mini|Stiftskirche St. Philippus und Jakobus Die römisch-katholische Stiftskirche St. Philipp und St. Jakob war die Kirche des ehemaligen Kollegiatstifts in Bad Grönenbach in Bayern. Die Pfarrgemeinde gehört zum Dekanat Memmingen im Bistum Augsburg. Kirchenpatrone der Kirche sind die Apostel Philippus und Jakobus. Die heutige PfarrkircheBistum Augsburg steht unter Denkmalschutz. Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege:
Geschichte
In Bad Grönenbach stand wohl schon sehr früh eine Pfarrkirche. Die erste Weihe der damals noch romanischen Kirche fand am 27. Mai 1136 durch den Augsburger Bischof Walter statt.Joseph Sedelmayer: Geschichte des Marktfleckens Grönenbach. Historischer Verein zur Förderung der gesamten Heimatkunde des Allgäus, Kempten 1910, S. 201. Diese Kirche wurde im 15. Jahrhundert gotisch um- und neu aufgebaut, da sie zu klein und baufällig wurde. Dieser Neubau wurde am 15. Oktober 1445 eingeweiht.Stiftskirche Grönenbach. Kath. Pfarramt St. Philippus und Jakobus, Grönenbach 1994, S. 7. Vom romanischen Vorgängerbau ist heute noch die Krypta sowie das Untergeschoss des Turmes vorhanden. 50 Jahre später, im Jahr 1495, wurden abermals bauliche Veränderungen vorgenommen; so wurde ein neuer Dachstuhl aufgesetzt und die Kirche um ein Joch verlängert. Diese Umbauten wurden anlässlich der Errichtung des Kollegiatstiftes 1479 durch Ludwig von Rothenstein vorgenommen. Die umgebaute Stiftskirche wurde zum dritten Mal am 5. Juli 1495 durch Weihbischof Johannes von Augsburg eingeweiht. In den Jahren 1559 bis 1621 wurde die Stiftskirche als Simultankirche genutzt, sowohl für die reformierten calvinistischen als auch die katholischen Gläubigen. Die Simultannutzung wurde am 2. September 1621 mit Beihilfe des Grafen Otto Heinrich Fugger abgeschafft.Joseph Sedelmayer: Geschichte des Marktfleckens Grönenbach. Historischer Verein zur Förderung der gesamten Heimatkunde des Allgäus, Kempten 1910, S. 205.
Im Jahr 1622 wurden der Turm und das Langhaus neu eingedeckt. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts, 1663, wurde die Stiftskirche barockisiert. In dieser Zeit wurden die Rundfenster geschaffen, die heute noch vorhanden sind. 1784 wurde die bis dahin bestehende Sakristei an der Nordseite der Kirche abgebrochen und als Rundturm am Chor angebaut. Unterhalb der Sakristei befand sich das Beinhaus. Im Jahr 1884 wurde die Kirche neugotisch umgestaltet. Während der Umgestaltung wurde in einem zugemauerten Chorfenster die Inschrift „Renovatum Decan Megglin 1663“ gefunden.Joseph Sedelmayer: Geschichte des Marktfleckens Grönenbach. Historischer Verein zur Förderung der gesamten Heimatkunde des Allgäus, Kempten 1910, S. 202. 1804 im Zuge der Säkularisation wurde das Kollegiatstift aufgelöst. Die Stiftskirche wurde Pfarrkirche und im Stiftsgebäude mit seiner wertvollen Bibliothek der Pfarrhof untergebracht.
mini|Messe anlässlich der 850-Jahr-Feier 1986; Gestaltung des Chorraums ab 1960 bis 1988 In den Jahren 1960–1966 fand eine radikale Umgestaltung der Pfarrkirche statt. Während dieser Umgestaltung wurde ein Großteil der Innenausstattung aus der Pfarrkirche entfernt, so unter anderem die Kanzel, die beiden Emporen, das Chorgestühl und die Kirchenbänke aus dem 18. Jahrhundert. 1979, anlässlich der 500-Jahr-Feier des Kollegiatstiftes, wurde die Pfarrkirche wieder in Stiftskirche umbenannt. 1988–1995 erfolgte eine umfangreiche Innenrenovierung. Die farbliche Ausgestaltung der Raumschale wurde nach dem Geist der Hildegard von Bingen vorgenommen.
Baubeschreibung mini|Grundriss der Stiftskirche St. Philipp und Jakob in Bad Grönenbach Die Stiftskirche ist eine dreischiffige Halle mit überhöhtem Mittelschiff. Der eingezogene 5/8-Chor hat ein neugotisches Sternnetzgewölbe aus dem Jahr 1887. Im Chor öffnen sich sieben Lanzettfenster. Das Langhaus ist an jeder Seite durch vier rundbogige Fenster gegliedert.Tilmann Breuer, Heinrich Kreisel und Adam Horn (Hrsg.): Stadt- und Landkreis Memmingen. Deutscher Kunstverlag, München 1959, S. 112. Das Mittelschiff ist mit einem, vermutlich 1495 erneuerten, Netzgewölbe, das nördliche Seitenschiff mit einem Netzrippengewölbe, das südliche Seitenschiff mit einem Sterngewölbe gedeckt. Die Gewölbe der beiden Seitenschiffe ruhen auf Wappenkonsolen mit Wappenschlusssteinen. Der Kirchturm erhebt sich am Ostende des südlichen Seitenschiffes und ragt auch in dieses hinein. Der untere Teil des Turmes besteht aus Tuffstein und ist vierseitig. Über dem vierten Turmgeschoss befindet sich ein Rundbogenfries. Das fünfte Turmgeschoss ist mit Ecklisenen und Rundbogenfries versehen. Im vorkragenden sechsten Turmgeschoss öffnen sich gekoppelte Klangarkaden. Das oktogonale Obergeschoss des Turmes ist durch blinde Rundbogenfenster gegliedert. Der Turm ist mit einer geschwungenen Haube abgeschlossen. An der Außenfassade des Turmes befindet sich das Wappen des Kemptener Fürstabtes Rupert von Bodman.
Das Mittelschiff hat innen eine Höhe von 13 Metern, die beiden Seitenschiffe sind jeweils 9,75 Meter hoch und der Chor hat 10 Meter Höhe. Die Gesamtlänge der Stiftskirche beträgt im Inneren 40,25 Meter, davon entfallen auf das Langhaus 27 Meter und auf den Chor 13,25 Meter. Die Breite des Langhauses beträgt 19,10 Meter. Die quadratischen Sockel der Säulen haben eine Kantenlänge von 95 cm, die Säulen selbst einen Umfang von 2,35 Meter und einen Durchmesser von 75 cm.Stiftskirche Grönenbach. Kath. Pfarramt St. Philippus und Jakobus, Grönenbach 1994, S. 8
Ausstattung An der Innenwand des an der Ostseite im Langhaus angebrachten Turmes befinden sich die gemalten Wappen der ehemaligen Ortsherren (Herren von Grönenbach, Rothenstein und Pappenheim) und Stifter der Stiftskirche. Die Wappen wurden wohl im 17. Jahrhundert geschaffen. Wappen finden sich auch an den Konsolen der Gewölbe der Seitenschiffe, sowie an der Decke der Seitenschiffe.Kath. Pfarramt St. Philippus und Jakobus, Grönenbach (Hrsg.): Stiftskirche Grönenbach. 1994, S. 13. Noch aus der Zeit der barocken Ausgestaltung der Kirche stammen die Statuen der Apostel Petrus, Paulus, Philippus und Jakobus an den Rückwänden der beiden Seitenschiffe.Stiftskirche Grönenbach. Kath. Pfarramt St. Philippus und Jakobus, Grönenbach 1994, S. 15.
Die während der Umgestaltung in den Jahren 1960–1966 aus der Pfarrkirche entfernten Altäre sowie der Kreuzweg wurden während der letzten Renovierung 1988–1995 wieder in der Stiftskirche aufgestellt bzw. angebracht. Der Hochaltar wurde ursprünglich 1884 von der Schreinerei W. Engel in Babenhausen gefertigt. Nahezu alle Figuren, die sich ehemals auf den Altären befanden, sind nicht erhalten und mussten nach- bzw. neu geschnitzt werden. Der Hauptaltar enthält die Figuren der Apostel Petrus, Paulus, Philippus und Jakobus. Im Mittelpunkt steht der gekreuzigte Jesus, umgeben von Maria und Johannes. Rechts und links stehen Johannes der Täufer und Josef. An der Spitze des Hochaltares befindet sich Gott der Vater mit der Taube des Heiligen Geistes. Bevölkert wird der Hochaltar noch zusätzlich von 12 kleinen und vier großen Engelsfiguren. Im Gegensatz zu den Figuren des Hauptaltares, die nachgeschnitzt wurden, befinden sich auf den beiden Seitenaltären völlig neu geschaffene Holzfiguren. Die Hauptfigur im linken Seitenaltar stellt Maria mit dem Jesuskind dar. Begleitet wird sie von Hildegard von Bingen und Franz von Assisi. Der rechte Seitenaltar enthält die Figur des Josef mit Jesus als Knabe. Rechts und links davon befinden sich Skulpturen des 1987 seliggesprochenen Paters Rupert Mayer und der 1998 heiliggesprochenen Schwester Edith Stein.Stiftskirche Grönenbach. Kath. Pfarramt St. Philippus und Jakobus, Grönenbach 1994, S. 22, 24.
Der Kreuzweg wurde 1884 von Franz Schmalzl aus Gröden geschaffen. Nach der Entfernung in den Jahren 1960–1966 wurden die Reliefs abgelaugt und 1992 von dem Kirchenmaler Ludwig Amann aus Weißenhorn neu gefasst.
Herz-Jesu-Altar mini|hochkant|Herz-Jesu-Altar mit den 14 Nothelfern in der Stiftskirche Dekan Georg Koller schaffte im Jahr 1713 den Herz-Jesu-Altar an. In der Mitte des Altaraufsatzes befindet sich in einem Medaillon ein Herz-Jesu-Bildnis, das üppig mit vergoldeten Rokoko-Ornamenten und einem Wolkenband mit Engelköpfchen gerahmt wird. Akanthusranken und farbige Halbfiguren der 14 Nothelfer umgeben das Medaillon. Im Uhrzeigersinn, oben beginnend, sind dies Georg mit Lanze und Drachen, Barbara mit Kelch und Schwert, Vitus im Kessel, Cyriakus als Diakon, Eustachius mit Hirsch, Blasius als Bischof, Ägidius mit Hirsch, Katharina mit Schwert und zerbrochenem Rad, Erasmus mit Mitra und Stab, Margareta mit Speer und Drachen, Achatius mit Dornen und Kreuz, Christophorus mit dem Jesuskind, Dionysius mit geköpftem Haupt, Pantaleon.Stiftskirche Grönenbach. Kath. Pfarramt St. Philippus und Jakobus, Grönenbach 1994, S. 17, 18. Der Altaraufsatz wird von einem Medaillon mit der Inschrift IHS gekrönt.
Epitaphe In der Stiftskirche zu Bad Grönenbach sind eine Reihe von Epitaphien angebracht, die Mitglieder des ehemaligen Ortsadels derer von Rothenstein und von Pappenheim darstellen.Joseph Sedelmayer: Geschichte des Marktfleckens Grönenbach. Historischer Verein zur Förderung der gesamten Heimatkunde des Allgäus, Kempten 1910, S. 215–219.