mini|Leichtathletik-Anlagen und Spielfeld im Ettlinger Albgau-Sportpark (2021)

Die Spiel- und Sportvereinigung Ettlingen 1847 e. V. (SSV) ist ein Mehrspartensportverein im nordbadischen Ettlingen mit über 2000 Mitgliedern, der im Gesundheits-, Breiten- und Leistungssport aktiv ist. Der Verein gründete sich nach Aufhebung der Turnsperre wie viele weitere Vereine in den 1840er-Jahren. Anfang des 20. Jahrhunderts schlossen sich Leichtathleten, Schwimmer und Handballer den Turnern an. 1973 war die erste Zusammenführung Ettlinger Sportvereine. Der neue Großverein hatte damit über 1700 Mitglieder in den Abteilungen Basketball, Fußball, Faustball, Handball, Leichtathletik, Turnen und Volleyball. In der Folge kamen Schwimmen (1975), Wasserball und Radsport (1976), Skisport (1977), Tennis (1983), Triathlon (1992) und Badminton (1994) hinzu, ehe 2010 die Verschmelzung zur heutigen Spiel- und Sportvereinigung Ettlingen 1847 e. V. erfolgte.

International erfolgreiche Sportler sind die Olympiateilnehmer Verena Jooß (Einerverfolgung als Disziplin des Bahnradsports) und Eberhard Stroot (Zehnkampf als Disziplin der Leichtathletik) sowie Handball-WM-Teilnehmer David Schmidt. Triathlet Moritz Gmelin wurde bei den Ironman World Championships zweimal Altersklassen-Dritter. In der Leichtathletik (1983), im Gesundheitssport (1989), im Handball (1998), im Wasserball (2005) und im Volleyball (2019) ist der Verein in regionalen Zusammenschlüssen integriert. Sportbezogene Kinder- und Jugendarbeit betreibt die SSV im Kinderbewegungszentrum und in Kooperation mit dem Otto-Hahn-Gymnasium.

Vereinsvertreter unterstützten die Organisation der World Games 1989. 1994 fanden die Deutschen Gehörlosen-Leichtathletik-Meisterschaften statt. (PDF; 2,7 MB) Alljährlich werden der Halbmarathon und der Ettlinger Cross-Duathlon veranstaltet.

Vereinseigene Sportstätte ist der Albgau-Sportpark.

Geschichte Turnverein Ettlingen (1847–1973) mini|hochkant|Philipp Adam Thiebauth mini|Turnerschaft in den Anfangsjahren

Die Gründung eines weiteren Vereins neben Lese-, Gesang-, Feuerwehrverein und Ettlinger Brandcorps bot für den in der Westschweiz und Frankreich zum Gastwirt ausgebildeten und späteren Ettlinger Bürgermeister, Philipp Adam Thiebauth, die Gelegenheit, sein in Frankreich geprägtes revolutionäres Gedankengut in weniger verdächtigen Gemeinschaften auszubreiten, weil in den Jahren des Vormärz der Deutschen Revolution 1848/1849 Parteiorganisationen nicht erlaubt waren. Den Anlass gab ein Ausflug des Karlsruher Turnvereins 1846 am 16. Mai 1847, der in Thiebauths Gasthaus „Zur Sonne“ Rast machte und die freiheitlichen Ideale verkörperte.Schuder: Geschichte des Turnens in Baden. 2020, S. 16. Das revolutionäre Geschehen zwischen März 1848 und Juli 1849 im Deutschen Bund führte in Ettlingen zum Einsatz der Bürgerwehr, die 1849 unter Thiebauth und mit Hilfe der bewaffneten Turnerwehren aus Hanau und Heilbronn den badischen Aufstand niederschlug. Als Folge wurde der Turnverein aufgelöst und Thiebauth am 5. Juli 1850 in Abwesenheit (er war mit Lorenz Brentano zunächst in die Schweiz und anschließend nach Liverpool geflohen) zu 18 Jahren Zuchthaus verurteilt.Krawutschke: Sport in Ettlingen. 2003, S. 27–28. Der Barrenstreit bescherte den Turnvereinen nach diesen Rückschlägen eine Wiederbesinnung und 1860 kam es wieder zu einem deutschen Turnfest. Am 6. Juli 1863 wurde im Restaurant „Erbprinz“ die Vereinswiedergründung eingeleitet und der Anschluss an den Oberrheinischen Turnerbund beschlossen. Meinungsverschiedenheiten führten am 20. Januar 1867 zur erneuten Auflösung des Vereins. Die Rückkehr des Revolutionärs Philipp Thiebauth erweckte den Verein am 4. Juli 1872 zum Leben – allerdings schlief der Turnbetrieb bis 1878 ein und von 1881 bis 1885 gab es offiziell keinen aktiven Turnverein in Ettlingen. Nach der fünften Neugründung am 27. Juni 1885 wurde das Vereinsgeschehen dauerhafter. 1901 wurde die erste Damenriege gegründet und am 8. September 1904 die neue Turnhalle neben der damaligen Knaben- und heutigen Thiebauth-Schule in der Friedrichstraße eingeweiht.Krawutschke: Sport in Ettlingen. 2003, S. 32–38.

In den 1910er-Jahren gab es erste Tendenzen zum Mehrspartensportverein, da leichtathletische Disziplinen Eingang fanden (1910), sich der Schwimmverein Neptun anschloss (1913)Bräunche: Sport in Karlsruhe. 2006, S. 344. und auch Handball gespielt wurde (1918). 1930 wogte eine heftige Auseinandersetzung, der „Ettlinger Turnstreit“, in den weltlichen und kirchlichen Medien, bei dem es vordergründig um die Einmischung und Parteinahme konfessioneller Religionslehrer an den badischen Schulen,Schuder: Geschichte des Turnens in Baden. 2020, S. 86. aber letztlich um „Schamhaftigkeit, Sittsamkeit und Körperkultur“ für Frauen ging.Krawutschke: Sport in Ettlingen. 2003, S. 47. Im Juni 1931 wurde diesbezüglich eine Klage des Erzbischöflichen Ordinariats in Freiburg gegen den Turnverein zurückgezogen. Die Rückbesinnung auf das ursprüngliche Gründungsjahr begann am 29. Juni 1935 mit der Namensänderung in Turnverein 1847 Ettlingen.

Im Zweiten Weltkrieg verlor der Turnverein 53 seiner Mitglieder. Die „Jahnwiese“ wurde in Gartenland umgewandelt, der Verein verboten und alle Unterlagen und Fahnen wurden verbrannt. Da Ettlingen weitgehend von Zerstörungen verschont blieb, konnte der Turner Albert Semling bereits am 29. Dezember 1945 Turner, Fußballer, Handballer, Boxer, Schwimmer und Tischtennisspieler unorganisiert zusammenrufen. Am 4. März 1950 gab es eine Umbenennung in Turn- und Sportverein Ettlingen und bereits am 9. August 1952 kam es zur Rückbenennung in Turnverein Ettlingen 1847. Am 26. Juli 1969 gab es eine Fusion mit der 1935 verbotenen und 1952 neu gegründeten Deutschen Jugendkraft Schwarz-Weiß-Ettlingen 1920 e. V.Krawutschke: Sport in Ettlingen. 2003, S. 57.

Arbeitersportverein (1905–1973) rahmenlos|hochkant=0.6|links|Logo des Arbeitersportverein Ettlingen 1905 e. V., einem Vorgänger des SSV Ettlingen

Der Arbeitersportverein Ettlingen 1905 e. V. bezieht sein Gründungsdatum auf die Etablierung der Freien Turnerschaft Ettlingen.Schuder: Geschichte des Turnens in Baden. 2020, S. 53. Ab 1921 gehörte der Verein zum Arbeitersportkartell Karlsruhe mit etwa 30.000 Sportlern im Jahre 1926.Bräunche: Sport in Karlsruhe. 2006, S. 77. Trotz geringer finanzieller Mittel nahmen Vereinsmitglieder an den Arbeiterolympiaden 1925 in Frankfurt und 1931 in Wien teil. Alle Arbeitervereine wurden 1933 verboten. 1952 erfolgte die Wiedergründung als Arbeitersportverein Ettlingen 1905 e. V. Der Verein war besonders im Fußball aber auch im Volleyball, (PDF; 5,2 MB) S. 32. Schwimmen, Schwerathletik, Frauengymnastik und Turnen aktiv. Der in Karlsruhe geborene ehemalige ASV-Torhüter Thomas Unger startete für Alemannia Aachen ab 2009 in der 2. Fußball-Bundesliga.

Ettlinger Sportverein 1847 (1973–2010) rahmenlos|hochkant=0.6|links|Logo des Ettlinger Sportvereins

Zehn Jahre nach Bildung der Stadiongemeinschaft (PDF; 361 kB) und gemeinsamer Nutzung der Platzanlage trafen sich im September 1970 die Vorsitzenden des Arbeitersportvereins Ettlingen 1905 e. V., des Turnvereins Ettlingen 1847 und des 1913 gegründeten Turn- und Sportvereins Spinnerei erstmals, um einen Großverein zu bilden. Am 1. Dezember 1973 schlossen sich der Turnverein/DJK Ettlingen e. V. mit dem Fußballverein Ettlingen 1896 zum Ettlinger Sportverein 1847 e. V. zusammen. Der neue Großverein hatte damit 1712 Mitglieder in den sieben Abteilungen Basketball, Fußball, Faustball, Handball, Leichtathletik, Turnen und Volleyball.Krawutschke: Sport in Ettlingen. 2003, S. 58–59. In dieser Zeit gab es Neuerungen im Vereinsmanagement und der Außendarstellung. Dazu gehörten der Aufbau einer Geschäftsstelle mit einem hauptamtlichen Geschäftsführer, die Gründung eines Beirates für besondere Organisationsaufgaben sowie die Präsenz beim Badischen Sportbund und in Fachverbänden einzelner Sportdisziplinen. Weitere Abteilungen für Schwimmen (1975), Wasserball und Radsport (1976), Skisport (1977), Tennis (1983), Triathlon (1992) und Badminton (1994) wurden gegründet.

Spiel- und Sportvereinigung Ettlingen 1847 (seit 2010) 2010 verschmolzen der Ettlinger SV 1847 und der Nachbarverein ASV Ettlingen zur SSV Ettlingen 1847. Die Satzung wurde am 11. Mai 2010 beschlossen. (PDF; 373 kB) Der hauptamtliche Geschäftsführer wird von der Geschäftsstellenleiterin, einem Verantwortlichen für die Mitgliederpflege und einer Vereinsarbeitskoordinatorin unterstützt. Der Vorstand besteht aus fünf und der Beirat aus vier Mitgliedern.

Ausgelöst durch die COVID-19-Pandemie in Deutschland bietet der Verein unter der Überschrift „Natursport“ unter professioneller Leitung Outdoor-Sportarten (Laufen, Walken, Wandern, Radfahren, Mountainbiken) sportartenübergreifend an. Hinzu kommen Tipps für Kräftigungs- und Fitnessübungen oder Faszientraining.Susanne Garcia: Profi-Tipps für den Sport im Freien, in: BNN, 1. März 2021

Wettkampfsport Die folgenden Abteilungen betreiben Individualsport in der Leichtathletik und im Triathlon und Mannschaftssport in Wettkampfklassen bis zur Oberliga.

Individualsport Leichtathletik Die Ursprünge der Abteilung gehen auf die Zeit zwischen 1910 und 1920 zurück. Die Abteilung gründete sich im damaligen Turnverein Ettlingen 1847 e. V. Auch der Arbeitersportverein Ettlingen 1905 e. V. hatte eine eigene Abteilung. Als Sportvereinigung der Stadt Ettlingen nahmen die Leichtathleten 1946 an den Kreismeisterschaften des Karlsruher Turnvereins 1846 teil.Bräunche: Sport in Karlsruhe. 2006, S. 264.

Ernst Boedner erschien 1935 mit seiner Marathon-Zeit von 2:45:59 Stunden in der Weltrangliste und gewann im selben Jahr den Brockenlauf. Eberhard Stroot wurde am 10. August 1969 Deutscher Jugendmeister im Weitsprung (PDF; 5,65 MB) S. 423. und nahm 1976 als Zehnkämpfer bei Olympia in Montreal teil. Sabine Staub wurde am 19. Juli 1980 Deutsche Jugendmeisterin im Weitsprung, (PDF; 5,65 MB) S. 363. Siebte bei den Deutschen Meisterschaften 1982 im Weitsprung und Vierte mit der 4 × 100-m-Staffel der MTG Mannheim bei den Deutschen Meisterschaften 1983. Peter Neumaier wurde 1985 in der Halle Deutscher Jugendmeister (im Stabhochsprung) und konnte 1994 mit der 4 × 200-m-Staffel des LAC Quelle Fürth/München 1860 den Titel gewinnen. Philipp Grimm wurde 2004 mit 7840 Punkten Deutscher Vizemeister im Zehnkampf.

mini|hochkant|Verena Jooß (2010) Einerverfolgerin Verena Jooß, Olympiateilnehmerin 2008 in Peking im Bahnzeitfahren (Elfte), begann als Leichtathletin. Mit sechs Jahren trat sie dem Ettlinger SV bei und blieb bis zum 20. Lebensjahr dieser Sportart treu. Als Schülerin wurde sie dreimal Deutsche Meisterin im Blockmehrkampf. In der Jugend widmete sie sich den 800 m und erlief sich am 17. Mai 1998 den dritten Platz bei den Deutschen Jugendmeisterschaften. (PDF; 5,65 MB) S. 228. Jonas Frenzel wurde 2007 und 2008 Deutscher Jugendmeister über 2000 m Hindernis. Christoph Kessler, Jannik Arbogast, Felix Wammetsberger, Nils Kruse (DM-Zweiter Zehnkampf, Mannschaftswertung 2016; DM-Achter Zehnkampf, 2018; DM-Fünfter Zehnkampf, 2020) und Maximilian KöhlerReinhard Sogl: Für Köhler sind 400 Meter Hürden eine runde Sache, in: BNN, 11. März 2021 starten für die Leichtathletik Region Karlsruhe. Maximilian Köhler errang am 24. Juli 2019 den deutschen Jugendmeistertitel über 300 Meter Hürden. (PDF; 5,65 MB) S. 19. Sophia Seiter (ehemals TV Bühl) errang diesen Titel am 13. September 2020 mit der 4-mal-400-Meter-Staffel der Leichtathletik Region Karlsruhe. (PDF; 5,65 MB) S. 16. Markus Görger startete im Dezember 2021 bei den Crosslauf-Europameisterschaften in Dublin. Felix Wammetsberger und Christoph Kessler holten 2024 mit der 3-mal-1000-Meter-Staffel die Silbermedaille bei den Deutschen Hallenmeisterschaften. Ebenfalls Silber errang Lisa Merkel bei den Crosslauf-Europameisterschaften 2023.

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