Das Martin-Luther-Gymnasium, kurz „MLG“, ist ein allgemeinbildendes Gymnasium in der Lutherstadt Eisleben. Die Schule ist nach dem Kirchenreformator Martin Luther benannt, der in der Stadt geboren wurde und starb.

Geschichte mini|Das 1564 als Gymnasium erbaute Gebäude im Jahr 2015. Es wird 1601 durch Feuer zerstört, 1602 bis 1604 wiederhergestellt und 1886 für das Realprogymnasium ausgebaut

Die Gründung des Gymnasiums geht auf Martin Luther selbst zurück. Kurz vor seinem Tod kehrte der Reformator im Januar 1546 in seine Geburtsstadt zurück, um einen Streit der drei Mansfelder Grafen zu schlichten. Dabei erwirkte er am 16. Februar 1546 den Abschluss des Lutherschen Vertrages, der unter anderem die Gründung einer „führnehmen lateinischen Schule“ vorsah.Friedrich Ellendt 1846, S. 2 ff. Das erste Schulgebäude befand sich im Pfarrhaus der St. Andreaskirche.

Gymnasium unter Kursachsen und Westphalen 1780 ist für das Gymnasium das Jahr einer Wende. Fürst Heinrich Paul Franz II. zu Fondi und Graf von Mansfeld, stirbt. Als noch im gleichen Jahr sein Sohn Josef Wenzel Nepomuk, 4. Fürst von Mansfeld aus dem Hause Vorderort-Bornstedt, mit einer Kutsche tödlich verunglückt, stirbt das Mansfelder Grafenhaus in männlicher Linie aus. Die Grafschaft fällt an die beiden Lehnsherren, den Kurfürsten von Sachsen und den Kurfürsten von Brandenburg (als Nachfolger der Erzbischöfe von Magdeburg). Eisleben verliert seinen Status als „Hauptstadt eines eigenen kleinen Staates“. Viele vornehme und reiche Familien verlassen Eisleben.Friedrich Ellendt 1846, S. 226. Die Leitung des Gymnasiums geht auf Kursachsen über. Das Patronat wird im Namen des Kurfürsten vom Kirchenrat in Dresden ausgeübt. Die restriktive Mittelvergabe der neuen Aufsichtsbehörde wirkt sich finanziell nachteilig auf die Schule aus.

1780, dem „Schicksalsjahr“ für Eisleben, wird mit Christian David Jani ein hochgeschätzter Philologe und Pädagoge, Konrektor des Königlichen Pädagogium in Halle, noch von Fürst Heinrich Paul Franz II. zum Rektor des Gymnasiums berufen. Unter seinem Rektorat steigt die Anzahl der Schüler zu einer im 18. Jahrhundert nicht erreichten Höhe an; bereits 1783 sind es mit 185 Schülern 40 Schüler mehr als bei seinem Dienstantritt. 1783 tritt Friedrich Koenig, der spätere Buchdrucker, Unternehmer und Erfinder der Buchdruckschnellpresse, achtjährig in die Quita ein, 1790 Friedrich von Hardenberg (Novalis), der spätere Schriftsteller und Philosoph, achtzehnjährig in die Prima.Johannes Gutbier 1958, S. 17 und S. 251.

Am 12. März 1808 werden die Untertanen des sächsischen Teils der Grafschaft Mansfeld ihres Eides entbunden und müssen dem westphälischen König Hieronymus Napoleon (Jérôme Bonaparte) huldigen. Die Lehrer sind nicht länger von Einquartierungen befreit und leiden unter den Quartierkosten. Besonders 1813 fordern zuerst die Franzosen, später die Kosaken bzw. Russen hohe „Beisteuern“. Nach der Völkerschlacht bei Leipzig im Jahr 1813 löst sich das Königreich Westphalen auf. 1814 zählt die Schule weniger als 100 Schüler.Friedrich Ellendt 1846, S. 232.

Königliches Gymnasium zu Eisleben Nachdem die ehemalige Grafschaft Mansfeld 1815 als Resultat des Wiener Kongresses in das Königreich Preußen eingegliedert worden war, erhält das Gymnasium den Namen „Königliches Gymnasium zu Eisleben“. Die Humboldtsche Schulreform wirkt sich in den folgenden Jahrzehnten vorteilhaft aus. Neu sind Abiturprüfungen und verbesserte Lehrpläne. Die Ausbildung wird breiter gefächert und zielt nicht mehr vorrangig auf ein Studium der Theologie oder der Jurisprudenz hin.

mini|Titelblatt der „Jubelschrift“ von 1846 1819 wird der klassische Philologe Karl Wilhelm Siebdrat Direktor des Gymnasiums und bleibt es bis zu seinem Tod 1835. Seine Nachfolge tritt Friedrich Ellendt an, ebenfalls klassischer Philologe, der den Unterricht einschneidend reformiert. Er entwirft einen Lehrplan für alle Klassen und Fächer des Unterrichts, bestimmt die Frequenz der schriftlichen Arbeiten in den Fächern Latein, Griechisch, Deutsch, Französisch und Mathematik, legt einen Lektürekanon und die zu verwendenden Lehrbücher fest und erweitert die Schulbibliothek. Er setzt den Grundsatz durch, dass jedes Unterrichtsfach nur von einem bestimmten Lehrer vertreten wird. 1846 veröffentlicht Ellendt die „Geschichte des Königlichen Gymnasiums zu Eisleben: Eine Jubelschrift zur Feier seines dreihundertjährigen Bestehens“. Die Schrift ist weit mehr als eine „Jubelschrift“. Ellendt schreibt in der „Vorerinnerung“ des Buchs: „Uebrigens hofft der Verfasser, (…) dass sie einen nicht verächtlichen Beitrag zu Geschichte des gelehrten Schulwesens in Deutschland liefern werde, besonders in so fern sich dasselbe auf die Bestrebungen der Reformatoren gründete.“Friedrich Ellendt 1846, S. V. Das ist ihm glänzend gelungen. Ellendt stirbt 1855.

mini|Der 1883 eröffnete Schulneubau am Schlossplatz im Jahr 2015 Von den Lehrern dieser Epoche, die sich über Eisleben hinaus einen Namen gemacht haben, ist vor allem der Mathematik- und Physiklehrer Johann Friedrich Kroll (1795–1873) zu nennen, „ein Zögling des Gymnasiums in Prenzlau und der Universität Berlin, der im Jahr 1821 am Königlichen Gymnasium sein Amt antritt. (…) Ein vielseitig gebildeter Mann, dem an Klarheit der Entwickelung wenig Lehrer gleich kommen dürften und dessen vieljährige Dienstführung ein Segen für die Anstalt ist.“Friedrich Ellendt 1846, S. 272 f. Im Jahr 1837 wird Kroll zum Professor ernannt, 1839 erscheint sein Lehrbuch Grundriß der Mathematik für Gymnasien und andere höhere Lehr-Anstalten. Behandelt werden Arithmetik, Geometrie, Stereometrie, Trigonometrie sowie Kegelschnitte. Es ist seit dem Jahr 2011 als Reproduktion zu erwerben. Kroll ist der Großvater des bekannten klassischen Philologen Wilhelm Kroll, der als Professor an verschiedenen deutschen Universitäten lehrte.

Am 31. Oktober 1883, dem Reformationstag, bezieht das Gymnasium einen Neubau auf dem Gelände des alten Eisleber Schlosses, in dem heute die Grundschule am Schlossplatz untergebracht ist. Es wird eine Festschrift „Symbolae Islebiensis“ herausgegeben mit Beiträgen des Kollegiums und der Beilage von Rothe „Laudes Lutheri“, ein lateinisches Gratulationsgedicht in 147 Hexametern. Zur 400. Wiederkehr von Luthers Geburtstag beteiligt sich die Schule an der allgemeinen Feier der Stadt mit der Weihe von Luthers Standbild auf dem Marktplatz.Johannes Gutbier 1958, S. 26. 1896 erscheint die Festschrift „Geschichte des Königlichen Gymnasiums zu Eisleben von 1846–1895“ von Friedrich Vollheim.

Königliches Schullehrer-Seminar mini|Gebäude des früheren Königlichen Schullehrer-Seminars im Jahr 2015

Ab dem Jahr 1819 geht aus dem Gymnasium schrittweise ein eigenständiges Lehrerseminar, eine Anstalt zur Ausbildung von Volksschullehrern, hervor. Als künftige Lehrer werden bevorzugt diejenigen Schüler ausgewählt, die im Schulchor des Gymnasiums und in den Kirchen die Liturgie singen, bei Begräbnissen und Hochzeiten als Sänger wirken und die Straßen als Kurrende durchziehen. Bereits 1825 wird das Lehrerseminar vom Gymnasium getrennt; die Seminaristen werden der Armenschule in Luthers Geburtshaus („Lutherschule“Nicht zu verwechseln mit dem „Luthergymnasium“ ab 1907) überwiesen.Johannes Gutbier 1958, S. 19. Nach Anfängen mit 12 bis 15 Seminaristen wird es im Jahr 1838 zum Hauptseminar, zum „Königlichen Schullehrer-Seminar“, erhoben und erhält 1842 ein eigenes Schulgebäude. Insbesondere nachdem im Jahr 1868 das zweite Seminargebäude bezogen wird, steigt die Anzahl der Schüler erheblich. Bis zur Jahrhundertwende 1900 werden in Eisleben fast 1400 Lehrer am Königlichen Schullehrer-Seminar ausgebildet. Im Jahr 1911 wird für das Lehrerseminar ein repräsentativer Neubau am Scherbelberg eingeweiht. Die Neuregelung des Lehrerausbildungswesens nach dem Ersten Weltkrieg beeinflusst entscheidend das Seminar; ab 1920 werden keine Schüler mehr aufgenommen und durch Erlass vom 7. Oktober 1924 werden die Lehrerseminare in Preußen aufgelöst. Die in Eisleben noch bestehenden Kurse laufen mit der Abschlussprüfung 1926 aus.

Oberrealschule mini|Blick zur Geschwister-Scholl-Schule, die 1909 als Oberrealschule eingeweiht wird

1870 wird mit der Städtischen Realschule eine weitere höhere Schule neben Gymnasium und Lehrerseminar gegründet, die bis zum Jahr 1887 zu einer neunstufigen Schule ausgebaut wird. Sie wird zur Oberrealschule und zieht 1909 in einen architektonisch bemerkenswerten Neubau am Stadtgraben ein. In diesem Gebäude befindet sich heute die Grundschule Geschwister Scholl. Ab 1910 werden die Schüler der Oberrealschule bis zur Reifeprüfung geführt.

Luthergymnasium mini|Postkarte, die das 1911 erbaute Gebäudes des Lehrerseminars am Scherbelberg zeigt, in das die Staatliche Lutherschule 1929 einzieht

Den Antrag des Gymnasiums, sich künftig „Luthergymnasium“ nennen zu dürfen, genehmigt der preußische Kultusminister im Jahr 1907. Einen Neubau erhält 1910/1911 auch das Lehrerseminar. Mit Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 melden sich insbesondere Lehrer des Gymnasiums freiwillig zum Kriegsdienst, unter ihnen der Direktor Schenck. Gymnasiasten, die sich freiwillig zu Waffendienst oder zur Krankenpflege melden, erhalten ein „Notabitur“. Über 200 ehemalige Schüler verlieren an den Fronten ihr Leben. Nach Kriegsende werden für die Kriegsteilnehmer besondere Bestimmungen an der Schule erlassen, „die sie in ihrer geistigen Weiterbildung fördern sollen“.

Durch Erlass von 1924 genehmigt das Ministerium, dass das Luthergymnasium ab Ostern 1924 stufenweise mit der Sexta beginnend in ein Reformreal-Gymnasium mit Englisch als erster Fremdsprache umgestaltet wird. Diese Umstellung wirkt sich auf die Schülerzahl günstig aus. Von Ostern 1924 steigt die Anzahl der Schüler von 128 vor Abschluss des Schuljahres auf 145.Johannes Gutbier 1958, S. 54.

Staatliche Lutherschule 1929 werden Luthergymnasium und Oberrealschule (nach erbittertem Streit) zur „Staatlichen Lutherschule“ vereinigt. Somit ist das heutige Martin-Luther-Gymnasium ein Nachfolger beider Schulen. Nach diesem Zusammenschluss zieht die lokal Jahrzehnte als „StaaLu“ bezeichnete Schule in das Haus des ehemaligen Lehrerseminars am Scherbelberg ein.In der Schulchronik von 1995 wird vom „ehemaligen Lehrerseminar“ geschrieben. Es muss also zwischen den Neubau für das Lehrerseminar 1911 und 1929 aufgelöst worden sein. Damit beginnt eine neue Etappe der Schulgeschichte. Neben der Fortführung der Tradition des klassisch-humanistischen Gymnasiums wird der mathematisch-naturwissenschaftliche Unterricht intensiviert. 1931 erscheint eine Schrift über die Geschichte des Gymnasiums. Die nationalsozialistische Herrschaft von 1933 bis 1945 indoktriniert Lehrer und Schüler. Bereits am 11. November 1933 wird der verdienstvolle Oberstudiendirektor Theodor Ebert (1881–1944), Direktor der Schule nach der Vereinigung von Luthergymnasium und Reformrealgymnasium und zuvor seit 1918 sowohl Direktor des Lehrerseminars als auch der Oberrealschule, nach § 5,1 des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums beurlaubt.Johannes Gutbier 1958, S. 135. Es sind die Namen von über 240 ehemaligen Schülern bekannt, die im Zweiten Weltkrieg starben, nicht bekannt ist dagegen die Anzahl der Vermissten und nach dem Krieg in Lagern Umgekommenen.Siegfried Hauptvogel (Red.) 1995, S. 19.

Martin-Luther-Oberschule mini|Inschriften über dem Eingang