Herzebrock-Clarholz ist eine Gemeinde im Kreis Gütersloh in Nordrhein-Westfalen, sie liegt am westlichen Rand von Ostwestfalen an der Grenze zum Münsterland. Am zählte die Stadt Einwohner.
Geografie Geografische Lage mini|Axtbach in Herzebrock-Clarholz
Naturräumlich liegt Herzebrock-Clarholz am Übergang vom Kernmünsterland zur Emssandebene und gehört damit zur Westfälischen Bucht. Das Gemeindegebiet zeichnet sich durch das Fehlen von besonderen Erhebungen und Niederungen aus, es gibt lediglich 18 m Höhenunterschied (zwischen 62 und ).
Die östliche und nordöstliche Gemeindegrenze wird weitgehend von der Ems gebildet, die seit dem Ende des 19. Jahrhunderts in mehreren Ausbaustufen begradigt worden ist und heute ein kanalartiges Bett aufweist. Ihr fließen von Südwesten her mehrere kleine Bäche zu. Nennenswert ist der Möhler und Clarholz durchfließende Axtbach, der in den Beckumer Bergen entspringt und im Kreis Warendorf in die Ems mündet, sowie der Poggenbach.
Die nächstgelegenen Städte sind im Osten Gütersloh (ca. 10 km), im Südosten Rheda-Wiedenbrück (ca. 4 km), im Südwesten Oelde (ca. 10 km), im Nordwesten Warendorf (ca. 16 km) und Harsewinkel im Norden (ca. 8 km). Die nächsten Großstädte sind Gütersloh (ca. 10 km) und Bielefeld (ca. 26 km) im Nordosten sowie Münster im Westen und Paderborn im Südosten, jeweils etwas über 40 km entfernt.
Geologie mini|Geothermische Karte von Herzebrock-Clarholz
Der mitteltiefe Untergrund besteht auf dem Gebiet der Gemeinde aus Mergel- und Kalksteinen des Erdmittelalters. Die jüngsten Schichten der Oberkreide, die aus Mergel des Campaniums bestehen, reichen bis an die Oberfläche herauf. Darunter liegen bis zu 700 m starke Mergelsteine aus Santonium und Coniacium und etwa 450 m mächtige Kalksteine aus Turonium und Cenomanium. Nordöstlich von Clarholz finden sich Sande in geringer Stärke. Es gibt keine nennenswerten Grundwasservorkommen und das tiefe Grundwasser ist versalzt.
Im nördlichen Gemeindegebiet haben sich nährstoffarme und dürreempfindliche Böden (Podsole) entwickelt, die durch Aufbringen von Plaggen (Plaggenesch) heute eine verbesserte Ertragsfähigkeit aufweisen. Die tieferen Bodenschichten sind oft von Grundwasser beeinflusst (Gley-Podsole). In Niederungen und Talsenken sind die Böden bis nahe an die Oberfläche von Grundwasser geprägt. Sie sind daher natürliche Grünlandstandorte, wurden jedoch durch Entwässerungsmaßnahmen großenteils als Ackerland nutzbar gemacht.
Im südlichen Gemeindegebiet sind Pseudogleye vorherrschend. Die Lehmböden sind sandig-tonig, meist dicht gelagert und von einem ausgeprägten Wechsel von Vernässung und Austrocknung gekennzeichnet. Sie eignen sich daher vorwiegend als Grünlandstandorte. Das Gelände fällt nach Nordwesten zur Ems hin ab.
Herzebrock-Clarholz eignet sich im Südteil mittelmäßig bis im Nordteil gut zur Nutzung von geothermischen Wärmequellen mittels Erdwärmesonde und Wärmegewinnung durch Wärmepumpenheizungen (vgl. dazu die nebenstehende Karte). (PDF; 369 kB)
Ausdehnung und Nutzung des Gemeindegebiets Die als große Landgemeinde klassifizierte Gemeinde umfasst eine Fläche von 79,28 km². Der überwiegende Teil besteht aus landwirtschaftlich genutzter Fläche und Waldfläche, zusammen etwa 84 %, gefolgt von bebauter Fläche und Verkehrsfläche, zusammen etwa 13,4 %. Die größte Ausdehnung in Nordsüdrichtung beträgt 11,5 km, in Ostwestrichtung 11,6 km.
Flächenach Nutzungsart Landwirt-schaftsfläche Wald-fläche Gebäude-, Frei-und Betriebsfläche Verkehrs-fläche Wasser-fläche Sport- undGrünfläche sonstigeNutzung Fläche in km² 56,83 9,74 7,02 3,57 1,60 0,31 0,21 Anteil an Gesamtfläche 71,68 % 12,29 % 8,85 % 4,50 % 2,02 % 0,39 % 0,26 %
Nachbargemeinden Herzebrock-Clarholz grenzt im Norden an Harsewinkel, im Osten an Gütersloh, im Südosten an Rheda-Wiedenbrück. Diese Städte und Gemeinden gehören alle zum Kreis Gütersloh. Im Südwesten grenzt die Gemeinde an Oelde und im Nordwesten an Beelen, die sich beide im Kreis Warendorf befinden.
Gemeindegliederung mini|Ortsteile von Herzebrock-Clarholz Nach § 3 der Hauptsatzung gliedert sich die Gemeinde in die beiden Ortschaften Herzebrock * (10.448 Einwohner) und Clarholz (6.440 Einwohner) (Stand: 1. Januar 2022), die den beiden ehemaligen Gemeinden entsprechen, aus denen die heutige Gemeinde 1970 gebildet wurde.
Am 16. Dezember 2009 wurde dieser Paragraph mit den 18 Stimmen von SPD, FDP, UWG und GAL gegen 17 Stimmen der CDU aus der Satzung der Gemeinde gestrichen. Seit dem 10. Februar 2010 bestehen wieder beide Ortschaften. Der Rat folgte mit Mehrheitsbeschluss einem Bürgerbegehren und fügte den § 3 wieder in die Hauptsatzung der Gemeinde ein.
Zur Ortschaft Herzebrock gehören (im Uhrzeigersinn, beginnend im Norden) die Bauerschaften Bredeck, Quenhorn, Groppel, Pixel, Brock und Möhler. Früher wurde, was heute nicht mehr üblich ist, Herzebrock in Kirchdorf (der Teil um die Pfarrkirche St. Christina) und Postdorf (der Teil an der heutigen B 64) eingeteilt.
Zur Ortschaft Clarholz gehören die Bauerschafen, im Nordwesten beginnend Oelkerort, Heerde, Holzhof, Samtholz und Sundern. In Clarholz sind in den 1970er Jahren im Neubaugebiet Friedlandsiedlung, benannt nach der niedersächsischen Gemeinde Friedland, mit 134 Wohnungen 400 Spätaussiedler vor allem aus dem heutigen Polen angesiedelt worden, was damals 10 Prozent der Bevölkerung des Ortsteils ausmachte.
(* = Sitz der Gemeindeverwaltung) Zitiert nach
Klima mini|Niederschlagsdiagramm für Harsewinkel 1961–1990
Herzebrock-Clarholz gehört der gemäßigten Klimazone Mitteleuropas an. Es liegt im Bereich des subatlantischen Seeklimas. Die Winter sind unter atlantischem Einfluss meist mild und die Sommer mäßig-warm.
Durch die Lage im subatlantischen Seeklima herrscht ganzjährig ein humides Klima mit relativ gleich verteilten Niederschlägen vor. Da Niederschlagsdaten für Herzebrock-Clarholz nicht verfügbar sind, erfolgt eine Werteangabe für die Station Harsewinkel in etwa 12 km Entfernung. Dort fallen im langjährigen Mittel 704 mm Niederschlag je Jahr und damit in etwa genauso viel wie im deutschen Mittel (700 mm).
Auch Temperaturwerte sind für Herzebrock-Clarholz nicht verfügbar. An einer Wetterstation im benachbarten Rheda-Wiedenbrück wurde im Mittel der Jahre 2002 bis 2006 eine Durchschnittstemperatur von 11,1 °C gemessen.
→ siehe auch: Klima in Ostwestfalen-Lippe
Geschichte mini|Propstei des ehemaligen Prämonstratenserklosters in Clarholz
In der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts wurden das Benediktinerinnenkloster Herzebrock sowie im Jahr 1133 das Prämonstratenserkloster Clarholz gegründet, das mit dem ursprünglich eine weibliche Niederlassung des Ordens im benachbarten Lette verbunden war. Beide Klöster besaßen in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft einen umfangreichen Grundbesitz. In der Herrschaft Rheda bildeten sie zusammen mit dem Kloster Marienfeld die Landstandschaft. Im Zuge der Säkularisation wurden die Klöster 1803 durch Graf Moritz Casimir II. von Bentheim-Tecklenburg aufgelöst. Die Chorfrauen und -herren wurden vertrieben, der Grundbesitz fiel an das Grafen- und spätere Fürstenhaus.
Nach der Mediatisierung der Herrschaft Rheda und der Eingliederung als Kanton in das Großherzogtum Berg bildeten Herzebrock und Clarholz mit Lette eigenständige Mairien (Bürgermeistereien). An dieser lokalen Verwaltungsstruktur wurde festgehalten, nachdem die ehemalige Herrschaft Rheda in das Königreich Preußen eingegliedert worden war. Die Bürgermeistereien Herzebrock und Clarholz, von einem Bürgermeister gemeinsam verwaltet, gehörten seit 1816 zum Kreis Wiedenbrück im Regierungsbezirk Minden und wurden 1843 zu Ämtern. 1851 wurden die beiden Ämter zum Amt Herzebrock zusammengefasst, das aus den drei Gemeinden Herzebrock, Clarholz und Lette bestand.
Herzebrock und Clarholz lagen verkehrsgünstig an der Chaussee von Münster nach Paderborn und erhielten 1887 einen Anschluss an das Eisenbahnnetz mit der Verbindung von Münster nach Lippstadt. Auf dieser Grundlage entwickelten sich in den landwirtschaftlich geprägten Orten Anfänge der gewerblichen Entwicklung. Von 1907 bis zur Auflösung im Jahr 1945 befand sich an der Pixeler Straße 3 (heute JVA Bielefeld-Senne (Herzebrock)) eine Außenstelle des Strafgefangenenlager Oberems. In Clarholz wurde die Firma Claas gegründet, die 1919 nach Harsewinkel übersiedelte, in Herzebrock 1899 die Firma Miele, die 1907 ihren Sitz nach Gütersloh verlegte. In Lette entstand die Firma Cordes, die heute zur Firma Miele gehört. Alle drei Firmen waren auf die Herstellung von technischen Geräten für den Bedarf der Landwirtschaft spezialisiert; bei Miele und Cordes kam die Herstellung von Waschmaschinen hinzu. In die von Miele verlassenen Produktionshallen zog das Press-, Stanz- und Hammerwerk, heute Firma Paul Craemer ein. Seit den 1920er-Jahren entwickelte sich auf der Grundlage von handwerklichen Tischlereien eine umfangreiche Möbelindustrie.
1896 wurde in Herzebrock das St. Josef Hospital gegründet, das in den 1980er Jahren zu einem Alten- und Pflegeheim wurde.St Josef herzebrock-Clarhoz, auf vka-pb.de
Wie überall in Deutschland kam es in Herzebrock während des Nationalsozialismus zur systematischen Ausgrenzung und Verfolgung der jüdischen Einwohner, die schließlich entweder flohen oder in Ghettos bzw. Konzentrationslager deportiert wurden: Insgesamt 27 aus Herzebrock stammende Personen wurden dort von den Nationalsozialisten ermordet. Nach dem Krieg kehrte lediglich eine jüdische Familie in die Gemeinde zurück.
In den 1970er Jahren wurde das erste Werk der späteren Tönnies-Gruppe im Industriegebiet zwischen Herzebrock und Clarholz gegründet. Dies Werk wurde 2018 geschlossen.Westfalen-Blatt, 15. Februar 2018: Tönnies schließt Werk in Herzebrock
Christentum In den überwiegend katholisch geprägten Gemeinden entstand durch den Zuzug von Flüchtlingen und Vertriebenen nach 1945 ein evangelisches Gemeindeleben, das sich in dem Bau von Kirchen in beiden Ortsteilen niederschlug. Heute bilden Herzebrock und Clarholz einen Pfarrbezirk in der evangelischen Kirchengemeinde Rheda.
Konfessionsstatistik Gemäß dem Zensus 2011 waren 18,3 % der Einwohner evangelisch, 61,5 % römisch-katholisch und 20,2 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe. Die Zahl der Protestanten und Katholiken ist seitdem gesunken. Mit Stand 1. Januar 2025 waren von den Einwohnern 45 % katholisch, 14 % evangelisch und 41 % gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder waren konfessionslos.Kreis Gütersloh Zahlen Daten Fakten Seite 6, abgerufen am 7. Februar 2026
Eingemeindungen Im Rahmen der nordrhein-westfälischen Gebietsreform wurden mit dem „Gesetz zur Neugliederung des Kreises Wiedenbrück und von Teilen des Kreises Bielefeld“ vom 4. Dezember 1969 die beiden Gemeinden Herzebrock und Clarholz zum 1. Januar 1970 zur neuen Gemeinde Herzebrock zusammengeschlossen. In die neue Gemeinde wurden Teile der Gemeinde Kirchspiel Oelde (Amt Oelde, Kreis Beckum) sowie ein Flurstück aus der Stadt Gütersloh eingegliedert. Das Amt Herzebrock wurde aufgelöst, Rechtsnachfolgerin ist die Gemeinde Herzebrock bzw. heute Herzebrock-Clarholz. Lette, die dritte Gemeinde des aufgelösten Amts, sowie einige Flurstücke der Gemeinde Clarholz wurde in die Stadt Oelde (Kreis Beckum, heute Kreis Warendorf) eingegliedert. Vorausgegangen war eine Abstimmung der Letter Bürger, die sich mit einer Mehrheit von 78 % für den Anschluss an Oelde ausgesprochen hatten. Spätere Proteste gegen dieses Votum blieben ergebnislos.
Nachdem seit Anfang der 1980er-Jahre aus dem Ortsteil Clarholz die Forderung laut geworden war, der Zweipoligkeit der Gemeinde müsse durch einen Doppelnamen Genüge getan werden, verlieh der nordrhein-westfälische Innenminister der Gemeinde mit Wirkung vom 26. April 1985 den Namen Herzebrock-Clarholz.
Einwohnerentwicklung