mini|Die Innenstadt nach dem Angriff (Sommer 1945 oder später) Operation Tigerfish war im Zweiten Weltkrieg der militärische Codename für den mit Abstand schwersten Luftangriff der Royal Air Force am Abend des 27. November 1944 auf Freiburg im Breisgau, dem rund 2800 Menschen zum Opfer fielen. Die Bezeichnung Tigerfish (englisch für den Tigersalmler und ähnliche Fische) geht auf Air Vice Marshal Robert Saundby zurück, der als begeisterter Angler alle für Flächenbombardements geeigneten deutschen Städte mit einem Fish code versehen hatte.Fish code names. (PDF; 292 kB) bunkermuseum.de (englisch). deutsche Übersetzung. (PDF; 214 kB) bunkermuseum.de (Bunkermuseum Emden); abgerufen am 2. Oktober 2017. Saundby war Stellvertreter von Air Chief Marshal Arthur Harris, dem Kommandeur des RAF Bomber Command.

Vorgeschichte Lange Zeit hegte man in Freiburg die Hoffnung, keinen Großangriff erleiden zu müssen. Das Reichsluftfahrtministerium hatte 1935 Freiburg nur als Luftschutzort 2. Ordnung eingestuft.Heiko Haumann, Hans Schadek (Hrsg.): Geschichte der Stadt Freiburg. Band 3: Von der badischen Herrschaft bis zur Gegenwart. Stuttgart 2001, ISBN 3-8062-1635-5. S. 359. Damit musste die Stadt durch den Bau von Schutzräumen und -bunkern ohne finanzielle Mittel des Reiches für einen ausreichenden Schutz der Bevölkerung sorgen. Selbst als verstärkt Luftangriffe auf nahegelegene Städte erfolgten, blieb die Hoffnung bestehen, im Bombenkrieg verschont zu bleiben, denn Freiburg stand in den Ziellisten der Alliierten nur an untergeordneter Stelle.

Im Herbst 1943 warfen die Alliierten in Norddeutschland Flugblätter ab, wonach Obdachlose aus dem Reichsgebiet in der Stadt willkommen seien. Ziel war es, eine Flüchtlingsbewegung nach Südbaden auszulösen. Die Propagandaaktion blieb ohne Folgen.Heiko Haumann, Hans Schadek (Hrsg.): Geschichte der Stadt Freiburg. Band 3: Von der badischen Herrschaft bis zur Gegenwart. Stuttgart 2001, ISBN 3-8062-1635-5, S. 360

Angriffe Datum des AngriffesWalter Vetter (Hrsg.): Freiburg in Trümmern 1944–1952. Rombach, Freiburg. S. 171: „nach einer während des Krieges angefertigten Aufstellung mit geschätzten Zahlen.“ Landesverein Badische Heimat e. V. und Stadt Freiburg i. Br. (Hrsg.): Dem Vergessen entreissen. Gedenkbuch zum 70. Jahrestag der Bombardierung Freiburgs am 27. November 1944. Rombach, Freiburg 2014, ISBN 978-3-7930-5118-3, S. 73 f. Uhrzeit/Beginn Anzahl abgeworfener Bomben Opfer Anmerkung 10. Mai 1940 16.00 – 16.40 Uhr 69 57 irrtümlicher deutscher Angriff 3. Oktober 1943 0.30 – 0.40 Uhr 6 12 britischer Angriff 7. Oktober 1943 23.35 – 23.40 Uhr 7 2 britischer Angriff 9. September 1944 12.00 Uhr – – amerikanischer Tieffliegerangriff nur mit Bordwaffeneinsatz 10. September 1944 13.55 Uhr – – amerikanischer Tieffliegerangriff nur mit Bordwaffeneinsatz 12. September 1944 16.45 Uhr 2 - Angriff auf die Höllentalbahn 29. September 1944 16.10 Uhr – 3 Angriff auf Sonderzug im Mooswald, nur Bordwaffeneinsatz 7. Oktober 1944 7.50 Uhr – – amerikanischer Angriff nur mit Bordwaffeneinsatz 8. Oktober 1944 11.42 Uhr – – nur Bordwaffeneinsatz 3. November 1944 13.38 – 13.43 Uhr – 16 amerikanischer Angriff auf Flugplatz und Güterbahnhof 4. November 1944 15.30 Uhr 21 – Angriff mit Sprengbomben 21. November 1944 15.12 Uhr 15 1 amerikanischer Angriff auf Haslach 27. November 1944 19.58 – 20.21 Uhr 14525Diese Zahl basiert auf: Gerd R. Ueberschär: Freiburg im Luftkrieg 1939–1945. Freiburg im Breisgau/München, 1990. S. 242. ISBN 3-87640-332-4. Bei Walter Vetter findet sich eine geschätzte Zahl von 50.000 Bomben. 2797 britischer Angriff 2. Dezember 1944 14.20 – 14.30 Uhr 34 21 amerikanischer Angriff v. a. auf die Oberau 3. Dezember 1944 12.28 – 12.35 Uhr 49 1–10 britischer Angriff 17. Dezember 1944 12.00 – 12.30 Uhr 74 13 zwei britische Angriffe 22. Dezember 1944 15.00 – 15.30 Uhr 5 – amerikanischer Angriff 25. Dezember 1944 10.12 – 10.13 Uhr – 1 Bahnhof Littenweiler, nur Bordwaffeneinsatz 29. Dezember 1944 15.35 – 15.40 Uhr 13 – Treffer Güterbahnlinie 30. Dezember 1944 9.57 – 14.10 Uhr 47 1 Bomben und Bordwaffeneinsatz 1. Januar 1945 14.02 Uhr 32 1 britischer Angriff 4. Januar 1945 13.35 Uhr 10 – Bombardierung Hauptbahnlinie 15. Januar 1945 12.20 – 12.40 Uhr 59 3 amerikanischer Angriff 28. Januar 1945 – – – amerikanischer Angriff mit Bordwaffeneinsatz 29. Januar 1945 – – – amerikanischer Angriff mit Bordwaffeneinsatz 1. Februar 1945 – – – amerikanischer Angriff mit Bordwaffeneinsatz 8. Februar 1945 12.15 – 16.40 Uhr 248 71 mehrere Angriffe 10. Februar 1945 17.00 – 17.25 Uhr 44 8 amerikanischer Angriff auf Wiehre und Unterstadt 13. Februar 1945 14.45 Uhr 1 – amerikanischer Angriff auf den Güterbahnhof 16. Februar 1945 – – – amerikanischer Jagdbomberangriff 18. Februar 1945 14.35 – 14.40 Uhr 18 1 Treffer in Betzenhausen 21. Februar 1945 16.11 Uhr 7 – amerikanischer Angriff auf Brücken 22. Februar 1945 9.32 – 10.05 Uhr 36 22 amerikanischer Angriff 23. Februar 1945 – – – Treffer v. a. in Zähringen 24. Februar 1945 18.06 Uhr 20 6 Treffer v. a. in Zähringen 25. Februar 1945 11.05 – 17.07 Uhr 1024 12 mehrere amerikanische Angriffe 26. Februar 1945 11.01 – 12.27 Uhr 79 – mehrere amerikanische Angriffe 26. Februar 1945 16.12 – 16.48 Uhr – – mehrere amerikanische Angriffe 27. Februar 1945 – – – mehrere amerikanische Angriffe 28. Februar 1945 23.00 – 23.10 Uhr 1861 16 amerikanischer Angriff 1. März 1945 22.30 Uhr – – amerikanischer Angriff 4. März 1945 13.09 – 13.24 Uhr 53 7 Jagdbomberangriff, betroffen Wiehre 13. März 1945 14.05 Uhr 24 – Angriff auf Gleisanlagen 13. März 1945 17.15 Uhr – – Angriff auf St. Georgen 16. März 1945 20.30 – 20.51 Uhr 1801 – britischer Angriff auf Trümmergebiete und Oberau 16. April 1945 – – – letzter Angriff mit Ziel Hauptbahnhof und Stühlinger

Nachdem Freiburg am 10. Mai 1940 irrtümlich von Flugzeugen der deutschen Luftwaffe bombardiert worden war, wobei 57 Menschen getötet wurden, blieb die Stadt bis Oktober 1943 von feindlichen Angriffen verschont.

Ab 3. Oktober 1943 gab es dann erste leichte Bombardements, ebenso am 7. Oktober 1943, als Flugzeuge der United States Army Air Forces (USAAF; 1st Bombardment Division der 8th Air Force) Bahnanlagen der Stadt bombardierten.

Am 1. April 1944 flogen die USAAF einen Angriff auf Ludwigshafen. Die Flugzeuge drehten aber ab, um das geplante Ausweichziel Freiburg zu bombardieren; stattdessen griffen sie jedoch irrtümlich die schweizerische Stadt Schaffhausen an.

Am 3. November 1944 waren der Güterbahnhof sowie der Flugplatz Freiburgs das Ziel von 16 Bombern der 9th Air Force. Am 21. November 1944 erfolgte ein weiterer Angriff.Gerd R. Ueberschär: Freiburg im Luftkrieg 1939–1945. Freiburg im Breisgau / München, 1990. ISBN 3-87640-332-4.

Luftschutzbauwerke Als wirksamster Schutz gegen die Wucht der alliierten Luftangriffe hatten sich betonierte Hochbunker und ausgebaute Felsenstollen bewährt. Ein Runderlass Hitlers und Görings vom 31. Mai 1941 ordnete den verstärkten Ausbau von Hochbunkern bzw. Flaktürmen an. Freiburg besaß jedoch weder die baulichen Möglichkeiten, noch die finanziellen Mittel zur Umsetzung des Erlasses. Es gab keine staatlich gebauten Bunker, lediglich Luftschutzstollen existierten bzw. befanden sich im Ausbau. Die vorhandenen Stollen boten im Jahr 1943 für 3630 der 110.000 damaligen Einwohner der Stadt Platz. Im Ausbau befanden sich Bauwerke für weitere 3000 Personen, von denen allein 1500 in der Grube Schönberg in St. Georgen Schutz finden sollten. Anfang September 1944 gab es Stollenplätze für 4600 Personen. In weiteren teilweise fertiggestellten Stollen sollten insgesamt 8100 Personen Schutz finden. Der Großteil dieser Stollenplätze befand sich in der Schlossbergstraße sowie an der Südseite des Schlossbergs, wo man an der Kartäuserstraße begonnen hatte, Platz für 1600 Personen zu schaffen. Auch wenn die Belegung im Ernstfall hätte erhöht werden können, lagen diese Zahlen weit unter dem Bedarf, was der Lage in anderen Städten des Reichs entsprach. „Einfache“ Luftschutzräume, die vom Reich bzw. von der Stadt eingerichtet worden waren, boten zudem Schutz für weitere 4200 bis 4700 Personen.

Weiteren Schutz sollten Schutz- und Deckungsgräben aus Beton bieten. Deren Bau wurde mit Mitteln unterstützt, die Freiburg durch seine Aufnahme in das Luftschutz-Führerprogramm (Ausweitung) im Frühjahr 1943 vom Reich beanspruchen konnte. Begonnen wurde mit dem Ausheben solcher Gräben bei den Parkanlagen am Hauptbahnhof sowie in der Innenstadt. Im Oktober 1943 waren von insgesamt zwölf geplanten Deckungsgräben aus Beton nur einer beim Zähringer Hof vollendet. Da in Freiburg nur unregelmäßig Einheiten von Wehrmacht und Reichsarbeitsdienst für Baumaßnahmen zur Verfügung standen, schlug der Freiburger Bürgermeister Franz Kerber vor, die Bevölkerung zum Bau heranzuziehen.

Nach einem in der Zeitschrift Der Alemanne am 10. Juni 1944 veröffentlichten Erlass des Freiburger Polizeipräsidenten, der gleichzeitig örtlicher Luftschutzleiter war, sollten „in erster Linie“ Mütter und Kinder Zugang zu diesen Luftschutzbauwerken erhalten. Männern zwischen 16 und 70 Jahren, die nicht krank oder gebrechlich waren, war die Benutzung untersagt. Soweit der Raum ausreichte, war bei einem Fliegerangriff allen Straßenpassanten, auch Männern, der Zutritt gestattet.

Nach Plänen basierend auf Erfahrungen im Zusammenhang mit alliierten Flächenbombardements anderer Großstädte ordnete das Freiburger Hochbauamt im Februar 1944 dringend zusätzliche Durchbrüche von Brandmauern in Kellergeschossen sowie die zügige Untertunnelung von Hofeinfahrten und einzelnen Straßenabschnitten der Altstadt an. Die Mauerdurchbrüche in den Kellern sollten als Notausgänge aus den unterirdischen Luftschutzräumen dienen. Die Mauerdurchbrüche hatte Oberbürgermeister Kerber bereits im Oktober 1943 forciert, nachdem er mit seinen Kollegen aus anderen Städten die Auswirkungen der Luftangriffe auf Mannheim diskutiert hatte. Hierbei ging es besonders um die etwa 34.000 Einwohner der Altstadt. Die neuen Kellerdurchbrüche waren zudem bereits im August 1943 durch das Stellvertretende Generalkommando V. Armeekorps (Wehrkreiskommando V) in Stuttgart befohlen worden. Eine unterirdische Verbindung zwischen Nord- und Südseite der Rathausgasse sollte den freien Ausgang zum Rotteckplatz gewährleisten. Die Stadt beauftragte im Frühjahr 1944 das Bauunternehmen Brenzinger & Cie., die entsprechenden Untertunnelungen auszuführen.

Brandlöschwesen Während es in norddeutschen Städten im Wesentlichen Berufsfeuerwehren gab, bestand in Freiburg, wie auch größtenteils im Rest von Süddeutschland, lediglich eine Freiwillige Feuerwehr. 1938 wurden aus den Berufsfeuerwehren Feuerschutzpolizeieinheiten. In Freiburg gab es als Luftschutzort II. Ordnung keinen Zwang zur Schaffung einer Feuerschutzpolizei. So verblieb der Brandschutz zunächst in den Händen dieser Freiwilligen Feuerwehr. Diese war mit ihren 156 Mann Teil des Sicherheits- und Hilfsdienstes (SHD), der im Alarmfall aus insgesamt 555 Mann bestand und zu dem außerdem Sanitätsdienst, Instandsetzungsdienst, Entgiftungsdienst, Veterinärdienst, Melderdienst und Kraftfahrer gehörten.