The Guardian [] ist eine britische Tageszeitung. Das Blatt ist die wichtigste britische Zeitung im linksliberalen Spektrum.So die von der Bundeszentrale für politische Bildung – bpb herausgegebene Eurotopics im September 2023.

Die Zeitung wurde 1821 in Manchester gegründet und erschien bis 1959 als The Manchester Guardian. Das Blatt wird von der Guardian News & Media Ltd. veröffentlicht, deren Eigentümer die Scott Trust Ltd. ist, die als Stiftung das Hauptziel verfolgt, seine journalistische und finanzielle Unabhängigkeit zu sichern. Von 1993 bis 2025 war auch die Sonntagszeitung The Observer Teil der Guardian Ltd. Der Hauptsitz befindet sich heute im Londoner Stadtteil King’s Cross.

Der kostenfreie und durch ein freiwilliges Unterstützermodell finanzierte Internetauftritt des Guardian gilt als erfolgreiche Pionierleistung. Am 30. Mai 2015 übernahm Katharine Viner die Chefredaktion von Alan Rusbridger.Alan Rusbridger: ‘Farewell, readers’: Alan Rusbridger on leaving the Guardian after two decades at the helm. In: The Guardian. 29. Mai 2015.

Der Guardian wurde für seine journalistische Arbeit mehrfach ausgezeichnet und gehört zu den am häufigsten prämierten Zeitungen Großbritanniens.

Eigentümerstruktur Im Jahr 1936 übertrug John Russell Scott, der damalige Eigentümer des damals genannten Manchester Guardian, die Anteile seiner Familie an der Zeitung an eine Gruppe von Treuhändern. Der Scott Trust wurde Eigentümer der Zeitung und schuf damit die unabhängige Eigentümerstruktur, die den Guardian bis heute prägt.Informationen auf guardianoftheearth.org, abgerufen am 1. November 2025

Diese unabhängige Eigentümerstruktur besteht aus drei wichtigen Organisationen: Der Scott Trust, alleiniger Anteilseigner der Guardian Media Group. Der Zweck des Trusts besteht darin, die finanzielle und redaktionelle Unabhängigkeit des Guardian auf Dauer zu sichern. Der Scott Trust Endowment, ein Fonds, der nach dem Verkauf von Vermögenswerten aufgebaut wurde und dessen Hauptzweck darin besteht, Investitionen zu tätigen, um finanzielle Erträge zu erzielen, mit denen der Journalismus des Guardian auf Dauer unterstützt werden kann. Die Guardian Media Group, Eigentümerin von Guardian News & Media (GNM) und Herausgeberin der Zeitung und Website des Guardian.

Profil

Der Guardian wurde im Umfeld des Little Circle, einer Gruppe als nonkonformistisch geltender Unternehmer und Sozialreformer, gegründet.Ayerst: The Guardian. 1971, S. 471. Politisch vertritt der Guardian traditionell eine linksliberale Position, im Gegensatz zu den meisten anderen britischen Tageszeitungen, die eher konservativ ausgerichtet sind. Die Zielgruppe der Zeitung sind insbesondere die „linksliberalen, progressiven, intellektuellen Großstädter […] Akademiker, Kulturschaffenden und Studenten“. Im englischsprachigen Raum ist für Angehörige dieser Bevölkerungsschicht, einer neuen Mittelklasse, auch der (eher abwertend verwendete) Begriff Guardianistas verbreitet.

Im Mai 2019 wurde ein geänderter House Style Guide veröffentlicht, der neue verschärfte Sprachregelungen für die umweltbezogene Berichterstattung vorsieht. Statt Climate Change (Klimawandel) sollen beispielsweise Climate emergency, crisis or breakdown (Klima-Notfall, -krise oder -zusammenbruch) verwendet werden. Laut Chefredakteurin Katharine Viner soll dieser Schreibstil sicherstellen, dass die Umweltbelange wissenschaftlich präzise kommuniziert werden. Mit der Verschärfung folgte man den Klimawissenschaftlern und verschiedenen UN-Organisationen, die ihre Ausdrucksweise ebenfalls verschärft hätten. Dabei wird auch auf kurz zuvor getätigte Aussagen von Greta Thunberg Bezug genommen.Damian Carrington: Why the Guardian is changing the language it uses about the environment, Artikel in The Guardian vom 17. Mai 2019, in englischer Sprache, zuletzt abgerufen am 18. Mai 2019.

Die verkaufte Auflage sank von 360.000 Exemplaren im ersten Halbjahr 2003 auf 158.000 im zweiten Halbjahr 2016, ein Minus von 56,1 Prozent.Circulation of The Guardian in the United Kingdom (UK) from 1st half 2003 to 2nd half 2016 (in 1,000 copies) statista.com Im April 2019 betrug sie 134.570 Exemplare, womit der Guardian hinter den beiden anderen überregionalen Tageszeitungen The Daily Telegraph (335.740 Exemplare) und The Times (406.280 Exemplare) lag.Circulation of newspapers in the United Kingdom (UK) as of April 2019 (in 1,000 copies) statista.com

Für das Geschäftsberichtsjahr vom April 2018 bis April 2019 hatte die Guardian News & Media (GNM), zu der der Guardian und der Observer gehören, trotz branchenunüblichem Verzicht auf eine Paywall ein Resultat von 800.000 Pfund im Plus vermeldet. Das war ein Umschwung nach Jahren mit roten Zahlen.Guardian records first operating profit since 1998. BBC vom 1. Mai 2019, abgerufen am 30. September 2020. Im gleichen Zeitraum hatte die GNM Gesamteinnahmen in Höhe von 223 Millionen Pfund erwirtschaftet. Dabei hatte Printwerbung lediglich acht Prozent der Erlöse beigetragen, 55 Prozent der Einnahmen kamen aus dem Digitalen.Want to see what one digital future for newspapers looks like? Look at The Guardian, which isn’t losing money anymore, Branchenportal Nieman Lab vom 1. Mai 2019, abgerufen am 30. September 2020.

Die Leserzufriedenheit ist hoch, das zeigt eine große, weiter wachsende Zahl an freiwilligen Spenden sowie ein hoher Anstieg bei Digitalabonnements. In den zwölf Monaten von April 2019 bis April 2020 stiegen die Spenderzahlen um 23 Prozent von 655.000 auf 821.000 Leser. Die Digi-Abos von zwei exklusiven Smartphone- und Tablet-Apps zogen zugleich um 39 Prozent von 191.000 auf 265.000 Nutzer an. In einer Umfrage zur besten Berichterstattung in der Corona-Krise in Großbritannien gaben die britischen Leser The Guardian (25 Prozent) mit Abstand vor The Times (12 %) und dem Daily Telegraph (9 %) den Vorzug.The Guardian: Corona-Krise beschert Boom an Digitalabos und Leserspenden, Meedia vom 30. April 2020, abgerufen am 30. September 2020.News media broadly trusted, views of UK government response to COVID-19 highly polarised, Reuters Institutes for the Study of Journalism vom 28. April 2020, abgerufen am 30. September 2020. Im Geschäftsjahr 2021/22 gab es über eine Million regelmäßig zahlender digitaler Unterstützer (recurring digital supporters).

Im Dezember 2024 erwarb Tortoise Media die Zeitung The Observer von der Scott Trust Limited, die Übergabe erfolgte am 22. April 2025.

Geschichte C. P. Scott C. P. Scott machte den Guardian überregional bekannt. Von 1872 an war er 57 Jahre lang Herausgeber, 1907 wurde er zum Eigentümer der Zeitung. Unter seiner Leitung unterstützte der Guardian William Ewart Gladstone, als sich die Liberalen 1886 aufspalteten, und wandte sich gegen die Volksmeinung, die den Zweiten Burenkrieg befürwortete. Scott unterstützte die Bewegung für das Frauenwahlrecht, lehnte aber militante Aktionen der Suffragetten ab. „Die wirklich groteske Situation ist, dass Herr Lloyd George dafür kämpft, dass sieben Millionen Frauen befreit werden, und gleichzeitig die Militanten verzweifelt versuchen, ihn davon abzuhalten, indem sie die Fenster von unbeteiligten Leuten einwerfen und die Treffen von wohlwollenden Vereinigungen abbrechen.“ Scott glaubte, dass „der Mut und die Hingabe“ der Stimmrechtlerinnen „einen besseren Anlass und eine vernünftigere Führung verdient“ hätten.

Scotts Freundschaft mit dem damals in Manchester tätigen Chemiker und zionistischen Aktivisten Chaim Weizmann ab dem Herbst 1914 (sie waren einander bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung vorgestellt worden) spielte eine Rolle in der Balfour-Deklaration von 1917. Scott ermöglichte Weizmanns Begegnung mit David Lloyd George am 3. Dezember 1914 in London. 1948 unterstützte der Guardian den Staat Israel, nahm später aber eine israelkritische Position im israelisch-palästinensischen Konflikt ein. Daphna Baram erzählt in ihrem Buch Disenchantment: The Guardian and Israel (2004) die Geschichte des Guardian und seiner Beziehung zum Zionismus.

Im Juni 1936 wechselten die Besitzverhältnisse zum Scott Trust (benannt nach dem letzten Eigner, John Russell Scott, der der erste Vorsitzende des Trust wurde). Dieser Wechsel sicherte der Zeitung ihre Unabhängigkeit.

The Guardian Bis 1959 hieß die Zeitung The Manchester Guardian; noch heute wird sie speziell in Nordamerika mit diesem Namen verbunden. 1964 zog die Zeitung nach London um. 1992 übernahm der Guardian die Anteilsmehrheit an der südafrikanischen Wochenzeitung Weekly Mail, die fortan als Weekly Mail & Guardian und seit 1995 als Mail & Guardian erscheint.Drew Forrest: A celebration of 20 exceptional years in journalism. In: Mail & Guardian, 24. November 2005 (englisch), abgerufen am 13. Juli 2013. Am 13. September 2005 wechselte der Guardian vom Broadsheet- zum Berliner Format. Im Juni 2006 wagte die Redaktion unter Chefredakteur Alan Rusbridger den journalistisch ebenso bedeutsamen wie riskanten Schritt, Artikel zuerst im Internet und erst danach in der Printausgabe erscheinen zu lassen. 2009 war die Internetseite des Guardian die sechstgrößte Website aller Tageszeitungen in der Welt und zählte 26 Millionen Nutzer im Monat.

Seit 2009 besteht eine Kooperation mit der deutschsprachigen Wochenzeitung der Freitag. Seit 2011 versucht sich The Guardian an der Form des kollaborativen Journalismus. Durch die Veröffentlichung der Themenliste in einem eigenen Blog erhalten die Leser die Möglichkeit, sich bei den Autoren zu melden, können Informationen abgeben und bei der Recherche mithelfen.

Von 2005 bis 2012 versuchte der Guardian, auf juristischem Weg Einblick in Briefe von Prinz Charles an Ministerien zu bekommen. Kritiker warfen Prinz Charles vor, seine Machtbefugnisse zu überschreiten und mit persönlichen Interventionen seine Ansichten über Ökologie, alternative Medizin und moderne Architektur durchsetzen zu wollen. Im September 2012 gab eine Kammer des britischen Gerichtshofs für Informationsfreiheit diesem Verlangen statt.

Spionageaffäre seit 2013 Ab Mai 2013 veröffentlichte Glenn Greenwald Informationen zu Kommunikations-Überwachungsprogrammen der USA (PRISM) und Großbritanniens (Tempora) und brachte so die Überwachungs- und Spionageaffäre 2013 an die Öffentlichkeit. Im Juni gab sich Edward Snowden als Informant („Whistleblower“) zu erkennen. Am 28. Juni 2013 wurde bekannt, dass die US Army bestimmte Teile der Seite des Guardian in ihren internen Netzen sperrte. Bereits im Dezember 2010 hatte die US Air Force für ihre Mitarbeiter den Zugriff auf die Seite des Guardian sowie die Nachrichtenportale New York Times, Le Monde und Spiegel Online blockiert. Die Soldaten hätten dort Zugang zu den US-Diplomatendepeschen gehabt, die WikiLeaks veröffentlichte. Die Maßnahme wurde in Medien heftig kritisiert.

Der Chefredakteur Alan Rusbridger schrieb am 19. August 2013 in der Zeitung, die britische Regierung habe sein Blatt wegen der Veröffentlichung der Enthüllungen Snowdens stark unter Druck gesetzt. Die Regierung soll mit Klage gegen das Blatt gedroht haben, falls Festplatten mit den Informationen nicht herausgegeben oder vernichtet würden. Schließlich habe man, um einen Rechtsstreit zu vermeiden, der die weitere Berichterstattung über die Affäre möglicherweise auf Monate hinaus verhindert hätte, unter Aufsicht von Agenten des Government Communications Headquarters zwei Festplatten vernichtet.

Zudem war der Ehemann von Glenn Greenwald, David Miranda, auf dem Flughafen London Heathrow fast neun Stunden festgehalten worden. Er hatte für seinen Partner in Berlin recherchiert und war auf dem Weg zu diesem nach Rio de Janeiro; der Guardian hatte den Flug bezahlt. Miranda musste seinen Laptop sowie sein Smartphone den Sicherheitsbehörden übergeben und seine Passwörter preisgeben.