Die Iljuschin Il-2 „Schturmowik“ (, Schlachtflugzeug) ist ein ein- oder zweisitziges, einmotoriges, stark gepanzertes Schlachtflugzeug, das im Zweiten Weltkrieg von den sowjetischen Luftstreitkräften (WWS) eingesetzt wurde. Es ist eines der meistgebauten Flugzeuge der Welt. Die Hauptaufgabe dieses Flugzeugs war die Bekämpfung gepanzerter Fahrzeuge, obwohl es auch gegen „weiche Ziele“ eingesetzt wurde. Die Sowjets selbst nannten es „Fliegenden Panzer“ oder liebevoll „Iljuscha“. Von deutschen Jagdpiloten wurde die Il-2 auch „Betonflugzeug“ genannt, da sie direkte Treffer einer 20-mm-Kanone überstehen konnte und mit Maschinengewehren kaum abzuschießen war.

Geschichte Entwicklung mini|Il-2M3 mit 37-mm-Maschinenkanonen (Moskau, März 1943) mini|Notgelandete Il-2, Ukraine im September 1942 Der Entwurf beruhte auf einem Aufruf Josef Stalins zur Entwicklung eines Mehrzweckflugzeuges für die sowjetischen Luftstreitkräfte aus dem Jahre 1936. Es sollte die Bezeichnung „Iwanow“ erhalten. Obwohl sich Sergej Iljuschin an diesem Wettbewerb offiziell nicht beteiligte, begann er, Studien über ein solches Flugzeug durchzuführen. Kern dieser Überlegungen war es, eine optimale Kombination aus Masse, Panzerung, Feuerkraft und Geschwindigkeit zu erzielen. Revolutionär war hier die Überlegung, die Panzerung als Teil der Struktur des Flugzeuges auszuführen. Im Gegensatz zu anderen gleichzeitigen Entwicklungen besaß das Flugzeug keine herausnehmbaren Panzerplatten, die dünner ausgeführt werden mussten, um Gewicht zu sparen. 1938 waren seine Überlegungen so weit gediehen, dass er in einem Brief an den Zentralrat der KPdSU vom 27. Januar 1938 darum bat, ihn mit der Konstruktion zu beauftragen. Sein Vorschlag wurde angenommen und am 5. Mai offiziell bewilligt.

Im Januar 1939 wurden die technischen Anforderungen an das Modell herausgegeben und der Bau des ersten Versuchsmusters begann. Die Arbeiten konnten noch im selben Jahr abgeschlossen werden, so dass Testpilot Wladimir Kokkinaki am 2. Oktober 1939 mit der ZKB-55 zum Erstflug startete (ZKB = Zentrales Konstruktionsbüro). Eine zweite ZKB-55 flog am 30. Dezember 1939. Als Antrieb der zweisitzigen Maschine diente ein V12-Motor Mikulin AM-35. Die Werkserprobung war am 26. März 1940 abgeschlossen und die ZKB-55 begann im NII (Forschungsinstitut der WWS) die staatliche Erprobung. Sie dauerte vom 1. bis zum 20. April und bescheinigte dem Typ die Eignung als Schlachtflugzeug. Als militärische Bezeichnung wurde das Kürzel BSch-2 vergeben (). Allerdings wurde von der Militärkommission die geringe Geschwindigkeit von 362 km/h aufgrund der geringen Leistungsfähigkeit des AM-35 in niedrigen Höhen bemängelt. Auf Bitte Iljuschins begann der Triebwerkskonstrukteur Mikulin deshalb in Eigeninitiative die Entwicklung des leistungsstärkeren AM-38, die noch im selben Jahr abgeschlossen wurde.

Als die Vorbereitungen zum Bau einer kleinen Vorserie fast abgeschlossen waren, erging plötzlich die Forderung, die BSch-2 zum Einsitzer umzurüsten, da ein nach hinten feuernder Bordschütze als überflüssig angesehen wurde. Iljuschin baute deshalb die erste ZKB-55 dementsprechend um und ersetzte gleichzeitig den AM-35 durch den AM-38. Die Erprobung erfolgte als ZKB-57 vom 12. bis zum 22. Oktober 1940. Das Flugzeug erreichte dabei dank des stärkeren Motors in Bodennähe 423 km/h. Die Militärs erkannten jedoch die Notwendigkeit eines solchen Flugzeuges nicht und so erfolgte kein Auftrag zur Serienproduktion. Erst nach einem Treffen von Iljuschin und Mikulin mit Stalin im Dezember 1940 wurde von diesem persönlich der Bau angeordnet.

Die Vorbereitungen zur Serienfertigung begannen nach einigen Änderungen im Januar 1941 im Flugzeugwerk 18 in Woronesch unter der Bezeichnung ZKB-55P. Noch im selben Monat erhielt das Flugzeug die offizielle Bezeichnung Il-2. Die staatliche Erprobung der ZKB-55P/Il-2 dauerte vom 28. Februar bis zum 20. März 1941 und wurde durch A. Dolgow durchgeführt. Parallel dazu begann im Februar die Serienfertigung. Der Erstflug der ersten Serien-Il-2 erfolgte am 10. März 1941. Bis zum Kriegsbeginn am 22. Juni 1941 wurden 249 Il-2 an die WWS geliefert (zwei im März, 14 im April, 74 im Mai, 159 im Juni). Kurz darauf erfolgte die Verlegung des Werkes nach Kuibyschew. Noch im Herbst desselben Jahres war die Evakuierung abgeschlossen und die Il-2 wurde von da an in stetig steigenden Zahlen den ganzen Krieg hindurch hergestellt und an die Fronteinheiten geliefert. Das ebenfalls nach Kuibyschew evakuierte Moskauer Werk Nr. 1 wurde ebenso in den Bau mit eingebunden wie das 1942 auf dessen alten Standort eingerichtete Werk Nr. 30.Ulf Gerber: Das große Buch der sowjetischen Luftfahrt 1920–1990. Rockstuhl, Bad Langensalza 2019, ISBN 978-3-95966-403-5, S. 605, 606 und 610. Im Jahr 1945 wurde die Produktion auf das Nachfolgemodell Il-10 umgestellt.

Konstruktion Die Il-2 war in Gemischtbauweise konstruiert, Stahl und Aluminium am Vorderrumpf und Tragflächen, der Hinterrumpf aus geklebten Holzschalen und stoffbespannten Rudern am Leitwerk.

Der Pilot sowie wichtige Teile der Technik wie Motor, Kühlung und Treibstofftanks waren bei den frühen Versionen mit bis zu 7 mm, später mit bis zu 12 mm starkem Panzerstahl geschützt. Allein 15 Prozent des Gesamtgewichts entfielen auf die starke Panzerung (nach anderen Angaben sogar bis zu 19,3 Prozent)Hans Redemann: Die bahnbrechenden Konstruktionen im Flugzeugbau. 1. Auflage, Motorbuch, Stuttgart 1989, S. 114., die Motor, Tank, Besatzung und Kühlsystem schützte.vgl. Olaf Groehler: Geschichte des Luftkriegs 1910 bis 1980. Militärverlag der Deutschen Demokratischen Republik, Berlin 1981, S. 330. Die Kabine selbst war nach vorn durch ein 64 mm starkes Panzerglas K-4 geschützt. Die Panzerwanne war integraler Bestandteil der Flugzeugkonstruktion und im Unterschied zu anderen Entwicklungen jener Zeit nicht separat montiert. Durchbrochen wurde sie unter dem Rumpf für die Kühler. Durch diese Panzerung war das Flugzeug mit MG-Beschuss kaum zu bekämpfen. Auch größere Kaliber führten nicht unbedingt zum Erfolg, da die Geschosse je nach Aufprallwinkel häufig abprallten. Die bei späteren Versionen wieder hinzugefügte Kabine für den Bordschützen war jedoch nicht in die Panzerung eingeschlossen und erhielt nach hinten nur eine 6-mm-Panzerplatte.

In der ersten Etappe des Krieges wurden Treibstofftanks aus Metall eingebaut, bei denen nach wenigen Tagen Risse an den Schweißstellen auftraten. Bei Geschosstreffern verhinderte der Grat an der Austrittsöffnung, dass die Gummischicht, die den Tank umschloss, sich wieder zusammenzog. Daraufhin entwickelte man Tanks aus einer speziellen Papiersorte, sogenanntem Blattfiber, die bei Beschusstests mit dem Kaliber 7,92 mm sowie 13-mm-Granaten selbst bei 17 Treffern noch dicht hielten. Sie sparten zusätzlich noch 56 Kilogramm Metall je Flugzeug ein. Nach und nach erhielten alle sowjetischen Flugzeuge solche Tanks.Alexei I. Schachurin: Flügel des Sieges. Berlin 1989, S. 214 f.

Einsatz mini |Il-2M3 bei der Schlacht um Kursk (Juli 1943) mini |Il-2M3 über Berlin (Mai 1945) Bei den ersten Kämpfen erlitten Il-2-Verbände größere Verluste, bedingt durch den fehlenden Jagdschutz und die mangelnde Verteidigungsfähigkeit nach hinten. Dazu kam, dass die Piloten die Umschulung auf die Maschine noch nicht beendet und keine Waffen getestet hatten sowie eine Einsatztaktik für die Maschinen fehlte. So griff am 27. Juni 1941 das 4. Schlachtfliegerregiment (das zu diesem Zeitpunkt über 63 Maschinen verfügte) erstmals mit Il-2 eine deutsche Panzerkolonne an. Bis zum 2. Juli verlor das Regiment 20 Piloten und 44 Il-2. Bis zum Ende 1941 gingen von den 1500 an die Luftstreitkräfte gelieferten Maschinen 1100 verloren, wobei sich auch der Verlust an Piloten katastrophal auswirkte. So wurden die Verluste durch nur wenige Stunden auf der Maschine geschulte Piloten ersetzt, die teilweise nur geradeaus fliegen und mit Mühe starten und landen konnten. Ein Waffeneinsatz wurde nicht gelehrt und so wurden viele schon beim ersten Einsatz abgeschossen. Vom Boden ging von der 20-mm- und 37-mm-Flak eine hohe Gefahr aus. In der Luft erzielten die deutschen Jäger wegen des fehlenden Schutzes nach hinten und der mangelhaften Ausbildung der Piloten (ihnen blieb nur die Flucht im Tiefstflug) beim Angriff von seitlich oder hinten unten sowie aus kurzer Entfernung auf die ungeschützte Heckseite hohe Abschussquoten.Rainer Göpfert: Schlachtflugzeug Iljuschin Il-2. In: Fliegerrevue Nr. 9/2015. PPV Medien, Bergkirchen, , S. 53. Im Februar 1942 wurde darum beschlossen, die Il-2 entsprechend Iljuschins früheren Entwürfen wieder zum Zweisitzer umzubauen. Die Erprobung dieses als Il-2M bezeichneten Modells erfolgte im März desselben Jahres, gleichzeitig wurde der stärkere AM-38F-Motor eingebaut. Die WWS erhielten diese Il-2 ab September/Oktober 1942. Die Maschine verfügte unter anderem über zwei in den Flügeln eingebaute 23-mm-Kanonen; deren Granaten waren in der Lage bis zu 25 mm dicke Stahlplatten zu durchschlagen.Redemann: Flugzeugbau, S. 116. Als Waffe für den Bordschützen diente ein Beresin-UBT-Maschinengewehr im Kaliber 12,7 mm. Da die Panzerung für diesen unzureichend war, ergaben sich hohe Verluste. So wurden im Laufe des Krieges fast dreimal so viele Schützen wie Piloten getötet.

Der Oberbefehlshaber der Luftflotte 2 Albert Kesselring berichtet dagegen aus seiner Zeit an der Ostfront bis Ende 1941, dass von den Heeresverbänden laufend Einsätze von Jagdfliegern gegen die und sowjetischen Schlachtflieger angefordert wurden, aber diese wegen fehlender Waffenwirkung kaum Erfolg hatten und nur zur Beruhigung der Erdtruppe geflogen wurden.Albert Kesselring: Soldat bis zum letzten Tag. Schnellbach 2000, S. 123, 130 und 132.

Laut Walter A. Musciano war die Il-2 sehr schwer abzuschießen. Für die deutschen Jagdflieger war es ein mühseliges Unterfangen eine Il-2 anzugreifen, da sie so tief und langsam flog und das sehr großkalibrige MG des Heckschützen, selbst wenn es nicht traf, den Angreifer entnervte.Walter A. Musciano: Die berühmten Me 109 und ihre Piloten. 1939–1945. Augsburg 1994, S. 206 f.

Ab August 1942Bishop, Chris (Hrsg.): Waffen des Zweiten Weltkrieges. Eine Enzyklopädie. Weltbild Verlag GmbH, Augsburg 2000, S. 348. liefen die ersten Maschinen des verbesserten Modells Il-2M-3, die leistungsfähigste Version des Typs, den Luftstreitkräften zu. Sie besaß verbesserte Flugeigenschaften und war an den gepfeilten Außenflügeln erkennbar. Sie war die am meisten produzierte Il-2-Version; der Höchststand an verfügbaren Maschinen – etwa 10.000 Exemplare – wurde vermutlich im Winter 1943/44 beziehungsweise Anfang 1944 erreicht. Eine kleine Anzahl dieser Maschinen erhielt je zwei Unterflügelstationen mit 37-mm-Kanonen NS-37. Obgleich diese Kanonen bis zu 48 mm Panzerstahl durchschlagen konnten,Redemann: Flugzeugbau, S. 117. was für die deutschen Panzerkräfte, vor allem bei Attacken gegen hintere Fahrzeugbereiche und die Decken der Panzer, ein erhebliches Bedrohungsmoment darstellte, setzte sich dieses Konzept nicht durch, da die sowjetischen Konstrukteure panzerbrechenden Raketen und Bomben den Vorzug einräumten.

Erfolgreiche Il-2-Piloten des Zweiten Weltkrieges waren unter anderem die zweifachen Helden der Sowjetunion Talgat Begeldinow (über 300 Einsätze), Iwan Pawlow (250), Grigori Siwkow (243), Michail Bondarenko (230), Anatoli Brandis (228), Nikolai Semjeiko (227), Alexander Jefimow (222) und Leonid Beda (213). Auch der spätere Kosmonaut Georgi Beregowoi flog 185 Kampfeinsätze mit der Il-2.