Glückliche Tage war eine von Jørn Precht 1994 erfundene Amateur-Trash-Soap-Filmreihe aus Stuttgart. Sie wurde von Fans und der Presse auch „Stuttgarter Kult-Soap“Pforzheimer Zeitung, 17. November 2001: auf gluecklichetage.de, abgerufen am 25. Mai 2013. oder „Ultimative Trashperle der Stuttgarter Filmszene“Stuttgarter Zeitung, 16. November 2000: auf gluecklichetage.de, abgerufen am 25. Mai 2013. genannt und hatte es zwischenzeitlich, trotz ihres Amateurfilm-Charakters, zu einer bekannten Größe in der Stuttgarter Filmszene geschafft. auf gluecklichetage.de, abgerufen am 25. Mai 2013. Im Dezember 2005 wurde die Reihe eingestellt. auf gluecklichetage.de, abgerufen am 25. Mai 2013.
Entstehungsgeschichte
Im August 1994 bekam Jørn Precht zufällig die Video-Kamera des damaligen „Forum 3“-Zivis Kai-Hendrik Pörksen in die Hand und drehte spontan die erste Szene. Es war jene Sequenz, in der „Patrick“ (Alexander Goldschmid) seiner „Sophia“ (Franziska Schalla) die Zeitung bringt, in der er glaubt, seine verschollene Ex-Freundin Wendy entdeckt zu haben. Die Szene und die Namen der Figuren hatte Precht sich spontan ausgedacht. Zu diesem Zeitpunkt konnte keiner ahnen, was für einen Umfang das Projekt im Laufe der Jahre bekommen sollte..
Was eigentlich als einmalige Amateurfilm Parodie auf amerikanische 1980er Jahre Soaps ala Dallas oder Denver-Clan geplant war, entwickelte sich schon nach kurzer Zeit in einen regelrechten Insider-Kult in der Stuttgarter Szene. Rund um den Glückliche-Tage-Erfinder Jørn Precht, der sich zwischenzeitlich entschieden hatte Drehbuchautor zu werden, entwickelte sich ein Glückliche-Tage-Freundes- und Fankreis.
Die ersten Filme waren technisch noch äußerst mangelhaft und man merkte den typischen Anfängerfehlern deutlich an, dass alle Beteiligten zur Filmerei „wie die Jungfrau zum Kinde“ gekommen waren. Verblüffend war jedoch schon damals das Engagement und die Kreativität einiger der Laienschauspieler, die die Figuren mit Leben füllten. Im Gegensatz zu den herkömmlichen Soaps weist „Glückliche Tage“ wesentlich mehr ironische Züge, groteske Realitätsbrüche und Trash-Elemente auf. Dass die obligatorische Figur der Serienmutter ausgerechnet von einem Mann gespielt wird, macht wohl einen großen Teil des ironischen Charmes aus, der diese Amateurfilme von ihren Vorbildern unterscheidet.
Während in der Anfangsphase die Mitwirkenden vor allem aus dem Freundes- und Kollegenkreis von Jørn Precht rekrutiert wurden, hatte GT später einen solchen Kultstatus erlangt, dass sich immer mehr professionelle Darsteller und Prominente für Rollen und Gastauftritte in den Glücklichen Tagen verpflichten ließen. Die Dreharbeiten, Specialeffects und Postproduktion wurden dann auch immer öfter von namhaften Firmen und Institutionen unterstützt. Sämtliche Mitwirkenden verzichteten auf Gage, Honorare und Drehortmieten..
Von Dezember 2003 bis August 2004 wurde die Glückliche Tage Reihe zudem als 5 minütiger Daily-Soap-Einspieler auf dem europaweit empfangbaren TV-Sender BTV4U ausgestrahlt. Hierzu wurden alle Filme (außer dem erst 2005 erschienenen Teil VII) durch Thomas Numberger komplett überarbeitet, schlechte Bildqualität durch erneutes Einspielen des Rohmaterials oder Nachdrehs ersetzt, Schnittfehler behoben, Fremdmaterial entfernt, GEMA-Listen erstellt und unnötige oder überlange Szenen gekürzt oder entfernt. Die Filme 1 und 2 und der Märchenfilm wurden mit frisch eindigitalisiertem Original-Rohmaterial (soweit noch vorhanden) komplett neu geschnitten. Dadurch liegen die ersten 7 GT-Filme schließlich auf Betacam SP mit Musik-Liste vor.Thomas Numberger – Meine Aufgaben bei BTV4U auf thomas-numberger.de, abgerufen am 9. August 2026.
Im Dezember 2005 wurde der letzte Glückliche-Tage-Film fertiggestellt (eine Doppelfolge mit großem Happy End). Jørn Precht hat offiziell im Dezember 2005 das Ende von „Glückliche Tage“ (GT) verkündet, doch erschien, aus Anlass des 15. Geburtstags von GT, im Dezember 2009 noch ein Best Of, welches auch einige neu gedrehte Spielszenen enthielt.
Mit den beiden Spin-Off-Spielfilmen „Abgedreht in Stuttgart“ und „Wachgeküsst in Stuttgart“, Lehrprojekte der Stuttgarter Akademie der media, wurde die Handlung 2007 und 2008 mit den GT-Figuren Lasse Reinmann und Wommy Wonder sowie dem Handlungsort Villa Bertani (in Wirklichkeit das Stuttgarter Werkstatthaus Ost) ein letztes Mal weitergesponnen.
Rahmenhandlung
Mittelpunkt der Filmreihe ist die fiktive und weit verzweigte Familie Bertani und die mit ihr verwandte Familie Coucher. Diese wohnen in einer feudalen Villa auf der Uhlandshöhe, einer der teuersten Stuttgarter Villenlagen. Die Familie betreibt zudem das fiktive Firmenimperium „Südfort-Brathähnchen“, eine weltweit agierende Brathähnchen-Schnellrestaurant-Kette.. Die Grundkonstruktion ist sehr stark an die amerikanischen Familien-Dynastie-Serie Dallas und Denver-Clan angelegt, allerdings parodistisch und satirisch auf schwäbisches Spießbürgertum angepasst. Die Serie ist quasi eine Soap-Parodie nach dem Motto: „Alle Soaps sind schlecht – wir wenigstens richtig!“ So wird die wichtigste Figur, die Serie-Mutter Carlotta Bertani, demonstrativ von einem Mann gespielt. Stuttgart ist bevölkert von Ausländern, Transen und schrägen Gestalten aller Art. Übertriebenes Make Up, künstliche Perücken, grellbunte Kleidung, Tanzeinlagen mit Discomusik und Gesangseinlagen zu Schlagerhits gehören als fester Bestandteil in alle Filme. Letztlich geht es in den Filmen um dasselbe wie in allen Soaps: Liebe (jeder mal mit jedem), Intrigen, Geld und Macht – nur eben alles gnadenlos überzeichnet, grell bunt, schrill, schräg und richtig abgrundtief schlecht!.
Glückliche Tage – Am Rande des Abgrunds Frühjahr 1995: Bei den Besitzern der Brathähnchenkette „Südforst“ geht es drunter und drüber. Firmenchef Lorenzo Bertani stirbt an einem Herzinfarkt und seine Witwe Carlotta steht allein an der Spitze des Konzerns, der tief in den roten Zahlen steckt. Ihr arbeitsscheuer Sohn Patrick und ihre weltfremde Stieftochter Sophia erschweren ihre Situation noch. Da taucht zu allem Übel auch noch ein junger Fotograf auf, der behauptet, Carlottas erster Sohn zu sein, der vor 25 Jahren entführt wurde und von seiner geisteskranken Entführerin verfolgt wird. Zudem ist Sohn Patrick noch immer auf der Suche nach seiner großen Liebe Wendy, die mit Amnesie auf Sylt herum irrt. Dass dann noch zwischen den Stiefgeschwistern Sophia und Patrick und zwischen Stallbursche Dick und Fotografinnengattin Selma die Liebe ausbricht, macht das Chaos nicht einfacher. Dass Südforst-Mitarbeiterin Emmanuelle Coucher im Nebenjob als Nana-Mouskouri-Double arbeitet und regelmäßig Geld aus der Firmenkasse stiehlt, um ihrem drogensüchtigen Bruder Philippe das „auf den Strich gehen“ zu ersparen, ist da fast schon Nebensache. - Nicht jedoch für Gangster Mario und Valerio. Und auch nicht für die geisteskranke Agnetha Nordenstamm, die weder vor Brandanschlägen noch Mord zurückschreckt..
Der Räuber und der Prinz Anmerkung: Dieser Film wurde vom selben Filmteam, mit denselben Darstellern, ähnlichen Rollennamen und zahlreichen ironischen Anspielungen auf GT gedreht. Er ist aber eigentlich ein eigenständiger Märchenfilm. Der Film glänzt vor allem durch seine perfekte Ausstattung, Kostüme und Drehorte, wie sie sonst nur aus professionellen Filmen bekannt sind.
Der menschenscheue und grundgütige Prinz Fabian soll nach dem Willen seines Vaters Fürst Georg I., endlich verheiratet werden, um ein würdiger Thronfolger werden zu können. Bei einem extra arrangierten Ball befreundet er sich dann sogar tatsächlich mit der liebenswürdigen Prinzessin Isabella. Doch Fabians Bruder Prinz Alexander, dessen Frau Sophia und der vom Fürst verstoßene bösartige Vetter Albert wollen dies verhindern, um selbst die Thronfolge antreten zu können. Sie vergiften den Hund von Prinz Fabian und erreichen dadurch, dass dieser sich im Wald verläuft und letztlich von Räubern gefangen genommen wird. Unter den fiesen Räubern befindet sich allerdings auch der herzensgute Räuber Philipp, dieser verhilft Prinz Fabian zur Flucht und befreundet sich mit ihm. Nach einer gemeinsamen Flucht von Räuber Philipp und Prinz Fabian durch den Märchenwald (und einer Begegnung mit der gar nicht so bösen Hexe Sibyll) kommt es zu einem glücklichen Wiedersehen von Prinzessin Isabella mit Prinz Fabian. Doch ein weiteres Attentat von Prinz Alexander und Vetter Albert führt zu einem spektakulären Brückeneinsturz bei dem Isabella, Fabian und Philipp in einen reißenden Strom fallen und von den Fluten mitgerissen werden. Glücklicherweise gelingt es allen Beteiligten dieses Attentat, dank der Hilfe von Faun Gloradin, Elfenkönigin Victoria, Wasserfee Marina, Elfe Melonella und weiteren Märchengestalten, zu überleben und wieder zusammenzufinden. Doch die nächste Herausforderung steht bereits bevor: Die bösen Räuber greifen die Burg von Fürst Georg I. an, eine erfolgreiche Verteidigung ist nur möglich, wenn sich alle (der gute und der böse Prinz, samt Anhang) zusammentun und die Burg gemeinsam verteidigen. Und tatsächlich kommt es zu einem glücklichen Ende, und sogar die Thronfolge lässt sich zufriedenstellend klären, nachdem Prinz Fabian seine „andere Seite“ entdeckt hat und sich zu seiner Liebe zu Räuber Philipp bekennt.
Glückliche Tage II – Schatten der Vergangenheit Dezember 1996: Nils Nordenstam, der Sohn der Stuttgarter Brathähnchenkaiserin Carlotta Bertani, will seine Sekretärin Emmanuelle Coucher heiraten. Doch die geplante Traumhochzeit wird schnell zum Alptraum, als Carlottas Schwiegertochter Wendy, in einer kalten dunklen Dezembernacht, ermordet im Keller der Villa gefunden wird. Da Oberkommissar Derreck mit der Aufklärung des Falles überfordert scheint, macht sich Carlottas resolute Mutter Johanna Berger daran, den Mord in „Miss Marple-Manier“ aufzuklären. Emmanuelle Couchers Bruder Philippe verliebt sich unterdessen auf der Hochzeitsfeier in die Prostituierte Barbie Matell, welche aber von ihrem gewalttätigen Nachtclub-Betreiber festgehalten wird. Philippes alter Freund Fabian Zirzow macht sich derweilen Sorgen um seine Freundin und „Südforst“-Firmenanwältin Ersilia Demeter. Diese scheint unter einer merkwürdigen Krankheit zu leiden und ein Doppelleben als Prostituierte zu führen. Auch die Liebeswirren zwischen Haushälterin Teresa und Betrüger Pete Hammond machen die Sache nicht einfacher. Können Sophias Gespräche mit Toten, die Telefonsex-Mitbewohnerin Felice und ein plötzlich auftauchender Koffer voller Koks noch rechtzeitig für frohe weiße Weihnachten sorgen?.
Glückliche Tage III – Im Bann der giftigen Gockel August 1997: Die Familie Bertani wird Opfer einer Produkterpressung. Unbekannte haben in zwei Filialen Brathähnchen vergiftet. Sie drohen, mit weiteren Vergiftungen den Ruf der Firma „Südforst“ zu ruinieren, wenn Firmenchefin Carlotta Bertani nicht 500.000 Mark bezahlt. Zu allem Übel werden auch noch Carlottas Enkeltochter und Filialleiterin Barbie Coucher entführt. Außerdem soll Herzegowina, die kroatische Köchin der Bertanis, nach Ende des Jugoslawienkrieges in ihre Heimat abgeschoben werden. Doch ihre beste Freundin, die portugiesische Haushälterin Teresa, versucht die Abschiebung durch eine Scheinhochzeit mit einem wohnungssuchenden Studenten zu verhindern.
Glückliche Tage IV – Schlaflose Nächte Arbeitstitel: Der Abstieg