mini|Das Wappen der Familie Bidembach Die Familie Bidembach (auch Bidenbach) war eine deutsche Gelehrtenfamilie. Die Ursprünge der Familie finden sich im Hessen des 16. Jahrhunderts, ab der zweiten Generation war sie aber in Württemberg ansässig. Am 6. Juni 1654 wurde die Familie in den Niederadel berufen und nannte sich fortan Bidembach von Treuenfels. Im 18. Jahrhundert erlosch sie.

Waren die ersten Familienvertreter der Theologie zuzuordnen, wandelte sich die Familie im 17. Jahrhundert zu einer Juristenfamilie und brachte später auch Diplomaten hervor.

Geschichte Die Geschichte der Familie Bidembach ist gemäß Julian Kümmerle eng mit der des Herzogtums Württemberg verbunden.S. 35. Sie führt von der Theologen- über die Juristen- zur Familie des reichsritterschaftlichen Niederadels.

Herkunft Der erste Namensträger der Familie Bidembach, Johann Bidembach, lebte in Grünberg (Oberhessen). Sein Vater ist unbekannt, aber der erste Sohn Johanns erinnerte sich, dass seine Großeltern und die vorherigen Generationen aus Württemberg stammen.S. 36. Dort wird aus den Akten des Hauptstaatsarchivs Stuttgart zitiert: ob Ich wohl Im land zu Hessen geporen, so seyend doch meinn ahna oder alltmuetter, und andere meine liebe vorelltern seelige, usser disem Fürstentumb gepürttige, und alle zeitt gutte geporne Württempergische leuth gewesen und erstörben. Johanns Mutter ist Margarete Wirtemberger, eine Enkelin Ludwigs I. von Württemberg-Urach.royalblood.co.uk: Johann Bidembach, der 1553 verstarb, heiratete Elisabeth von Petershain. Die Ehe brachte drei Kinder hervor, von denen die ersten beiden (Eberhard Bidembach und Balthasar Bidembach) noch in Grünberg geboren wurden. Nachdem Ulrich von Württemberg das Herzogtum zurückerobert hatte, wurde Johann Bidembach aus Hessen nach Württemberg versetzt und siedelte mit seiner Familie wieder dorthin zurück. Dort wurde sein dritter Sohn, Wilhelm Bidembach, geboren.

2. Generation (16. Jahrhundert) mini|Balthasar Bidembach mini|links|Eberhard Bidembach, Ausschnitt aus dem Epitaph Eberhard Bidembach selbst schrieb, erst durch die hohen Ämter seiner Vorfahren – sein Vater Johann war in der öffentlichen Verwaltung tätig – sei sein Aufstieg und der seiner Brüder in höhere Ämter ermöglicht worden. Die Ausbildung der drei Söhne am Stuttgarter Pädagogium sowie an der Universität Tübingen konnte auch erst durch des Vaters Kontakt mit Erhard Schnepf möglich gemacht werden. Diesem war die Begabung der Söhne aufgefallen, die er fördern wollte.S. 37–38. Nach dem Studium traten die drei Brüder unter anderem als Diakone, Pfarrer und Prediger in geistlichen Dienst; Eberhard Bidembach wurde auch Abt, während Wilhelm Bidembach kurzzeitig Professor in Tübingen war. Ferner war diese Generation von Melancholie betroffen, so hatte Wilhelm Bidembach Suizid begangen, in dem er von einem Turm sprang. Sein Tod löste eine Kontroverse aus, da er verschieden gedeutet wurde. Diese Familienvertreter können zur streng lutherischen Seite gezählt werden, sie waren bei den Calvinisten verhasst.Johann Joseph Ignaz von Döllinger: Die Reformation: ihre innere Entwicklung und ihre Wirkungen im Umfange des Lutherischen Bekenntnisses. Band 2, Georg Joseph Manz, Regensburg 1848, , S. 370. Diese behaupteten, Wilhelm habe eine falsche Lehre verteidigt und sein Tod sei eine Strafe Gottes gewesen. Auch Eberhard Bidembach soll am Ende seines Lebens melancholisch gelitten und Selbstmordabsichten gehabt haben.Johann Joseph Ignaz von Döllinger: Die Reformation: ihre innere Entwicklung und ihre Wirkungen im Umfange des Lutherischen Bekenntnisses. Band 2, Georg Joseph Manz, Regensburg 1848, S. 692.

3. Generation (16./17. Jahrhundert) mini|Felix Bidembach

In der dritten Familiengeneration hatte Wilhelms Sohn Felix Bidembach geistliche Ämter inne, so war er auch Abt. Auch Eberhard Bidembach der Jüngere war Theologe, Christoph Bidembach hingegen wurde Archivar. In dieser Generation begann der Wechsel von einer Theologen- zu einer Juristenfamilie. Johannes Bidembach war der erste Jurist der Familie, der den Übergang andeutete. Über weitere Bidembachs aus dieser Generation ist jedoch weniger bekannt; sie waren als Geistliche tätig, womit in dieser Generation Geistliche in Führungsschichten, aber auch in gewöhnlichen Pfarrstellen sowie Nicht-Theologen auftauchen.S. 51–45.

4. Generation (16./17. Jahrhundert) und Nobilitierung In der vierten Generation der Familie Bidembach schloss sich schließlich der Übergang zur Juristenfamilie ab. Der einzige Theologe, der aus dieser Generation hervorging, war Felix Bidembach der Jüngere, der unter anderem als Abt fungierte. Darüber hinaus war er aber in das Familienansehen beschädigende Konflikte verwickelt. Persönliche Konflikte versuchte er im Hinblick auf seine berühmten Vorfahren auszugleichen. Über die weiteren Generationsvertreter – allesamt Söhne Felix Bidembachs des Älteren – ist nichts weiteres bekannt, ausgenommen der Jurist Wilhelm Bidembach von Treuenfels. Er wurde am 6. Juni 1654 durch Kaiser Ferdinand III. in den Niederadel berufen, fortan nannte sich die Familie Bidembach von Treuenfels. Die nun geadelte Familie, die dem Ritterkanton Kocher zugeordnet wurde, änderte mit der Nobilitierung auch ihr Sozialverhalten.S. 45–46. Auf Wilhelm Bidembach trafen „Aufnahmebedingungen“S. 52. zu, die durch seinen Status als Gelehrten, Diplomaten sowie Reichshofrat und seinen Umgang erfüllt wurden. Außerdem besaß er bereits seit 1646 das Schloss zu Oßweil. Durch ihn war der Übergang zur Juristenfamilie endgültig vollzogen.

Die Familie Bidembach zählte vor und nach der Nobilitierung zu den führenden Repräsentanten des Territorialstaates Württemberg. Nach der Nobilitierung hingegen wirkten die Familienmitglieder als Diplomaten, in der Staatsverwaltung und auch im Militär. Allein durch die Zugehörigkeit zur Reichsritterschaft war aber keine finanzielle Sicherheit besiegelt; in der vierten Generation war es Wilhelm Bidembach, der durch seine angesehene Stellung den Lebensunterhalt der Familie grundlegend sicherte.S. 56–57.

5. Generation (17. Jahrhundert) mini|Georg Wilhelm Bidembach von Treuenfels Georg Wilhelm Bidembach von Treuenfels, ein Sohn Wilhelms, ist in der fünften Familiengeneration hervorzuheben. Man bot ihm eine Stellung als Reichshofrat an, die bei Reichsrittern des Kantons Kocher sehr verbreitet war. Allerdings nahm er die Stelle nicht an. Seine Brüder und Schwestern übten vergleichbare Eigenschaften aus, die ebenfalls als typisch für den Adel der Reichsritterschaft gelten, wie der Forstmeister Hercules sowie Felix (1617–etwa 1680), der hohe militärische Funktionen innehatte.S. 58–59.

6. und 7. Generation (17./18. Jahrhundert) Auch in der sechsten Generation hielt dieser Trend an. Wilhelm Friedrich Bidembach von Treuenfels war Jurist, Georg Philipp war Forstmeister. In der siebten, letzten Generation traten wieder militärische Funktionen auf: Philipp Eberhard Franciscus war Leutnant und fiel im Krieg, Wilhelm Ludwig hatte dieselbe Funktion inne. Hercules Felix war als Kriegsratspräsident, Kriegskommissar und Oberst auch in diesen Diensten tätig.S. 59.

Nach dem Tod des letzten Mannes der Familie, Hercules Felix, blieb Philippina Louisa von Cachedenier (geborene Bidembach von Treuenfels) die letzte Person der Familie. Sie verstarb 1749. Die siebte Generation war somit die letzte Generation der Familie Bidembach.

Besitztümer Allgemein waren die Rittergüter der Familie als Versammlungsort für Familienfeiern sowie als „Repräsentationsobjekte reichritterschaftlicher Herrschaft“ bedeutsam.S. 59.

1646 hatte Georg Wilhelm Bidembach von Treuenfels das Schloss zu Oßweil und somit die dortige Herrschaft bekommen, später regierte Wilhelm Friedrich. Als dieser 1693 starb, übernahm sein Bruder Georg Philipp die Mitvogtschaft. Dieser regierte unter anderem in Oßweil, bis er 1722 starb. 1747 verstarb Hercules Felix, der letzte Mann der Familie, womit die Herrschaft über das Schloss und Oßweil alleinig auf seine Schwester Phillippina Louisa überging. Doch schon im folgenden Jahr musste sie wegen Geldproblemen das adlige Gut an Herzog Carl Eugen verkaufen. Von da an gehörte das Schloss und somit Oßweil zu Württemberg und auch das materielle Ende der Familie Bidembach war eingetreten. Das Gut steht noch heute und besteht aus einem Steinhaus mit angrenzendem Turm, die Wendeltreppe stammt von 1566. Das Schlosshaus, das direkt daneben liegt und Wohnräume wie Küchen enthält, wurde 1584 erbaut. In der Oßweiler Kirche wurden darüber hinaus mehrere Familienmitglieder bestattet, so Wilhelm. auf: ossweiler.de, abgerufen am 3. September 2009 (pdf) auf: ossweiler.de, abgerufen am 3. September 2010.

Ein weiteres Rittergut war die sogenannte Untere Burg in Ehningen. Der Familie wurde die Burg als Lehen 1652 zugeteilt. Wilhelm Bidembach berichtete an Herzog Eberhard gewandt, die Burg, die Äcker und die umliegenden Gebäude befänden sich in einem schlechten Zustand. Die Burg zu renovieren hätte viel gekostet, weshalb Bidembach darum bat, dass man ihm Pflichten abnahm. Er rechtfertigt sich außerdem in Berufung auf seine Verdienste. Ferner hatte Bidembach 100 Morgen Wald gewollt, jedoch ist unklar, ob er diese auch verwenden konnte. Die das Rittergut betreffende Bitten erhörte der Herzog, wofür sich Bidembach brieflich bedankte. Das Schloss benötigte Bidembach, um die materielle Fortexistenz seiner Familie gewährleisten zu können und um das geistige wie materielle Erbe der Familie der kommenden Generationen zu wahren. 1711 wollte Herzog Eberhard Ludwig die Lehensangelegenheiten klären, indem er Georg Philipp Bidembach von Treuenfels fragte, welche Familienangehörigen noch lebten und wo sie sich aufhielten. Das Gut zu Ehningen wurde 1681 jedoch wieder verkauft.S. 60–62.

Außerdem erwarb Felix Bidembach von Treuenfels 1661 ein Rittergut in Klein-Zimmern, das für die Familie jedoch kaum bedeutsam war. Das Gut, das von 1247 an mehreren adeligen Geschlechtern gehörte, wurde von Johann Ludwig von Bettendorf an Bidembach verkauft. 1665 plante man einen Tausch des Lehens gegen das Gut zu Umstadt, das den Wambolt von Umstadt gehörte. Der Tausch trat jedoch nicht ein. Ein Lehnsrevers mit Graf Johann Ludwig, der das Gut betrifft, datiert auf den 16. März 1681.

Darüber hinaus hatte Wilhelm Bidembach, der Begründer von Adel und Besitz der Familie, für einen Lehenswein vorgesorgt, der der Familie zustehe und an ihn erinnern solle. Hercules Felix äußerte gegenüber dem Herzog, der Wein solle nicht geringer, sondern mittelmäßiger Qualität sein.S. 63–64.

Familienkulturell betrachtet hatte das Gut zu Oßweil die höhere Bedeutung.S. 62.

Wappen Das Wappen der Familie Bidembach, das sie zu ihrer Adelung 1654 erhielt, wird wie folgt beschrieben: Zwei gekreuzte, diagonale weiße Wasserfälle teilen den Schild in vier Teile, der untere Teil ist blau. In diesem befindet sich ein gelber oder goldfarbener Löwe mit offenem Munde und roter Zunge, ausgestreckten Pranken und gewundenem Schwanz. Der obere Teil des Wappens ist gelb, in ihm befindet sich ein ausgebreiteter, schwarzer einfacher Adler, dessen Schnabel offen steht und dessen rote Zunge hinausschaut. Der linke und rechte Teil des Wappens sind rot oder rubinfarben. In ihnen befinden sich je drei gelbe dreiblättrige Kleeblätter. Außerdem sind eine Königskrone und ein Turniershelm zueinander gedreht abgebildet. Die rechte Zier des Wappens ist rot, die linke blau. Die Grundfarbe des Helmgedecks ist hingegen gelb. Auf dem Helm befinden sich wieder der Adler mit aufgerissenem Schnabel und roter Zunge sowie der gelbe Löwe.Österreichisches Staatsarchiv, Allgemeines Verwaltungsarchiv: Akte RA 944: Nobilitierung Wilhelm Bydenbach von Treuenfels

Darstellungen in Siebmachers Wappenbüchern

Blasonierungen in Siebmachers Wappenbüchern Stammwappen: in R. ein schräggelegter g. Stamm, aus dem unten gegenschräg nach oben drei g. Kleeblätter wachsen. Gekrönter Helm: Flügel wie Schild. Decken: r. g.