mini|hochkant|Ortsbild von Tiefenthal Tiefenthal ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Bad Dürkheim in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Leiningerland an.
Geographische Lage Die Gemeinde liegt in einer kleinen Talsenke mit nördlichem Gefälle zwischen Eis- und Eckbachtal in der Pfalz im Südosten des Eisenberger Beckens. Der Seltenbach bildet die nordwestliche Gemarkungsgrenze; von rechts nimmt er den Hohlgraben auf. Die Flur Gemeindeberg liegt teilweise auf dem Gemeindegebiet von Tiefenthal. Nachbargemeinden sind – im Uhrzeigersinn – Ebertsheim, Grünstadt, Neuleiningen, Hettenleidelheim und Eisenberg.
Geschichte Im Jahr 1318 wurde der Ort als Dyfendal erstmals urkundlich erwähnt. Es scheint hier eine Marienwallfahrtskirche gegeben zu haben, der 1330 vom Wormser Bischof und 1380 vom päpstlichen Legaten, Kardinal Pileus de Prato je ein Ablass verliehen wurde.Landesamt für Denkmalpflege: Die Kunstdenkmäler von Bayern, Regierungsbezirk Pfalz, VIII. Stadt und Landkreis Frankenthal, Oldenbourg Verlag, München, 1939, Seite 474 Am 24. Juni 1362 stifteten die Grafen Friedrich der Ältere und Friedrich der Jüngere von Leiningen zwei ewige Messen auf dem dortigen St.-Marien- und dem St.-Georgs-Altar, wegen der „großen Genade und Aplaz, die man findet in deme Godeshuse Unsrer lieben Frauwen zu Dyefendal hinder der Nuwenliningen gelegen.“Franz Xaver Glasschröder: Neue Urkunden zur Pfälzischen Kirchengeschichte im Mittelalter, Verlag der Pfälzischen Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften, Speyer, 1930, Seiten 159 u. 160, Urkundenregest Nr. 252
Beim Friedhof Neuleiningen steht das von dem in Tiefenthal beheimateten gräflichen Scharfrichter Servacius Westheim 1703 gestiftete Scharfrichterkreuz, mit entsprechender Inschrift.
Von 1798 bis 1814, als die Pfalz Teil der Französischen Republik (bis 1804) und anschließend Teil des Napoleonischen Kaiserreichs war, war Tieffenthal – so die damalige Schreibweise – in den Kanton Grünstadt eingegliedert und Sitz einer eigenen Mairie. 1815 wurde das Dorf nach dem Wiener Kongress Österreich zugeschlagen. Bereits ein Jahr später wechselte es wie die gesamte Pfalz in das Königreich Bayern. Von 1818 bis 1862 gehörte Tiefenthal dem Landkommissariat Frankenthal an; aus dem das Bezirksamt Frankenthal hervorging.
Ab 1939 war die Gemeinde Bestandteil des Landkreises Frankenthal (Pfalz). Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Ort innerhalb der französischen Besatzungszone Teil des damals neu gebildeten Landes Rheinland-Pfalz. Im Zuge der ersten rheinland-pfälzischen Verwaltungsreform wechselte der Ort in den neu geschaffenen Landkreis Bad Dürkheim. Drei Jahre später wurde er Bestandteil der ebenfalls neu geschaffenen Verbandsgemeinde Hettenleidelheim. 2018 erfolgte die Zuordnung zur Verbandsgemeinde Leiningerland.
Religion 2013 waren 40,8 Prozent der Einwohner evangelisch und 33,0 Prozent katholisch. Die übrigen gehörten einer anderen Religion an oder waren konfessionslos.KommWis, Stand: 31. Dezember 2013
Politik Gemeinderat Der Gemeinderat in Tiefenthal besteht aus zwölf Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzendem.
Die Sitzverteilung im Gemeinderat: Wahl SPD CDU WGT Gesamt 2024 3 5 4 12 Sitze 2019 3 5 4 12 Sitze 2014 3 6 3 12 SitzeDer Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2014, Stadt- und Gemeinderatswahlen 2009 3 5 4 12 Sitze 2004 2 5 5 12 Sitze
Bürgermeister Ortsbürgermeister ist Edwin Gaub (CDU). Bei der Direktwahl am 26. Mai 2019 wurde er mit einem Stimmenanteil von 78,10 % in seinem Amt bestätigt. Bei der Direktwahl am 9. Juni 2024 setzte er sich mit 50,4 % gegen zwei Mitbewerberinnen durch.
Wappen
Kultur Kulturdenkmäler
mini|Denkmalgeschützte katholische Kirche
In Tiefenthal stehen neun Objekte unter Denkmalschutz.
Das ist unter anderem die protestantische Pfarrkirche, von den Leininger Grafen Mitte des 18. Jahrhunderts gestiftet. Sie steht an der Stelle der ehemaligen Wallfahrtskirche. Zur Innenausstattung gehören eine wertvolle, in Eiche geschnitzte Kanzel und ein dreiteiliges Deckengemälde. In ihrem Turm hängen die ersten nach dem Zweiten Weltkrieg wieder in die protestantische Pfalz gelieferten drei Glocken, klangrein und harmonisch in Sext-Rippe vom Bochumer Verein 1949 in Gussstahl gegossen.
Ein weiteres denkmalgeschütztes Gebäude ist das unterhalb der Kirche stehende, 1903 bis 1910 in damals typischem Stil gebaute Pfarrhaus. In ihm wohnte der amtliche Glockensachverständige der pfälzischen Landeskirche, Pfarrer Theo Fehn, von 1948 bis zu seiner Pensionierung als Pfarrer im Jahr 1970. Er gilt als einer der innovationsfreudigsten und begabtesten deutschen Glockensachverständigen seiner Zeit. Viele Geläute in der Pfalz wurden von ihm disponiert.
In der neuen katholischen Filialkirche St. Georg befindet sich ein großes gotisches Holzrelief des hl. Georg, mit Darstellung einer Burg, das vermutlich noch vom Georgsaltar der alten Wallfahrtskirche stammt.Reclams Kunstführer von Deutschland, Band 6 (Rheinland-Pfalz, Saarland), 1980, Seite 449, ISBN 3-15-010286-3; (Ausschnittscan)
Natur Im Gemeindegebiet existieren drei Naturdenkmale.
Vereine Einer der Ortsvereine ist der Faustballverein TSG Tiefenthal, dessen Frauenmannschaft aktuell in der 2. Faustball-Bundesliga vertreten ist.
Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft Seit 2001 gibt es die Windkraftanlagen Tiefenthal.
Verkehr Durch Tiefenthal verläuft die Landesstraße 453. Mitten im Ort zweigt von ihr die Kreisstraße 36 ab, die den zu Neuleiningen gehörenden Weiler Nackterhof anbindet. Wenige Kilometer entfernt liegt die Anschlussstelle Wattenheim der Autobahn A 6.
Historisch verband die von der Eistalbahn abzweigende Bahnstrecke Ebertsheim–Hettenleidelheim den Ort schienentechnisch mit Grünstadt; der Bahnhof befand sich am nordwestlichen Rand der Gemarkung weitab des Siedlungsgebiets. Bereits 1954 kam der Personenverkehr zum Erliegen.
Persönlichkeiten Söhne und Töchter der Gemeinde Jakob von Fitting (1831–1898), Oberlandesgerichtspräsident, geadelt, Reichsrat der Krone Bayerns Philipp Schreiner (1846–1914), Wissenschaftler und Politiker (NLP), Reichstagsabgeordneter Wolfgang Wolf (* 1957), ehemaliger Fußballtrainer des 1. FC Kaiserslautern Jürgen Hufen, Schlittenhundesportler
Personen, die mit Tiefenthal verbunden sind Johann Adam Baum, 1792/93 Mitglied des Rheinisch-Deutschen Nationalkonvents Veronika und Wolfgang Thomeczek, seit 2018 Träger des Verdienstordens des Landes Rheinland-Pfalz Theo Fehn, amtlicher Glockensachverständiger der Pfälzischen Landeskirche von 1948 bis zu seinem Tode 1984, Pfarrer in Tiefenthal von 1948 bis zu seiner Pensionierung 1970 Karl-Heinz Oberthier (* 1950 oder 1951), Meteorologe, wuchs in Tiefenthal auf
Literatur
Weblinks
Ortsgemeinde Tiefenthal auf den Seiten der Verbandsgemeinde Leiningerland
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Bad Dürkheim Kategorie:Ersterwähnung 1318