mini|hochkant=1.3|Blick auf Hauenstein Hauenstein, im örtlichen Dialekt Hääschde genannt, ist die gemessen an der Einwohnerzahl fünftgrößte Ortsgemeinde des rheinland-pfälzischen Landkreises Südwestpfalz. In dem Luftkurort hat die gleichnamige Verbandsgemeinde ihren Verwaltungssitz. Hauenstein ist gemäß Landesplanung als Grundzentrum ausgewiesen.Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Regionaldaten.

Geographie Lage Die Gemeinde liegt im südlichen Pfälzerwald, dem deutschen Teil des Wasgaus an dessen nördlichem Rand. Sie befindet sich im Osten des Landkreises Südwestpfalz. Nachbargemeinden sind – im Uhrzeigersinn – Wilgartswiesen, Spirkelbach, Schwanheim, Erfweiler, Dahn, Hinterweidenthal und eine zu Spirkelbach gehörende Exklave.

Erhebungen Unmittelbar nordöstlich des Siedlungsgebiets an der Grenze zu Wilgartswiesen erstreckt sich der 336,3 Meter hohe Neding und westlich von ihm – ebenfalls an der Gemeindegrenze – der 324 Meter hohe Mischberg. Südlich der Bebauung erheben sich der Weimersberg (), der Soldatenkopf, der Benz, der Hohe Kopf (), an der Grenze zu Erfweiler der Winterberg () sowie der hohe Mittel-Schachen und an der Grenze zu Schwanheim der 455,7 Meter hohe Hühnerstein.

Gewässer mini|Paddelweiher auf der Gemarkung von Hauenstein Durch den Ort fließt etwa von Süd nach Nord die Queich, die in der südlichen Waldgemarkung von Hauenstein entspringt, sich weiter abwärts zu einem der Hauptabflusssysteme der Pfalz entwickelt und in den Rhein mündet. Kurz vor Erreichen der Bebauung durchfließt sie den Paddelweiher. Mitten im Siedlungsgebiet der Ortsgemeinde mündet von rechts der Gillenbach in diese, weiter nordöstlich folgt von links der Mischbach. Ganz im Osten der Gemarkung nimmt sie von rechts den Steinbach auf, der größtenteils die Gemarkungsgrenze zu Spirkelbach und in seinem Oberlauf die Grenze zu Schwanheim bildet.

Durch den Westen der Gemeindegemarkung verläuft die Wasserscheide zur Lauter. In diesem Bereich entspringt unter anderem der Mühlenbach, der nach rund hundert Metern die Grenze zu Dahn bildet, ehe er auf das Gemeindegebiet von Hinterweidenthal übersetzt. Etwas weiter nördlich befindet sich der Hirtenbach, der von rechts den Hauensteinerbach und das Schwemmwasser aufnimmt; letzteres befindet sich lediglich in seinem unmittelbaren Mündungsbereich auf der Gemeindegemarkung. Im Südwesten der Gemarkung bildet für die ersten rund 200 Meter seines Verlaufes der Langenbach die Grenze zu Erfweiler, der ebenfalls über die Lauter entwässert.

Klima Das Klima besitzt angesichts der etwas größeren Höhe zwar nicht die Mildheit der Rheinebene, zeichnet sich aber dank der im Norden querliegenden Berge der Frankenweide durch sehr gemäßigte Winter aus. Der umgebende Wald sorgt für ausreichende Niederschläge, welche die Sommer ausgeglichen gestalten und im Herbst zu hohen Erträgen bei Esskastanien und Speisepilzen führen.

Geschichte Erstmals erwähnt wird Hauenstein im Jahr 1345 in einer Urkunde zur pfälzischen Kirchengeschichte. Von 1798 bis 1814, als die Pfalz Teil der Französischen Republik (bis 1804) und anschließend Teil des Napoleonischen Kaiserreichs war, war Hauenstein in den Kanton Dahn eingegliedert. 1815 wurde der Ort Österreich zugeschlagen. Bereits ein Jahr später wechselte Hauenstein gemäß dem Vertrag von München in das Königreich Bayern. Ab 1818 war der Ort Bestandteil des Landkommissariat Pirmasens, das 1862 in ein Bezirksamt umgewandelt wurde.

Bekannt wurde das Dorf durch die Schuhfertigung, die vom ausgehenden 19. Jahrhundert an das Leben der Menschen in Hauenstein bestimmte. Nach dem Vorbild des 20 km entfernten Pirmasens (1857) wurde 1886 die erste Schuhfabrik eröffnet; Gründer waren die Brüder Carl-August und Anton Seibel. Schon 1890 machte Anton Seibel sich mit einer zweiten Fabrik selbstständig. Zahlreiche weitere Unternehmer folgten. Bis 1914 entstanden 14 Schuhfabriken, die damals 1140 Menschen beschäftigten. 1961 gab es den Höchststand mit 36 Fabriken. Dann war der Boom zu Ende. Bis zur Gegenwart überdauert hat lediglich eine einzige Schuhfabrik.

Im Gegensatz zum wenige Kilometer entfernten evangelisch geprägten Darstein, das 1930 als erste deutsche Gemeinde bei einer Reichstagswahl einen Stimmenanteil von 100 % für die NSDAP auswies, stimmte von der überwiegend katholischen Bevölkerung Hauensteins zu dieser Zeit nur ein außergewöhnlich kleiner Teil für die Nationalsozialisten. Noch bei der Reichstagswahl am 5. März 1933 erreichte die NSDAP in Hauenstein lediglich 4,8 Prozent, während die gemeinsame Liste aus Zentrum und Bayerischer Volkspartei auf 92,6 Prozent kam. Dies war reichsweit das beste Ergebnis einer nicht-nationalsozialistischen Partei in Gemeinden mit über 1000 Einwohnern.

1939 wurde Hauenstein in den Landkreis Pirmasens (seit 1997 Landkreis Südwestpfalz) eingegliedert. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Gemeinde innerhalb der französischen Besatzungszone Teil des damals neu gebildeten Landes Rheinland-Pfalz. Im Zuge der ersten rheinland-pfälzischen Verwaltungsreform wurde Hauenstein Sitz der neu geschaffenen gleichnamigen Verbandsgemeinde.

Bevölkerung Einwohnerentwicklung Im Zuge der Industrialisierung stieg die Einwohnerzahl Hauensteins ab dem 19. Jahrhundert stark an. 1886 zählte der Ort 683 Einwohner und im Jahr 1913 bereits 1900. 1961 lebten 4406 Menschen in Hauenstein. Ab Ende der 1960er Jahre war zunächst ein Rückgang der Einwohnerzahl zu beobachten. Seit der Jahrtausendwende stagniert sie bei rund 4000.

Religion mini|hochkant|Kapelle St. Katharina 2012 waren 72,9 % der Einwohner katholisch und 13,5 % evangelisch. Die übrigen gehörten einer anderen Religion an oder waren konfessionslos.KommWis, Stand: 31. Dezember 2012. Die Katholiken gehören zum Bistum Speyer, die Protestanten zur Evangelischen Kirche der Pfalz (Protestantische Landeskirche).

Angesichts der Verteilung der beiden großen christlichen Konfessionen überwiegen die katholischen Sakralgebäude. Die Kapelle St. Katharina im spätgotischen Stil stammt aus dem Jahr 1512. Die Kirche St. Bartholomäus wurde in den Jahren 1787 und 1788 errichtet und bewahrt Bilder sowie Heiligenfiguren, die noch aus dem Mittelalter stammen. Die Pfarrkirche Christ-König wurde 1933 unter dem Architekten Albert Boßlet gebaut.

Die Friedenskirche Maria – Königin des Friedens wurde 1972 geweiht; sie wurde 2021 profaniert.

Einziges evangelisches Gotteshaus ist die Dreifaltigkeits­kirche.

Das Kloster der Unbeschuhten Karmelitinnen wurde 1958 eröffnet; es betrieb eine Kerzenmanufaktur und eine Hostienbäckerei. Da 2022 nur noch sieben Schwestern im Kloster lebten, entschieden sie, ihre Klostergemeinschaft 2023 aufzulösen und in andere Karmeliterklöster umzuziehen.

Politik Gemeinderat Der Gemeinderat in Hauenstein besteht aus 20 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzendem.

Die Sitzverteilung im Gemeinderat: Wahl SPD CDU Grüne FDP WGH Gesamt 2024 2 6 2 – 10 20 SitzeDer Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2024, Stadt- und Gemeinderatswahlen 2019 2 6 3 – 9 20 SitzeDer Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2019, Stadt- und Gemeinderatswahlen. 2014 3 11 4 2 – 20 Sitze 2009 2 11 3 4 – 20 Sitze 2004 2 11 4 3 – 20 Sitze WGH = Wählergruppe Hääschde e. V. (ehemals Wählergruppe Schöffel)

Bürgermeister Steffen Mellein (WGH) wurde am 5. September 2024 Ortsbürgermeister von Hauenstein. Bei der Stichwahl am 23. Juni 2024 hatte er sich gegen den bisherigen Amtsinhaber Michael Zimmermann (CDU) durchgesetzt.Das sind die Ergebnisse der Stichwahl in Hauenstein, Hinterweidenthal und Petersbächel - Die Rheinpfalz Die Stichwahl war notwendig geworden, da bei der Direktwahl am 9. Juni 2024 keiner der ursprünglich fünf Bewerber die notwendige absolute Mehrheit erlangt hatte.

Michael Zimmermann (CDU) hatte das Amt am 15. August 2019 übernommen. Bei der Direktwahl am 26. Mai 2019 war er mit einem Stimmenanteil von 53,16 % für fünf Jahre gewählt worden. Zimmermanns Vorgänger, Bernhard Rödig (FDP), war nach 15 Jahren Amtszeit nicht erneut angetreten.

Wappen

Gemeindepartnerschaften Offizielle Partnerschaften pflegt die Gemeinde mit Chauffailles (Département Saône-et-Loire, Frankreich) seit 1970 sowie mit Csenger (Komitat Szabolcs-Szatmár-Bereg, Ungarn) seit 2004. Inoffizielle Verbindungen bestehen mit Steinegg (Südtirol, Italien), Saint-André-de-la-Marche (Maine-et-Loire, Frankreich) – gehört seit 2016 zur Gemeinde Sèvremoine –, La Walck (Unterelsass, Frankreich) und San Marco di Pascoli (Italien).

Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke Kulturdenkmäler mini|Deutsches Schuhmuseum

Die Ruine der Burg Backelstein ist als Denkmalzone ausgewiesen; an ihr haben Reste mittelalterlicher Wehranlagen überdauert. Hinzu kommen elf Einzelobjekte, die unter Denkmalschutz stehen, darunter die katholische Pfarrkirche Christkönig und das Deutsche Schuhmuseum. Letzteres wurde 1996 eröffnet. Es behandelt im Wesentlichen das Thema Schuhe und zeigt unter anderem die „größten Lederschuhe der Welt“ mit der Größe 248 sowie den „größten Schuh der Welt“ mit der Größe 1041.

Sonstige Bauwerke

Das Schusterdenkmal weist auf das Schusterhandwerk als Grundlage der Hauensteiner Schuhmanufakturen hin. In der Gläsernen Schuhfabrik findet eine Schauproduktion statt, an der sich die Besucher beteiligen können.

Natur mini|Burghalder Die Ortsgemeinde liegt im Naturpark Pfälzerwald, der zum Biosphärenreservat Pfälzerwald-Vosges du Nord gehört. Auf Gemarkung von Hauenstein befinden sich acht Naturdenkmale, darunter der Neding mit Felsentor und Nedingfelsen sowie der Burghalder, der Backelstein und der Kreuzfelsen mit Aussichtspunkt.

Zudem existiert Der Felsen, der die nördliche Ortseinfahrt durch den großen Felsdurchbruch bildet. Darüber hinaus ist Hauenstein Bestandteil des Klettergebiets Pfälzer Wald.

Deutsche Schuhkönigin Seit 2002 zielt die Initiative des Verbandes der Deutschen Schuhindustrie in Rheinland-Pfalz, der seinen Sitz in Pirmasens hat, darauf ab, in Hauenstein alle vier Jahre die Deutsche Schuhkönigin zu wählen, die von einer Schuhprinzessin unterstützt wird. In Abweichung von der Vorgabe war das 2006 gewählte Duo bis 2011 im Amt, das dann bundesweit ausgeschrieben wurde. Am 11. September 2011 wurden die neuen sogenannten „Schuhhoheiten“ gekürt; neben der Deutschen Schuhkönigin gibt es seither zwei Schuhprinzessinnen.

Regelmäßige Veranstaltungen Frühlingsfest, Faschingsumzug, Sommernachtsfest der Pfadfinder, Waldfest des Musikvereins, Kerwe (Kirchweih), Deutsch-französischer Kunsthandwerker-Weihnachtsmarkt, Veranstaltungen von „Kultur im Dorf“.

Rittersteine mini|Ritterstein 214 Queich-Ursprung Im Süden der Gemarkung stehen vier Rittersteine. Ritterstein 214 Queich-Ursprung markiert die Quelle der Queich. 218 Ruine Karolingisches Gehöft, 750–850, jetzt im Weiher verweist auf eine einstige karolingische Siedlung, die im Paddelweiher versunken ist. 219 Burghalder Fels markiert das gleichnamige Felsenriff. 220 Backelstein – Fruehmittelalterliche Holzburg weist auf die Existenz der Burg Backelstein hin.

Vereine An Sportvereinen gibt es unter anderem der SC Hauenstein und die Boulefreunde Hauenstein. Darüber hinaus hat Hauenstein weitere Vereine wie z. B. eine Ortsgruppe des Pfälzerwald-Vereins, die 2014 mit der Eichendorff-Plakette ausgezeichnet wurde. Hinzu kommt mit den Edelbronx’l Zündkatzen ein 2013 gegründeter Frauen-Mofaclub, dem in den folgenden Jahren mehrfach mediale Aufmerksamkeit zuteilwurde. Außerdem gibt es die Pfadfinder Hauenstein, die im aktiven Leben im Dorf wirken.