Hückeswagen ist eine Kleinstadt im Norden des Oberbergischen Kreises im Regierungsbezirk Köln in Nordrhein-Westfalen in Deutschland, ca. 40 Kilometer von Köln entfernt. Nachbarstädte sind Radevormwald, Wipperfürth, Wermelskirchen und Remscheid. Seit dem 19. März 2012 führt Hückeswagen den offiziellen Zusatz Schloss-Stadt. 19. März 2012.
Geographie mini|Karte von Hückeswagen
Durch Hückeswagen fließt die Wupper. Auf dem Stadtgebiet befinden sich zwei Talsperren: die Bevertalsperre und die Wuppertalsperre. Markant sind die enge Tallage der Stadt sowie der Schlossberg.
Ortschaften und Ortsteile Folgende Ortschaften und Ortsteile gehören zu Hückeswagen.
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Nachbargemeinden Remscheid Radevormwald Radevormwald Wermelskirchen Datei:Windrose klein.svg Wipperfürth Wermelskirchen Wipperfürth Wipperfürth
Geschichte mini|Marktstraße mit Pauluskirche hochkant|mini|Marktstraße von der Pauluskirche aus gesehen Hückeswagen war Stammsitz der Grafen von Hückeswagen und wurde im Jahr 1085 zum ersten Mal als fränkischer Salhof oder Sattelhof erwähnt. Die Nennung erfolgte in Form einer Bestätigung einer „Schenkung der Erbgüter der Essener Äbtissin Svanhild unter anderem durch Kaiser Heinrich IV.“Klaus Pampus: Urkundliche Erstnennungen oberbergischer Orte (= Beiträge zur Oberbergischen Geschichte. Sonderbd. 1). Oberbergische Abteilung 1924 e. V. des Bergischen Geschichtsvereins, Gummersbach 1998, ISBN 3-88265-206-3.
Der erste Graf, der in den Urkunden aus dem Jahr 1138 eindeutig identifiziert werden kann, war Friedrich von Hückeswagen. Bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts konnten sich die Hückeswagener dem Streben der Grafen von Berg nach Ausdehnung ihres Territoriums entziehen. Zwischen 1220 und 1240 aber zogen die Hückeswagener Grafen ins mährische Beskidenvorland und erbauten dort unter anderem die Burgen Hochwald, Schauenstein und Alt Titschein. Am 6. Juli 1260 wurde der Besitz an die Grafen zu Berg übergeben.
Von 1490 bis 1508 wurde die Nikolauskirche gebaut. Später wurde nach einem Brand an gleicher Stelle die Pauluskirche errichtet.
Während der Herrschaft des Herzogtums Berg war das Kirchspiel Hückeswagen Sitz der Verwaltung des Amtes Hückeswagen. 1555 erfolgte die administrative Vereinigung des Amtes Hückeswagen mit dem Amt Bornefeld.
In der Franzosenzeit wurde nach französischem Vorbild die Mairie Hückeswagen Kanton Lennep im Arrondissement Elberfeld des Großherzogtums Berg eingerichtet. Nachdem Berg 1814 an Preußen gefallen war, wurde aus der bergischen Mairie die preußische Bürgermeisterei Hückeswagen im neuen Kreis Lennep.
Die Stadtrechte nach der rheinischen Städteordnung wurden Hückeswagen am 4. April 1859 verliehen. Die Bürgermeisterei wurde 1861 in eine Stadtbürgermeisterei für die Stadt Hückeswagen und eine Landbürgermeisterei für die Landgemeinde Neuhückeswagen geteilt. Am 18. Oktober 1875 wurde die Stadt an das Eisenbahnnetz angeschlossen. Zur Zeit der Industrialisierung hatte Hückeswagen eine bedeutende Textilindustrie.
Am 1. Februar 1900 kam es zur lang angestrebten Vereinigung der Reformierten und der Lutherischen Gemeinde zu einer Evangelischen Gemeinde. Dies ist der Grund, warum die Gemeinde zwei Stadtkirchen hat.
Am 1. März 1920 wurden die Stadt Hückeswagen und die Landgemeinde Neuhückeswagen zu einer Stadt zusammengeschlossen.Amtsblatt der Regierung Düsseldorf 1920, S. 85.
Am 6. Februar 1923 wurde der Bahnhof Hückeswagen als Folge des Ruhrkampfs mit einer Vorhut von 100 französischen Soldaten besetzt. Dem ging voraus, dass die Deutsche Reichsbahn die Züge mit so genannter „Reparationskohle“ (Kohle die Deutschland an die Siegermächte des Ersten Weltkriegs zahlen musste) von Westen nach Osten umgeleitet hatte. Die Grenzen der besetzten zur unbesetzten Zone verliefen teilweise durch das heutige Stadtgebiet (→ Alliierte Rheinlandbesetzung). Die Posten standen auf dem Weg nach Pixberg, an der Fuhr, in der Reinsbach, in den Garagen der Firma Hueck/Dörpersteeg, am Tannenbaum und an der Eisenbahnbrücke am Schwarzen Weg. Mit einigen Unterbrechungen blieb Hückeswagen bis zum 24. Oktober 1924 in französischer Hand, danach zogen die Truppen wieder ab.Walter Dahlhaus: Der Ruhrkampf 1923/1924 in Hückeswagen. In: Leiw Heukeshoven. Heft 33, 1994, , S. 14–18.
Am 13. März 1932 wurden in Hückeswagen durch die aufstrebenden Nationalsozialisten drei Kommunisten – Bruno Blumberg, Johann Fries und Wilhelm „Willi“ Mondre – ermordet. Es folgte die größte politische Demonstration in der Geschichte der Stadt, viele Tausende Menschen begleiteten die Beerdigung. Am 21. November 2016 wurden für die drei Opfer vom Künstler Gunter Demnig Stolpersteine in Hückeswagen verlegt.
Nach der Machtergreifung der Nazis am 30. Januar 1933 wurden auch in Hückeswagen politische Oppositionelle verhaftet und im Konzentrationslager Kemna inhaftiert. Bürgermeister Leyhausen wurde abgesetzt und durch Albert Gimbel ersetzt, der bis Ende des Zweiten Weltkrieges Bürgermeister blieb und kurz vor der Besetzung durch die US-Amerikaner floh.
Die Nachkriegszeit der Stadt war durch viele Flüchtlinge aus dem Osten geprägt, die in Hückeswagen ein neues Zuhause fanden.
Die heute noch im Stadtbild vorhandenen Tuchmachervillen, vor allem in der Bachstraße, zeugen vom großen Wohlstand der Industriellenfamilien der Tuchweberindustrie.
Die Bedeutung der Stadt als Grundzentrum hat sich in den letzten Jahrzehnten verkleinert, die Nachbarstadt Wipperfürth konnte als Mittelzentrum einige kommunale und öffentliche Einrichtungen zu sich holen.
In den 1970er-Jahren erfuhr das Stadtbild durch eine Stadtkernsanierung eine große Wandlung. Einige alte Häuser wurden abgerissen, andere blieben stehen und wurden unter Denkmalschutz gestellt. Im Jahr 1975 verlor man bei der kommunalen Gebietsreform zudem auch den Ortsteil Bergisch Born an Remscheid. Im Zuge dieser Reform wurde der Rhein-Wupper-Kreis aufgelöst, dem Hückeswagen seit 1929 angehörte, und die Stadt dem Oberbergischen Kreis zugeordnet.
Seit dem Jahr 2005 vollzieht sich in Hückeswagen ein grundlegender Imagewandel. So gelang es der Stadt, maßgebliche Veranstaltungen nach Hückeswagen zu holen, unter anderem eine Open-Air-Musikveranstaltung und ein großes Sommerbobrennen 2008, das erste seiner Art weltweit, das 2012 zu einer offenen Sommerbob-Europameisterschaft erweitert werden soll. Die Gruppe BAP gab im Rahmen des WDR-2-Tages ein großes Freiluft-Rockkonzert. Zu den letzten größeren Veranstaltungen kamen jeweils über 10.000 Zuschauer. Anfang 2010 bekam Hückeswagen den Zuschlag für den Nordrhein-Westfalen-Tag im Jahr 2013. Hückeswagen hat sich für die kommenden Jahre zum Ziel gesetzt, die so genannte Energiewende schneller als andere Städte und Gemeinden im Umfeld zu schaffen. Die Stadt soll energieautark werden. Damit einher geht der Einstieg in ein nachhaltiges Elektromobilitätskonzept. Beide Ziele sind auch im Hinblick auf den NRW-Tag 2013 definiert worden, der jedoch im Mai 2012 abgesagt wurde.
Herkunft des Namens Eine These über die Herkunft des Namens besagt, dass die frühere Form Hukensuuage oder Huckengeswage so viel wie die Ansiedlung eines Mannes namens Hugobert oder Hugibald bedeutet. Der Heimatforscher Wilhelm Blankertz vertritt in seinen Veröffentlichungen eine andere Theorie. Demnach heißt die älteste Ortsbezeichnung Hukengesuuage, was so viel wie „Siedlung des Geschlechtes der Hunginger nahe dem Wasser“ bedeutet. Auf jeden Fall wird die Siedlung erstmals im Jahr 1085 in einer Schenkungsurkunde der Fürstäbtissin Swanhildis von Essen erwähnt, welche an einen damaligen Edelherrn für seine Hofschaft ausgestellt wurde. Um 1298 ist die Form Huckenshove belegt.
Einwohnerstatistik mini|400px|Einwohnerentwicklung von Hückeswagen von 2004 bis 2018 nach nebenstehender Tabelle
Jahr Einwohner 2004 16.393 2005 16.663 2007 16.155 2009 15.832 2010 15.643 2011 16.397 2012 15.139 2013 15.102 2014 15.029 2015 15.275 2018 15.060 2022 14.825
Konfessionsstatistik Gemäß dem Zensus 2011 waren 38,3 % der Einwohner evangelisch, 29,1 % römisch-katholisch und 32,6 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Religionsgemeinschaft an oder machten keine Angabe., Zensus 2011 Im Dezember 2025 waren von den 14.970 Einwohnern 27,7 % (4.144) evangelisch, 23,2 % (3.467) römisch-katholisch und 46,8 % (7.005) konfessionslos.Stadt Hückeswagen Zahlen und Fakten, abgerufen am 7. Februar 2026
Politik
Stadtrat mini|Stadtverwaltung im Schloss Hückeswagen Der Stadtrat der Stadt Hückeswagen hat 42 Sitze (davon zwölf Überhangmandate). Die Liste Freie aktive Bürger (FaB) spaltete sich im September 2000 von der Unabhängigen Wählergemeinschaft (UWG) ab.
Bürgermeister Dietmar Persian (parteilos) wurde am 23. März 2014 mit 55,13 % der Stimmen zum Bürgermeister gewähltWahl in Hückeswagen. Dietmar Persian ist neuer Bürgermeister. 24. März 2014. Auf RP-online. und 2020 mit 68,82 % im Amt bestätigt. Sein Vorgänger Uwe Ufer (parteilos) wurde am 10. Oktober 2004 in einer Stichwahl ins Amt gewählt, wobei er sich mit 55,7 % gegen Dietmar Persian (44,3 %) durchsetzte, und 2009 mit 91,8 % der abgegebenen Stimmen im Amt bestätigt. Am 29. April 2013 erklärte Ufer überraschend seinen Rücktritt mit Wirkung zum 31. Oktober 2013 In: Bergische Landeszeitung, 30. April 2013. und wurde Vorstand des Diakonischen Werkes in Köln.
Gemeinsame Bürgermeister (1814–1863) +ZeitraumBürgermeister1814–1834Wilhelm Arnold Johanny1834–1840Carl Rittinghausen1840–1842Wilhelm Wortmann1842–1851Joseph Schenk1851–1863Julius Wilhelm Wirth
Bürgermeister der Stadt Hückeswagen (1863–1920) +ZeitraumBürgermeister1863–1872Heinrich Gottfried Eschmann1872Otto Paulussen1873–1874Rudolf Thomas1874–1906Christian Langenfeld1906–1910Hugo Hagenkötter1910–1920Ludwig van Spankeren
Bürgermeister von Neuhückeswagen (1863–1920) +ZeitraumBürgermeister1863–1887Julius Wilhelm Wirth1887–1910Hugo Hagenkötter1910–1920Richard Leyhausen
Stadtdirektoren von Hückeswagen +ZeitraumStadtdirektor1946–1947Richard Leyhausen1947–1960Hans Hochstein1960–1978Günter Kröning1978–1997Hans Jürgen Pauck
Bürgermeister des vereinigten Hückeswagen (seit 1920)