Herzlake ist eine Mitgliedsgemeinde der Samtgemeinde Herzlake im Landkreis Emsland in Niedersachsen.

Geografie Lage Herzlake liegt nur etwas nordwestlich der Ankumer Höhe am Fluss Hase, zwischen Haselünne und Löningen. Östlich des Orts endet das Hase-Binnendelta mit der Vereinigung der Großen Hase und des Hahnenmoorkanals als Verlängerung der Kleinen Hase; westlich von ihm mündet die Südradde in die Hase.

Gemeindegliederung

links|140px Bookhof Felsen Herzlake mit Bakerde Neuenlande Westrum

Oberflächengewässer, Moore und andere Feuchtgebiete Das Gemeindegebiet von Herzlake gehört hydrologisch zum Einzugsgebiet der Hase und damit zum Flusssystem der Ems.

Zentrales Oberflächengewässer ist die Hase, ein Nebenfluss der Ems, der das Gebiet von Osten nach Westen durchfließt. Sie ist von Bedeutung für den regionalen Wasserabfluss, den Sedimenttransport sowie für Feuchtgebiets- und Vernetzungsstrukturen. Östlich des Ortsgebiets endet das Hase-Binnendelta mit der Vereinigung von Großer Hase und Hahnenmoorkanal, westlich davon mündet die etwa 30 km lange Südradde als rechter Zufluss in die Hase. Ergänzt wird das Gewässernetz durch zahlreiche kleinere Gräben und Bäche im flach reliefierten Emsland.

Ein bedeutendes künstliches Gewässer ist der rund 16 km lange Hahnenmoorkanal, der die Kleine Hase mit der Großen Hase verbindet und maßgeblich der Entwässerung des Hahnenmoors dient.

Das südöstlich von Herzlake gelegene Hahnenmoor stellt das größte Moorgebiet der Gemeinde dar. Es umfasst insgesamt über 1000 ha, davon etwa 400 ha im Gemeindegebiet, und ist als Naturschutzgebiet ausgewiesen (NSG WE 054) sowie Teil eines FFH-Gebiets. Das Moor besteht überwiegend aus Hochmoorflächen mit kleineren Anteilen von Nieder- und Übergangsmoor. Charakteristisch sind hohe Grundwasserstände und Staunässe. Nach früheren Eingriffen durch Torfabbau werden Renaturierungs- und Wiedervernässungsmaßnahmen durchgeführt. Im weiteren Umfeld bestehen weitere Moorreste und feuchte Grünlandflächen, die hydrologisch mit dem Hahnenmoor und der Hase verbunden sind.

Die hydrologischen und ökologischen Herausforderungen von Herzlake resultieren vor allem aus früheren Gewässerausbauten und dem historischen Torfabbau. Die Hase wurde technisch verändert, wodurch natürliche Auenstrukturen und ökologische Funktionen eingeschränkt wurden. Renaturierungsmaßnahmen sollen den ökologischen Zustand verbessern. Im Hahnenmoor führte die Entwässerung durch Torfabbau zu erheblichen Eingriffen in den Wasserhaushalt, denen heute Wiedervernässungs- und Schutzmaßnahmen entgegenwirken. Zusätzlich beeinflussen klimatische Veränderungen mit längeren Trockenphasen die Stabilität von Moor- und Gewässerökosystemen.

Untergrundverhältnisse Herzlake liegt geologisch im Norddeutschen Flachland als Teil der Norddeutschen Tiefebene. Der Untergrund besteht überwiegend aus jungquartären Sedimenten, die während der Eiszeiten und in der Nacheiszeit abgelagert wurden und vor allem aus Sanden, Kiesen und Schluffen bestehen. Die flache, gesteinsarme Landschaft ist durch glaziale Schmelzwassersedimente, fluviatile Ablagerungen sowie holozäne Moorbildungen geprägt. Torf- und Moorböden stellen insbesondere im Bereich des Hahnenmoors ein charakteristisches geologisches Element dar.

Die hydrogeologischen Verhältnisse entsprechen denen des Emslands und sind durch poröse Sand- und Kiesablagerungen gekennzeichnet, die als leistungsfähige Grundwasserleiter fungieren. Das Grundwasser liegt meist mehrere Meter unter der Geländeoberfläche, während tiefere Grundwasserleiter sich bis in größere Tiefen erstrecken und potenziell für die Trinkwassernutzung geeignet sind. Die Lockergesteine begünstigen eine hohe Grundwasserneubildung, bieten jedoch nur einen geringen natürlichen Schutz gegenüber oberflächennahen Einträgen.

Klima In Herzlake herrscht ein durch feuchte Nordwestwinde von der Nordsee beeinflusstes gemäßigtes Seeklima mit milden Wintern, warmen Sommern und ganzjährig gleichmäßig verteilten, mäßigen Niederschlägen. Die Sommer sind häufig trocken und sonnig, während im Winter gelegentlich Schnee fällt.

2023 betrug die durchschnittliche Temperatur 11,2 °C. Sie ist tendenziell steigend. Sie betrug in den letzten zehn Jahren durchschnittlich 10,6 °C und in den letzten 100 Jahren waren es durchschnittlich 9,2 °C. Zwischen Mai und August kann mit durchschnittlich 20–25 Sommertagen (klimatologische Bezeichnung für Tage, an denen die Maximaltemperatur 25 °C übersteigt) gerechnet werden. Es gibt je nach Messmethode und Definition durchschnittlich etwa 1627–2275 Sonnenstunden pro Jahr. Es fällt jährlich ca. 700 mm Niederschlag.

Geschichte mini|hochkant|Hase unterhalb der Fußgänger- und Radfahrerbrücke zum Ortskern; an ihrem Ufer die Statue des Heiligen Nepomuk 1965 entstand aus den Gemeinden Herzlake, Bookhof, Felsen, Neuenlande und Westrum die damalige „Samtgemeinde Herzlake und Umgebung“, heute Gemeinde Herzlake. Seit 1974, mit Entstehung der heutigen Samtgemeinde Herzlake, befindet sich hier der Verwaltungssitz. Herzlake ist zentraler Schulstandort mit zwei Grundschulen sowie einer Oberschule. Auf einer Fläche von 49,77 km² lebten 2023 4944 Einwohner.

In germanischer Zeit gab es eine Siedlung an der Stelle, an der heute Herzlake liegt. Um 990 wurde Herzlake erstmals urkundlich erwähnt. Im Verlauf der Geschichte entwickelte sich der Ort, zwischen zwei Geestrücken an der Hase gelegen, zu einem wichtigen Brückenort, durch den der alte, bedeutende Handelsweg Flandern-Hamburg-Dänemark (Flämische Straße) führte, die heutige E 233 (B 213).

Im Mittelalter war Herzlake mit seiner Pfarrkirche Verwaltungsmittelpunkt des Kirchspiels. Zu diesem Kirchspiel gehörten der Ort und die Bauerschaft Herzlake sowie die Bauerschaften Bakerde, Bookhof/Jödenstraße, Felsen, Neuenlande, Groß Dohren, Klein Dohren, Westrum und ein Teil von Lewinghausen und Düenkamp. Die beiden letztgenannten Orte hatten bis ins 19. Jahrhundert eine mittelalterliche Struktur, wobei einige Bauernhöfe zum Kirchspiel Löningen und andere (die meisten) zu Herzlake gehörten. Nach dem Wiener Kongress erhob das Herzogtum Oldenburg Anspruch auf die vollständige Verwaltung beider Bauerschaften. Durch einen Staatsvertrag zwischen dem Großherzogtum Oldenburg und dem Königreich Hannover von 1863 wurden die Orte gebietsmäßig vollständig Oldenburg zugeschlagen.

1820 verlor Herzlake die kommunalrechtliche Zuständigkeit für die Bauerschaften seines Kirchspieles. Sie wurden selbständige kommunale Körperschaften. Kirchlich gehörten sie jedoch nach wie vor zu Herzlake. Schon vereinzelt im 18., verstärkt aber im 19. und zu Anfang des 20. Jahrhunderts bemühten sich die Gemeinden Groß Dohren, Klein Dohren und Westrum um kirchliche Selbständigkeit. Es entstanden Kapellen in Westrum und Klein Dohren (für ganz Dohren). Während die Bemühungen für Westrum letztlich erfolglos blieben, wurde 1910 Dohren selbständige Kirchengemeinde für die Dörfer Klein und Groß Dohren.

mini|Hahnenmoorkanal bei Aselage östlich der Landstraße Herzlake–Berge 1920 wurde der Gutsbezirk Aselage, der bisher zum Landkreis Bersenbrück gehörte, dem Kreis Meppen angegliedert. Er wurde Teil des Dorfes Westrum und gehört damit seit dieser Zeit kirchlich zu Herzlake. Anzumerken ist hier, dass sich auch schon im 19. Jahrhundert viele Einwohner von Aselage zur Kirche von Herzlake hingezogen fühlten. So ließen z. B. viele ihre Kinder in Herzlake taufen und nicht in Berge, wozu Aselage damals noch gehörte.

1894 erfolgte der Bau der Meppen-Haselünner Eisenbahn (MHE) bis Haselünne, der Anschluss an Herzlake wurde 1902 fertiggestellt, die Verbindung zur Großherzoglich-Oldenburgischen Eisenbahn erfolgte 1907. Für den Raum Herzlake öffnete sich damit ein „Tor zur Welt“. Heute dient diese Strecke nicht mehr dem fahrplanmäßigen Personentransport, sondern dem Frachtverkehr und mit der Museumseisenbahn dem Fremdenverkehr. In dem restaurierten Bahnhofsgebäude befindet sich heute der „Kulturbahnhof“.

Auf dem rechten Haseufer liegt östlich von Herzlake an einem leicht nach Süden geneigten Hang ein vermutlich aus der Bronze- und/oder vorrömischen Eisenzeit stammendes Gräberfeld, die „Kanonenberge“. 18 Grabhügel, in denen wahrscheinlich eine dörfliche Gemeinschaft mehrerer bäuerlicher Familien ihre Verstorbenen beigesetzt hat, sind noch vorhanden.

Eine weitere Sehenswürdigkeit ist die ca. 700 Jahre alte St.-Nikolaus-Kirche in der Mitte des Ortes. Hier befindet sich ein monumentaler Taufstein aus dem 12. Jahrhundert, geschaffen aus Bentheimer Sandstein. Sehenswert ist auch der Brunnen auf dem „Neuen Markt“, der am 1. März 1990 im Rahmen des 1000-jährigen Jubiläums Herzlakes enthüllt wurde. Die sechs Wasserspeier erinnern an die sechs Dörfer, die sich zur Gemeinde Herzlake zusammengeschlossen haben.

In Bookhof befindet sich die alte Schule der Ortsteile Bookhof, Felsen und Neuenlande. Sie wurden 1784 erstmals erwähnt. Ältestes Gebäude auf diesem Gelände ist die Schule mit einem Glockenturm von 1863. 1963 entstand auf gleichem Areal die heutige vierklassige Grundschule.

Westrum, früher Westreim genannt, wurde erstmals um 947 erwähnt.

mini|hochkant|Windmühle Aselage In Aselage selbst befindet sich die restaurierte Erdholländerwindmühle, unmittelbar am Hotel „Aselager Mühle“.

Die heute noch als Wallanlage erkennbare Aseburg bzw. ihr Wirtschaftshof findet erstmals 1074 Erwähnung. Die aus Haupt- und Vorburg bestehende, von Gräben und Erdwällen umgebene und auf einer Halbinsel an der Hase angelegte Wehranlage war eine Herrenburg aus dem 9./10. Jahrhundert.

An der Grenze zwischen dem ehemaligen Königreich Hannover und Oldenburg (jetzt Gemeindegrenze Düenkamp-Westrum bis zur Holter Mühle) befindet sich noch eine Reihe von Grenzsteinen (kegelförmig ca. 2,00 m Durchmesser und nummeriert).

1809 wurde in Aselage mit einem Kostenaufwand von 2500 Reichstalern eine Kornwindmühle gebaut. Der Gutsherr Johann Rudolf Lehmkuhl hatte nach kurzer Zeit große Mühe, die Zahlungen an den Landdrosten zu leisten, da 1815 in einer Entfernung von einer Stunde drei neue Windmühlen (Felsen, Huckelrieden und Evenkamp) gebaut wurden. Um 1860 wurde die Aselager Mühle abgebrochen und nach Andorf verkauft. Am jetzigen Standort baute 1860 der Mühlenbauer Dierkes aus Hüven eine Erdholländerwindmühle mit Steert. Diese Mühlen wurden bis Mitte des 19. Jahrhunderts vom Gutsherrn in Aselage selbst genutzt und von einem Müllerknecht besorgt. Ab 1931 holte der Pächter Bernhard Sanders mit dem „Püttwagen“ das Mahlgut von den Kunden u. a. aus der Siedlung Hahnenmoor, überwiegend zum Zwecke der Schwarzbrotbäckerei. Es wurde Brotroggen gegen Schwarzbrot (20–25 Pfund) eins zu eins getauscht. Im November 1941 beschädigte ein Orkan die Windmühle so schwer, dass sie außer Betrieb gesetzt werden musste. Die Flügel wurden nach Huckelrieden verkauft und dort in die Schutenmühle eingebaut, das Mühlengebäude verfiel zur Ruine. Die Schwarzbrotbäckerei wurde im Handbetrieb fortgesetzt. 1967 wurde das heutige Hotel gebaut, die Windmühle wurde restauriert.

Eingemeindungen 1964 wurde die Nachbargemeinde Bakerde eingegliedert. Am 1. März 1974 kamen im Zuge der niedersächsischen Gemeindereform die Gemeinden Bookhof, Felsen, Neuenlande und Westrum hinzu.

Politik Gemeinderat Der Gemeinderat hat 15 gewählte Mitglieder. Die Ratsmitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Die allgemeine Wahlperiode beginnt am 1. November nach der letzten Wahl und endet nach fünf Jahren zum 31. Oktober.§47 NKomVG-Wahlperiode +SitzverteilungPartei20262021201620112006 CDU11111198 SPD33211 Einzel11 – –1 UWG –255Einzelbewerber 2021 und 2026: Ferdinand Busch

Wappen Blasonierung: „Gespalten von Rot und Gold im Wellenschnitt, darin in verwechselten Farben vorn drei Kugeln, hinten eine Hirschstange, beides pfahlweis gestellt.“