Klütz [] ist eine Landstadt im Norden des Landkreises Nordwestmecklenburg in Mecklenburg-Vorpommern in Deutschland.

Die Stadt ist Sitz des Amtes Klützer Winkel, dem weitere fünf Gemeinden angehören, Teil der Metropolregion Hamburg und zudem für ihre Umgebung ein Grundzentrum.Regionaler Planungsverband, abgerufen am 12. Juli 2015.

Geographie Geographische Lage Die Gemeinde Klütz liegt auf der Halbinsel Klützer Winkel zwischen den Hansestädten Lübeck und Wismar südwestlich des Heilbades Boltenhagen.

Stadtgliederung Zur Stadt Klütz gehören folgende Ortsteile:

Geschichte Name Der Name Klütz stammt vom altpolabischen Substantiv kľuč (deutsch „Quelle“). Von der silva cliuz, also vom Wald bei Klütz, ist 1188 die Rede. Clutse, Clutze (1237), Cluthze, Klutze (1267) und Cluze (1273) heißt es dann im 13. Jahrhundert, woraus dann das Klütz heutiger Tage wurde.

Frühe Geschichte Schon während der Jungsteinzeit und der Bronzezeit wurde um Klütz gesiedelt; bis zur Völkerwanderung waren es Germanen, dann slawische Stämme und ab der Mitte des 12. Jahrhunderts deutsche Siedler. Das Waldgebiet wurde bereits 1188 als silva cliuz, der Ort und die Kirchgemeinde 1230 im Ratzeburger Zehntregister erwähnt, das die damals zum Bistum Ratzeburg gehörenden Ortschaften geordnet nach Kirchspielen auflistet. Klütz befand sich im Mittelalter unter mecklenburgischer Landesherrschaft. Der Flecken war wirtschaftlicher Mittelpunkt eines landwirtschaftlich genutzten Gebietes.

Mit dem Bau der gotischen, dreischiffigen Stadtkirche St. Marien wurde in der Mitte des 13. Jahrhunderts begonnen. Der quadratische Turm folgte im 14. Jahrhundert. Das Gewölbe im Langhaus musste ab 1701 ersetzt werden.Dehio: Mecklenburg. Deutscher Kunstverlag, München / Berlin 1980, S. 178.

Rittergeschlechter im Klützer Winkel

Vom 14. bis zum Anfang des 18. Jahrhunderts herrschten die Ritter von Plessen im Klützer Winkel. Hans Caspar von Bothmer kaufte dann weite Teile des Klützer Winkels und hatte einen Grundbesitz von etwa 7000 Hektar. Das barocke Schloss der Grafen von Bothmer wurde von 1726 bis 1732 nach englischen und niederländischen Vorbildern und Plänen von Johann Friedrich Künnecke errichtet. Die 11,7 Hektar große Schlossanlage mit der 250 Jahre alten Festonallee aus spalierartig gezogenen und beschnittenen Linden wurde zum Wahrzeichen der Stadt. Handwerk und Handel blühten auf, und von 1713 bis 1924 besaß im Gebiet nur Klütz die Marktgerechtigkeit. Seit etwa 1660 hat der Markttag am ersten Donnerstag im Oktober eine besondere Bedeutung.

19. und 20. Jahrhundert 1873/74 wurde die erste feste Straße nach Grevesmühlen gebaut. 1872 wurde das Modehaus Ramelow in Klütz gegründet. 1905 wurde die Bahnstrecke Grevesmühlen–Klütz eröffnet. Am 1. April 1938 erhielt Klütz das Stadtrecht und war mit rund 1300 Einwohnern die kleinste Stadt Mecklenburgs.

Kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges besetzten britische Truppen Anfang Mai 1945 die Stadt und übergaben sie Ende Juli an die Rote Armee. Die Einwohnerzahl verdoppelte sich durch den Zuzug von Flüchtlingen und Vertriebenen aus den deutschen Ostgebieten. Von 1952 bis 1994 gehörte Klütz zum Kreis Grevesmühlen – bis 1990 im DDR-Bezirk Rostock, 1990–1994 im Land Mecklenburg-Vorpommern. Seit 1994 liegt die Stadt im Landkreis Nordwestmecklenburg.

Nach der politischen Wende 1991 wurde das kleine Stadtzentrum im Rahmen der Städtebauförderung grundlegend saniert.

Eingemeindungen Am 1. Juli 1950 wurden die bis dahin selbständigen Gemeinden Goldbeck, Grundshagen und Tarnewitzerhagen eingegliedert. In den 1950er Jahren wurden die Ortsteile Niederklütz, Steinbeck, Kühlenstein, Arpshagen, Hofzumfelde, Christinenfeld, Eulenkrug, Oberhof und Wohlenberg angeschlossen.

Bevölkerung Jahr Einwohner 1990 3522 1995 3358 2000 3275 2005 3182 2010 3066 2015 3095 Jahr Einwohner 2020 3082 2021 3067 2022 3061 2023 3037 2024 3036 2025 3002

Stand: 31. Dezember des jeweiligen JahresStatistisches Amt Mecklenburg-Vorpommern: Statistischer Bericht. Bevölkerungsstand. Bevölkerungsentwicklung der Kreise und Gemeinden, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022

Politik Stadtvertretung Die Stadtvertretung von Klütz besteht aus 14 Mitgliedern. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 62,7 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024

Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 Vereine für Klütz (VfK) – – 39,2 % 5 Unabhängige Wählergemeinschaft (UWG) 41,7 % 6 34,5 % 5 CDU 28,2 % 4 11,8 % 2 SPD 11,9 % 2 8,7 % 1 Die Linke 9,2 % 1 5,8 % 1 Einzelbewerber Alexander Marx 8,1 % 1 – Einzelbewerber Torben Menck 0,9 % – – Insgesamt 100 % 14 100 % 14

Bürgermeister 2014–2019: Guntram Jung (CDU) 2019–2025: Jürgen Mevius (Unabhängige Wählergemeinschaft) Nov. 2025–Feb. 2026: stv. Bürgermeister Guntram Jung (CDU) seit Februar 2026: Martin Kühl (Unabhängige Wählergemeinschaft)

Mevius wurde in der Bürgermeisterwahl am 26. Mai 2019 mit 63,8 % der gültigen Stimmen gewählt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 26. Mai 2019 Er wurde am 9. Juni 2024 ohne Gegenkandidat mit 78,7 % der gültigen Stimmen in seinem Amt bestätigt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 9. Juni 2024 Mevius sagte mit Unterstützung der Stadtvertreter eine im Oktober 2026 geplante Veranstaltung mit dem Publizisten Michel Friedman im örtlichen Literaturhaus ab. Aufgrund der darauf erfolgten bundesweiten Reaktion trat er zum 31. Oktober 2025 von seinem Amt zurück.

Kühl wurde bei der Bürgermeisterwahl am 1. Februar 2026 mit 54,0 % der gültigen Stimmen zu seinem Nachfolger gewählt. Seine Amtszeit beträgt 3 Jahre (bis zur nächsten Kommunalwahl in MV).

Wappen

Historische Stadtwappen

Flagge Die Flagge ist längs gestreift von Grün, Gelb und Grün. Die grünen Streifen nehmen jeweils ein Zwölftel, der gelbe Streifen nimmt fünf Sechstel der Höhe des Flaggentuchs ein. In der Mitte des gelben Streifens liegt das Stadtwappen, das zwei Drittel der Höhe des Flaggentuchs einnimmt. Die Höhe des Flaggentuchs verhält sich zur Länge wie 3:5.Hauptsatzung § 1 (PDF; 537 kB). Entworfen wurde die Flagge 2017 von Michael Zapfe, seit 2018 darf Klütz die Flagge nutzen.

Dienstsiegel Das Dienstsiegel zeigt das Stadtwappen mit der Umschrift „STADT KLÜTZ • LANDKREIS NORDWESTMECKLENBURG“.

Städtepartnerschaften Klütz pflegt mit Bad Arolsen in Hessen eine Partnerschaft.

Sehenswürdigkeiten und Kultur → Siehe auch Liste der Baudenkmale in Klütz

Bauwerke Backsteinkirche St. Marien mit weit sichtbarem Turm, dreischiffiger Halle und eingerücktem Chor, stammt aus der Übergangszeit zwischen Spätromanik und Backsteingotik Schloss Bothmer, mehrflügeliger Bau, bis 1732 nach Plänen von Johann Friedrich Künnecke für Hans Caspar von Bothmer erbaut. Die Stadt wirbt deshalb mit der Bezeichnung Schlossstadt Klütz. Literaturhaus „Uwe Johnson“ in einem sanierten vierstöckigen früheren Bohnen- und Getreidespeicher von 1890 Windmühle Klütz, restaurierte, in den 1980er Jahren zum Restaurant umgebaute Galerieholländermühle Katholische Kirche St. Mariä Himmelfahrt Modellpark mit Werken des 2011 aufgelösten Modellparks Mecklenburgische Seenplatte in Neubrandenburg Alte Molkerei aus Backstein, heute Kunst- und Kulturhaus, Lübecker Straße 3 Alte Schmiede, Rudolf-Breitscheid-Straße 12 Alte Schule, Boltenhagener Straße 18 Ehemaliges Zollhaus, Rudolf-Breitscheid-Straße 1 Reste der Burg Arpshagen (nach 1200 errichtet) mit Gutshaus (um 1900) im Westen der Stadt Herrenhaus Oberhof, zweigeschossiger, 13-achsiger Putzbau von 1780 mit neobarockem Umbau nach 1900, Park mit alten Baumbestand, heute Ferienwohnungen im Herren- und Kutscherhaus Bahnhof Klütz, Bahnhofstraße 4, steht unter Denkmalschutz Alter Friedhof an der Wismarschen Straße, Grabanlage von 1960, 1970 zur Gedenkstätte umgestaltet, mit Gedenkstein für 16 der über 7000 beim Untergang der Cap Arcona umgekommenen KZ-Häftlinge sowie Gräber eines namentlich bekannten Häftlings des KZ Dachau und eines unbekannten polnischen Zwangsarbeiters. Massengrab und Denkmal befinden sich in der Mitte des Hauptweges, dann seitlich.

Kultur Literaturhaus „Uwe Johnson“, dem Schriftsteller Uwe Johnson und seinem Werk gewidmet. Zwei Stockwerke beherbergen eine Dauerausstellung zu Johnson, außerdem werden Lesungen veranstaltet. Gleichzeitig dient das Haus als Bibliothek des Ortes.Website des Literaturhauses, Abruf am 25. August 2021 Kunst- und Kulturhaus Industriedenkmal Alte Molkerei mit monatlichem Programmkinoprogramm des Mobilen Kinos Filmklub Güstrow und des Landesverbandes Filmkommunikation Mecklenburg-Vorpommern, weitere kulturelle Veranstaltungen und Galerie

Klütz in der Literatur

Klütz ist das Jerichow im literarischen Werk Uwe Johnsons, die Stadt der Cresspahls in den Mutmassungen über Jakob und in den verfilmten Jahrestagen.

Wirtschaft und Infrastruktur Unternehmen In Klütz und Umgebung haben sich viele kleinere und mittlere Unternehmen angesiedelt. Der Tourismus mit Hotels, Gaststätten, Pensionen und Privatunterkünften hat erhebliche Bedeutung.

mini|Zug „De Lütt Kaffeebrenner“ im Bahnhof Klütz

Verkehr Klütz liegt an der Landesstraße 01 zwischen Dassow und Wismar. Die nächstgelegene Autobahnanschlussstelle ist Grevesmühlen an der Bundesautobahn 20 zwischen Lübeck und Rostock.

Die Bahnstrecke Grevesmühlen–Klütz wurde 2006 abgebaut. In den Jahren von 2012 bis 2014 wurde die Verbindung zwischen Klütz und Reppenhagen als Schmalspurstrecke wieder aufgebaut und der Betrieb als touristische Bahn mit historischen Wagen aufgenommen.De Lütt Kaffeebrenner. Abgerufen am 4. September 2014.

Der nächstgelegene Bahnhof ist Grevesmühlen an der Bahnstrecke Lübeck–Bad Kleinen.

Öffentliche Einrichtungen Amt Klützer Winkel, Schloßstraße 1 Stadtbibliothek Klütz im Literaturhaus Uwe Johnson, Im Thurow 14 Freiwillige Feuerwehr Klütz, An der Festwiese 3

Bildung und Soziales Regionale Schule Klütz, Ganztagsschule ab 5. Klasse, Straße des Friedens 2 Kinderkrippe und Kindertagesstätte Schlossspatzen, Pfarrhufe 4 Jugendclub Seniorenheim DRK-Wohnanlage

Sport SV Klütz, spielte in der Saison 2020/21 in der Fußball-Kreisoberliga Schwerin-Nordwestmecklenburg

Persönlichkeiten Söhne und Töchter der Stadt Johann Dietrich Mellmann (1746–1801), Rechtswissenschaftler Johann Wilhelm Ludwig Mellmann (1764–1795), Altphilologe Carl Friederich Christian Kelling (1818–1898), Neuseeland-Einwanderer, Mitbegründer der deutschen Siedlung Ranzau bei Nelson Johann Friederich August Kelling (1820–1909), Neuseeland-Einwanderer, Mitbegründer der deutschen Siedlung Ranzau Carl Lueder (1840–1892), Konsularbeamter Kuno Leonhardt (1848–1931), Landtagsabgeordneter in Sachsen-Meiningen Emil Kloth (1864–1942), Gewerkschafter

Mit Klütz verbundene Persönlichkeiten Carl Griewank (1795–1872), Propst in Klütz August Erdmann (1801–1883), Pastor in Klütz Martha Frahm (1894–1969), Mutter von Willy Brandt, besuchte die Volksschule in Klütz Simone Oldenburg (* 1969), Politikerin (Die Linke), Lehrerin in Klütz

Weblinks

Internetauftritt der Stadt Klütz

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Landkreis Nordwestmecklenburg Kategorie:Stadt in Mecklenburg-Vorpommern Kategorie:Stadtrechtsverleihung 1938