400px|rechts|Die drei Inhaber der Architektengemeinschaft um 1930

Taut & Hoffmann war eine der bekanntesten und erfolgreichsten deutschen Architektengemeinschaften mit Sitz in Berlin. Sie wurde im August 1909 durch Bruno Taut und Franz Hoffmann gegründet. Nach ersten erfolgreichen Arbeiten wurde Max Taut 1912 das dritte Mitglied in dem Architekturbüro. Die gemeinsame Arbeit führte zu sehr vielen verwirklichten Bauprojekten durch diese Sozietät, vor allem im Berliner Raum, aber auch in anderen deutschen Städten. In seiner besten Zeit arbeiteten bis zu 37 Mitarbeiter in dem Büro. Daneben hatte jeder der drei Baufachleute weiter einzelne Aufgaben ausgeführt. Mit dem Tod von Franz Hoffmann 1951 endete die Schaffensperiode von Taut & Hoffmann. Das Büro hatte seine Arbeitsräume in Berlin-Mitte in der Potsdamer Straße und später in Berlin-Charlottenburg in der Bayreuther Straße. Die noch erhaltenen und überwiegend im Originalzustand befindlichen Gebäude von Taut & Hoffmann stehen unter Denkmalschutz.

Entstehung des Büros Verabredungen zwischen Franz Hoffmann und Bruno Taut Franz Hoffmann und Bruno Taut hatten sich bei ihrer gemeinsamen Tätigkeit im damals etablierten Architekturbüro von Heinz Lassen kennengelernt. Sie fanden bald, dass sie sich mit ihren unterschiedlichen Herangehensweisen hervorragend ergänzen und verabredeten, ein eigenes Büro zu gründen. Das Unternehmen bekam den Namen Taut & Hoffmann und wurde am 9. August 1909 gewerblich registriert. Als Startkapital spendete Hoffmanns Großmutter 5000 Mark, wovon ein erstes Büro gemietet und eine einfache Ausstattung angeschafft werden konnte. Innerhalb eines Jahres beteiligten sie sich nun an zahlreichen Architektenwettbewerben und erhielten für elf eingereichte Entwürfe Geldpreise, aus denen sich erste Einnahmen und auch Bauaufträge ergaben. Zur Erleichterung der einfachen Büroarbeiten konnten sie dadurch bald eine eigene Sekretärin einstellen.Isi Fischer: 1999. Franz Hoffmann – Ein Rückblick. Selbstverlag, 1999.

Max Taut kommt hinzu Bruno Tauts jüngerer Bruder Max trat nach Abschluss seiner „Baumeisterausbildung“ 1912 als Dritter in das Büro ein. Die Gebrüder spezialisierten sich auf die Ideenskizzen und künstlerischen Entwürfe, während Franz Hoffmann Aufträge besorgte, mit Kunden verhandelte, Grundrisse erstellte, sich um organisatorische Dinge kümmerte und die Bauleitung übernahm. Die Entwürfe wurden kritisch durchgesprochen, bei Meinungsverschiedenheiten zwischen den Tauts konnte Hoffmann meist vermitteln. Neben den gemeinsamen Projekten arbeitete jeder der Brüder auch an eigenen Aufträgen; sie hatten jeweils persönliche Mitarbeiter.

Die folgende Projektdarstellung enthält nur die Bauten und Anlagen, die nachweislich gemeinsam geplant und realisiert wurden.

Lage des Büros Taut & Hoffmann Die ersten Büroräume bezogen Bruno Taut und Franz Hoffmann in der Linkstraße (heutige Potsdamer Straße) am Potsdamer Platz. Die ständig hinzukommenden neuen Mitarbeiterinnen wie eine Sekretärin, eine Buchhalterin (eine Schwester von Franz Hoffmann) sowie immer mehr Architekten konnten durch das Mieten weiterer Räume in dem Gebäude untergebracht werden. So war es möglich, noch bis zum Jahr 1932 in den Atelierräumen zu arbeiten, dann zog die Gemeinschaft Taut & Hoffmann in ein von ihnen zuvor errichtetes Haus in die Bayreuther Straße mit mehr Räumen. Die politische Entwicklung und die ablehnende Haltung der Tauts und von Franz Hoffmann zu den nationalsozialistischen Zielen führten zur drastischen Reduzierung von Aufträgen, die Inhaber mussten nach und nach Mitarbeiter entlassen und lebten von kleinen Aufträgen auch außerhalb Berlins, aber immer am Rande des Existenzminimums. 1942 gab es dann außer Max Taut (Bruno war 1931 in das Ausland gegangen) und Franz Hoffmann nur noch einen Architekten und eine Sekretärin im Büro. Als das Gebäude in der Bayreuther Straße durch eine Brandbombe am 23. November 1943 zerstört wurde, gaben sie es ganz auf. Für die vernichteten Gegenstände wurde eine Entschädigung beantragt.

Darstellung und Beschreibung einzelner Projekte 1909 bis 1914 Erste Warenhausprojekte Im Dezember 1909 beteiligte sich das gerade gegründete Büro an einem durch die Eigner des Warenhauses Wertheim in der Leipziger Straße ausgeschriebenen Wettbewerb für einen (dritten) Erweiterungsbau. Von den bis zum Frühjahr 1910 eingegangenen 94 Entwürfen wählte das Preisgericht drei für die ersten Plätze aus, weitere 6 wurden angekauft, darunter auch der von Taut und Hoffmann stammende. Dieser erhielt folgende Einschätzung: „[…] er ist sehr interessant, da er die Messelschen monumentalen Pfeiler aufgreift, deren Zwischenräume sich zur Straße hin öffnen sollen. Die oberen Abschlüsse durch einfache Rundbögen […] stellen den Gesamteindruck wieder her.“ Die prämierten und angekauften Vorschläge betrachtete Wertheim schließlich aber nur als „Ideensammlung“ und ließ selbsterstellte Entwürfe durch den Architekten Heinrich Schweitzer umsetzen.Robert Hebel: Alfred Messels Wertheimbauten in Berlin. Gebr. Mann Verlag, Berlin 2009, S. 904ff, ISBN 978-3-7861-2571-6.

mini|Kaufhaus Jandorf, durch Bruno Taut und Franz Hoffmann baulich erweitert

Für das 1906 eröffnete Kaufhaus Jandorf, Wilmersdorfer Straße / Pestalozzistraße in Charlottenburg planten und realisierten Taut und Hoffmann einen Erweiterungsbau 1912–1913. Nach Zerstörung im Zweiten Weltkrieg erfolgte 1951–1955 ein Wiederaufbau in Verantwortung des neuen Eigentümers Hertie ohne Anlehnung an das Originalbauwerk. Das Gebäude dient auch nach 100 Jahren und etlichen Umbauten noch als Kaufhaus.

Reformsiedlungen und Mietswohnhäuser 1910 beteiligten sich Taut und Hoffmann erfolgreich an einem Bauwettbewerb zur Errichtung von Arbeiterwohnsiedlungen in Magdeburg („Gartenstadt-Kolonie Reform“) und in Falkenberg bei Grünau. Dazu richteten sie eigens ein zeitweiliges Planungsbüro in Magdeburg ein, mussten aber zunächst bei den Genehmigungsverfahren und der Sicherung der Projektfinanzierung erhebliche Widerstände der Stadtverwaltungen für ihre Ideen des sozialen Bauens für Arbeiter überwinden. In Magdeburg gewannen sie den Sozialisten Heinrich Plumbohn, der einen genossenschaftlichen Siedlungsverband für die Errichtung einer Kleinhaussiedlung der dortigen Eisenindustriearbeiter ins Leben rief. Für die Siedlung Falkenberg sicherten sie sich Unterstützung höchster staatlicher Stellen (ein Ministerialdirektor setzte sich auf ihre Bitten für den Bau ein) und renommierter Architekten wie Adolf Otto und Bernhard Kampffmeyer. Hier ließ die frisch gegründete Deutsche Gartenstadtgesellschaft bis 1911 dann 123 Einfamilien- und Vierfamilienhäuschen fertigstellen. 1909–1910: Neubau einer Miethausgruppe in Rixdorf, Kottbusser Damm 90 / Spremberger Straße 11 / Bürknerstraße 12–14, mit Wohnungen und Läden im Erdgeschoss. Hoffmann war für den Fassadenentwurf zuständig, die Pläne für den Grundriss stammen vom Bauherrn Arthur Vogdt, die Bau- und Feinplanung führte Bruno Taut aus.Winfried Brenne: Bruno Taut. Meister des farbigen Bauens in Berlin. Hrsg. Deutscher Werkbund Berlin e. V., Verlagshaus Braun, Berlin 2005, ISBN 3-935455-82-8 1910–1911: Wohnhaus (Villa) Adolf-Martens-Straße 14, Lichterfelde für Erwin Reibedanz; mit Bruno Taut und dem Bildhauer Wilhelm Repsold, 1982 aufgestockt, 1995 neu verputzt 1910–1911: Mietshauskomplex Nonnendammallee 97 / Wattstraße 5 / Grammestraße 11; Siemensstadt im heutigen Bezirk Spandau; mit Bruno Taut

mini|Das rekonstruierte Gebäude Kottbusser Damm (rechte Straßenseite, hinter der Laterne) 1910–1911: Wohnhauskomplex Kottbusser Damm 2–3, Berlin-Kreuzberg Hoffmann, Bruno Taut und A. Vogdt führten hier einen privat finanzierten Mietshausbau aus, der im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt wurde. Nach vielen Jahren Leerstand erfolgte 1978 eine Rekonstruktion nach Plänen von Inken und Hinrich Baller.Informationen über erhaltene und restaurierte Bauten von Taut & Hoffmann auf der Website einer Stadtführerin mit architektonischer Ausrichtung; abgerufen am 19. Januar 2016 1911–1912: Wohnhaus mit Erdgeschossläden, Seiten- und Querflügel in Charlottenburg, Bismarckstraße 116 / Hardenbergstraße 1 Wurde 1944 zerstört und nach Kriegsende enttrümmert. 1912–1913: Zusammen mit Bruno Taut und dem Bildhauer Georg Kolbe schuf Hoffmann ein Mietshaus mit großen 10-Zimmer-Wohnungen in Charlottenburg, Schillerstraße 1.Auch dieses Gebäude fiel den Kriegszerstörungen zum Opfer. 1912–1913: Für die Tiergarten-Haus- und Grundstücksgesellschaft mbH errichteten Taut & Hoffmann ein viergeschossiges Wohnhaus mit repräsentativen 14-Zimmer-Wohnungen mit Seitenflügel und Querhaus um zwei Innenhöfe.Im Krieg zerstört und danach abgeräumt.

Entwurf und Ausführung von Ausstellungsgebäuden 1910: Ausstellungspavillon im Auftrag der Trägerverkaufskontor GmbH für die II. Deutsche Ton-, Zement- und Kalkindustrie-Ausstellung in Berlin; mit Bruno Taut.Ulrich Bücholdt: II. Ton-, Zement- und Kalkindustrie-Ausstellung Berlin 1910, zuletzt abgerufen am 24. April 2021

mini|Monument des Eisens, 1913, Postkartenansicht 1911–1913: Im Rahmen eines zweistufigen Wettbewerbs, der vom Stahlwerksverband und dem Verein deutscher Brücken- und Eisenbaufabriken für die Internationale Baufachausstellung in Leipzig 1913 ausgeschrieben worden war, gewannen Hoffmann & Taut gemeinsam mit dem Stahlbau-Unternehmen Breest & Co. (Berlin; Inhaber Paul de Gruyter) mit ihrem „Monument des Eisens“ genannten Pavillonentwurf den ersten Preis.Es entstand ein streng geometrisches Bauwerk in Form einer nach oben vierfach abgestuften achteckigen Pyramide, das von einer Laterne mit einer neun Meter im Durchmesser messenden vergoldeten Kuppel bekrönt wurde. Das Gebäude repräsentierte vor allem die hervorragenden Möglichkeiten des Stahlbaus im Hochbau. Das eigentliche Bauwerk bestand aus einem großen Vestibül mit einem Fußboden aus Skyrosmarmor mit Bronzeeinlagen und mit schwarzen, matt glänzenden Wandplatten. Diese waren wiederum mit Schriftzeichen in Goldglasur verziert, und eine Wand trug ein Keramikmosaik mit der Darstellung einer „feuersprühenden Bessemerbirne“. Der Eingangshalle folgten symmetrisch seitwärts abgehende Wandelgänge, in denen Fotografien und Zeichnungen die Entstehung und Bearbeitung des Eisens zeigten. Die Mitte des Gebäudes bildete ein „Diaphanieraum“ (= Raum mit einer doppelten Wandschicht), der entsprechend dem Eisenskelett einen achteckigen Grundriss aufwies und sieben Meter hoch war. Dieser mit Holz verkleidete Zentralraum zeigte zahlreiche Fotografien mit ausgeführten Brücken- und Eisenhochbauten, ein großer Fries enthielt auf Mattglas gemalte Silhouetten bedeutender Betriebe der Eisenindustrie. Alle Innendekorarbeiten hatte Franz Mutzenbecher ausgeführt. In der zweiten Etage des Gebäudes, die über bequeme, breite Treppen erreichbar war, befand sich im Zentrum ein „Lichtbildtheater“, das neben der Betrachtung von Filmsequenzen auch zum Blättern in Broschüren und zur Erbauung der Besucher vorgesehen war. Der für 200 Gäste ausgelegte Kinoraum zeigte offene Eisenstrukturen, deren acht nach innen geschwungene Träger die mit Spiegelflächen verkleidete Decke trugen. Die Wände waren mit Stoff bespannt und kunstvoll mit Ornamenten und Schriftzügen bemalt. Durch drei Türen konnte eine umlaufende offene Galerie erreicht werden. Oberhalb der beschriebenen Räume befanden sich Büros und die notwendige Technik.Franz Hoffmann: Das Monument des Eisens. (Auszug aus einer ungenannten Bachfachzeitschrift) Baukunstarchiv, Signatur 90-01-15 Die Ausstellungshalle stand auf dem alten Leipziger Messegelände und wurde nach Ausstellungsende abgebaut.

mini|Glaspavillon, 1914