mini|Roman Schuchewytsch 1943 Roman Jossypowytsch Schuchewytsch (; wissenschaftliche Transliteration ; Pseudonym ; * 30. Juni 1907 in Krakowitz, Galizien, Österreich-Ungarn; † 5. März 1950 bei Lwiw, Ukrainische SSR) war ein ukrainischer Nationalist, Politiker, Offizier des national-ukrainischen Bataillon Nachtigall und Befehlshaber der Ukrainischen Aufstandsarmee (UPA).

Seine Rolle in der ukrainischen Geschichte und historische Einordnung ist heute sehr umstritten. Anlässlich des 100. Jahrestages seiner Geburt verlieh der damals amtierende Präsident Wiktor Juschtschenko ihm posthum den Orden „Held der Ukraine“Neues Deutschland: Gesetzesschutz für sowjetischen Sieg vom 9. Mai 2009. und er wurde in einer Ausstellung gewürdigt.Rolf-Dieter Müller: An der Seite der Wehrmacht. Hitlers ausländische Helfer beim "Kreuzzug gegen den Bolschewismus" 1941 - 1945. Fischer Taschenbuch 2010, ISBN 978-3-596-18150-6 (Original: Ch. Links Verlag 2007, ISBN 978-3-86153-448-8), S. Der Titel wurde ihm 2011 wieder aberkannt und er bleibt in der ukrainischen Gesellschaft eine teils verehrte und teils verhasste Figur.

Leben und Karriere mini|Familie Schuchewytsch Jugend Roman Schuchewytsch wurde 1907 in Krakowez in Galizien, damals Teil Österreich-Ungarns, in eine ukrainische Familie geboren. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden mehrere Versuche, einen ukrainischen Nationalstaat zu errichten, niedergeschlagen. Galizien gehörte daraufhin zu Polen. Die Eltern Schuchewytschs waren nationalbegeistert, der ukrainische nationalistische Vordenker Jewhen Konowalez lebte zeitweise als Untermieter bei der Familie.

Roman Schuchewytsch besuchte das Gymnasium in Lemberg, während seiner Zeit als Gymnasiast wurde er Mitglied einer ukrainischen Pfadfinderorganisation. Er war ein begabter Sportler und Sänger, nach seinem Schulabschluss hatte er einige Soloauftritte in der Lemberger Oper, ebenso nahm er an zahlreichen regionalen Sportwettbewerben teil.

Ukrainischer Nationalismus und Faschismus mini|Roman Schuchewytsch (links) im Jahr 1930 Schuchewytsch wurde ein zunehmend radikalerer Anhänger der ukrainischen Nationalbewegung, 1925 trat er der paramilitärischen Ukrainischen Militärorganisation bei. Als ein in nationalen Bewegungen engagierter Ukrainer wurde er trotz einer erfolgreich bestandenen Aufnahmeprüfung nicht am Polytechnikum Lemberg angenommen, so dass Schuchewytsch zunächst in Danzig studierte.П. Мірчук: Шухевич — командир армії безсмертних. — Нью-Йорк — Торонто — Лондон, 1970, стор. 21 Nach einem Jahr wurde er dann doch für das Polytechnikum Lemberg zugelassen, wo er im Oktober 1926 sein Studium fortsetzte.

Noch im selben Monat, am 19. Oktober 1926, beteiligte sich der 19-jährige Schuchewytsch gemeinsam mit Bohdan Pidhajnyj an einem Anschlag auf einen hochrangigen Lemberger Schulbeamten, dem die Ukrainische Militärorganisation die „Polonisierung“ des Schulsystems vorwarf.G. Motyka, Ukraińska partyzantka, 1942–1960, PAN, 2006, S. 43. Dabei soll sein Mittäter die tödlichen Schüsse abgegeben haben. Die beiden blieben unentdeckt und Schuchewytsch nahm in der Folgezeit an zahlreichen Sabotageakten teil. Von 1928 bis 1929 leistete er seinen Militärdienst in der polnischen Armee ab. 1929 schloss er sich der neugegründeten Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN) an. 1930 nahm er an zahlreichen Angriffen auf polnisches Eigentum teil,Timothy Snyder, Sketches from a Secret War: A Polish Artist's Mission to Liberate Soviet Ukraine, Yale University Press, 2007, S. 75. um das Sanacja-Regime unter Józef Piłsudski zu Reaktionen zu zwingenR. J. Crampton, Eastern Europe in the twentieth century, Routledge, 1994, S. 50. und so die ukrainische Öffentlichkeit zu radikalisieren. mini|Schuchewytsch mit seiner Schwester, 1938 Schuchewytsch soll in der Folge an der Planung und Durchführung einer Vielzahl weiterer Anschläge durch nationale ukrainische Bewegungen beteiligt gewesen sein, so etwa an der Ermordung des moderaten polnischen Politikers Tadeusz Hołówko (29. August 1931), der sich für Autonomierechte der Ukrainer innerhalb Polens eingesetzt hatte.G. Motyka, Ukraińska partyzantka, 1942–1960, PAN, 2006, S. 58.

Nach der Ermordung des polnischen Innenministers Bronisław Pieracki am 15. Juni 1934 durch die Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN) kam es zu Razzien gegen Mitglieder der OUN. Schuchewytsch wurde am 18. Juli 1934 verhaftet und in das polnische Isolierungslager Bereza Kartuska verlegt. Mangels Beweisen kam er im Dezember 1935 frei.Tadeusz Piotrowski (2000): Genocide and Rescue in Wołyń: Recollections of the Ukrainian Nationalist Ethnic Cleansing Campaign Against the Poles During World War II. MacFarland, ISBN 0-7864-0773-5, S. 227. Er wurde bald erneut inhaftiert und 1937 endgültig freigelassen.

Er gründete daraufhin eine erfolgreiche Werbeagentur namens Fama, die eine Fassade für die Aktivitäten der OUN bildete und später auch weitere Geschäftsbereiche erschloss.Чайківський Б. «Фама». Рекламна фірма Романа Шухевича / Науковий редактор і упорядник В. Кук, М. Посівнич. — Львів: Медицина світу, 2005. — С. 39 — 65. (Chaikivsky B. „Fama“. The advertising agency of Roman Shukhevych. Edited and collected by V. Kuk, M. Posivnych, Lviv: Medical World, 2005 P. 39-65) 1939 beteiligte er sich an einem pro-ukrainischen Staatsstreich in der tschechoslowakischen Karpatenukraine,Ivan Kazymyrovych Patryliak, Viis’kova diial’nist’ OUN(b) u 1940–1942 rokakh (Kyiv: NAN Ukraїny, 2004) welche jedoch im März 1939 vom Königreich Ungarn annektiert wurde. Schuchewytsch war an kurzen Kämpfen gegen ungarische Truppen beteiligt.

Ethnische Säuberungen und Pogrome während des Zweiten Weltkriegs Schuchewytsch trat nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs der Legion Ukrainischer Nationalisten bei und kämpfte dort auf der Seite der deutschen Wehrmacht im Bataillon Nachtigall als Offizier und Kommandeur der Einheit.Die Welt: Zwischen allen Fronten. Kollaborateure oder Freiheitskämpfer? Die Ukraine ringt um die richtige Deutung ihrer Partisanen zwischen Roter Armee und Wehrmacht vom 19. Juli 2007. 1942 war Schuchewytsch mit seinem Bataillon im heutigen Weißrussland stationiert, wo er Partisanen, die gegen die deutsche Besatzer aktiv waren, bekämpfte. Dem Bataillon wird die Beteiligung an der Ermordung von Juden vorgeworfen.Christoph Dieckmann, Babette Quinkert, Tatjana Tönsmeyer (Hrsg.): Die Kollaboration in der Ukraine. Kooperation und Verbrechen. Formen der „Kollaboration“ im östlichen Europa 1939–1945. Wallstein, Göttingen 2003, S. 176. Schuchewytschs Bataillon soll während seines Aufenthaltes in Weißrussland etwa 2000 Partisanen getötet haben.Організація українських націоналістів і Українська повстанська армія. Інститут історії НАН України.2004р Організація українських націоналістів і Українська повстанська армія, Раздел 1 http://www.history.org.ua/LiberUA/Book/Upa/1.pdf стр. 17-30 Wissenschaftler des Sicherheitsdienstes der Ukraine behaupten 2008, dass Schuchewytsch persönlich ein jüdisches Mädchen vor der Verfolgung durch die Nationalsozialisten rettete und ihr falsche Papiere besorgte. Ein ehemaliger Mitkämpfer behauptete später, Schuchewytsch habe sogar aktiv versucht, weitere Ausschreitungen der Ukrainischen Aufständischen Armee gegenüber Juden zu verhindern, nachdem er deren Leitung von Dmytro Kljatschkiwskyj übernommen hatte.Phillip Friedman. (1980). „Ukrainian-Jewish Relations During the Occupatio“, Roads to Extinction: Essays on the Holocaust, New York: Conference on Jewish Social Studies, S. 203.

All dem widerspricht der Historiker Grzegorz Rossoliński-Liebe, so hätten nach der Inhaftierung Banderas in Berlin und Sachsenhausen Schuchewytsch, Mykola Lebed, Kljatschkiwskyj und andere die Leitung der OUN-B/UPA übernommen und die Morde direkt vor Ort angeordnet und die „Säuberung“ der Westukraine koordiniert.Grzegorz Rossoliński-Liebe: Verflochtene Geschichten. Stepan Bandera, der ukrainische Nationalismus und der transnationale Faschismus, bpb, 2017

1943 wurde Schuchewytsch, dem die deutsche Autoritäten zunehmend misstrauten, von der Gestapo verhaftet. Er konnte fliehen und sich der Ukrainischen Aufstandsarmee anschließen. Als deren Kommandeur lieferte er sich noch lange nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs Partisanenkämpfe mit sowjetischen Einheiten. Über seine Verbindungsfrau Darija Husjak, Deckname „Nusja“, versuchte er, Kontakt mit der amerikanischen Botschaft in Moskau aufzunehmen. Während der Rückkehr aus Moskau wurde Nusja beschattet und am 2. März 1950 in Lwiw verhaftet. Im Gefängnis vertraute sie sich einem weiblichen Zellenspitzel an und gab dabei versehentlich den entscheidenden Hinweis zu Schuchewytschs Aufenthaltsort. Schuchewytsch fiel am 5. März 1950 mit 42 Jahren in einem Gefecht mit sowjetischen Armee- und Spezialeinheiten des MGB, abgerufen am 20. November 2015 in der Nähe von Lwiw, wobei er einen MGB-Offizier tötete.

Nachwirkung und Personenkult mini|links|Ukrainische Briefmarke aus dem Jahr 2007 mit Bild Schuchewytschs mini|Gedenktafel für Schuchewytsch in Lwiw Schuchewytschs Rolle in der Ukraine wird heute kontrovers diskutiert. Teile der Bevölkerung, besonders im Westen des Landes, würdigen heute Schuchewytsch, ähnlich wie den ebenfalls umstrittenen Stepan Bandera, als Nationalhelden. Hervorgehoben wird dabei sein Einsatz für die Errichtung eines ukrainischen Nationalstaats und für ukrainische Belange.

Seit der Unabhängigkeit der Ukraine gibt es zahlreiche Briefmarken und Gedenkmünzen mit Bildern von Roman Schuchewytsch, Denkmäler wurden errichtet und einige westukrainische Städte, darunter auch Lwiw, ernannten ihn posthum zum Ehrenbürger.NEWSru.com: Im Jahr 2000 unter der Präsidentschaft von Leonid Kutschma drehte man über ihn einen patriotischen historischen Spielfilm (Der Unbeugsame), welcher vom ukrainischen Ministerium für Kultur und Kunst angeregt und gefördert wurde.

Große Teile der ukrainischen Bevölkerung, besonders im Osten des Landes, lehnen ihn jedoch als „Nazi-Kollaborateur“ ab und fordern eine „Entheroisierung“ Schuchewytschs.http://ukranews.com/ru/news/ukraine/2011/10/14/55489

Am 23. Oktober 2001 nahm in Lwiw das Roman-Schewytsch-Museum seinen Dienst auf.Museumsbeschreibung auf Kapary Info Dieses Museum brannte am 1. Januar 2024 vollständig ab,Shukhevych Museum in Lviv after Russian drone attack, RBC-Ukraine, 1. Januar 2024. nachdem es während des Russischen Überfalls auf die Ukraine seit 2022 von der russischen Luftwaffe vermutlich aus Anlass des 125. Geburtstages von OUN-Führer Stepan Bandera mit einer Shahed-Drohne bombardiert worden war.

Im Jahre 2007 wurde Schuchewytsch von Präsident Wiktor Juschtschenko posthum als „Held der Ukraine“ ausgezeichnet. Diese Entscheidung wurde insbesondere auch von der polnischen Öffentlichkeit kritisiert. Die Auszeichnung wurde ihm am 21. April 2010 von einem Gericht in Donezk wieder aberkannt, was aber rechtlich nicht bindend ist, sodass er nach wie vor diesen Titel trug., abgerufen am 20. November 2015. Im August 2011 wurde ihm der Titel offiziell aberkannt.

Am 1. Juni 2017 beschloss der Kyjiwer Stadtrat, den Watutin-Prospekt, benannt nach dem Armeegeneral der Roten Armee Nikolai Fjodorowitsch Watutin, in Schuchewytsch-Prospekt umzubenennen.В столице проспект Ватутина переименовали в Шухевича (In der Hauptstadt wurde der Watutin-Prospekt in Schuchewytsch-Prospekt umbenannt) Watutin wurde 1944 durch einen Überfall der von Schuchewytsch befehligten Ukrainischen Aufstandsarmee getötet. Am 13. Juni gab ein Kyjiwer Verwaltungsgericht einem Antrag von Parteien, die gegen die Verehrung Schuchewytschs waren, teilweise statt und setzte die Umbenennung einer Straße nach Schuchewytsch aus.Ukraine city to hold festival in honor of Nazi collaborator Ukraine city to hold festival in honor of Nazi collaborator, Jerusalem Post, 28. Juni 2017.