Wilhelm Bode (* 1947 in Westfalen) ist ein deutscher Forstwissenschaftler und Naturschützer. Von 1987 bis 1993 leitete er die Saarländische Landesforstverwaltung.
Leben und Wirken Wilhelm Bode stammt nach eigenen Angaben aus einer alten Jägerfamilie und war selbst seit frühester Kindheit der Jagd verbunden. Er studierte Jura sowie Forstwissenschaft; 1972 legte er sein erstes juristisches Staatsexamen an der Universität Bonn ab, 1976 erwarb er sein Diplom der Forstwirtschaft für die gemäßigten Zonen mit Zusatzqualifikationen für die Tropenforstwirtschaft an der Universität Göttingen.
1978 bis 1985 übernahm Bode einen Lehrauftrag an der internen Fachhochschule für Forstwirtschaft des Landes Hessen in Schotten. Von 1987 bis 1993 leitete er als Ministerialrat die Abteilung Forst-, Jagd- und Holzwirtschaft im saarländischen Wirtschaftsministerium. Danach war er zunächst Landesbeauftragter für Klimaschutz und ökologische Wirtschaftspolitik und schließlich Leiter der Abteilung „Mensch und Natur“ im saarländischen Umweltministerium.
Ursprünglich war Bode Mitglied der SPD, trat dann aber zu Bündnis 90/Die Grünen über, deren stellvertretender Landessprecher und umwelt- und wirtschaftspolitischer Sprecher im Saarland er von Ende 1993 bis 1997 war. Bode ist seit 2000 parteilos. Weiterhin war er 2. Gründungsvorsitzender und später bis 2011 1. Vorsitzender des Ökologischen Jagdverbandes (ÖJV) Saarland.
In der Affäre um die Äußerungen des saarländischen Umwelt-Staatssekretärs Klaus Borger („Waldrodung ist Massenmord“) verteidigte er diesen und den slowenischen Forstwissenschaftler Dušan Mlinšek. Mlinšek hatte den Fahrer einer Forstmaschine mit einem Bomberpiloten verglichen. Bode wies in einem Leserbrief in der taz auf dessen Verdienste für die naturnahe Waldwirtschaft in Slowenien und Europa hin.Kommentar vom 27. Dezember 2009 zu Klaus-Peter Klingelschmitt: Grüner Staatssekretär in Nöten: Waldrodung gleich Massenmord. In: Die Tageszeitung. 20. Dezember 2009.
Als Buchautor Insbesondere ist Wilhelm Bode bekannt durch seine Bücher, unter anderem ein kommentierter Nachdruck des forstlichen Klassikers von Alfred Möller Der Dauerwaldgedanke – sein Sinn und seine Bedeutung (1992), Waldwende. Vom Försterwald zum Naturwald (1994, 4 Auflagen), das er zusammen mit Martin von Hohnhorst verfasste, Jagdwende. Vom Edelhobby zum ökologischen Handwerk, (1998, 3 Auflagen), Naturnahe Waldwirtschaft. Prozeßschutz oder Biologische Nachhaltigkeit (1997), sowie Schutz der Biologischen Vielfalt und integriertes Management der Kaspischen Wälder (Iran) (2005).
In der Jagdwende fordert er eine Abkehr von der Jagd als Edelhobby (in der Tradition ehemals feudaler Jagdmethoden) und eine Professionalisierung der Jagd als Nutzungshandwerk (~ Jagen zu einem „vernünftigen Zweck“, d. h. aus einem vernünftigen Grund). Die Verknüpfung des Bundesjagdgesetzes mit dem Reichsjagdgesetz von 1934, die Bode (und Koautorin Elisabeth Emmert) darin erstmals aufdeckten, wurde von Vertretern der konventionellen Jagd, insbesondere des Deutschen Jagdschutzverbandes, als unsachlich und polemisch empfunden. Bode hat seit den 1970er Jahren insgesamt ca. 120 Fachveröffentlichungen zur Jagd-, Forst-, Naturschutz- und Agrarpolitik verfasst. „Der Spiegel“ widmete 1994 erstmals einem Waldbuch, Bodes Buch Waldwende, eine TitelgeschichteDer Öko-Wald. Rezept gegen das Waldsterben, Spiegel Nr. 48/1994 und verhalf damit der naturnahen Waldbewirtschaftung in Deutschland maßgeblich zum forstpolitischen Durchbruch. 2021, dem Jahr in dem sich der Dauerwaldgedanke Alfred Möllers zum 100. Mal jährte, gab Bode im Verlag Matthes & Seitz (Berlin) erstmals alle seine Schriften umfangreich kommentiert unter dem Titel „Alfred Möllers Dauerwaldidee“ heraus. Vor dem Hintergrund einer persistenten waldbauwissenschaftlichen Unterschlagung des Dauerwaldgedankens veröffentlichte er zeitgleich und seit Möllers Tod 1921 den ersten waldbaulichen Leitfaden unter dem Titel „Dauerwald – Leicht gemacht“. Seit 2018 widmet sich Bode verstärkt dem Genre des Nature Writings in der namhaften Reihe Naturkunden im Verlag Matthes & Seitz. Er hat in dieser Reihe drei Porträts über Hirsche, Tannen und Hasen. 2021 veröffentlichte er als Herausgeber und Autor den kommentierten Reprint von Alfred Möllers Dauerwald Idee aus Anlass der 100-jährigen Wiederkehr der Erstveröffentlichung sowie den ersten waldbaulichen Leitfaden zum Dauerwald „Dauerwald – Leicht gemacht!“ zusammen mit dem Fotografen Rainer Kant.
In seinem 2024 aus Anlass des Caspar-David-Friedrich-Jahres erschienenen Buches „Waldendzeit“ interpretierte er erstmals dessen Werk aus der Sichtweise der Landschafts- und Forstgeschichte. Er interpretiert den Maler als frühen Kritiker der sogenannten Forstlichen Aufklärung (also dem Waldbau im Altersklassenwald), der die sich heute ereignende Waldkrise intuitiv vorhersah.
Als Naturschützer
Bekannt wurde Bode auch als agrar- und forstpolitischer Sprecher des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) auf Bundesebene (1993–2001). In seiner Funktion als Sprecher des NABU-Arbeitskreises Landnutzung und des Bundesarbeitskreises Wald+Wild des NABU bestimmte er maßgeblich die forst-, jagd- und agrarpolitische Positionierung des NABU in den 1990er Jahren (NABU-Waldprogramm, Aktion lebendiger Wald, NABU-Waldgemeinde, Waldgroßschutzgebiete, agrarpolitisches Programm etc.).Land nutzen - Natur schützen. Von der Konfrontation zur Kooperation. Bad Herrenalber Forum Nr. 14, Karlsruhe 1995. Bode initiierte mit Christoph Heinrich die NABU-Strategie für WaldgroßschutzgebieteNABU-Position Großflächige Waldschutzgebiete - Urwälder von morgen. Bonn-Beuel 1996. und damit Ende der 1990er Jahre das erste deutsche Waldgroßschutzgebiet im Saarkohlenwald, den sog. „Urwald vor den Toren der Stadt“ (ca. 1000 ha, inzwischen unter Naturschutz gestellt). 1993 entwarf und initiierte er als NABU-Waldsprecher den bis heute führenden deutschen Negativpreis für umweltpolitisch rückwärtsgewandte Leistungen, den sog. NABU-Dinosaurier des Jahres, der seither alljährlich zwischen den Jahren unter großer medialer Beachtung vom NABU-Bundesverband an prominente Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Politik verliehen wird. Erster Preisträger des Negativpreises wurde auf Vorschlag des NABU Saarland sein Minister Reinhold Kopp.vgl. Frank Thewes: Ein Kopp wie Hartholz und Kohle. In: die tageszeitung, 29. Dezember 1993, S. 6 Im Rahmen des von ihm (zusammen mit Christoph Heinrich) entworfenen NABU-Waldkonzeptes (1996) forderte der NABU gegen den entschiedenen Widerstand von namentlich BUND und Greenpeace eine Waldwirtschaft nach dem Dauermischwaldprinzip und ca. 5 % aller Wälder aus der Nutzung zu nehmenDas NABU-Waldkonzept; Bonn-Beuel 1996. – im Gegensatz zum sog. Prozessschutzkonzept des BUND und Greenpeace mit 10 % nutzungsfreier Waldfläche. Diese verbandspolitische Forderung des NABU wurde inzwischen in die offizielle Biodiversitätsstrategie der Bundesregierung übernommen.Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt, beschlossen vom Bundeskabinett am 7. Nov. 2007 Auf Bodes Entwurf 2004 für eine Novellierung des saarländischen Naturschutzgesetzes (in Kraft gesetzt am 5. April 2006 (SNG)vgl. Saarl. Amtsbl. S. 726) gehen auch maßgeblich dessen innovative Inhalte zurück (jeweils erstmalige Verankerung eines Landesbeirates für Landschaft im § 42 SNG und eines (Landes-)Nachhaltigkeitsrates im § 44 SNG, sowie eines Biosphärenreservates auf Grundlage eines kommunalen Zweckverbandes im § 10 Abs. 5 SNG). 2001 installierte er als Leiter der Obersten Tierschutzbehörde die erste deutsche Landesstiftung für Tierschutz, die sog. Tierschutzstiftung Saar. Durch seine Vermittlung zum damaligen grünen Staatssekretär Berninger (BML) stimmte die CDU-Regierung Saarland 2001 dem vorzeitigen und endgültigen Verbot der Legehennenkäfighaltunghttps://www.gesetze-im-internet.de/legregg/ aufgerufen am 1. Februar 2015 aufgerufen am 1. Februar 2015 zu und verschaffte so der Rot-Grünen Bundesregierung und ihrer Ministerin Künast mit den Stimmen des Saarlandes einen entscheidenden umweltpolitischen Mehrheitserfolg gegen eine CDU-Mehrheit im Bundesrat. Das 2001 von ihm in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Naturschutz initiierte Parrotia-Projekt zum Schutz der kaspischen Wälder im Nordiran und zur Ausweisung als UNESCO-Weltnaturerbe hat zwischenzeitlich dazu geführt, dass Kahlschläge im Iran vollständig eingestellt wurden und repräsentative Teile der Kaspischen Wälder ganz aus der Nutzung genommen wurden. Inzwischen erarbeitet der Iran einen Antrag zur Ausweisung der Kaspischen Wälder als Weltnaturerbe der UNESCO, dem die UNESCO schlussendlich im Jahr 2019 gefolgt ist.Schutz der Biologischen Vielfalt und Integriertes Management der Kaspischen Wälder (Nordiran); Bonn -Bad Godesberg 2005
Tätigkeiten in der Forstwirtschaft Wilhelm Bode entwickelte für das Saarland das Konzept einer naturnahen Waldwirtschaft und verwirklichte damit erstmals in einem Bundesland auf der öffentlichen Waldfläche (Staats- und Kommunalwälder) die Überführung des Altersklassenwaldes in einen kahlschlagfreien Dauerwald. Das in Deutschland viel beachtete, in seiner Vollständigkeit bis heute einmalige Konzeptzusammenfassend: Minister für Wirtschaft, Waldbautechnische Rahmenrichtlinie für die Bewirtschaftung des öffentlichen Waldes im Saarland, Grundsatzverfügung, Saarbrücken 1992, OCLC 46184892 basiert auf: konsequentem Kahlschlagsverzicht, sanften Betriebstechniken (Mensch und Pferd, Verbot des Befahrens der Waldböden, erstmals in Deutschland), Naturverjüngungsvorrang (mit heimischem Laubholz), Chemiefreiheit (landesweiter Verzicht auf Biozide und andere chemische Mittelausbringung, erstmals in Deutschland), Totholzstrategie im bewirtschafteten Wald (erstmals in Deutschland), sowie Konzept für aktiven Waldnaturschutz im Zuge der Forstbewirtschaftung. Eine Reihe dieser Strategien setzte sich später in den öffentlichen Wäldern Deutschlands durch. Auch das Jagdwesen im Saarland versuchte Bode deutlich zu reformieren. Es gelang ihm, zusammen mit dem damaligen Vizejägermeister des Saarlandes, Paul Müller, einen bis heute nirgends erreichten Reformgesetzentwurf für ein Saarländisches Jagdgesetz zu entwickeln und die einstimmige Akzeptanz des Landesjagdverbandes zu erwirkenIm Saarland wird Jagdgesetzgeschichte geschrieben - Der Entwurf bringt beachtenswerte Neuregelungen. Die Pirsch 23/92, S. 8–12. Dennoch wurde dieser Gesetzentwurf von seinem Minister Reinhold Kopp nicht mehr in den Landtag eingebracht, weil er zeitgleich Bode im Zusammenhang mit der Affäre Lafontaine kaltstellte (siehe unten). Gleichwohl hat sich der von Bode in diesem Entwurf geprägte Ansatz eines Jagens nur „zum vernünftigen Zweck“ in der jagdpolitischen Diskussion bis heute durchgesetzt und findet allmählich Eingang in die Gesetzessprache. In Fachkreisen besonders bekannt wurde Bode durch sein Engagement für sanfte Betriebstechniken (Pferd und motormanuelle Handarbeit im Wald) und für neue Wege im Naturschutz (Totholzstrategie). Sein 1987 erstmals formulierter Ansatz „Naturschutz durch Nutzung“ im Rahmen des Modellprojektes „Waldbiotope Steinbachtal“Waldbiotope Steinbachtal - Naturschutz durch Nutzung; Saarbrücken 1987. hat die deutsche Forst- und Naturschutzdiskussion belebt und begrifflich nachhaltig geprägt. Im Spiegel Spezial Nr. 2/1995 zur Ökobilanz ’95 aus Anlass der 25-jährigen Wiederkehr des Europäischen Naturschutzjahres 1970 porträtierte ihn Der Spiegel als einen der 30 grünen Pioniere, die die umweltpolitische Entwicklung seit 1970 in Deutschland maßgeblich geprägt haben.C.H. Beck-Verlag