Wer hat die schönsten Schäfchen ist ein Wiegenlied des deutschen Dichters August Heinrich Hoffmann von Fallersleben. Er verfasste es im Jahr 1830.Hoffmann von Fallersleben: Unsere volksthümlichen Lieder. 2. Auflage. Engelmann, Leipzig 1859, S. 145 (). Gedruckt erschien es erstmals in Amadeus Wendts Musenalmanach 1832.Musenalmanach für das Jahr 1832. Hrsg. von Amadeus Wendt. Weidmann, Leipzig, S. 202 f. (Digitalisate: S. 202, 203 – HathiTrust).

Inhalt, Stoff- und Motivgeschichte Das Gedicht stellt den Mond bildhaft als Schäfer dar, dessen Herde die Sterne bilden. Der Text mündet in der Lehre an die Kinder, sich das friedliche Miteinander der Sterne zum Vorbild zu nehmen.

Hoffmann von Fallersleben greift mit dem Gedicht ein Motiv aus der Barocklyrik auf. Das Bild des Mondes als Himmelsschäfer und Sternenhirt geht auf den Kirchenlieddichter und Jesuiten Friedrich Spee zurück, der es schon Anfang des 17. Jahrhunderts in die Literatur einführte.Friedrich Spee: Trutznachtigall. Halle a.d.S. 1936, S. 178–183 (); S. 227–234 ().Wolfgang Nowak: Versuch einer motivischen Analyse des Schäferhabits bei Friedrich von Spee. Dissertation, Berlin 1954, . Zitiert nach: Gerhard Schaub: Die Spee-Rezeption Clemens Brentanos. In: Literaturwissenschaftliches Jahrbuch. Band 13 (1972), , S. 151–180, doi:10.3790/978-3-428-43155-7 (). In der Romantik wurde das Motiv mehrfach aufgenommen.Dieter Martin: Barock um 1800. Klostermann, Frankfurt am Main 2000, ISBN 3-465-03039-7, S. 483–496. Clemens Brentano, der eines von Spees Gedichten mit dieser Motivik in Des Knaben Wunderhorn aufnahm,Achim von Arnim, Clemens Brentano (Hrsg.): Des Knaben Wunderhorn. Band 1. Mohr und Zimmer, Heidelberg 1806, S. 283–289 (). hatte das Motiv mehrfach aufgegriffen,Gerhard Schaub: Die Spee-Rezeption Clemens Brentanos. In: Literaturwissenschaftliches Jahrbuch. Band 13 (1972), , S. 151–180, hier S. 175, doi:10.3790/978-3-428-43155-7 (). am deutlichsten in seinem Märchen von dem Myrtenfräulein.Clemens Brentano: Das Märchen von dem Myrtenfräulein .

Das Lied mini|hochkant=1.2|Druck in: Lionel von Donop (Hrsg.): Hoffmann von Fallersleben. Kinderlieder. 2. Auflage. Grote, Berlin 1878 Wer hat die schönsten Schäfchen? Die hat der goldne Mond, Der hinter unsern Bäumen Am Himmel drüben wohnt.

Er kommt am späten Abend, Wenn alles schlafen will, Hervor aus seinem Hause Zum Himmel leis’ und still.

Dann weidet er die Schäfchen Auf seiner blauen Flur; Denn all die weißen Sterne Sind seine Schäfchen nur.

Sie thun sich nichts zu leide, Hat eins das andre gern, Und Schwestern sind und Brüder Da droben Stern an Stern.

Und soll ich dir eins bringen, So darfst du niemals schrei’n, Mußt freundlich wie die Schäfchen Und wie ihr Schäfer sein.

In Fünfzig Kinderlieder (1843) findet sich eine abweichende fünfte Strophe:

Wenn ich gen Himmel schaue, so fällt mir immer ein: O lasst uns auch so freundlich wie diese Schäfchen sein!

Vertonungen Im 19. Jahrhundert wurde das Lied auf verschiedene Melodien gesungen. Carl von Winterfeld, ein Förderer Hoffmanns von Fallersleben, verfasste schon 1831 eine erste Vertonung, die Hoffmann 1843 in seiner Sammlung Fünfzig Kinderlieder veröffentlichte.August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, Ernst Heinrich Leopold Richter: Funfzig Kinderlieder. Mayer u. Wigand, Leipzig 1843, S. 27 (Digitalisat). Auch auf die Melodie des Volksliedes Der Tod von Basel („Als ich ein jung Geselle war“) wurde das Lied gesungen.Franz Magnus Böhme: Volksthümliche Lieder der Deutschen im 18. und 19. Jahrhundert. Breitkopf und Härtel, Leipzig 1895, S. 473 (). Vertonungen als Kunstlied schufen u. a. Wilhelm Baumgartner (op. 13,2; 1848), Otto Dresel (1849), Carl Reinecke (op. 37,7; 1853),Carl Reinecke: Jungbrunnen. Sammlung der schönsten Kinderlieder mit Clavierbegleitung. Breitkopf & Härtel, Leipzig 1876, S. 4 f. (). Friedrich Reichel (op. 6,2; 1874), Carl Götze (op. 182,5; 1886), Adolf Sandberger (op. 22,5), Othmar Schoeck (WoO 15; 1904–05) und Leo Blech (op. 28,2; 1925).Wer hat die schönsten Schäfchen? bei The LiederNet Archive, abgerufen am 7. März 2019.

Heute wird das Lied üblicherweise zu einer Melodie gesungen, die Johann Friedrich Reichardt bereits 1790 zu dem Lied In stillem, heiterm Glanze (Text von Caroline RudolphiKaroline Christiane Louise Rudolphi: Gedichte. Zweite Sammlung. Braunschweig 1787, S. 72–74 ().) komponiert hatte.Victorie Gervinus: Naturgemässe Ausbildung in Gesang und Klavierspiel. Breitkopf & Härtel, Leipzig 1892, S. 132 und 177 ().

Weblinks Wer hat die schönsten Schäfchen im Liederprojekt von Carus-Verlag und SWR2

Einzelnachweise

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