelergebnisse ggf. die Endung index.html aus der Webadresse löschen und diese dann neu laden 2023–2029 Achim Siebert (CDU, als Unabhängiger angetreten)HNA, 30. Juni 2023: Achim Siebert ist der neue Bürgermeister von Bad Zwesten: „Ab Samstag, 1. Juli, ist Achim Siebert der neue Bürgermeister von Bad Zwesten“ 1999–2023 Michael Köhler (früher FDP)HNA, 25. Juni 2023: Bürgermeister Michael Köhler verabschiedet sich nach 24 Jahren im Amt 1976–1999 Heinrich Haupt (SPD) 1960–1976 Heinrich Schmidt (SPD)

Ortsbeiräte Für alle durch die Hessische Gebietsreform eingegliederten Ortsteile besteht je ein Ortsbezirk nach Maßgabe der §§ 81 und 82 HGO und des Kommunalwahlgesetzes in der jeweils gültigen Fassung. In jedem Ortsbezirk besteht der Ortsbeirat aus fünf bis sieben Mitgliedern. Der Ortsbeirat des Ortsbezirks wird im Rahmen der Kommunalwahlen gewählt und bestimmt aus seiner Mitte den/die Ortsvorsteher/in. Die Ortsbezirksgrenzen entsprechen den Gemarkungen der ehemaligen Gemeinden.

Partnerschaften Die Gemeinde Bad Zwesten unterhält offizielle Partnerschaften mit Chaumont-en-Vexin (Frankreich, seit 1986) und Finsterbergen (Thüringen, seit 1991).

Wappen Am 15. September 1967 wurde der Gemeinde Zwesten im damaligen Landkreis Fritzlar-Homberg ein Wappen mit folgender Blasonierung verliehen:

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|300px|Acker- und Waldlandschaft des Kellerwaldes in Ortsnähe

Die evangelische Kirche in Bad Zwesten wurde im Mittelalter als Wehrkirche erbaut. Sie weist im Turm Schießscharten auf und verfügt in Teilen noch über eine zwei bis drei Meter hohe Wehrmauer, ebenfalls mit Schießscharten.

Das Schloss Zwesten besteht aus einem Herrenhaus und einem so genannten Kavaliershaus, dem ehemaligen Gesindehaus. Der Gebäudekomplex am südlichen Ortsrand entstand im 18. Jahrhundert als landwirtschaftlicher Gutsbetrieb. Das Herrenhaus ließ Wilhelm Treusch von Buttlar 1782 errichten. Der klassizistische Bau wird seit dem Bau einer Portikus um 1915 Schloss genannt. Heute wird die Anlage als Arztpraxis, Wohnhaus und Wellness-Hotel genutzt.

Etwa einen Kilometer nordwestlich des Ortes am Kellerwaldsteig befindet sich auf dem Weg zum hohen Lecktopf der „Sorgenstuhl“, ein Stein mit einer stuhlförmigen Sitzfläche. An ihm können symbolisch Sorgen abgeladen werden, was durch altarmäßig hinterlassene Gegenstände der Besucher deutlich wird. Eine weitere Felsformation, am Westhang des Treisbergs etwa einen Kilometer westlich des Ortes oberhalb des Wälze-Bachs gelegen, erhielt 2017 den Namen „Hoffnungsfelsen“. Er soll Wanderern die Gelegenheit geben, Hoffnung und Zuversicht zu schöpfen.

Seit 1995 besteht ein Heimatmuseum in einem historischen Wohnhaus im Ortskern. Es stellte die Ortsgeschichte dar und präsentiert historische Einrichtungsgegenstände der Region.

2000 wurden in Bad Zwesten die privat initiierten Bad Zwestener Meisterkonzerte ins Leben gerufen. Die Veranstaltungen der Konzertreihe mit hauptsächlich klassischer sowie zeitgenössischer Musik finden zumeist im Kurhaus oder in der Hardtwaldklinik II statt.

Beim Bad Zwestener Ortsteil Oberurff-Schiffelborn befindet sich die Burgruine Löwenstein auf einer hohen Erhebung. Von der Burg sind Mauerreste, der Burgbrunnen und ein Gewölbekeller erhalten. Die Gebäudereste wurden 2002 aufwendig gesichert. Der Bergfried wurde begehbar gemacht und ist als Aussichtsturm zugänglich. Er bietet weiten Ausblick auf die Schwalmpforte, das Tal der Urff und die Nationalpark-Region Kellerwald-Edersee.

Im Ortsteil Niederurff gibt es eine Wehrkirche, die mit der Burg Niederurff eine Einheit bildete. Davon sind die Wehrmauern mit Schießscharten sowie der Burggraben erhalten. Die Burg war Sitz der Herren von Urff.

Das Schloss Oberurff liegt im Ortsteil Oberurff-Schiffelborn. Es ist ein neubarocker Bau, der 1877 von Prinz Philipp von Hanau-Hořovice, dem jüngsten Sohn des Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Hessen-Kassel aus dessen morganatischer Ehe mit Gertrude Lehmann, erbaut wurde. Seit 1952 wird es als Internat genutzt.

Durch Bad Zwesten führt der Kellerwaldsteig, ein Rundwanderweg im Naturpark Kellerwald-Edersee. Der mit Kunstwerken ausgestattete Barbarossaweg X8 führt im Norden der Gemeinde am Ortsteil Wenzigerode vorbei. Die Künstlerinitiative Ars Natura hat darüber hinaus einen Rundweg (Markierung X8a) zwischen Wenzigerode und dem Kernort Bad Zwesten als Kunstwanderweg eingerichtet.