mini|Manfried Welan, 2012 mini|Bundespräsident Rudolf Kirchschläger (links) und BOKU-Rektor Manfried Welan (rechts) an der Universität für Bodenkultur Wien, 6. Dezember 1978 mini|Manfried Welan als Rektor der Universität für Bodenkultur Wien, 20. Jänner 1991 Manfried Welan (* 13. Juni 1937 in Wien; † 22. Mai 2024 ebenda) war ein österreichischer Politik- und Rechtswissenschafter, Hochschullehrer und -rektor, Schriftsteller sowie Politiker.

Leben Nach Ablegung der Matura mit Auszeichnung am Elisabethgymnasium in Wien studierte Manfried Welan Rechts- und Staatswissenschaften an der Universität Wien, wo er 1961 zum Dr. jur. promoviert wurde. Seine berufliche Laufbahn begann er 1961 als rechtskundiger Verwaltungsbediensteter an der Technischen Universität Wien, danach war er von 1962 bis 1966 im österreichischen Verfassungsgerichtshof tätig. Von 1967 bis 1969 arbeitete er in der Wissenschaftlichen Abteilung der Wirtschaftskammer Österreich als Verfassungs- und Verwaltungsjurist, weiters als Politologe und Lehrer für politische Bildung.Manfried Welan: Ein Diener der Zweiten Republik. Österreichischer Kunst- und Kulturverlag, Wien 2012, ISBN 978-3-85437-311-7, S. 19–45; weiters: Manfried Welan: Ein Baum in der Lichtung. Alterserwachen. Plattform Johannes Martinek Verlag, Perchtoldsdorf 2019, ISBN 978-3-9504500-5-7, S. 147. Er zählt zu den Gründern der österreichischen PolitikwissenschaftNR-Präsidentin Doris Bures würdigt Prof. Manfried Welan anlässlich seines 80. Geburtstags, Parlamentskorrespondenz Nr. 778 vom 21. Juni 2017 auf parlament.gv.at. und war lange Zeit Herausgeber der Österreichischen Zeitschrift für Politikwissenschaft.Vgl. die Ausgaben der Österreichischen Zeitschrift für Politikwissenschaft (ÖZP) 1972 bis 1991.

Im Jahr 1968 erfolgte die Berufung von Manfried Welan als Außerordentlicher Professor für Rechtslehre an die Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) und Vorstand des Instituts für Rechtswissenschaften. 1973 wurde er an der BOKU zum Ordentlichen Universitätsprofessor ernannt. 1975 bis 1977 war er Prorektor der BOKU, von 1977 bis 1981 Rektor und sodann bis 1984 Vizerektor. Von 1979 bis 1981 war Welan zudem Präsident der Österreichischen Rektorenkonferenz.Peter Wiltsche (Hrsg.): 150 Jahre Alma Mater Viridis. Universität für Bodenkultur Wien, Wien 2022, ISBN 978-3-900932-91-6, S. 172 f. Manfried Welan: Ein Baum in der Lichtung. Alterserwachen. Plattform Johannes Martinek Verlag, Perchtoldsdorf 2019, ISBN 978-3-9504500-5-7, S. 147 f. Kurzbiografie auf manfried-welan.at

Welan war auch Mitglied des Präsidiums des Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung. Ab 1972 war er Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Agrar- und Umweltrecht.Österreichische Gesellschaft für Agrar- und Umweltrecht – Geschichte auf oegaur.at Von 1982 bis 1986 war er Präsident der Akademie für Umwelt und Energie in Laxenburg. Ab 1983 war er Mitglied des Wiener Gemeinderates bzw. Landtages. 1986 wurde er Stadtrat und Mitglied der Wiener Landesregierung, von Dezember 1987 bis zu seinem Ausscheiden aus der Politik im Jahr 1991 war er Dritter Landtagspräsident von Wien. Gemeinsam mit Persönlichkeiten wie Jörg Mauthe und Alfred Worm zählte Manfried Welan in den 1980er Jahren zu Erhard Buseks „bunten Vögeln“, die der Wiener ÖVP ein neues, lebensfrohes, junges und dynamisches Erscheinungsbild verliehen. Wichtige Wahlkampfthemen der „bunten Vögel“ waren Umweltschutz, Stadterneuerung sowie Ausbau der direkten Demokratie.Kurzbiografie auf manfried-welan.at Uniko trauert um Manfried Welan auf uniko.ac.at Peter Csendes, Ferdinand Opll: Geschichte einer Stadt. 3. Von 1790 bis zur Gegenwart. Böhlau Verlag, Wien u. a. 2006, ISBN 3-205-99268-7, S. 626–628.Gärten statt Autobahnen (archive.org), Artikel auf demokratiezentrum.org Manfried Welan: Ein Blick zurück ohne Zorn und ein Ausblick auf Hoffnung In: Wiener Zeitung, Online-Version vom 16. März 2021, abgerufen am 28. Juli 2024. Welans Arbeitsgebiete in der Wiener Kommunalpolitik waren Umwelt und Demokratie, Wissenschaft und Kultur.Manfried Welan: 60 Jahre Mitglied. Eine persönliche Geschichte der ÖVP aus 60 Jahren. In: Wolfgang Gerstl und Manfried Welan: Im Dienste einer Weltanschauung. Zwei persönliche Geschichten der ÖVP. Verlag noir, Wien 2022, ISBN 978-3-9505126-1-8, S. 17 f. und S. 23.

1986 bis 1991 war Welan Vizepräsident der Österreichischen Gesellschaft für Natur- und Umweltschutz sowie Vizepräsident der Österreichischen Gesellschaft für Ökologie. 1991 wurde er zum dritten Mal zum Rektor der Universität für Bodenkultur Wien gewählt, weshalb er seine politischen Funktionen zurücklegte. Nach dreijähriger Tätigkeit als Rektor war er von 1993 bis 1996 Prorektor und von 1996 bis 2000 Vizerektor für Öffentlichkeitsarbeit und Außenbeziehungen.Ein Diener der Zweiten Republik. Österreichischer Kunst- und Kulturverlag, Wien 2012, ISBN 978-3-85437-311-7, S. 199 (online). Bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2005 war er an der Universität für Bodenkultur Wien weiterhin als Ordentlicher Professor tätig. Von 1994 bis 2000 war er zudem Gastprofessor für Politik an der Europäischen Journalistenakademie an der Donauuniversität Krems.Kurzbiografie auf manfried-welan.atManfried Welan auf austria-forum.org

Engagiert setzte sich Welan an der Universität für Bodenkultur Wien für die Etablierung neuer Studienrichtungen ein. So erwies er sich als großer Förderer der Landschaftsplanung und -architektur. Schon früh erkannte er in seiner Funktion als Rektor den Bedarf für ein solches Studium. Mit Nachdruck und diplomatischem Verhandlungsgeschick führte er diesbezüglich Gespräche mit Vertretern des Wissenschaftsministeriums. Im Jahr 1981 startete der Studienversuch mit 112 Studenten. Als Welan 1991 seine dritte Funktionsperiode als Rektor antrat, waren es bereits 1.050 Hörer. Im Frühjahr 1993 präsentierte er schließlich der Öffentlichkeit die neue Studienrichtung „Landschaftsplanung und Landschaftspflege“.Nachruf des Departments für Raum, Landschaft und Infrastruktur auf Manfried Welan Artikel von Stephanie Drlik und Andreas Muhar vom 6. Juni 2024 auf boku.ac.at (archive.org) Er beförderte auch die Einführung der Önologie an der Universität für Bodenkultur Wien. Dass die Önologie in Österreich ab dem Wintersemester 2004/05 erstmals auf universitäres Niveau gehoben wurde, ist der Initiative und den langjährigen Bemühungen Manfried Welans zu verdanken.BOKU-Altrektor Manfried Welan, 1937–2024 In: Vinaria, Online-Version vom 27. Mai 2024.Ein Diener der Zweiten Republik. Österreichischer Kunst- und Kulturverlag, Wien 2012, ISBN 978-3-85437-311-7, S. 225–228 (online).

1993 bis 2003 war Welan Vizepräsident der Österreichischen UNESCO-Kommission und im Vorstand des Österreichischen Studienzentrums für Frieden und Konfliktlösung in Schlaining tätig. Ab 2003 war er Präsident der Unesco-Arbeitsgemeinschaft in Wien.Univ.-Prof. Dr. Manfried Welan auf studienverlag.at Er arbeitete auch im Präsidium des Demokratiezentrums Wien mit und war ehrenamtlich im Naturschutzbund Österreich tätig. Viele Jahre lang engagierte er sich als Vorstandsmitglied und Vizepräsident im Wiener Institut für Konfliktforschung.Das Institut für Konfliktforschung trauert um seinen Vizepräsidenten Prof. Dr. Manfried Welan (1937–2024) auf ikf.ac.at Stefan Vogel und Johann Werfring: Die BOKU trauert um Manfried Welan. In: BOKU Mag, Nr. 2, Juni 2024, S. 62 f. (Text online). Manfried Welan auf austria-forum.org Von 2003 bis 2024 arbeitete er in der Margaretha-Lupac-Stiftung für Parlamentarismus und Demokratie mit und hatte dort auch die meiste Zeit den Vorsitz inne.Bürgermeister Ludwig zum Tod von Manfried Welan. Rathauskorrespondenz vom 24. Mai 2024

Manfried Welan war seit 1957 Mitglied der katholischen Studentenverbindung K.Ö.H.V. Franco-Bavaria Wien im Österreichischen Cartellverband (ÖCV)Gesamtverzeichnis des Österreichischen Cartellverbandes 2014, IV. Teil, S. 655. und seit 1961 Mitglied der Österreichischen Volkspartei. Er war einer der Wegbereiter der Juristenpolitologie und der politischen Rechtslehre in Österreich. Welan verfasste eine Reihe von grundlegenden Publikationen über das österreichische politische System.Darunter: Der Bundeskanzler im österreichischen Verfassungsgefüge (1971, gemeinsam mit Heinrich Neisser), Das österreichische Staatsoberhaupt (1986), Der Bundespräsident. Kein Kaiser in der Republik (1992), Der Bürgermeister (1993), Recht in Österreich (1999), Was Europa zusammenhält (2004), Wissenschaft und Politik als Berufe (2006) sowie Kontinuität und Wandel der Zweiten Republik (2008). Vgl. Er publizierte rund 30 Bücher, etwa 300 Beiträge in Fachbüchern und Fachzeitschriften sowie zahlreiche Kleinbeiträge in unterschiedlichen Medien.Manfried Welan: Die Zweite Republik – Erfolgsgeschichte mit Aus- und Unterlassungen Artikel vom 18. Juni 2015 auf mehr-demokratie.at

Zu den wissenschaftlichen Hauptarbeitsgebieten von Manfried Welan zählten die Themenbereiche Demokratie, Parlamentarismus, Staatsoberhaupt und Regierung sowie die Verfassungsgerichtsbarkeit, von den Grund- und Freiheitsrechten vor allem Eigentum und Gleichheit. Welan widmete sich auch der Geschichte und Gegenwart der Universitäten und der Gemeinden. Mit Nachdruck vertrat er stets die Förderung der Wissenschaften in Wien und propagierte – in Anknüpfung an die Metapher vom „goldenen Wiener Herz“ – das „goldene Wiener Hirn“.Johann Werfring: Goldenes Wiener-Hirn. In: Wiener Zeitung. 13. Juni 2002, S. 12. Welan war einer der Begründer des österreichischen Umweltrechts, vor allem des Agrarumweltrechts.Stefan Vogel und Johann Werfring: Die BOKU trauert um Manfried Welan. In: BOKU Mag, Nr. 2, Juni 2024, S. 63. (Text online). Zudem publizierte er über die Geschichte der Universität für Bodenkultur Wien und förderte die Erforschung deren Geschichte.In den Jahren 1993 bis 1997 führte der Historiker Paulus Ebner an der Universität für Bodenkultur Wien unter der Leitung von Manfried Welan das Forschungsprojekt „Geschichte der Universität für Bodenkultur“ durch. Vgl. Paulus Ebner: Diskussionspapier Nr. 49-R-95, Institut für Wirtschaft, Politik und Recht der Universität für Bodenkultur Wien, November 1995, S. 1 f.

Ab 1981 gab Manfried Welan gemeinsam mit Christian Brünner und Wolfgang Mantl im Böhlau Verlag die „Studien zu Politik und Verwaltung“ heraus.Studien zu Politik und Verwaltung Er war Herausgeber und Mitherausgeber mehrerer Zeitschriften, unter anderem des Journals für Rechtspolitik.https://elibrary.verlagoesterreich.at/journal/jrp Manfried Welan trat auch als Publizist in weiteren Zeitschriften sowie in Zeitungen hervor. Unter anderem veröffentlichte er Beiträge in der Wiener Zeitung, in der Tageszeitung Die Presse, in den Salzburger Nachrichten und deren Rubrik Staatsbürger,Seinen allerersten Zeitungsaufsatz hatte Manfried Welan im Jahr 1964 mit dem Titel Nation Österreich in den Salzburger Nachrichten veröffentlicht. Vgl. Manfried Welan: 60 Jahre Mitglied. Eine persönliche Geschichte der ÖVP aus 60 Jahren. In: Wolfgang Gerstl und Manfried Welan: Im Dienste einer Weltanschauung. Zwei persönliche Geschichten der ÖVP. Verlag noir, Wien 2022, ISBN 978-3-9505126-1-8, S. 7. im Standard, in dem von Jörg Mauthe gegen den Zeitgeist gegründeten Wiener Journal, in der Furche und in der Actio catholica: Zeitschrift für Akademiker.Manfried Welan – Transfer of Knowledge (archive.org) auf forschung.boku.ac.at In memoriam Manfried Welan auf furche.at; weiters: Archivseite zu Beiträgen von Manfried Welan in der Furche