Ein Hemd (von althochdeutsch hemidi, „Hemd, Gewand, Überwurf“) ist ein Kleidungsstück mit Hals- und Armöffnungen, das in verschiedenen Längen und mit verschiedenen Ärmel-, Ausschnitt- und Kragenformen auftreten kann. Hemden können an der Vorderseite mit Knöpfen geschlossen werden oder durchgehend offen sein.Christian F. Feest, Alfred Janata: Technologie und Ergologie in der Völkerkunde. Band 2, Dietrich Reimer Verlag, Berlin 1989, ISBN 3-496-00127-5, S. 176–185. Im engeren Sinne wird in der westlichen Welt heute unter dem Begriff Hemd das Herrenoberhemd verstanden. Im weiteren Sinne kommen sowohl Blusen für Frauen als auch Unterwäsche wie das Unterhemd und Nachtwäsche wie das Nachthemd hinzu. mini|Blaues Hemd

Entstehungsgeschichte Bereits um 925 v. Chr. trugen die Hebräerinnen ein bis auf den Boden reichendes, weißes Hemd aus Leinen. Bei den Völkern des Abendlandes wurde das Hemd einmal als Unter-, einmal als Oberkleid für Frau und Mann verwendet. Seit dem 16. Jahrhundert ist es in der heutigen Weise bekannt und wird als Tagesgewand gebraucht. Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert war der angeknöpfte hohe Stehkragen („Vatermörder“) zur formellen Kleidung üblich. 1863 wurde durch die Gebrüder Hönigsberg in Wien der halbsteife Hemdenkragen aus Doppelstoff erfunden, der nicht mehr angeknöpft werden musste, sondern fest mit dem Hemd verbunden war. Die durchgehende Knopfleiste wurde beim Hemd um 1900 eingeführt (Patent seit 1871), sodass das Hemd nicht mehr über den Kopf gezogen werden musste.

Verwendete Materialien Bis ins 19. Jahrhundert waren Leinen und Hanf die üblichen Materialien. Als im Zuge der industriellen Revolution Baumwolle billiger wurde, setzte sich diese immer mehr durch. Im 20. Jahrhundert kamen Seide und Kunstfasern hinzu.

Besonders hochwertige Hemden bestehen aus Leinen, Hanf, Seide, Bambus oder auch Regeneratfasern, Baumwolle-Wolle (Viyella), Baumwolle-Kaschmir (Alumo; Cashmerello) sowie hauptsächlich aus reiner Baumwolle bester Qualität, meist Pima, Supima, Ägyptische Giza oder Sea Island (ELS, extra Langstapel) 35 bis 60 mm.Julian Roche: The International Cotton Trade. Woodhead Publishing, 1994, ISBN 1-84569-281-0, S. 54. Die beste Qualität ist West-Indisch-Sea-Island-Baumwolle WISIC, neuerdings auch Californian Cotton Supima „Corcoran“.

Die Materialien sollten dem Oeko-Tex-Standard entsprechen. Sie sind meist aus zwei- oder dreifädigem Vollzwirngewebe („two ply“ oder „three ply“), aber auch „single ply“. Sie können gemischt werden, z. B. Leinen und Baumwolle 50:50, jedoch nicht mit Kunstfasern, dies wird nur bei billigeren Stoffen gemacht. Unterteilt werden sie auch nach Fäden pro Zoll (thread count); je mehr Fäden, desto feiner der Stoff. Bezeichnungen sind z. B. 100/100, 120/120 bis über 200/200 (Schuss, weft/Kette, warp) (Albini „Golden Jubilee“ 330/4 hält den Rekord). Sie werden in Hanks (840 Yards) pro Pfund angegeben; z. B. bedeutet 100, dass ein Pfund Baumwolle 84.000 Yards Faden ergibt. Je höher der thread count, desto knitteranfälliger wird aber das Hemd. Gute Hemdstoffproduzenten befinden sich in der Schweiz, Italien und England.

Hemdstoffe werden pro Laufmeter gehandelt, gute Stoffe liegen um 15–90 Euro pro Meter. Diese Stoffe sind oft nur von Maßschneidereien zu beziehen, im normalen Handel mit Konfektionshemden werden diese Stoffe eher nicht verwendet. Die Preise der unteren Stoffkategorien liegen im Bereich von 20 Cent bis 3 Euro pro Meter, aus diesen Qualitäten werden die meisten Konfektionshemden hergestellt. Diese umfassen sowohl Kunstfasermischungen als auch reine Baumwolle. Man sieht hier eine enorme Preisdifferenz, zur Herstellung eines Herrenhemdes wird etwa 2–3 m2 Stoff benötigt. Dies erklärt auch den hohen Preis der Vollmaßhemden, der bis zu 1000 Euro pro Hemd betragen kann.

Hemdstoffe werden auch nach den verschiedenen Webarten unterschieden: auf customshirt1.com, abgerufen am 23. März 2016.

In Leinwandbindung gewobene Stoffe: Popeline Zephyr/Batist oder auch Musselin, ein feiner bis fast durchsichtiger Stoff in Leinwandbindung. „End-on-End“/„Fil a fil“ ist ein Buntgewebe, dessen Kett- oder Schussfäden abwechselnd hell und dunkel sind. Dadurch ergibt sich ein belebtes „faux-uni“-Farbbild (falscher Uni-Stoff). Ein Fil a fil, der zusätzlich kalandriert ist, heißt Chambray. Segeltuch (englisch canvas, duck), ein dickeres Gewebe in Leinwandbindung. Oxford (Panamaweave) ist ein meist buntgewebter, kräftiger Hemdenstoff aus Baumwolle in Leinwandbindung, wobei die Kett- und Schussfäden immer paarweise doppelt geführt werden. Der „Royal Oxford“ hingegen hat eine andere, komplexere Webkonstruktion und es werden feinere Fäden verwendet. Pinpoint ist eine Mischung von Oxford und Popeline; es werden feinere Garne verwendet als beim Oxfordgewebe. Voile: Die verwobenen, stark überdrehten und dadurch gekräuselten Fäden (Kreppgarne) ergeben kleinste Luftlöcher im Gewebe, was eine gute Luftzirkulation ergibt. Durch die Kräuselung der Fäden fühlt es sich leicht sandig an, das Gewebe ist dadurch auch meistens leicht durchsichtig. Chiffon (meistens für Damenblusen verwendet): Ähnlich wie Voile, es wird aber mit anderen, nicht so stark überdrehten Fäden gewoben, wodurch in den Fäden keine so starke Kräuselung wie beim Voile entsteht. Chiffon wird mit abwechselnd verdrehten Fäden (S-Twist, Z-Twist) gewoben, was einen leichten „Stretch“ ergibt. Zendaline ist eine Mischung von Popeline und Voile (Halbkrepp). Noppengarn mit gewollten knotigen Stellen.Alois Kiessling, Max Matthes: Textil-Fachwörterbuch. Fachverlag Schiele & Schoen, 1993, ISBN 3-7949-0546-6, S. 348. Flamés: aus unregelmäßig gesponnenen Flammgarnen gewobene Stoffe mit belebter Struktur. In Köperbindung gewebte Stoffe, hier werden viele Varianten unterschieden: Normaler Köper, Cavalry-Twill (breite Streifen), Gabardine (steiler Grat), Denim, Fischgrat (englisch herringbone, frz. chevron), Vichy-Muster (englisch houndstooth), Nailhead, Birdseye, Glencheck, -plaid Satin, Atlas Cord, auch Schnürlsamt oder Rippensamt genannt (englisch corduroy) Plissé Jacquard; ähnlich ist Dobby, hier können aber nicht ganz so komplizierte Muster erzeugt werden. Pikee: Gewebe mit waffelartiger Struktur, dadurch liegt der Stoff nicht vollflächig auf der Haut auf, woraus eine bessere Luftzirkulation resultiert. Seersucker (Krepp-Gewebe): Gewebe mit geraffter Oberfläche; man unterscheidet „echten“ (Garnkreppe) und „falschen“ (Ausrüstungskrepp) Seersucker, der Effekt ist gleich wie beim Piqué; Seersucker muss zudem nicht gebügelt werden. Selten verwendet wird Bazin (Damast, Atlas), Chenille oder Stretchgewebe (ein Elastomerfaden im Schuss, der mit Garn umhüllt ist, während in der Kette Baumwolle oder andere Naturfasern benutzt werden).

Es werden auch die Muster der Stoffe unterschieden: Tartan, Vichy-Muster (Gingham), Melange, Mouline, sowie die Stoffausführung: Merzerisieren, Krumpfen (Sanforisieren), Gasieren, Flanell oder „Peau de Pêche“ (Pfirsichhaut; aufgeraut) u. a.

Bei bügelfrei produzierten Hemdstoffen wird der Stoff durch einen Ausrüstungsprozess mit einem Kunstharz behandelt (Trockenvernetzung, Behandlung ohne Ammoniak;Ammoniak in der Garnveredelung (PDF; 982 kB) abgerufen am 23. März 2016. Nassvernetzung, Behandlung mit Ammoniak und einem Vernetzer (Kunstharz)).Römpp Lexikon Chemie. Band 6: T–Z, 10. Auflage, Georg Thieme Verlag, 1999, ISBN 3-13-735110-3. Es wird jedoch nie eine volle Bügelfreiheit erreicht, es kann also eigentlich nur von bügelleicht gesprochen werden. Diese Eigenschaft nimmt mit jedem Waschvorgang immer mehr ab. Zudem nimmt eine so behandelte Baumwolle den Schweiß nicht richtig auf, auch fühlt sich der Stoff aufgrund des Harzüberzugs etwas rau an. Die Bügelleicht-Ausrüstung wird bei besonders hochwertigen Stoffen nicht angewandt.

Bei Hemdstoffen ist die Endausrüstung zu beachten, gute Qualitätsstoffe werden nach dem Oeko-Tex-Standard verarbeitet.

Auch zu beachten ist die Dampfdurchlässigkeit eines Hemdes, denn jede Webart kann unterschiedlich eng gewoben werden. Dies wirkt sich auf die Dampfdurchlässigkeit aus; gerade bei hoher Luftfeuchtigkeit oder erhöhter Körpertranspiration ist dieser Faktor wichtig.

Modeeinflüsse Da das Hemd ursprünglich als Unterwäsche angesehen wurde, war seine modische Entwicklung lange Zeit auf den einzig sichtbaren Teil, den Kragen, beschränkt. Erst nach dem Verschwinden der Weste als obligatorisches Kleidungsstück unterliegt auch der Rest des Hemdes dem modischen Diktat und erhielt zusätzliche Impulse durch Ablegen des Sakkos in der Freizeit.

In den 1970er Jahren wurden die Hemden erstmals sehr körpernah geschnitten, die Kragen wurden höher und die Kragenschenkel sehr lang und spitz. Die verwendeten Farben und Muster und Materialien erlangten eine bis dahin ungekannte Vielfalt (z. B. Discohemd).

In den 1990er Jahren schlug das Pendel in die entgegengesetzte Richtung. Der Hemdenleib und die Ärmel wurden sehr weit geschnitten, die Ärmelnaht rutschte den Arm herunter und die Kragen waren eher schmal mit kleinen Kragenschenkeln und fast rechtwinkeligen Kragenspitzen. Es wurden gerne verdeckte Knopfleisten getragen.

Gegenwärtig werden Hemden wieder eng – „slim fit“ – getragen, was durch Schnitt und Stretchmaterialien unterstützt wird. Die Kragen sind moderat in Form und Größe, wobei ein Trend zu kleineren Kragen erkennbar wird. mini|Ärmelhalter Lange Zeit galt ein reinweißes Hemd als Statussymbol des Herrn, da es anzeigte, dass sich sein Träger nicht mit körperlich anstrengender oder gar schmutziger Arbeit befasste und er sich täglich ein frisch gewaschenes Hemd leisten konnte. Zum Schutz der Ärmel insbesondere bei Schreibarbeiten mit der Feder oder später dem Füllfederhalter wurden früher im Büro Ärmelschoner getragen, die über die Hemdenärmel gezogen wurden. Ärmelhalter sind heute kaum noch gebräuchliche, verstellbare Gummibänder, die die Ärmel am Oberarm halten und so für die richtige Ärmellänge sorgen sollen. Erst im 20. Jahrhundert konnten sich farbige Hemden und gestreifte Hemden (Candy-, Bengal-, Hairline-Streifen) durchsetzen. Hier gilt, je breiter die Streifen, desto legerer der Anlass, zu dem das Oberhemd getragen wird.

Hemdenformen Heutzutage wird zwischen dem Herrenhemd und der Bluse der Frau unterschieden.

Bei den Herrenhemden gibt es das Businesshemd, das meist einfarbig weiß oder blau ist oder feine Streifen aufweist und i. d. R. zu Anzug und Krawatte getragen wird, und das Casualhemd für die Freizeit. Traditionell hat das Geschäftshemd keine Brusttasche, da der klassische Geschäftsanzug ein Dreiteiler war, bei dem man Taschen in der Weste hatte.

Zur Gesellschaftskleidung gehört das Frack- und Smokinghemd. Das Aussehen ist streng geregelt, wie z. B. weiße Farbe, verstärkte Hemdbrust und Verwendung von Manschetten- und Frackknöpfen (beim Smoking auch verdeckte Knopfleiste möglich).

Aus der Sportbekleidung kommt das kurzärmelige Polohemd, das mittlerweile in der Freizeitmode weit verbreitet ist. Eine nach dem Zweiten Weltkrieg in Europa aufgekommene Mode war das Hawaiihemd. Als ursprüngliche Arbeitshemden werden Flanellhemden (auch „Karohemden“) heute noch als Freizeitkleidung getragen.

Beim Militär ist das Feldhemd, ein jackenähnliches, robustes, längeres Hemd, üblich.

Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts begann sich das heute übliche durchgeknöpfte Hemd durchzusetzen. Davor war das Hemd nur etwa bis zur Brusthöhe geschlitzt und musste beim Anziehen über den Kopf gezogen werden. Diese Form des sogenannten Schlupfhemdes hat sich bis heute in verschiedenen traditionellen Bereichen gehalten, wie zum Beispiel beim Fischerhemd, beim österreichischen und bayerischen Trachtenhemd oder beim Frackhemd.

Bestandteile Kragen mini|Hemd mit Haifischkragen mini|Vatermörder mini|Button-Down-Kragen

Grundsätzlich gibt es zwei Kategorien von Kragenformen: Umlegekragen/Umschlagkragen und Stehkragen.