Als Energiekrise wird eine Wirtschaftskrise bezeichnet, in welcher Energieträger knapp werden und/oder die Energiepreise weit über das allgemeine Inflationsniveau steigen.

Allgemeines Energiekrisen bedeuten eine Einschränkung der allgemein gewährleisteten Energiesicherheit. Die Energiekrise beschreibt einen Versorgungsengpass im Wesentlichen in energieintensiv produzierenden oder energieträgerarmen Staaten, der gegenwärtig ausschließlich fossile Energie betrifft. Die Knappheit bezieht sich bei fossilen Energieträgern derzeit ausschließlich auf eine künstliche Knappheit, weil die Reichweite der klassischen Energieträger noch keine natürliche Knappheit aufweist. Statische Reichweite und potenzielle Knappheit spielen eine zentrale Rolle, so dass bei großen Reichweiten keine natürliche Knappheit vorliegen kann. Energiekrisen bedürfen eines Krisenmanagements, das vor allem darauf abzielt, kurzfristig durch Energiesparen oder langfristig durch Substitution fossiler Energieträger durch erneuerbare Energien den Energiemix in einem Staat zu verbessern.

Wie sich aus Abs. 1 Energiesicherungsgesetz ableiten lässt, versteht der deutsche Gesetzgeber unter Energiekrise, „dass die Energieversorgung unmittelbar gefährdet oder gestört und die Gefährdung oder Störung der Energieversorgung durch marktgerechte Maßnahmen nicht, nicht rechtzeitig oder nur mit unverhältnismäßigen Mitteln zu beheben ist“. Eine Energiekrise ist rechtlich mithin als Gefährdung oder Störung der Energieversorgung anzusehen, die auf dem Energiemarkt nicht durch marktwirtschaftliche Maßnahmen beseitigt werden kann.

Geschichte mini|Holzkohlegewinnung, Türkei 2015

Vorindustrielle Energiekrisen Bereits im Mittelalter, als Holz der einzige Rohstoff für die Energiegewinnung darstellte, kam es zu regionalen Energiekrisen in Form einer „Holznot“, die zu einem Raubbau in Wäldern führten. Insbesondere verbrauchten der Bergbau und die Hüttenindustrie viel Brennholz und Bauholz. Die lokale Übernutzung der Wälder war so tiefgreifend, dass Erze in Deutschland zur Verarbeitung ins Harzvorland transportiert werden mussten, weil dort Holz noch in ausreichender Menge vorhanden war. Untersuchungen im Harz zeigten, dass der dort im Mittelalter vorhandene Ahorn-Rotbuchenwald weitgehend vernichtet und durch Fichten ersetzt wurde.Marie-Luise Hillebrecht: Eine mittelalterliche Energiekrise. In: Bernd Herrmann: Mensch und Umwelt im Mittelalter. 1986, ISBN 978-3-89836-700-4, S. 275–283. Auch in England kam es aus gleichen Gründen zu einer ernsthaften Energiekrise, wo zunehmende Energieintensität zur Umstellung auf Steinkohle führte. Zwar gab es hier Steinkohlebergbau bereits seit 833, der massenhafte Abbau begann jedoch erst im 14. Jahrhundert.

Um 1550 verschlangen in der Oberpfalz rund 200 Betriebe der Metallverarbeitung große Mengen von Holzkohle, denn eine Tonne Eisen erforderte sechs Tonnen Holzkohle. Der Energiekrise wurde 1593 durch das Verbot von Holzzäunen begegnet. In Bologna froren die Menschen im Winter 1587 aus Brennholzmangel.

Industrialisierung

In England wurde das knapp werdende Brennholz durch Steinkohle ersetzt. Im 18. Jahrhundert forcierte England den Ausbau des Steinkohlenbergbaus.Ernst Schultze: Die Holznot Englands. In: Weltwirtschaftliches Archiv, Band 5, 1915, S. 343–350. Werner Sombart bezeichnete den Holzmangel als Folge der Entwaldung Englands zu Schiffsbauzwecken im 18. Jahrhundert sogar als Bedrohung für die gesamte kapitalistische Wirtschaftsweise; sie sei durch die Erschließung der Steinkohle beseitigt worden.Werner Sombart: Der moderne Kapitalismus. 7. Auflage. München 1928, S. 1137 ff. Dieser Zuspitzung der These von der Holzknappheit zu einer allgemeinen Holzverknappungskrise wurde jedoch von Joachim Radkau widersprochen.Joachim Radkau: Holzverknappung und Krisenbewußtsein im 18. Jahrhundert. In: Geschichte und Gesellschaft 9 (4), 1983, S. 513–543. Auch in Deutschland gab es im frühindustriellen Zeitalter Phasen und Regionen der Holzknappheit in Hüttenbetrieben, die später durch Beimengung von Koks entschärft wurde.Hans Otto Gericke: Von der Holzkohle zum Koks. Die Auswirkungen der „Holzkrise“ auf die Mansfelder Kupferhütten. In: Vierteljahresschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte 85 (2), 1998, S. 156–195. Die Abholzung von Wäldern führte sogar zum Untergang ganzer Völker, wie Jared Diamond in seinem Buch Kollaps: Warum Gesellschaften überleben oder untergehen beschreibt.

20. Jahrhundert Das Wort „Energiekrise“ tauchte erstmals 1970 in der internationalen Presse auf und umfasste eine doppelte Problematik: Einerseits brachte der während dieses Jahrhunderts rasch wachsende Energieverbrauch Erschöpfungserscheinungen bei den wichtigen Energieträgern Erdöl und Erdgas mit sich, die ab 1970 nicht mehr durch eine ihnen entgegenwirkende Kapitalproduktivität aufgefangen werden konnten. Andererseits sah sich das Kapital in den erdölexportierenden Staaten einem wachsenden Druck nach höheren Kapitalrenditen gegenüber, dem es bei der damaligen Marktentwicklung nicht mehr standhalten konnte.Andreas Boeckh, Dieter Nohlen: Internationale Beziehungen: Theorien, Organisationen, Konflikte. 1984, ISBN 978-3-492-02645-1, S. 117.

1950er Jahre Die Krise von Abadan steht im Zusammenhang mit der Anglo-Iranian Oil Company (AIOC). Aus ihr ging die British Petroleum (BP) hervor, die heute zu den größten Mineralölunternehmen der Welt zählt und ehemals zu den „Seven Sisters“ gezählt wurde.

Ölkrisen der 1970er Mit der Energiekrise werden insbesondere die Ölpreiskrisen 1973/1974 und 1979/1980 assoziiert, als die Organisation der arabischen Erdöl exportierenden Staaten (OAPEC)-Länder das Erdöl künstlich verknappten (Exportembargo), um einen höheren Ölpreis zu erzielen.

Erste Ölpreiskrise Nach dem Jom-Kippur-Krieg im Oktober 1973 setzten die OPEC-Staaten das Rohöl als politische Waffe gegen diejenigen Staaten ein, die freundschaftliche Beziehungen zu Israel unterhielten. Sie drosselten die Ölproduktion, was bei gegebener Nachfrage zu einer drastischen Erhöhung der Rohölpreise führte. Folge war in den Industriestaaten eine Rezession mit Inflation (ausgelöst durch die Energiepreise als Werttreiber), Arbeitslosigkeit und Rückgang der Konsumnachfrage.

In der Bundesrepublik Deutschland wurde als direkte Reaktion auf diese Krise im November 1973 ein Energiesicherungsgesetz erlassen, auf dessen Grundlage an vier autofreien Sonntagen, beginnend mit dem 25. November 1973, ein allgemeines Fahrverbot verhängt sowie für sechs Monate generelle Geschwindigkeitsbegrenzungen (100 km/h auf Autobahnen, ansonsten 80 km/h) eingeführt wurden.

Zweite Ölpreiskrise Nach einem Rückgang der Ölpreise im Jahre 1975 normalisierte sich der Energiemarkt. Die zweite Ölpreiskrise wurde insbesondere ausgelöst durch die Verunsicherung nach der Islamischen Revolution im Iran und dem folgenden Angriff des Iraks im September 1980 auf den Iran (Erster Golfkrieg). Der damalige Preisanstieg fand bei ca. 38 US-Dollar/Barrel sein Maximum. Ende der 1980er Jahre fiel der Ölpreis wieder auf unter 20 US-Dollar/Barrel.

Konsequenzen und Neuorientierung Die Ölkrisen führten zu einer Neuorientierung der Energiepolitik. Die erste Ölkrise war ein Gründungsmoment für die Internationale Energieagentur (IEA) in Paris. Die IEA stellte sich strategisch für die Versorgungssicherheit (Vorratshaltung von Erdöl) ihrer Mitglieder auf. Die westlichen Industriestaaten beschlossen eine verstärkte Vorratshaltung von Erdöl und Erdgas, den Ausbau der Kernenergie und die Erschließung alternativer Energiequellen.

Als Reaktion auf die zweite Ölkrise wurde 1977 in den USA aus verschiedenen Vorgängerorganisationen das Department of Energy (DOE) gegründet, um eine neue energiebezogene Politik bzw. Organisation zu etablieren. Die Ölkrisen waren ein wesentlicher Auslöser der Dänischen Wärmewende, welche die Ölabhängigkeit der dänischen Wirtschaft deutlich reduzierte. In Deutschland löste die Ölkrise den Bau der Kernkraftwerke aus.

21. Jahrhundert

Kalifornische Elektrizitätskrise 2000 Ab Juni 2000 kam es wegen der Deregulierung der Energiewirtschaft in Kalifornien zu flächendeckenden Blackouts, die als Kalifornische Elektrizitätskrise bekannt geworden sind. Erst ein Jahr später, im Juni 2001, normalisierte sich die Lage auf dem kalifornischen Strommarkt.

Stromkrise in Japan nach Fukushima 2011 Nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima wurden in Japan vorübergehend fast sämtliche Kernkraftwerke stillgelegt. Die Strompreise stiegen in der Folge deutlich, in bestimmten Netzbereichen kam es zu rolling blackouts. Japan begegnete dem Mangel mit dem Wechsel auf fossile Kraftwerke, Wiederanfahren einiger Kernreaktoren und einem starken Ausbau der Photovoltaik.

Effekte der Coronapandemie 2019 Als Nebenwirkung der Corona-Pandemie kommt es zwischen 2021 und 2023 zu einer weltweiten Energiekrise. Im Herbst 2021 vervielfachten sich auch in Europa die Energiepreise, nachdem die Nachfrage am Ende der COVID-19-Krise stark gestiegen war. Die erhöhten Bezugskosten für Erdgas am Spotmarkt führten bereits 2021 zu Insolvenz und Lieferstopps kleinerer Gasanbieter in Deutschland.

Typische Strompreise lagen bei etwa € 50 MWh vor der Coronakrise. Die Preise stiegen schlagartig aufgrund des russischen Angriffs auf einen Durchschnitt von etwa € 300 / MWh im März 2022 und gingen einen Monat später auf einen Durchschnitt von rund € 215 / MWh zurück.

Kohle- und Erdgaskrise in China 2021 Mitte September 2021 kam es in mehreren chinesischen Provinzen zu Versorgungsengpässen mit Strom, weshalb Fabriken vorübergehend stillgelegt wurden und Strom für Privathaushalte rationiert war. Ein Grund dafür war eine steigende globale Kohle-Nachfrage im Zuge der weltweiten Erholung von der Wirtschaftskrise 2020–2021, was zu einer Produktionssteigerung der chinesischen Wirtschaft führte. Diese erhöhte den Energiebedarf, welchen die Kohleverstromung nicht ausreichend decken konnte, da die Kohleförderung gedrosselt worden war und der Preis für Kraftwerkskohle enorm hoch lag. Auch Chinas Bemühungen zum Klimaschutz, welche eine strikt vorgegebene Senkung von Treibhausgasemissionen vorsehen, veranlassten einige Lokalregierungen dazu, Strom zu rationieren, um Emissionen zu senken. China hatte im Oktober 2020 den Import australischer Kohle beendet, nachdem die damalige australische Regierung eine unabhängige Untersuchung der Ursprünge der COVID-19-Pandemie gefordert hatte. Im Juli und August 2022 kam es erneut zu Einschränkungen bei der Stromversorgung in einzelnen chinesischen Provinzen, nachdem eine Hitzewelle die Nachfrage steigerte während durch sinkende Pegelstände die Erzeugung von Wasserkraft nachließ.

Russischer Überfall auf die Ukraine seit 2022

mini|hochkant=1.3|Börsenstrompreise 2011–2022 in Deutschland Der russische Überfall auf die Ukraine hat seit Februar 2022 zu Sanktionen der EU-Mitgliedstaaten und weiterer westlicher Industriestaaten gegen Russland geführt. Als Gegenmaßnahme zu den Sanktionen hat Russland die hohen Abhängigkeiten der Sanktionsstaaten von russischem Erdgas dazu genutzt, einen teilweisen Lieferstopp dieser Energieträger zu verhängen. Dazu gehörten Polen, Finnland, Bulgarien und die Niederlande. Am 14. Juni 2022 wurde auch die Belieferung von Deutschland durch Nord Stream 1 auf 40 % der maximalen Durchflussmenge heruntergesetzt, im Juli auf 20 %; am 26. September 2022 wurde beide Pipeline-Stränge von Nord Stream 1 und einer der beiden Pipeline-Stränge von Nord Stream 2 gesprengt. Die Verknappung des Angebots an Gas hat Lieferengpässe und drastische Preissteigerungen auf dem Energiemarkt ausgelöst.