mini|hochkant=1.3|Archäologe Groller, Plan der Gebäude von Königshof–Ödes Kloster mini|Oberst Groller Die römische Villa von Königshof-Ödes Kloster, eine der römischen Villen in Pannonien, ist längst vom Erdboden verschwunden. Das Gebiet befindet sich seit 1921 auf Kaisersteinbrucher Boden im Burgenland. Nach der Gemeindezusammenlegung ist es ein Teil der Großgemeinde Bruckneudorf. Auf dem Truppenübungsplatz besteht ein Grabungsverbot, trotzdem war auch dieses Gebiet das Ziel vieler Hobby-Archäologen.

Grollers Ausgrabungen von 1903 In der Nähe der Kapellenruine auf der Klosterwiese westlich von Kaisersteinbruch (ungarisch: Császárkőbánya) in Westungarn leitete der Archäologe und Oberst Maximillian Groller von Mildensee 1903 im Auftrag der Akademie der Wissenschaften Ausgrabungen. Unter seiner Leitung wurde auch die Ausgrabung des Römerlagers von Carnuntum in der Nähe von Deutsch-Altenburg an der Donau durchgeführt. Als Ergebnis stellte er fest, dass auf dieser günstig gelegenen Stelle in der Römerzeit drei voneinander unabhängige Siedlungen entstanden sind.Edit B. Thomas: Römische Villen in Pannonien, Königshof „Ödes Kloster“. S. 152–174, daraus auszugsweise

Frühzeitige Villa Die frühzeitige Villa bestand aus den Bauwerken A, B, N und P, wahrscheinlich noch aus weiteren Gebäuden, die beim Ausbau des Graben- und Wallsystems zum größten Teil zerstört, die Gebäudemauern abgerissen wurden. B war ein Wohngebäude, das einen größeren und mehrere kleinere Räumen hatte. Die kleineren Zimmer waren heizbar. A war durch eine Mauer mit B verbunden. Auf der mit N bezeichneten Fläche kam mit der Inschrift IVLIOR der einzige Stempelziegel der Ausgrabung zum Vorschein. Dort gefundene Münzen der Kaiser Domitian und Nerva helfen bei der Zeitbestimmung der Gebäude. Beim Punkt P befand sich die Ecke eines Gebäudes dieser Frühperiode aus grob gemeißelten Quadersteinen, auch die Türrahmen und Schwellen sind aus gut bearbeitetem Kalkstein. Die Reste der auf den Anfang des 1. bis auf das 2. Jahrhundert datierten Bauten dieser frühzeitigen Villa dürften nach einem Brand oder einer Zerstörung abgerissen und planiert worden sein, da sie vermutlich dem zu Beginn des 3. Jahrhunderts errichteten, aus Erdwällen und Gräben bestehenden Befestigungswerk im Wege standen.

Befestigung Dem Verfall der Gebäude aus der ältesten Periode folgend, wurde ein Befestigungswerk mit Graben und Erdwall errichtet, das aus einer späteren Zeit stammt. Den einzigen Bau, der zur Befestigung gehört, stellt der mit O bezeichneten Turm dar, der in die durch das Grabensystem gebildete Ecke eingekeilt ist. Das Fundament, auf dem ein Turm in Holzkonstruktion erbaut war, bildet eine Steinreihe. Erst im 3. Jahrhundert entstand die befestigte Siedlung, die ihren Bewohnern etwa bis zum Beginn des 4. Jahrhunderts Schutz und Sicherheit geboten hat.

Spätere, befestigte Villa Die ein unregelmäßiges Vieleck bildende 80–120 cm starke Umsäumungsmauer – außerhalb der das Wallsystem an der westlichen und südlichen Seite unversehrt erhalten geblieben ist – gewährte den Gebäuden Schutz. Bei der Freilegung konnten die starken Umsäumungsmauern noch an den meisten Stellen 1 m hoch konstatiert werden. Unter dem Mauerwerk sicherte die Dauerhaftigkeit der Mauer eine Fundamentierung, deren Tiefe zwischen 20 und 40 cm wechselte und mit einem 15–30 cm hervorspringenden Sockel versehen war.

An der Ostseite grub man eine Turmfundamentierung aus, 7,40 × 5,90 m groß, in seiner Westmauer lag der Schwellenstein noch in situ. Die Turmmauern waren 60 cm stark. An der Ostmauer zeigten sich die Fundamente eines dazwischenliegenden Turmes. Die Stärke der Mauer des 6,10 × 5,20 m großen Turmes beträgt 90 cm, sie ist demnach stärker als die des Torturmes. Die Gebäude innerhalb der Steinmauer sind gleichaltrig und entstanden zur gleichen Zeit wie die Steinmauer. Die Entstehungszeit dieser spätzeitigen befestigten Villa liegt auch nach der allgemeinen Chronologie der pannonischen Villen ähnlichen Typs (Donnerskirchen, Purbach usw.) im 4. Jahrhundert.

Auf der durch die Mauer zu einer Einheit zusammengefassten Fläche kann eine nördliche Gebäudegruppe (C D R und Q) und eine südliche (E F G H I K) festgestellt werden. Im Bereich der Villa ist kein als „Luxuswohnhaus“ zu bezeichnendes Gebäude zu finden. Die Villa vom Öden Kloster sieht nicht wie das Zentrum eines großen Latifundiums und Besitz eines reichen Gutsherren aus, sie macht den Eindruck einer aus mehreren Häusern, Wohnplätzen und Werkstätten bestehenden Ansiedlung mehrerer Familien. Die Ansiedler verstärkten die gebotenen Schutzeinrichtungen und das Wallsystem noch durch eine Mauer und so bildete sich hier ein

Spätrömisches Industriezentrum und wahrscheinlich auch ein Zentrum der Landwirtschaft der Umgebung aus. Die erschlossenen Gebäude sind zugleich auch Werkstätten oder Magazine, jedoch befanden sich fast in jedem ein bis zwei heizbare Räume, die als Wohnungen gedient haben.

Das Gebäude C besteht aus sieben kleinen Räumen. In den Raum Nr. 1, den eigentlichen Hof, führten von Osten her zwei Eingänge. Der Raum Nr. 7 dürfte das Wohnzimmer des ansonsten industriellen Zwecken dienenden Gebäudes C gewesen sein. Im Hof Nr. 1 führte eine fast unversehrte Türe eines Kellerabstieges zum Souterrain, in dem ein vollkommen intakt gebliebener Ofen eingebaut war. Zuvor war er ein Töpferofen, nach dem Umbau diente er als Backofen. Groller fügte hinzu, dass ein ähnlich intakter Ofen im Limesgebiet noch nicht erschlossen worden ist. Der Bau besteht aus der Treppe, dem Vorraum und dem eigentlichen Ofen. Die Stufen wurden aus Bruchstein gelegt und sind je 50 cm hoch und 60 cm breit. Der Abstieg ist 180 cm lang und hat auf diesem Abschnitt zum Vorraum ein Gefälle von 25 cm.

mini Im Gebäude D lagen die zerstörten Reste eines ähnlichen Ofens wie in C, Raum 5. Neben dem Ofen fand sich auf dem Fußboden in einem großen Haufen feinster Sand und kiesloser, gutgeschlämmter Töpferlehm. Auch hier bildete den Grund des Ofens rotgebrannter Lehm.

Südlicher Villentrakt Den Mittelpunkt des Südtraktes bildet der Hof Nr. 1, um welchen die Gebäude G, H, I und K erbaut worden sind. Das größte Interesse gebührt dem an der Südfront des Hofes Nr. 1 gelegenen Gebäude K, wo Wohn- und Wirtschaftsräume zur Verfügung standen. Die im Gebäude K beobachteten Lüftungsöffnungen sind einer besonderen Aufmerksamkeit würdig, weil man solche in Pannonien bisher nicht feststellen konnte, üblich waren vielmehr die turmartig gebauten Trockenspeicher.

Epitaphe

Sarkophag Die innere Gliederung des Gebäudes F ist nicht bekannt, lediglich der rechteckige Umriss. Beim Zusammentreffen der Mauer VI mit dem Gebäude F kamen aus der Mauer Steinplatten eines mit Figuren geschmückten zersägten Sarkophags zum Vorschein (Abbildung 92). Das Grab hatte man sekundär aus benutzten, reliefierten Steinen errichtet. Auf den Steinplatten waren die Figuren mit dem Meißel abgeschlagen, sodass nur mehr die Konturen ersichtlich sind. Auf der größeren Steinplatte waren in einer vertieften Nische drei Figuren, auf der kleineren eine Halbfigur gehauen. Auf einer der zersägten, schmalen Platten wurde einst eine stehende Figur, auf der anderen ein runder Altartisch verewigt.

Das mit F bezeichnete, ummauerte Gebiet kann als Begräbnisplatz abgesehen werden. Der Grund des aus Platten zusammengestellten Grabes war mit Ziegelbruchstücken ausgelegt, die einstige steinerne Grabkiste lag auf diese Weise wahrscheinlich in situ.

Das Gebäude E zeigt eine durch zwei Pfeilerreihen gegliederte, dreischiffige Anordnung. Eine Eingangsschwelle kam an der Westseite in situ zum Vorschein, in deren Nähe drei Räume untergebracht waren. Der mittlere Teil war ein etwa 10 m breiter, unbedeckter Hof, auf dessen beiden seitlichen, nicht überall parallelen Pfeilerreihen das mit Schindeln bedeckte Halbdach ruhte. In einem der geschlossenen Räume war der Fußboden mit 20 × 10 × 5 cm, also ungewohnt großen Ziegeln ausgelegt. Hier dürfte es sich um die Überreste des späteren, mittelalterlichen Fußbodenniveaus handeln.

Barb knüpft die Entstehung sämtlicher sich außerhalb der Mauer befindlichen Gebäude an die Herrschaft Karls des Großen. Die Fundamente des Gebäudes E halten andere dennoch für römisch. In die Epoche Karls des Großen fiele demnach nur die neuerliche Benützung des Gebäudes. Von den Bauten ähnlichen Grundrisses, wie das Gebäude E, die als Nebengebäude der römischen Villen im Reiche überall, in Britannien, Germanien und Pannonien ebenfalls vorkommen, ist der römische Ursprung zweifellos geklärt.

Altchristliche Basilika In Kenntnis des pannonischen Materials kann festgestellt werden, dass es dieser Gebäudetyp ist, aus welchem die zu den römischen Villensiedlungen bzw. Villen gehörenden altchristlichen Basiliken hervorgehen. Letzten Endes kann man beim Königshofer Gebäude E daran denken, dass es in einem Abschnitt seines Bestehens als Basilika kultischen Zwecken gedient hat.

Wasserleitung Im Bereich der nordöstlichen Ecke des Wallsystems ist auf dem Plan eine Quelle eingezeichnet. Auch wenn damals mehrere Quellen Wasser gaben, ist die Wasserleitung, deren ineinanderpassende, gebrannte Tonrohre in sämtlichen Gebäuden außer E, Q und R von den Ausgräbern vorgefunden wurden, von hier ausgegangen.

Römische – mittelalterliche Funde In sämtlichen Gebäuden war beides Material vertreten, selbst in den Gebäuden A und D, die zu einem späteren Zeitpunkt nicht mehr benutzt werden konnten. Zuerst sind die den integern Teil der Gebäude bildenden Fensterscheiben zu nennen, vier Scheiben in C, je ein Fragment in B und K. mini An Steindenkmälern ist das Gebiet ziemlich arm. Ein Inschriftenfragment aus dem Gebäude A, in Form mehrerer Altarbruchstücke I(ovi) o(ptimo) m(aximo). Die beiden mit Reliefs geschmückten Steine kamen zwar nicht während der Ausgrabungen zum Vorschein, doch stammen sie aus diesem Gebiete. Auf der einen Zeichnung ist fast nur in Konturen eine Frau in typisch einheimischer Tracht dargestellt, an den Schultern mit je einer Fibel norisch-pannonischen Typs. Auf der anderen Seite des Steines sind vielleicht Spuren einer Attis-Darstellung zu sehen.

Der Stein mit der einheimischen Frauengestalt gehört in die früheste Periode der römischen Villa von Königshof, er stammt aus dem Gräberfeld der Villenbewohner aus dem 1.–2. Jahrhundert. Die bescheidene Innenausstattung der Gebäude und das Fundmaterial zeigen, dass der Charakter der Villa eine ländliche, auf Produktion eingestellte Villa rustica war.

Seit Urzeiten bewohnt Die am höchsten Punkt des Gebietes an die Erdoberfläche gekommenen Bruchstücke urzeitlicher Gefäße, Stein- und Knochengeräte bezeugen, dass der für eine Ansiedlung besonders geeignete Ort bereits zur Urzeit bewohnt war.

Groller veröffentlichte auch eine Zeichnung und ein Bild einer keramischen Gruppe, deren Stücke mit einem Randstempel versehen sind. Es stellte sich heraus, dass es sich um sogenannte „Wiener Töpfe“ handelt, die im 15. Jahrhundert, insbesondere in der Umgebung Wiens, sehr beliebt waren. Diese letzterwähnte Keramikart, die sich bis ins 16. Jahrhundert fortsetzt, deutet die Zeit an, bis zu der Königshof zuletzt bewohnt war. mini

Funde von Königshof Die abgebildeten Fundstücke werden als römische Funde gehalten. Die Maurerkelle wurde im Gebäude A, der Maurerhammer im Gebäude I gefunden. Die Spitzhacke kam aus dem nordöstlichen Eckgraben an die Oberfläche. Der Wagenlehnnagel lag in dem inmitten der Siedlung freigelegten Straßenabschnitt. Der in der Römerzeit am häufigsten vorkommende L-förmige Eisenschlüssel, dessen Griff mit einem runden Loch versehen ist, spricht für den römischen Ursprung des Gebäudes. mini