Die Rote Liste der Gefährdeten Arten der IUCN 2026 listet 96 Säugetierarten, die seit dem Jahre 1500 ausgestorben oder mutmaßlich ausgestorben sind. Daneben werden zahlreiche Arten in den Kategorien „vom Aussterben bedroht“ (critically endangered) oder „unzureichende Datenlage“ (Data deficient) aufgeführt, die entweder seit Jahrzehnten nicht mehr nachgewiesen wurden oder nur von einem älteren Holotypus bekannt sind. Manche ausgestorbene Taxa sind auch gar nicht in der Roten Liste erfasst.

Den Großteil machen die Nagetiere mit 37 Arten aus, gefolgt von den Beuteltieren mit 24 Arten, den Fledermäusen mit 9 Arten und den Raubtieren mit 6 Arten. In Australien, wo 37 Arten ausgestorben sind, waren die Säugetiere am stärksten von der Aussterbewelle betroffen. Seit die europäischen Siedler im 18. Jahrhundert begannen, das Land zu kolonialisieren, verschwanden nach und nach immer mehr Beuteltiere und Nagetiere, sei es durch Überjagung, Lebensraumverlust oder durch die Einfuhr faunenfremder Beutegreifer wie dem Rotfuchs oder dem Marder, an die sich die endemische Säugetierfauna Australiens nicht schnell genug anpassen konnte. In Tasmanien wurde der Beutelwolf bis zu Beginn der 1930er Jahre als Schädling angesehen. Als man ihn dann unter Schutz stellte, war es bereits zu spät. Das letzte Exemplar starb 1936 im Zoo von Hobart.

In der Karibik, wo 23 Arten ausgestorben sind, waren nicht nur Menschen, verwilderte Katzen und Ratten für das Verschwinden der Nagetiere und Insektenfresser verantwortlich, sondern auch Vulkanausbrüche, wie jener der Montagne Pelée auf Martinique im Jahre 1902. In Südafrika wurden die großen Grasfresser wie das Quagga oder der Blaubock als Konkurrenz für die Viehherden betrachtet und dementsprechend gnadenlos verfolgt. Auch die Beutegreifer wie Atlasbär, Berberlöwe und Kaplöwe wurden als potentielle Gefahr für Menschen und Weidevieh ausgerottet.

In Indonesien und auf den Philippinen gelten viele Nagetiere als Delikatesse. Manche von ihnen, wie die Ilin-Borkenratte sind nur durch den Holotypus bekannt und vermutlich ein Opfer der Überjagung geworden. Auch mehrere Nagetiertaxa auf Inseln konnten keine Verteidigungsstrategien gegen die invasiven Ratten und die mit ihnen eingeschleppten Krankheitserreger entwickeln und verschwanden nach kurzer Zeit aus ihren Lebensräumen. Stellers Seekuh wurde nur kurze Zeit nach ihrer Entdeckung wegen ihres Fleisches und ihrer Haut ausgerottet.

Liste der nach 1500 ausgestorbenen Säugetierarten und -unterarten

Beutelsäuger

Kängurus mini|Östliches Hasenkänguru mini|Östliches Irmawallaby mini|Mondnagelkänguru

Zentralaustralisches Hasenkänguru (Lagorchestes asomatus) (Australien, vermutlich zwischen 1940 und 1960) nur von einem Exemplar aus dem Jahre 1932 bekannt. Östliches Hasenkänguru (Lagorchestes leporides) (Australien, 1890) Östliches Irmawallaby (Macropus greyi) (Australien, 1937) das letzte Exemplar starb 1937 in Gefangenschaft Mondnagelkänguru (Onychogalea lunata) (Australien, 1956)

Rattenkängurus

Arten mini|Nacktbrustkänguru miniatur|Breitkopfkänguru Nullarbor-Bürstenkänguru (Bettongia pusilla) (Australien, Beginn des 19. Jahrhunderts) Diese Art ist nur von subfossilem Knochenmaterial bekannt, sie könnte jedoch bis zu Beginn der Kolonialisierung Australiens durch die Europäer überlebt haben. Nacktbrustkänguru (Caloprymnus campestris) (Australien, 1935) Breitkopfkänguru (Potorous platyops) (Australien, 1875) Die letzten fünf Exemplare wurden 1875 gesammelt und an das National Museum in Victoria verkauft. Wüsten-Bürstenrattenkänguru (Bettongia anhydra) (Australien, 1930er Jahre) Nur von einem 1933 entdeckten Schädel und von einem weiteren subfossilen Schädel bekannt. Östliches Bürstenschwanz-Rattenkänguru (Bettongia penicillata) (südöstliches Australien, 1930er Jahre) Der letzte Nachweis war im Jahre 1932. Bettongia haoucharae ist nur durch subfossiles Knochenmaterial bekannt und kam in der südwestaustralischen Nullarbor-Ebene und in der Großen Victoria-Wüste vor.

Nasenbeutler miniatur|Stützbeutler miniatur|Kleiner Kaninchennasenbeutler Stützbeutler (Chaeropus ecaudatus) (Australien, zwischen 1920 und 1930) der letzte bestätigte Nachweis stammt aus dem Jahre 1901. Nach Berichten der Aborigines verschwanden die Tiere zwischen 1920 und 1930. Nördlicher Stützbeutler (Chaeropus yirratji) (Australien) unbestätigte Beobachtungen der Aborigines gab es bis in die 1950er-Jahre. Kleiner Kaninchennasenbeutler (Macrotis leucura) (Australien, 1967) Das letzte lebende Exemplar wurde 1931 gesichtet. Die letzten Knochen wurden 1967 im Gewölle eines Keilschwanzadlers entdeckt. Wüsten-Langnasenbeutler (Perameles eremiana) (Australien, 1960er-Jahre) das letzte Exemplar wurde 1943 gesammelt. Vermutlich hat die Art bis in die 1960er-Jahre überlebt. Nullarbor-Langnasenbeutler (Perameles papillon) (Australien, 1940er-Jahre) wurde in den 1940er Jahren durch Füchse ausgerottet. Südlicher Langnasenbeutler (Perameles notina) (Australien, 1857) Südwestlicher Langnasenbeutler (Perameles myosuros) (King George, Australien, 1910) Westlicher Langnasenbeutler (Perameles fasciata) (Australien, Mitte des 19. Jahrhunderts) Ceram-Nasenbeutler (Rhynchomeles prattorum) (Seram, 1920er-Jahre) nur durch sieben Exemplare bekannt, die 1920 gesammelt wurden.

Raubbeutler miniatur|Dasycercus cristicauda Dasycercus archeri ist von zwölf lebenden Exemplaren bekannt, die zwischen 1920 und 1925 in Südaustralien gesammelt wurden. Dasycercus cristicauda wurde 1867 zuletzt gesichtet. Dasycercus marlowi nur ein einziges lebendes Exemplar ist bekannt, das 1965 gefangen wurde. Dasycercus woolleyae wurde 1962 zuletzt gesichtet.

Thylacinidae miniatur|Beutelwolf Beutelwolf (Thylacinus cynocephalus) nach jahrzehntelanger gnadenloser Bejagung starb das letzte nachgewiesene Exemplar 1936 im Zoo von Hobart.

Insektenfresser miniatur|Nesophontes edithae

Karibische Spitzmäuse Die gesamte Familie ist nach 1500 ausgestorben. Zu ihr zählten die folgenden Arten:

Puerto-Rico-Karibikspitzmaus (Nesophontes edithae) (Puerto Rico, nach 1500) nur durch subfossiles Material bekannt, das auf die Zeit zwischen 991 und 1153 n. Chr. datiert ist. Jedoch ist es möglich, dass diese Art erst in post-kolumbischer Zeit durch Ratten ausgerottet wurde. Cayman-Karibikspitzmaus (Nesophontes hemicingulus) (Grand Cayman und Cayman Brac, um 1700) Atalaya-Karibikspitzmaus (Nesophontes hypomicrus) (Hispaniola, nach 1500) durch subfossiles Material bekannt, das in Verbindung mit Rattenknochen gefunden wurde. Dies könnte ein Indiz dafür sein, dass diese Art bis zur europäischen Besiedelung Hispaniolas in post-kolumbischer Zeit überlebt hat. Große Kuba-Karibikspitzmaus (Nesophontes major) (Kuba, nach 1500) durch subfossiles Material bekannt, das in Verbindung mit Rattenknochen gefunden wurde. Dies könnte ein Indiz dafür sein, dass diese Art bis zur europäischen Besiedelung Kubas in post-kolumbischer Zeit überlebt hat. Kleine Kuba-Karibikspitzmaus (Nesophontes micrus) (Kuba, nach 1500) durch subfossiles Material bekannt, das in Verbindung mit Rattenknochen gefunden wurde. Dies könnte ein Indiz dafür sein, dass diese Art bis zur europäischen Besiedelung Kubas in post-kolumbischer Zeit überlebt hat. Saint-Michel-Karibikspitzmaus (Nesophontes paramicrus) (Hispaniola, nach 1500) durch subfossiles Material bekannt, das in Verbindung mit Rattenknochen gefunden wurde. Dies könnte ein Indiz dafür sein, dass diese Art bis zur europäischen Besiedelung Hispaniolas in post-kolumbischer Zeit überlebt hat. Haiti-Karibikspitzmaus (Nesophontes zamicrus) (Hispaniola, nach 1500) durch subfossiles Material bekannt, das in Verbindung mit Rattenknochen gefunden wurde. Dies könnte ein Indiz dafür sein, dass diese Art bis zur europäischen Besiedelung Hispaniolas in post-kolumbischer Zeit überlebt hat.

Schlitzrüssler Marcano-Schlitzrüssler (Solenodon marcanoi) (Hispaniola, nach 1500) nur durch subfossiles Material bekannt, das in Verbindung mit Rattenknochen gefunden wurde. Dies könnte ein Indiz dafür sein, dass die Art bis zur Besiedelung Hispaniolas durch die Europäer überlebt hat.

Spitzmäuse Arten Weihnachtsinsel-Spitzmaus (Crocidura trichura) (Weihnachtsinsel, Australien, Ende der 1990er-Jahre?) galt bereits um 1908 als ausgestorben, bis die Art im Jahre 1985 kurzfristig wiederentdeckt wurde. Intensive Suchen seit den 2000er-Jahren sind bisher fehlgeschlagen. Alaska-Wasserspitzmaus (Sorex alaskanus) (Point Gustavus, Bartlett Cove, Glacier Bay, Alaska, 1970er-Jahre?) nur von zwei männlichen Exemplaren aus dem Jahre 1899 und einem weiteren Männchen aus dem Jahre 1970 bekannt. Sherman-Kurzschwanzspitzmaus (Blarina shermani) (Lee County, Florida, 1955) Ursprünglich als Unterart der Südlichen Kurzschwanzspitzmaus (Blarina carolinensis) betrachtet. Nur von 27 Exemplaren bekannt, die 1954 gesammelt wurden.

Tenrekartige

Goldmulle Visagies Goldmull (Chrysochloris visagiei) (Nördliche Kapprovinz, Südafrika) Nur vom Holotypus aus dem Jahre 1949 bekannt.

Fledertiere

Flughunde Guam-Flughund (Pteropus tokudae) (Guam, 1968 oder 1974) das letzte Exemplar wurde 1968 erlegt. Eine unbestätigte Sichtung soll es 1974 gegeben haben. Kleiner Maskarenen-Flughund (Pteropus subniger) (Réunion und Mauritius, 1864) das letzte Exemplar wurde 1864 auf Mauritius gesammelt. Kleiner Palau-Flughund (Pteropus pilosus) (Palau-Inseln, Karolinen, 1874) nur vom Typusmaterial aus dem Jahre 1874 bekannt. Percy-Island-Flughund (Pteropus brunneus) (Percy Island, Australien, 1859) nur vom Holotypus aus dem Jahre 1859 bekannt. Kleiner Samoa-Flughund (Pteropus allenorum) (Upolu, Samoa, 1856) nur von einem Museumsexemplar bekannt, das erst 2009 wissenschaftlich beschrieben wurde. Großer Samoa-Flughund (Pteropus coxi) (Samoa, 1840) nur von einem Museumsexemplar bekannt, das erst 2009 wissenschaftlich beschrieben wurde. Berg-Affengesichtflughund (Pteralopex pulchra) (Guadalcanal, Salomonen, 1990er-Jahre?) nur vom Holotypus bekannt, der 1990 gesammelt wurde. Aru-Flughund (Pteropus aruensis) (Aru-Inseln, Indonesien, 1990er-Jahre?) der letzte bestätigte Nachweis war vor 1867. Ein zahnloser Kiefer, der zu dieser Art gehören könnte, wurde im Jahr 1992 gefunden.

Neuseelandfledermäuse Große Neuseelandfledermaus (Mystacina robusta) (Stewart Island, Big South Cape und Solomon, Südinsel Neuseeland, 1967) bis 1967 in den letzten Refugien durch Ratten ausgerottet.

Glattnasen Weihnachtsinsel-Zwergfledermaus (Pipistrellus murrayi) (Weihnachtsinsel, Australien, 2009) 2008 wurden nur noch 20 Exemplare gezählt. Bei einer intensiven Suche im Jahre 2009 wurde kein Exemplar mehr nachgewiesen. Sturdee-Zwergfledermaus (Pipistrellus sturdeei) (Ogasawara-Inseln, Ende des 19. Jahrhunderts) Nur vom Holotypus bekannt, der Ende des 19. Jahrhunderts gesammelt wurde. Lord-Howe-Großohrfledermaus (Nyctophilus howensis) (Lord-Howe-Insel, 1889) subfossil von einem Schädel bekannt, der 1973 beschrieben wurde. Daneben existiert ein Reisebericht von Robert Etheridge aus dem Jahre 1889, in dem eine Fledermaus erwähnt wird, die größer ist als Chalinolobus morio. Samoa-Wasserfledermaus (Myotis insularum) (Samoa, 1870er-Jahre) zweifelhafte Art, die nur vom Holotypus bekannt geworden ist, der vor 1878 gesammelt wurde. Singapur-Bartfledermaus (Kerivoula oreias) (Singapur, vor 1840?) nur vom zerstörten Holotypus bekannt, der 1840 beschrieben wurde. Düstere Röhrennase (Murina tenebrosa) (Tsushima, Japan 1960er-Jahre) nur vom Holotypus aus dem Jahr 1962 bekannt.

Hufeisennasen Mitra-Hufeisennase (Rhinolophus mitratus) (Bihar, Indien, 1844) Zweifelhafte Art. Nur vom Holotypus aus dem Jahr 1844 bekannt.

Incertae sedis Boryptera alba (Réunion, 1801) Zweifelhafte Art, nur von einem Reisebericht aus dem Jahre 1801 bekannt.

Primaten Palaeopropithecidae Faultiermaki (Palaeopropithecus ingens) (Madagaskar, um 1620) nur durch subfossiles Knochenmaterial bekannt, könnte bis ins 17. Jahrhundert überlebt haben.