mini|hochkant=1.3|Joseph Siffert 1969 im BMW Formel 2 auf dem Nürburgring Die Formel 2 ist eine Rennkategorie für einsitzige offene Rennwagen. Mit ihrer Einführung 1948 wurde der bestehenden Formule Internationale – der Rennformel für die Internationalen Großen Preise, für die sich als höchste Rennwagenklasse im Automobilrennsport von nun an entsprechend der Begriff Formel 1 etablierte – erstmals auch offiziell eine zweite Formel als Unterbau zur Seite gestellt. Die Formel 2 rückte damit de facto an die Stelle der vor dem Zweiten Weltkrieg populären Klasse der Voiturette-Rennwagen. Mit Unterbrechungen wurden bis in die 1980er-Jahre hinein neben zahlreichen Einzelrennen verschiedene nationale und regionale Meisterschaften ausgerichtet, darunter von 1967 bis 1984 die Formel-2-Europameisterschaft. An ihre Stelle traten ab 1985 vorübergehend die Formel 3000 und später die GP2-Serie, bis mit Beginn der Saison 2017 unter dem Titel FIA-Formel-2-Meisterschaft der Begriff Formel 2 wieder offiziell zurückkehrte.
Fast ihre gesamte Geschichte hindurch war die Formel 2 aus technischer wie auch sportlicher Sicht weitgehend ein Abbild der Formel 1, wobei die Konstruktionen im Hinblick auf die Verwendung durch die zahlreichen Privatfahrer meist etwas robuster, weniger komplex und vor allem auch reparaturfreundlicher ausfielen. Neue Trends, wie die Einführung der Monocoque-Bauweise, die Verwendung von sogenannten „Flügeln“ als Abtriebsflächen an Front und Heck oder der Einsatz von profillosen „Slick“-Reifen waren nach kurzer Zeit auch an den jeweiligen Formel-2-Rennwagen zu finden.
Ab Ende der 1960er Jahre wurde die Formel 2 dabei ausdrücklich als Nachwuchsklasse für kommende Grand-Prix-Piloten aufgebaut. Als Fazit ist dabei allerdings festzustellen, dass kein einziger Formel-2-Europameister später auch einen Formel-1-Weltmeistertitel erringen konnte und Ausnahmefahrer wie Nelson Piquet, Alain Prost oder Ayrton Senna in der Regel eher andere Wege einschlugen, ohne ihre Karriere mit der Formel 2 allzu lang aufzuhalten.
Formel 2 von 1950 bis 1984 Vorgeschichte – die „Voiturette“-Rennen (1898–1949) mini|Alfa Romeo „Alfetta“ mini|Mercedes-Benz W 165 Schon in den Pionierzeiten des Automobilsports Ende des 19. Jahrhunderts führte die technische Entwicklung mangels irgendwelcher einschränkenden Bestimmungen zu speziell für Renneinsätze entwickelten Hochleistungsmodellen mit außerordentlich anwachsenden Motorabmessungen von bald bis zu 20 Liter Hubraum. Gleichzeitig nahm die Verbreitung kleinerer und wirtschaftlicher Automobile als Gebrauchsmodelle für den Alltagseinsatz zu. Um auch den Herstellern solcher Fahrzeuge Erfolge bei Automobilwettbewerben zu ermöglichen, wurden 1898 beim Rennen Marseille-Nizza zum ersten Mal getrennte Wertungen für verschiedene Wagenklassen (Gesamtgewicht bis 250 kg, bis 400 kg, bis 650 kg sowie die weiterhin unbeschränkte offenen Kategorie) eingeführt.
Schnell entwickelten sich auch diese „Kleinwagen“ zu ernsthaften Wettbewerbsfahrzeugen, zumal sie gegenüber den (ab 1902 auf 1 t Gesamtgewicht limitierten) „Hubraummonstern“ der Grand-Prix-Klasse bei den damals üblichen Überlandrennen auf den noch weitgehend unbefestigten Landstraßen hinsichtlich Handlichkeit und Materialverschleiß gewisse Vorteile aufwiesen. Dennoch erregte der Gesamtsieg von Marcel Renault 1902 beim Rennen von Paris nach Wien mit seinem lediglich 30 PS starken Rennwagen über die zum Teil mehr als doppelt so leistungsstarken Konkurrenten der „großen“ Kategorie erhebliches Aufsehen.
Schon bald kam es auch zu ersten eigenständigen Rennveranstaltungen, wobei neben der Bezeichnung voitures légères der Begriff Voiturettes zunehmend Verwendung fand. Bei diesem Ausdruck, der eigentlich etwas spöttisch als „Wägelchen“ übersetzt werden kann, handelt es sich um eine ursprünglich von Léon Bollée eingeführte Modellbezeichnung für die von ihm produzierten Dreiradfahrzeuge. Schnell setzte sich der Begriff jedoch für kleine und leichte Rennwagen durch, wobei die Abgrenzung zwischen den einzelnen Kategorien wie auch zu den darunter angesiedelten Cyclecars – einer Art Mischform zwischen Automobil und Motorrad – weitgehend im Ermessensspielraum der jeweiligen Veranstalter lag.
Neben dem Grand Prix de l’ACF (benannt nach dem Ausrichter des Rennens, dem Automobile Club de France), der ab 1906 als Höhepunkt jeder Motorsportsaison war, fand nun ebenfalls einmal jährlich ein bedeutendes Voiturette-Rennen statt. Namensgeber war die französische Zeitschrift L’Auto – Vorläufer der heutigen L’Équipe, die auch das Regelwerk vorgab. In der Anfangszeit bestand die Rennformel aus einer Kombination von Maximalwerten für Bohrung (und später auch Hub) von Ein-, Zwei- oder Vierzylindermotoren mit entsprechend gewählten Untergrenzen für das Fahrzeuggewicht, deren Kenngrößen im Einzelnen nahezu jährlich neu festgelegt wurden.
Dieser Coupe de l’Auto war von Anfang an ein großer Erfolg und die Rennen erfreuten sich von Jahr zu Jahr steigender Beliebtheit bei teilnehmenden Herstellern und Publikum. Als zwischen 1909 und 1911 der Grand-Prix-Sport seine erste schwere Krise durchlebte und der ACF drei Jahre lang auf die Durchführung seines „Großen Preises“ verzichten musste, rückte das „Kleinwagenrennen“ in dieser Zeit vorübergehend sogar zum jährlichen Hauptereignis für die Motorsportwelt auf. Ab der Saison 1911 kehrte mit der Begrenzung des Hubraums auf 3 Liter bei gleichzeitiger Festsetzung des minimalem Gesamtgewichts auf 800 kg auch seitens des Reglements erstmals für einen längeren Zeitraum Stabilität ein. Obwohl die Wagen damit alles andere als „klein“ oder „leicht“ waren und die übliche Bezeichnung als Voiturettes auch angesichts des hohen Entwicklungsstands längst ad absurdum geführt worden war, hatte sich dieser Begriff mittlerweile so stark gefestigt, dass er bis zur Einführung der Formel 2 – und sogar darüber hinaus – beibehalten wurde.
Die dominierende Marke war zunächst Sizaire-Naudin, deren Wagen den Coupe de l’Auto von 1906 bis 1908 dreimal in Folge gewannen, bis sich Lion-Peugeot mit zwei Siegen in den Jahren 1909 und 1913 wie auch bei zahlreichen weiteren Rennveranstaltungen immer stärker in den Vordergrund schob. Achtungserfolge erzielten aber jeweils auch Delage (1908 Sieger beim einmalig im Rahmenrennen zum Grand Prix de l’ACF ausgetragenen Grand Prix des Voiturettes sowie im Coupe de l’Auto von 1911), La Hispano-Suiza (Coupe de l’Auto 1910) und Sunbeam (Coupe de l’Auto 1912, der in diesem Jahr als Sonderwertung im Rahmen des Grand Prix de l’ACF ausgetragen wurde).
Als nach dem Ende des Ersten Weltkriegs der Rennbetrieb wieder aufgenommen wurde, war in dieser Klasse zunächst Bugatti tonangebend. Nach dem Erfolg von Ernest Friderich 1920 beim ersten Coupe de l’Auto der Nachkriegszeit begründete der Vierfachsieg (Ernest Friderich vor Pierre de Vizcaya, Michele Braccoli und Pierre Marco) beim Gran Premio delle Vetturette, der 1921 in der Rennwoche von Brescia im Rahmenprogramm zum ersten Großen Preis von Italien ausgetragen wurde, endgültig die ruhmreiche Motorsporttradition dieser elsässischen Marke. 1922 folgte eine länger anhaltende Phase der Dominanz des britisch-französischen Sunbeam-Talbot-Darracq-Konzerns, die nur anlässlich der sporadischen Auftritte der bald auch kompressorgeladenen italienischen Fiat-Rennwagen gebrochen wurde.
mini|ERA, Baujahr 1956 In der Zwischenzeit setzten jedoch zwei Entwicklungen ein, durch die die Voiturette-Klasse stark an Bedeutung verlor. Nachdem die Hubraumgrenze für diese Kategorie nach dem Neubeginn 1920 auf 1,5 Liter limitiert worden war, bedeutete einerseits die schrittweise Absenkung der Motorengröße für die „vollwertigen“ Grand-Prix-Rennwagen von 3 Liter ab 1922 zunächst auf 2 Liter und für 1926/1927 sogar auf 1,5 Liter, dass für eine darunter angesiedelte Wagenklasse kaum Spielraum übrig blieb und die Voiturettes fast vollständig in der Kategorie der bisherigen Cyclecars (Rennwagen bis 1,1 Liter Hubraum) aufgingen. Gleichzeitig wurden daneben sogenannte Formula-Libre-Rennen zunehmend populärer, bei denen Rennwagen aller Arten und Motorengrößen gegeneinander antraten. Auch wenn dabei nominell unterschiedliche Klassen ausgeschrieben wurden, kamen die kleineren Modelle gegenüber älteren, aber vergleichsweise stark motorisierten ehemaligen Grand-Prix-Rennwagen hier kaum noch für Gesamtsiege in Frage.
Diese Situation änderte sich erst wieder, als gegen Ende der 1920er Jahre auch für die Grand-Prix-Klasse wieder alle Hubraumbeschränkungen fallen gelassen wurden. Damit setzte unter den beteiligten Herstellern ein Wettrüsten um immer größere und leistungsstärkere Motoren ein, die für private Rennställe kaum noch erschwinglich wurden. In die auf diese Weise entstandene Lücke stießen Hersteller wie Bugatti, Maserati und ERA, die damit begannen, in kleiner Serie frei verkäufliche Rennwagen mit kompressorgeladenen 1,5-Liter-Motoren für zahlungskräftige Kunden zu produzieren. Während angesichts der zunehmenden Dominanz der deutschen „Silberpfeile“ ab der zweiten Hälfte des Jahrzehnts die Teilnehmerfelder bei offiziellen Grand-Prix-Rennen stark an Attraktivität einbüßten, erlebten die Voiturette-Rennen auf diese Weise überall in Europa eine neue große Blütezeit. Als praktisch letzter verbliebener Konkurrent der deutschen Rennställe zog sich schließlich auch Alfa Romeo von der Grand-Prix-Bühne zurück und entwickelte stattdessen mit dem Alfa Romeo Tipo 158 „Alfetta“ einen der fortschrittlichsten Rennwagen seiner Zeit für die „Kleinwagenklasse“. Als der italienische Automobilverband daraufhin für 1939 bekanntgab, alle Rennen nur noch nach der 1,5-Liter-Rennformel auszutragen, entwickelte sogar Mercedes-Benz (Motorsport) mit dem Mercedes-Benz W 165 sozusagen in letzter Minute ein passendes Modell, um zur Überraschung der Italiener beim hochdotierten Gran Premio di Tripoli anzutreten. Prompt errangen die beiden deutschen Rennwagen bei diesem ersten und einzigen Auftritt einen aufsehenerregenden Doppelsieg, bevor der Zweite Weltkrieg allen Rennaktivitäten ein Ende setzte.
Erstmals „Formel 2“ (1948–1953) mini|Ferrari Formel 2 von 1953 mini|Veritas Meteor Bereits 1946 lebte der Rennbetrieb in nahezu ganz Europa wieder auf, obwohl dafür mit dem Wegfall der „Silberpfeile“ nunmehr kaum noch vollwertige Grand-Prix-Rennwagen verfügbar waren. Stattdessen hatten jedoch vor allem in privater Hand eine größere Anzahl der 1,5-Liter-Voiturettes überdauert, so dass diese Modelle ab 1947 zur neuen Grand-Prix-Klasse befördert wurden. Als Ersatz schien in Frankreich und Großbritannien zunächst eine neue Voiturette-Kategorie für Rennwagen bis 1,1 Litern Hubraum mit und bis 2,0 Liter Hubraum ohne Kompressoraufladung zu entstehen, während in Italien vornehmlich auf nicht aufgeladene Motoren bis 1,1 bzw. bis 1,5 Litern Hubraum gesetzt wurde. Schließlich entschied sich der internationale Automobilverband FIA jedoch, für 1948 der unverändert fortgeltenden Internationalen Grand-Prix-Formel erstmals auch offiziell eine zweite derartige Rennformel als Unterbau zur Seite zu stellen, bei der die Hubraumgrenzen auf 500 cm³ (mit Kompressor) und 2000 cm³ (ohne Kompressor) festgelegt wurden. Anstelle der zunächst im Reglement etwas sperrig formulierten Bezeichnungen kristallisierten sich im allgemeinen Sprachgebrauch zur Unterscheidung dabei in der Folge die Begriffe Formel 1 und Formel 2 heraus.