Tornitz, , ist ein zum Ortsteil Laasow gehörender Gemeindeteil der Stadt Vetschau/Spreewald im Nordosten des südbrandenburgischen Landkreises Oberspreewald-Lausitz. Bis zur Eingemeindung nach Laasow am 1. Mai 1974 war Tornitz eine eigenständige Gemeinde.
Lage Tornitz liegt in der Niederlausitz östlich des Naturparks Niederlausitzer Landrücken und südlich des Spreewalds. Die Stadt Cottbus ist etwa 16 Kilometer Luftlinie entfernt.
Benachbarte Orte sind Eichow im Nordosten und Osten (Bahnhof), Briesen im Südosten, Laasow mit dem Wohnplatz Knorraue im Süden, Missen im Südwesten, Jehschen im Westen sowie Repten und Lobendorf im Nordwesten. Zu Tornitz gehört der Wohnplatz Alte Windmühle.
Geschichte Tornitz, das als Sackgassendorf angelegt ist, wurde 1438 als Tornuwicz erstmals erwähnt.Rudolf Lehmann: Historisches Ortslexikon für die Niederlausitz. Band 1: Die Kreise Luckau, Lübben und Calau. Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam 2011, ISBN 978-3-9419-1989-1, S. 387. Der Ortsname enthält, wie zahlreiche slawische Namen, die mit Torn- gebildet werden, die Bezeichnung für Dorngebüsche. Abgeleitet wird dies vom altsorbischen Wort Torn, das auch in anderen Lautungen in der niedersorbischen als Śerń und in der obersorbischen Sprache als Ćerń existiert. Bei Tornitz geht Eichler von einer nicht belegten und rekonstruierten Grundform Tornuvica aus, die dann mit -sk beziehungsweise -c gebildet wurde. Im Jahr 1524 wurde der Ortsname als Tornitz genannt sowie 1761 als Tarnjosk, 1843 als Tornojsk und 1880 sowohl als Tarnojc als auch Tarnojsk.
mini|Herrenhaus des ehemaligen Rittergutes Tornitz. Von 1448 bis 1525 befand sich das Gut Tornitz im Besitz der Familie von Zabeltitz. Zwischen 1710 und 1764 gehörte das Gut der Familie von Schönfeld, in der folgenden Zeit wechselte der Besitz zwischen mehreren bürgerlichen Besitzern. Im Ergebnis des Wiener Kongresses kam das vormals sächsische Tornitz mit der gesamten Niederlausitz an das Königreich Preußen und gehörte dort zum Landkreis Calau. Ab 1818 werden eine Schäferei, eine Schänke und eine Windmühle erwähnt, Tornitz hatte damals 100 Einwohner. Laut Arnošt Mukas Statistik über die Lausitzer Sorben waren 1884 noch knapp 65 Prozent der Einwohner sorbischsprachig, und dieser Anteil nahm danach rapide ab. Richard Andree rechnete schon im Jahre 1872 Tornitz zu den Orten im Gebiet zwischen Drebkau und Raddusch, die „seit 1843 ... germanisiert“ worden sindRichard Andree: Wendische Wanderstudien zur Kunde der Lausitz und der Sorbenwenden, Verlag Julius Maier, Stuttgart 1874, S. 182.
Schon weit vor 1880 gehörte das GutVgl. Reprint: ISBN 3-226-00787-4, S. 38–39. der briefadeligen Familie von Wilucky, deren Schreibweise später auf von Wilucki überging.Christoph Franke, Edgar Hans von Brunner: Genealogisches Handbuch des Adels. Adelslexikon. Band XVI, Band 137 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke, Limburg and er Lahn 2005, ISBN 3-7980-0837-X, S. 234. Ihr gehörte durch Heirat schon zuvor das Gut in Kabel (Cabel) und wurde selbst in mehreren Familienlinien unterteilt. Genannt wurde 1866 u. a. Ernst Ludwig Adolph von Wilucki auf Cabel und Settinchen, der sogar für Teile seiner Gutsländereien den Bergbau-Betriebserlaubnisschein erhielt.H. Cramer: Beiträge zur Geschichte des Bergbaus in der Provinz Brandenburg. Heft 5: Die Niederlausitz. Verlag der Buchhandlung des Waisenhauses (Francksche Stiftungen), Halle a.S. Mai 1878, S. 250. Der Familienlinie von Wilucki-Tornitz, mit dem kgl. sächs. Oberleutnant Ernst (von) Wilucki auf Kabel und Settinchen beginnend, besaß also auch das 533 ha-Gut in Settinchen und durfte (adelsrechtlich nicht durchweg geklärt) dienstlich das von führen, was sie bereits um 1876 taten.Siehe: Max Stern: Adreßbuch der Gruben, Hütten, Maschinenfabriken, mech. Werkstätten und techn. Bureaux in deutschland und in der oester.-ung. Monarchie. Verlag von F. Lorber, Leipzig 1876, S. 195. Das Rittergut in Tornitz umfasste damals 580 ha, davon 302 ha Wald. Erbe war Johannes von Wilucki, 1913 im Neuen Palais zu Potsdam mit der Weiterführung des Adels bestätigt, in Form einer gnadenweise Genehmigung für Preußen den Adel bestätigt. 1914 hieß der GutsherrVgl. Ernst Seyfert: Güter-Adreßbuch für die Provinz Brandenburg. . Verzeichnis sämtlicher Rittergüter, Güter und Höfe über 20 ha. Nach amtlichen Angaben. Handbuch der Königlichen Behörden. In: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher. Band VII, 2. Auflage, Reichenbach’sche Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1914, S. 230–231. Heinrich von Wilucki, Herr auf Tornitz und Kl. Briesen. Mindestens bis 1916 blieb das Gut in deren Hand. Unterstützung in der Verwaltung fand der Gutsbesitzer in seinem zweitjüngsten BruderVgl. Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Briefadeligen Häuser. 1917. Jahrgang 11, Justus Perthes, Gotha 1916, S. 950–951. Walter von Wilucki.Vgl. Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Zugleich Adelsmatrikel der Deutschen Adelsgenossenschaft (DAG). Teil B (Briefadel). 1937. Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1936, S. 614–615. Walter von Wilucki.
Zum 1. Januar 1926 wurde der Nachbarort Briesen nach Tornitz eingegliedert. Der letzte Gutsbesitzer, bereits vor der Eingliederung des alten Gutsbezirkes 1928, in dieser Funktion,Vgl. Ernst Seyfert, Hans Wehner, Alexander Haußknecht, Ludwig Hogrefe: Landwirtschaftliches Adreßbuch der Rittergüter, Güter und Höfe der Provinz Brandenburg. . Verzeichnis sämtlicher Rittergüter, Güter und Höfe von ca. 20 ha aufwärts, Mit Unterstützung von Staats- und Kommunalbehörden, sowie des Brandenburgischen Landbundes zu Berlin, sowie der Kreislandbünde. Nach amtlichen Quellen und auf Grund direkter Angaben bearbeitet. In: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher. Band VII, 4. Auflage, (Letzte Ausgabe-Paul Niekammer-Reihe), Verlag Niekammer’s Adreßbüchern GmbH, Leipzig 1929, S. 193. der Amtsrat Richard Christiani, wurde 1945 bei der Bodenreform in der Sowjetischen Besatzungszone, enteignet.
Ab 1949 gehörte Tornitz zur DDR. Bei der Kreisreform am 1. Juli 1950 blieb die Gemeinde Tornitz im verkleinerten Landkreis Calau, der zeitgleich in Landkreis Senftenberg umbenannt wurde. Bei der Gebietsreform am 25. Juli 1952 kamen die Orte an den neu gegründeten Kreis Calau. Der Anteil der sorbischen Bevölkerung war damals fast völlig zurückgegangen, laut Ernst Tschernik hatte Tornitz 1956 nur noch fünf sorbischsprachige Einwohner. Am 1. Mai 1974 wurde Tornitz gemeinsam mit Wüstenhain nach Laasow eingemeindet. Nach der Wiedervereinigung wurde Tornitz am 6. Dezember 1993 Teil des neu gebildeten Landkreises Oberspreewald-Lausitz. Am 26. Oktober 2003 wurden Laasow mit seinen Gemeindeteilen sowie die Gemeinden Koßwig, Missen und Raddusch in Vetschau/Spreewald eingegliedert.Sechstes Gesetz zur landesweiten Gemeindegebietsreform betreffend die Landkreise Dahme-Spreewald, Elbe-Elster, Oberspreewald-Lausitz, Oder-Spree und Spree-Neiße vom 24. März 2003. In: Gesetz und Verordnungsblatt für das Land Brandenburg. Landtag Brandenburg (Hrsg.), Potsdam 2003, S. 95. Abgerufen am 4. Juni 2023.
Tornitz ist nach Laasow gepfarrt und gehört seit 2013 zur Kirchengemeinde Gräbendorfer See im Kirchenkreis Niederlausitz.
Einwohnerentwicklung Einwohnerentwicklung in Tornitz von 1875 bis 1971 Jahr Einwohner Jahr Einwohner Jahr Einwohner Jahr Einwohner Jahr Einwohner 1875 170 1910 151 1933 228 1946 306 1964 229 1890 138 1925 159 1939 196 1950 326 1971 219
Gebietsstand des jeweiligen Jahres, ab 1933 mit Briesen
Kultur und Sehenswürdigkeiten Die Radwanderwege Niederlausitzer Bergbautour und Niederlausitzer Kreisel führen durch den Ort.
Wirtschaft und Infrastruktur Tornitz liegt an der Kreisstraße 6623 und südlich der Bahnstrecke Halle–Cottbus. Die Bundesautobahn 15 ist etwa fünf Kilometer entfernt.
mini|Bolart GmbH in Tornitz. Die nördlich von Tornitz gelegene Anlage der Bolart Schweineproduktionsanlagen GmbH ist die größte Schweinemastanlage in Brandenburg. Nördlich von Tornitz, jedoch bereits auf Eichower Gebiet, wurde im Juni 2016 ein Windpark mit einer installierten Gesamtleistung von 12 MW in Betrieb genommen.Historie des Windparks Kolkwitz. WEK Windenergie Kolkwitz, abgerufen am 4. Juni 2023.
Literatur Rudolf Lehmann (Hrsg.): Historisches Ortslexikon für die Niederlausitz. Band 1: Die Kreise Luckau, Lübben und Calau. Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde, Marburg 1979, ISBN 3-921254-96-5. Nachdruck: Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam 2013, ISBN 978-3-941919-89-1, doi:10.35998/9783830542971 (Open Access), S. 387.
Weblinks
Laasow mit Tornitz auf der Seite der Stadt Vetschau
Einzelnachweise
Kategorie:Ort in der Niederlausitz Kategorie:Ort im Landkreis Oberspreewald-Lausitz Kategorie:Geographie (Vetschau/Spreewald) Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Oberspreewald-Lausitz) Kategorie:Ersterwähnung 1438 Kategorie:Gemeindeauflösung 1974 Kategorie:Deutscher Ortsname slawischer Herkunft