Die Wapen von Hamburg aus dem Jahr 1722 war ein hamburgisches Konvoischiff.In einigen Quellen/Literatur und im moderneren Sprachgebrauch wurde das erste Schiff Wapen von Hamburg (I) auch "Wappen von Hamburg", in einigen Dokumenten aus damaliger Zeit jedoch auch "Das Wapen von Hamburg" genannt; historisch korrekt ist demnach die Schreibweise "Wapen", die somit auch auf die Nachfolgerinnen zutrifft Sie wurde von der Hamburgischen Admiralität und der Hamburgischen Kaufmannschaft in Auftrag gegeben und hatte die Aufgabe, Schiffskonvois zu Hamburgs Übersee-Handelspartnern zu begleiten und vor feindlichen Angriffen oder Überfällen von Korsaren bzw. Piraten zu beschützen.

Geschichtlicher Hintergrund mini|links|Hamburg und die Elbmündung um 1721 mini|links|Arktischer Walfang im 17. Jahrhundert mini|links|Mit dieser Sklavenfigur sollte auf das Schicksal von versklavten Hamburger Seeleuten aufmerksam gemacht und so die Spendenbereitschaft der Bürger angeregt werden, um diese freizukaufen.

Hamburg gewann nach dem Machtverfall der Hanse im 16. Jahrhundert zunehmend an wirtschaftlicher Bedeutung. Durch Zuwanderung und damit verbundenem Zugewinn an Handelspartnern wuchs die Freie Reichsstadt Hamburg Mitte des 17. Jahrhunderts neben London und Amsterdam zu einem der wichtigsten städtischen Handelszentren, heute durchaus vergleichbar mit einer Global City, heran, deren Handelsbeziehungen sich von Grönland bis ins Mittel- und Weiße Meer erstreckten. Wichtigste Anlaufpunkte waren dabei die Iberische Halbinsel, England, die Niederlande, das nördliche Eismeer (mit Bezug zum Walfang) sowie Archangelsk.

Die Ausweitung der Handelsbereiche wie auch die gewaltsame Weitung des Einflussbereiches des Christentums insbesondere im Mittelmeerraum führten zwangsläufig zu Konfrontationen, die schließlich auch verlustreiche Überfälle durch muslimische Korsaren nach sich zogen. Diese operierten mit ihren Schiffen von den Barbareskenstaaten aus und setzten den schwerfälligen und oftmals nahezu wehrlosen Händlerkonvois, bestehend in der Regel aus 20 bis 50 Händlerschiffen, schwer zu. Selbst eine Ausstattung von Händlerschiffen mit Kanonen (sog. bewaffnete Handelsschiffe) konnte daran nicht viel ändern, da die ladungsbedingte Schwerfälligkeit blieb. Die Schiffe wurden als Prisen genommen, die Ladungen beschlagnahmt und die Schiffsbesatzungen oftmals versklavt oder bis zur Zahlung eines Lösegeldes unter schlimmsten Bedingungen festgesetzt. Zum Rückkauf der eigenen in Gefangenschaft geratenen Kapitäne und Steuerleute riefen Schiffer und Steuerleute die „Casse der Stücke von Achten“ ins Leben, eine Lösegeldversicherung, die als Basis für Lösegeldzahlungen diente. Damit auch diejenigen zurückgekauft werden konnten, die sich Beiträge in diese Versicherung nicht leisten konnten, wurde 1623 die Sklavenkasse gegründet, die sich aus Pflichtbeiträgen von Reedern und Schiffsmannschaften sowie Zuschüssen aus staatlichen Organisationen und der Admiralitätssteuer zusammensetzte. Da die Gelder aber nicht ausreichten, wurden auch in den Kirchen Sammelbecken aufgestellt und zudem Haussammlungen organisiert.

Im Verlauf des 17. Jahrhunderts weiteten die Korsaren ihren Operationsradius schließlich sogar vom Mittelmeer über Gibraltar und den Ärmelkanal hinaus bis zur Elbmündung aus, nachdem England, Frankreich und die Niederlande von 1665 bis 1687 versuchten, den Überfällen mit Strafexpeditionen entgegenzutreten, da auch diese Nationen mit empfindlichen Verlusten durch Korsarenangriffe zu kämpfen hatten. Als Folge der Weitung des Operationsgebietes der Korsaren geriet die Versorgung Hamburgs vom Seewege aus teilweise ins Stocken, so dass es phasenweise in der Stadt sogar zu Warenengpässen kam. Zudem wurden auch vermehrt christliche kriegsführende Nationen zum wirtschaftlichen Problem für Hamburg. → siehe hierzu die Hauptartikel: Pfälzischer Erbfolgekrieg (1688–1697) Englisch-Spanischer Krieg (1727–1729) und Österreichischer Erbfolgekrieg (1740–1748)

So entsandte Frankreich von Dünkirchen aus vermehrt Kaperschiffe, um die hamburgischen und niederländischen Grönlandfahrer, die Waren aus dem Wal- und Robbenfang transportierten und in Hamburg verarbeiteten, abzufangen. Auch andere Betroffene wie die Nationen Niederlande, England, Frankreich, Norwegen, Dänemark, aber auch die Hansestadt Bremen und Brandenburg-Preußen hatten auf ihren Handelsrouten mit Piraterieproblemen zu kämpfen und gewährten als Gegenmaßnahme ihren Händlern Geleitschutz durch eine Begleitung der Händlerkonvois mit Kriegsschiffen.

Hamburgs Machthaber wollten sich ihre wichtige Stellung im internationalen Handelsgeschehen möglichst nachhaltig sichern und entschlossen sich somit, ebenfalls ihre Händlerkonvois zu beschützen und einen Geleitschutz durch die sogenannten Konvoischiffe („Convoyer“) zu organisieren. 1623 wurde zudem eigens die Hamburgische Admiralität gegründet, die für Bau, Ausrüstung und Unterhalt dieser Schiffe verantwortlich war. 1665 wurde von Kaufleuten und Schiffern schließlich die Commerzdeputation gegründet, deren Aufgabe darin bestand, die Bedürfnisse der Händler nach mehr Sicherheit auf den Handelswegen zu verfolgen und entsprechende Unterstützung zu organisieren. Tatsächlich dauerte es über 40 Jahre bis nach Gründung der Admiralität, bis der Bau der ersten Schiffe beschlossen und auch durchgeführt wurde. Hauptgrund hierfür war Uneinigkeit in der Finanzierung der "Convoyer" sowie deren Unterhalt. Im Laufe der Zeit, nicht zuletzt beeinflusst durch stets neue Gefangennahmen Hamburger Händlerschiffsbesatzungen durch Korsaren und damit verbundenen immensen wirtschaftlichen Einbußen einzelner HändlerIm Juni 1662, kurz vor Gründung der Commerzdeputation wurden acht bewaffnete Hamburger Portugalfahrer samt Waren von lediglich zwei Barbaresken-Galeeren gekapert. Diese Kaperung verursachte letztlich einen wirtschaftlichen Schaden von rund 1,5 Millionen Courantmark für die hamburgische Kaufmannschaft., sahen sich die Verantwortlichen schließlich gezwungen, einen finanziellen Konsens zu finden und den Bau zu vollziehen, um derartige Überfälle zukünftig zu verhindern.

Da Hamburg im 17. und 18. Jahrhundert stets bemüht war, sich und seine Einwohner aus für den Handel schädlichen kriegerischen Konflikten herauszuhalten und eine möglichst neutrale Position gegenüber Konfliktparteien zu beziehen, wurde ausdrücklich die Bezeichnung „Kriegsschiff“ vermieden. Stattdessen wurde offiziell die Bezeichnung „Konvoischiff“ bzw. „Stadtkonvoischiff“ verwendet, die einen eher passiven und auf Verteidigung denn auf Angriff ausgelegten Schiffstyp bezeichnen sollte.Der Rat der Stadt bezeichnete die Schiffe in seinen Schriften gelegentlich als „Orlog“-Schiffe, also Kriegsschiffe. Die Admiralität wie auch die Kaufmannschaft beteuerten hingegen nach außen, dass die Schiffe stets dem Schutz und der Verteidigung der Kaufmannsgüter dienen würden und nicht für kriegerische Handlungen Hamburgs in Auftrag gegeben wurden. Faktisch kann man diese Schiffe jedoch durchaus als Kriegsschiffe bezeichnen, da sie schwerpunktmäßig zur Waffenführung konstruiert wurden. Bezüglich der Feuerkraft konnten sie jedoch mit den Kriegsschiffen der Seemächte nicht mithalten.

Bei den Konvoischiffen handelte es sich somit um Kriegsschiffe mit permanentem GeleitschutzauftragIn den Zeiten, in denen die Schiffe in Hamburg auf Reede lagen und auf neue Konvoiaufträge warteten, wurden die Geschütze teilweise ins Konvoiarsenal verbracht und im Bedarfsfall zur Verteidigung der Stadt an den Stadtmauern eingesetzt. Gegen Ende der hamburgischen Konvoizeit verblieben die Geschütze jedoch meist auf den Schiffen, so dass das gesamte Schiff dann als schwimmende Batterie/Wachschiff zur hafenseitigen Verteidigung/Sicherung eingesetzt werden konnte, die von 1669 bis 1747 die hamburgische Konvoischifffahrt beschützten und den Handel von und nach Hamburg sicherstellten und somit Hamburgs Stellung als Handelsmetropole nachhaltig sicherten.

Entstehung Die Wapen von Hamburg (III) aus dem Jahr 1722 war das dritte Konvoischiff mit diesem Namen und löste die gleichnamige Vorgängerin nach 32-jähriger Dienstzeit und 25 Konvoifahrten ab, da ihr die hamburgische Kämmerei notwendige Reparaturen nicht mehr bewilligen wollte. Das alte Schiff war zwar noch seetüchtig, jedoch hätten die Reparaturen gleichzeitig eine Erhöhung des Tiefganges bedeutet. Diesen wollte man nicht in Kauf nehmen, da man zeitgleich feststellte, dass die Elbe immer flacher wurde und insbesondere der Altonaer Sand, eine Untiefe in der Elbe, für Schiffe mit hohem Tiefgang eine Gefahr darstellte. Folglich entschloss man sich am 31. März 1719, das alte Schiff abzuwracken. mini|Der aufwändig verzierte Heckspiegel Die neue Wapen von Hamburg (III) wurde vom Schiffsbaumeister Jacob MenckeDas Museum für Hamburgische Geschichte tituliert den Schiffbauer auf einer Infotafel als Jakob Mencken, so dass auch diese Schreibweise denkbar erscheint. Im Folgenden wird jedoch die Schreibweise der überwiegenden Literatur weiterbenutzt. und Gerd Gerdsen jr. entworfen und schließlich von Mencke in einer Werft in Hamburg gebaut. Mencke entschloss sich, mit der bisherigen niederländischen Bautradition der Vorgängerschiffe zu brechen, und orientierte sich stattdessen an englischen Konstruktionsmustern. Die hamburgische Commerzdeputation machte Mencke zur Auflage, ein Schiff mit weniger Tiefgang zu konstruieren, damit sie problemlos die zuvor beschriebenen Untiefen der Elbe passieren konnte. Gegen diese Auflage sprach nun die englische Konstruktionsweise, die einen grundsätzlich höheren Tiefgang mit sich brachte. Mencke ignorierte diesen Umstand, konnte seine Auftraggeber von den konstruktionellen Vorzügen der englischen Bauweise überzeugen und setzte seine Vorstellungen vom neuen „Convoyer“ in die Tat um.

Das Schiff wurde am 18. Juli 1722 fertiggestellt und einer breiten Öffentlichkeit präsentiert. Die Abnahme erfolgte am 5. September 1722 durch den Konvoiherrn Beckhoff und sein Konvoikollegium.

Baudetails Die künstlerische Ausgestaltung des Heckspiegels und des Galions der neuen Wapen von Hamburg (III) mit Schnitzwerk wurde dem Bildhauer Johann Christopher von der Heide übertragen.

Der reich mit Gold verzierte Heckspiegel enthielt zwischen den Fenstern einen Hauptfries, der Poseidon zum Thema hatte und an dem zahlreiche Pilaster mit kunstvoll geschnitzten Kapitellen harmonisch angeordnet waren. Zudem war das Große Staatswappen, das von zwei Löwen gehaltene Hamburgwappen, am oberen Heckspiegelbereich angebracht. Dieses Hamburgwappen wurde später jedoch durch das Wappen der Kapitänsfamilie Tamm ersetzt.

mini|Steuerbord Seitengalerie mini|links|Der Scheg mit Poseidon als Galionsfigur Das gesamte Heck wurde optisch von zwei Adlerschwingen gestützt. Als Galionsfigur schnitzte von der Heide eine bärtige Poseidon-Büste, die noch von weiteren Beifiguren wie Delfinen und in Schneckenhörner blasenden Tritonen umgeben war und somit antike Stilelemente und Allegorien aufgriff.

Der Schiffskörper verjüngte sich zum Heck hin und die palastartige, zweigeschossige barocke Heckarchitektur wirkte wie in den Schiffskörper eingeschoben. Seitlich am Schiffsheck befanden sich die befensterten Seitengalerien, die selbst aus der Kajüte heraus einen Blick in Richtung Bug zuließen. In den Heckspiegel integriert befand sich zudem die Kapitänskajüte sowie die darunterliegende Offizierskajüte. Oberhalb der Kajüten und des Hamburgwappens waren drei große Hecklaternen abgebracht, die das traditionelle Erscheinungsbild des Heckbereiches abrundeten.