Schkeuditz () ist eine Große Kreisstadt im Landkreis Nordsachsen im Nordwesten von Sachsen. Sie liegt auf halbem Wege zwischen Leipzig im Südosten und Halle im Nordwesten und ist die drittgrößte Stadt des Landkreises. Bekannt ist Schkeuditz vor allem als Standort des Flughafens Leipzig-Halle, der sich nördlich der Stadt befindet, sowie für das Schkeuditzer Kreuz, das erste Autobahnkreuz Deutschlands.

Geographie Lage mini|links|Weiße Elster mini|Neue Luppe, Blick von der B 186 nach Westen mini|hochkant|Rathaus in Schkeuditz Schkeuditz liegt an der Weißen Elster zwischen Leipzig und Halle in der Leipziger Tieflandsbucht. Die nördliche Umgebung ist flach, waldfrei und wird landwirtschaftlich bzw. durch den Flughafen genutzt. Südlich der Stadt erstrecken sich die Elsterauen mit der Neuen Luppe, der Luppe und dem Elster-Saale-Kanal als natürliche Flusslandschaft. Schkeuditz liegt auf etwa 100 Meter Höhe. Im Nordosten der Stadt liegt der Schladitzer See, ein gefluteter Braunkohletagebau. Schkeuditz ist Mitglied im Verband Grüner Ring Leipzig.

Die durchschnittliche Jahrestemperatur beträgt 8,4 °C und die mittlere jährliche Niederschlagsmenge 556,8 mm (Mittel 1972–2001).

Schkeuditz ist in der Landesplanung als Mittelzentrum eingestuft und übernimmt diese Funktion für die umliegenden Orte zwischen Halle und Leipzig.

Stadtgliederung Die Stadtgemeinde Schkeuditz besteht aus der Kernstadt sowie neun Dörfern der Umgebung.

Zum Stand 30. Juni 2006 hatten die neuen Ortschaften folgende Einwohnerzahlen

Weitere Siedlungen sind Altscherbitz, Modelwitz, Papitz, Wehlitz, Lössen, Ennewitz.

Geschichte Schkeuditz wurde im Jahre 981 erstmals unter dem Namen „scudici“ als Pfarrkirche im Bistum Merseburg urkundlich erwähnt. 1271 wurde Schkeuditz vom Markgrafen von Landsberg an das Fürstbistum Merseburg verkauft, welches dem Ort 1436 auch die Stadtrechte verliehen hat. Bis 1815 war Schkeuditz Hauptort des hochstiftlich-merseburgischen Amts Schkeuditz, das seit 1561 unter kursächsischer Hoheit stand und zwischen 1656/57 und 1738 zum Sekundogenitur-Fürstentum Sachsen-Merseburg gehörte.Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas. Leipzig 2009, ISBN 978-3-937386-14-0, S. 84 f.

Von 1621 bis 1622 befand sich in der Stadt eine Kippermünzstätte, in der unter dem Münzmeister Heinrich Ulm Interimsmünzen (Kippermünzen) geschlagen wurden. Das waren Kreuzerstücke und Kipper-Schreckenberger.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde Schkeuditz zwölfmal niedergebrannt und neunmal geplündert.

Ende des 17. Jahrhunderts erfolgte der Rückbau der Stadtbefestigung. Im Siebenjährigen Krieg war die Stadt von Preußen besetzt und hatte Abgaben an das preußische Militär zu entrichten. 1813 war der Leipziger Raum ein wichtiger Schauplatz der Befreiungskriege, weshalb Schkeuditz mehrfach von Preußen, Franzosen oder Russen belagert wurde.

mini|hochkant|„Der blaue Mann“ an der ehemaligen Grenze zwischen Sachsen und Preußen Infolge des Wiener Kongresses ging Schkeuditz mit dem Westteil des Amts Schkeuditz im Jahr 1815 vom Königreich Sachsen an die Provinz Sachsen im Königreich Preußen über und wurde Teil des Kreises Merseburg im Regierungsbezirk Merseburg. Der Name des Gasthofes zur Landesgrenze erinnert noch an die Grenze zwischen Sachsen und Preußen.

1840 begann mit dem Anschluss an die Bahnstrecke Magdeburg–Leipzig die Industrialisierung in der Stadt. 1845 erfolgte der Erlass der Gewerbefreiheit, der das wirtschaftliche Wachstum förderte. Die größte Malzfabrik Europas entstand 1873 in Schkeuditz. Der Aufschwung setzte sich fort, sodass der Anschluss an das Stromnetz 1901 erfolgte und ab 1910 eine Straßenbahnverbindung nach Leipzig bestand. Im selben Jahr verschwanden die Brunnen aus der Stadt und eine Wasserleitung nahm den Betrieb auf. Der Flughafen Leipzig/Halle entstand 1927 auf Schkeuditzer Gebiet. Er ist seitdem für die Stadt von großer Bedeutung.

1858 wurde von elf Meistern die Kürschner-Innung Schkeuditz gegründet, 1926 zählte sie bereits 54 Mitglieder. Insbesondere durch die ebenfalls in dieser Innung vereinigten Rauchwarenzurichter und -veredler war das Pelzgewerbe zu der Zeit die größte Industrie und der größte Steuerzahler der Stadt. Ausschlaggebend für die Ansiedlung der Branche in Schkeuditz war die Nähe zum Leipziger Pelzhandelszentrum Leipziger Brühl.gez. „-m“: Die Fahnenweihe der Schkeuditzer Kürschner-Innung am Sonntag den 16. Mai 1926. In: Kürschner Zeitung, Nr. 15 vom 21. Mai 1926, 43. Jg., Verlag Alexander Duncker, Leipzig, S. a–d. Der Niedergang des Gewerbes in der Region begann nach dem Zweiten Weltkrieg mit dem Wegzug der Firmen des Pelzgroßhandels nach Westdeutschland, insbesondere nach Frankfurt am Main. Bis etwa zur Wende bestand noch die VEB Edelpelz Schkeuditz, vorher KWU Stadtpelz-Veredlung, mit zwei Werken. Das Werk I war im Gebäude der ehemaligen Pelzgroßhandels- und Veredlungsfirma Thorer & Co. und der Tierhaarverwertung Rödiger & Quarch untergebracht., Stadtarchiv Leipzig 2009 (PDF; 465 kB).

Das südöstlich der Stadt gelegene frühere Rittergut Altscherbitz stand im 19. Jahrhundert unter anderem im Besitz von Albert von Carlowitz. Ab 1876 wurde es als Provinzial-Irrenanstalt Altscherbitz genutzt. Diese diente in den 1930er und 1940er Jahren als „Zwischenanstalt“ für die Tötungsanstalt Bernburg im Rahmen der Aktion T4.

Papitz, Modelwitz und Altscherbitz sind seit 1929 Schkeuditzer Ortsteile.

Am 18. April 1945 zogen amerikanische Truppen in die Stadt ein, bevor sie am 2. Juli von der Roten Armee abgelöst wurden. Nach Ende des Krieges kamen etwa 4.500 Flüchtlinge in die Stadt. Das bislang zu Sachsen-Anhalt (Landkreis Merseburg) gehörende Schkeuditz kam im Zuge der Kommunalreform in der DDR 1952 zum Kreis Leipzig-Land im Bezirk Leipzig.

Am 1. Januar 1999 wechselte die um Glesien und Radefeld vergrößerte Stadt Schkeuditz vom Landkreis Leipziger Land zum Landkreis Delitzsch, während 556 ha Fläche und 7 Einwohner aus der ehemaligen Gemeinde Radefeld nach Leipzig ausgegliedert wurden.StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1999

Seit dem 1. Januar 2008 gehört Schkeuditz zum Landkreis Nordsachsen. Zum 1. Januar 2009 erfolgte die Erhebung zur Großen Kreisstadt.

Eingemeindungen Ehemalige Gemeinde Datum Anmerkung Altscherbitz 1929 Burghausen 01.01.199401.01.2000 Zusammenschluss mit Dölzig und Rückmarsdorf zu BienitzUmgliederung nach Leipzig Bienitz 01.01.2000 Auflösung der Gemeinde Dölzig 01.01.199401.01.2000 Zusammenschluss mit Burghausen und Rückmarsdorf zu BienitzUmgliederung nach Schkeuditz Freiroda 01.03.1994 Eingemeindung nach Radefeld Gerbisdorf 01.12.1972 Eingemeindung nach Freiroda Glesien 01.01.1999 Hayna 01.07.1973 Eingemeindung nach Radefeld Kleinliebenau 01.01.195701.01.2000 Eingemeindung nach DölzigUmgliederung nach Schkeuditz Kursdorf 01.01.1994 Lössen 01.07.1950 Eingemeindung nach Wolteritz, 1985 durch Tagebau Breitenfeld devastiert Modelwitz 1929 Papitz 1929 Priesteblich 01.06.197301.01.2000 Eingemeindung nach DölzigUmgliederung nach Markranstädt Radefeld 01.01.1999 Teilausgliederung nach Leipzig (7 Einwohner) Rückmarsdorf 01.01.199401.01.2000 Zusammenschluss mit Dölzig und Burghausen zu BienitzUmgliederung nach Leipzig Wehlitz 01.07.1950 Wolteritz 01.03.1994 Eingemeindung nach Radefeld

Bevölkerung Jahr Einwohner 1885 4.592 1910 7.462 1925 7.936 1933 13.548 1939 14.846 Jahr Einwohner 1950 18.913 1971 16.392 1981 14.208 1988 15.173 Jahr Einwohner 1990 19.473 2002 18.915 2005 18.594 2010 17.464 2015 17.443 2020 18.287 Jahr Einwohner 2021 18.574 2022 19.201 2023 19.272 2024 18.905 2025 19.145

ab 1990 nach heutigem Gebietsstand: Stand: 31. Dezember des jeweiligen Jahres (Angaben des Statistischen Landesamtes Sachsen), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022

Politik

Stadtrat Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 war die jüngste Wahl des Stadtrats von Schkeuditz. Eine Übersicht über diese und vergangene Wahlen gibt die Tabelle: Partei/Liste2024Ergebnisse der Gemeinderatswahl 20242019Ergebnisse der Gemeinderatswahl 20192014Ergebnisse der Gemeinderatswahl 2014%Sitze%Sitze%Sitze Freie Wähler27,4 636,5 929,7 7 AfD26,8 3–– CDU20,8 520,2 524,1 6 SPD7,4 210,0 214,5 3 Bündnis 90/Die Grünen6,1 111,6 210,4 2 FDP6,0 111,3 25,8 1 Die Linke5,6 110,4 215,4 3Gesamt100191002210022Wahlbeteiligung (in %)59,752,340,0

Bürgermeister 1990–2003: Peter Blechschmidt (FDP) 2003–2017: Jörg Enke (Freie Wähler) seit 2017: Rayk Bergner (CDU)

Bergner wurde in der Oberbürgermeisterwahl am 14. Mai 2017 mit 60,3 % der gültigen Stimmen zum Oberbürgermeister gewählt. Er wurde in der Wahl am 9. Juni 2024 mit 77,0 % der gültigen Stimmen für eine weitere Amtszeit von sieben Jahren in seinem Amt bestätigt.

WahlBürgermeisterVorschlagWahlergebnis (in %)2001Peter BlechschmidtFDP70,22003Jörg EnkeFW53,4201056,02017Rayk BergnerCDU60,3202477,0

Wappen Blasonierung: „In Rot aus einem erniedrigten Schildlein, darin in Gold ein durchgehendes schwarzes Balkenkreuz, ein wachsender, zugewandter, enthaupteter Heiliger in natürlichen Farben in silbernem Gewand, ein silbernes Buch in den Händen haltend, darauf liegend sein schwarzbärtiges, goldnimbiertes Haupt.“

Wappenerklärung: Der Heilige ist Alban von Mainz, Schutzheiliger der Stadtkirche Schkeuditz. Erstmals wird er 1436 in einer Urkunde erwähnt, als Relief an der Kirche aber schon um 1200 bekannt. Das schwarze Kreuz in Gold war das Zeichen des Bistums Merseburg.Lexikon Städte und Wappen der DDR, Autorenkollektiv Dr. Karlheinz Blaschke, Prof. Gerhard Kehrer, Heinz Machatscheck, VEB Verlag Enzyklopädie Leipzig 1979. Der Legende nach soll Albanus nach seiner Enthauptung sein Haupt selbst an die Begräbnisstätte getragen haben, daher im Wappen die Darstellung im weißen Sterbegewand mit dem Haupt auf dem Buch.

Einer Sage nach eine andere Wappenerklärung: Albanus war ein Mann aus Schkeuditz, des Leinwanddiebstahls bezichtigt. Nach Folter und Geständnis wurde er zur Richtstätte geführt. Zuvor aber rief er laut aus: „So wahr ich unschuldig bin, werde ich meinen Kopf mit den Armen auffangen!“ Das anwesende Volk sah entsetzt das angekündigte Wunder und stellte das Gottesurteil im städtischen Wappen dar.Walter Saal: Sagen des Kreises Merseburg. VEB Druck Merseburg, 5. Aufl., Merseburg 1986.

Städtepartnerschaften

Seelze (Deutschland) Bühl (Deutschland) Villefranche-sur-Saône im Beaujolais (Frankreich) Oslavany (Tschechien) Mattsee (Österreich) Cantù (Italien) Vilafranca del Penedès (Spanien) Călăraşi (Moldau)

Beteiligungen Die Stadt Schkeuditz ist mit 0,25 % am Flughafen Leipzig/Halle beteiligt.

Sehenswürdigkeiten und Kultur Bauwerke mini|Stadtkirche Schkeuditz mini|Kirche in Gerbisdorf mini|Kirchenschiff in Hayna

Im Ortsteil Kleinliebenau befindet sich eine Rittergutskirche am Ökumenischen Pilgerweg mit einem umfangreichen Kulturleben.

Im Ortsteil Dölzig befindet sich eine spätgotische Stiftskirche mit dreiseitig geschlossenem Chor, der Maßwerkfenster und ein Sterngewölbe besitzt. Auf die ursprüngliche romanische Kirche verweisen der quer-rechteckige West-Turm mit gekuppelten Rundbogenfenstern. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts wurde am Südostpfeiler eine Sonnenuhr installiert. 1706 wurde die Kirche umgebaut. Vermutlich erhielt das Kirchenschiff bei diesem Umbau seine verputzte Holzdecke in Gestalt eines Spiegelgewölbes sowie den Altar aus Holz mit vier korinthischen Säulen, Moses und Johannes der Täufer zur Seite, Christus mit der Kreuzesfahne auf der Verdachung und die Kanzel mit figürlichen Darstellungen der vier Evangelisten. Den Kanzeldeckel krönt eine Sonne mit Engelsfiguren. In der Kirche befindet sich zudem auch ein erst kürzlich restaurierter Taufengel mit Palmzweig, der über dem Taufbecken schwebt.

Grünflächen und Naherholung