Lichtenberg ist ein Ortsteil der Gemeinde Fischbachtal im südhessischen Landkreis Darmstadt-Dieburg. Zu ihm gehören der ehemalige Ortsteil Obernhausen, der Weiler Hütte Kernbach und das historische Hofgut und Weiler Hottenbacher Hof.
Geografie Lichtenberg liegt als geschlossenes Dorf im Fischbachtal des nördlichen Odenwalds, ca. 14 km südlich von Dieburg. Es entstand als Burgsiedlung auf Berglage im Granitgebiet des Odenwaldes am Ende eines Hügelrückens. Der Ort liegt unmittelbar westlich unterhalb dem auf einem Bergkegel erbauten Schloss Lichtenberg und war rings mit einer Mauer umgeben, die sich an der Südwestecke des Schlosses und am Pfortenhause an die Ringmauer anschloss. Der Ortsteil Lichtenberg besteht aus der 211 Hektar großen Gemarkung Lichtenberg. In dieser liegen die folgenden aktuellen bzw. historischen Siedlungsplätze: Hof Kernbacher Hütte Ortsteil Obernhausen Schloss Lichtenberg Hottenbacher Hof (Heute gehört der Weiler zu Lichtenberg) An den Ortsteil Lichtenberg grenzen, vom Norden beginnend, im Uhrzeigersinn die Orte Rodau, Niedernhausen, Billings, Klein-Bieberau. Durch den Ort führt die Landesstraße 3107.
Geschichte Ortsgeschichte Funde belegen die zumindest zeitweise Besiedelung in vorgeschichtlicher, römischer und alemannischer Zeit. Die nahe Heuneburg ist ein gutes Beispiel dafür.
Die älteste bekannte urkundliche Erwähnung des Dorfes datiert in das Jahr 1228. Weitere Erwähnungen erfolgten unter den Ortsnamen (in Klammern das Jahr der Erwähnung): Leychtemberg (1312); Lihtenberg (1323); Lychtemberg (1345); Lihtinberg und Lihtenberg (1355); Liechtenberg (1360) und Lichtenberg (1388).
Graf Diether VI. von Katzenelnbogen (* 1273; † 1315) zog mit König Heinrich VII. zur Kaiserkrönung nach Italien und erhielt 1312 zur Belohnung für seinen Einsatz in den blutigen Straßenschlachten von Rom die Stadtrechte für Lichtenberg und Groß-Bieberau. Lichtenberg war von 1312 bis 1479 im Besitz der Grafen von Katzenelnbogen und fiel 1479 der Landgrafschaft Hessen zu, nachdem die Linie der Grafen von Katzenelnbogen ausgestorben war. Im Jahr 1420 gab Graf Johann IV. von Katzenelnbogen die Güter zu Rodau und Lichtenberg, die der verstorbene Heinrich von HatzsteinHier ist vermutlich Heinrich zu Hattstein gemeint, der 1385 und 1391 über die Mainzer Ingrossaturbücher, den Regesten der Mainzer Erzbischöfe, urkundlich wird und im Raum Bergstraße und im Vorderen Odenwald mehrere Lehen und Ganerbenbesitz besaß. besessen hatte, Hamman Echter als Burglehen zu Reinheim. Im 16. Jahrhundert üben die Landgrafen von Hessen die hohe Obrigkeit aus. Bis ins 19. Jahrhundert war Lichtenberg der Sitz des gleichnamigen Amtes. 1312 und 1360 wurden dem Ort Stadtrechte verliehen.
Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1829 über Lichtenberg:
Hessische Gebietsreform (1970–1977)
Spätestens vor Gründung des Landes Hessen wurde Lichtenberg nicht mehr als Stadt bezeichnet, sondern galt bis zum freiwilligen Zusammenschluss im Zuge der Gebietsreform in Hessen als Gemeinde. Der Zusammenschluss mit den Gemeinden Steinau, Meßbach, Nonrod, Billings und Niedernhausen zur Gemeinde Fischbachtal erfolgte am 31. Dezember 1971. Für jede der ehemaligen Gemeinden wurde ein Ortsbezirk eingerichtet. Die Gemeindeverwaltung erhielt ihres Sitz im Ortsteil Niedernhausen.
Verwaltungsgeschichte im Überblick
Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Lichtenberg angehört(e):
vor 1479: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Katzenelnbogen, Obergrafschaft Katzenelnbogen, Amt Lichtenberg ab 1479: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen (durch Erbfall), Obergrafschaft Katzenelnbogen, Amt Lichtenberg ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Obergrafschaft Katzenelnbogen, Amt Lichtenberg (1787: Gericht Lichtenberg) ab 1803: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Fürstentum Starkenburg, Amt Lichtenberg ab 1806: Großherzogtum Hessen,Infolge der Rheinbundakte. Fürstentum Starkenburg, Amt Lichtenberg ab 1815: Großherzogtum HessenDas Großherzogtum Hessen war von 1815 bis 1866 Mitglied des Deutschen Bundes. Ein Staatenbund ehemaliger Territorien des Heiligen Römischen Reichs. Er gilt als gescheiterter Versuch einer erneuten Reichsgründung., Provinz Starkenburg, Amt Lichtenberg ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Landratsbezirk ReinheimTrennung zwischen Justiz (Landgericht Lichtenberg) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Dieburg ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Dieburg ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Dieburg ab 1871: Deutsches Reich,Deutsche Reichsgründung Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Dieburg ab 1918: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen,Infolge des Ersten Weltkriegs. Provinz Starkenburg, Kreis Dieburg ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis DieburgIm Zuge der Gebietsreform 1938 wurde die Provinz Starkenburg aufgelöst. ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Dieburg ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Dieburg ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Dieburg ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Dieburg, Gemeinde FischbachtalAm 31. Dezember 1971 als Ortsbezirk zur neuen Gemeinde Fischbachtal. ab 1977: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Darmstadt-Dieburg, Gemeinde Fischbachtal
Gerichte Für Lichtenberg war bis 1803 das Gericht des Schlosses Lichtenberg zuständig. In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für das Fürstentum Starkenburg wurde das „Hofgericht Darmstadt“ eingerichtet. Es war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen. Damit war für Lichtenberg das Amt Lichtenberg zuständig.
Mit Bildung der Landgerichte im Großherzogtum Hessen war ab 1821 das Landgericht Lichtenberg das Gericht erster Instanz, zweite Instanz war das Hofgericht Darmstadt. Es folgten: ab 1848: Landgericht Reinheim (Verlegung von Lichtenberg nach Reinheim), zweite Instanz: Hofgericht Darmstadt ab 1879: Amtsgericht Reinheim, zweite Instanz: Landgericht Darmstadt ab 1968: Amtsgericht Darmstadt mit der Auflösung des Amtsgerichts Reinheim, zweite Instanz: Landgericht Darmstadt
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag, dem 9. Mai 2011, in Lichtenberg 471 Einwohner. Darunter waren 18 (3,8 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 72 Einwohner unter 18 Jahren, 198 zwischen 18 und 49, 102 zwischen 50 und 64 und 99 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 189 Haushalten. Davon waren 42 Singlehaushalte, 54 Paare ohne Kinder und 75 Paare mit Kindern, sowie 15 Alleinerziehende und 3 Wohngemeinschaften. In 18 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 75 Haushaltungen keine Senioren.
Einwohnerentwicklung • 1629: 22 Hausgesesse (Lichtenberg und Obernhausen) • 1791: 81 (mit Schloß und Burg) Einwohner • 1800: 155 (mit Schloß und Burg) Einwohner • 1806: 174 Einwohner, 18 Häuser (mit Kirnbach und Allertshofen) • 1829: 212 Einwohner, 24 Häuser • 1867: 226 Einwohner, 40 Häuser
Historische Religionszugehörigkeit • 1829: 209 lutheranische (= 98,58 %), einen reformierten (= 0,47 %) und 2 katholische (= 0,94 %) Einwohner • 1961: 386 evangelische (= 88,13 %), 40 katholische (= 9,13 %) Einwohner
Politik Für Lichtenberg besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Lichtenberg) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung. Der Ortsbeirat besteht aus fünf Mitgliedern. Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 betrug die Wahlbeteiligung zum Ortsbeirat 72,70 %. Dabei wurden gewählt: je ein Mitglied der CDU, des Bündnis 90/Die Grünen und der SPD sowie zwei Mitglieder der „Freien Wählergemeinschaft Fischbachtal“ (FWF). Der Ortsbeirat wählte Achim Frank (FWF) zum Ortsvorsteher.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Regelmäßige Veranstaltungen Oktober: KerbDarmstädter Echo, Samstag, 1. Oktober 2016, S. 26 November/Dezember: AdventsmarktDarmstädter Echo, Donnerstag, 26. November 2015, S. 20
Bauwerke Schloss Lichtenberg mit Museum siehe Schloss Lichtenberg (Hessen).
Wirtschaft und Infrastruktur Im Ort gibt es einen geografisch-historischen Lehrpfad.
Lichtenberger Institut für angewandte Stimmphysiologie: Im Jahre 1980 wurde von Arbeitswissenschaftler Professor Dr. Ing. Walter Rohmert ein Forschungsprojekt am Institut für Arbeitswissenschaft (IAD) der Technischen Universität Darmstadt zur Gewinnung neuer Erkenntnisse zur Gesangs- und Instrumentalforschung und deren Praxiseinsatz begründet. Mit umfangreichen akustischen und physiologischen Messmethoden werden die Vorgänge bei Gesang und Instrumentalspiel erfasst und Körpertechniken und physiologische Modelle auf deren Wirkung des Stimmklangs untersucht. Zur Durchführung praktischer Feldversuche wurde 1982 das Lichtenberger Institut gegründet, um die theoretischen Hypothesen und Erkenntnisse mit Testpersonen praktisch zu überprüfen. Die verschiedenen Seminarprogramme des Instituts werden von Sängern, Instrumentalisten, Schauspielern, Menschen in Sprechberufen, Therapeuten in Anspruch genommen. Die Inhalte der mehrtägigen Lehrgänge liegen in den Feldern der praktischen Körpererfahrungen (Beziehung zwischen Körper und Klang), sowie der theoretischen und praxisnahen Vermittlung von Betrachtungsweisen aus Akustik, Anatomie, Pädagogik, Physiologie und Synergetik. Bei der zwischenzeitlich patentierten Lichtenberger Methode werden dem Schüler neutrale Klavierklänge vorgegeben, er singt auf diesen vorgespielten Tönen einfache Vokalfolgen auf einer Prime mit dem Ziele einer prozesshaften Entwicklung verschiedener Klangparameter im Wohlfühlbereich.
Literatur
Weblinks
Ortsteil Lichtenberg In. Webauftritt der Gemeinde Fischbachtal.
Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen
Einzelnachweise
Kategorie:Geographie (Fischbachtal) Kategorie:Ort im Landkreis Darmstadt-Dieburg Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Darmstadt-Dieburg) Kategorie:Ersterwähnung 1228 Kategorie:Gemeindeauflösung 1971