mini|Titelschriftzug der deutschen Erstausgabe aus dem Jahr 1972
Asterix bei den Olympischen Spielen (französischer Originaltitel: ) ist der zwölfte Band der Comic-Reihe Asterix. Wie bei den elf Bänden zuvor stammen die Zeichnungen von Albert Uderzo und die Texte von René Goscinny. Die französische Originalausgabe erschien 1968. Im selben Jahr wurde der Band in Deutschland, aufgeteilt auf mehrere Folgen, in einem Comic-Magazin veröffentlicht. Vier Jahre später erschien die deutschsprachige Übersetzung von Gudrun Penndorf auch als Album.
In dem Band reisen die Männer des gallischen Dorfes nach Griechenland, um die Olympischen Spiele zu besuchen. Asterix und Obelix sollen dort als Athleten an den Spielen teilnehmen. Als sie erfahren, dass die Einnahme kraftsteigernder Mittel verboten ist, ziehen sie Obelix zurück und lassen Asterix ohne den Zaubertrank ihres Druiden starten. Dank einer List gelingt es ihm trotzdem, einen der begehrten Ölzweige zu gewinnen.
Der Band folgt dem humoristischen Stil der Asterix-Reihe. Dazu gehören neben Stilmitteln wie Widersprüchen, Gedankensprüngen und Zweideutigkeiten auch künstlerische und historische Verweise, etwa Latein-Zitate oder die Parodie modernen Liedguts. Auch die stereotype Beschreibung der Griechen als geschäftstüchtig und familiär gut vernetzt entspricht der für die Reihe typischen Reproduktion französischer Klischees über fremde Völker. Daneben parodieren die Autoren moderne Phänomene, etwa den Massentourismus oder das chauvinistische Verhalten von Sportfans.
Auch in ihre Darstellung der Spiele mischen sich zeitgenössische Facetten des Wettkampfsports. So verweist beispielsweise der Umgang mit Doping eher auf sportpolitische Entwicklungen in den 1960er Jahren statt auf antike Realitäten. Trotz dieser vereinzelten Verzerrungen sehen mehrere Geschichtswissenschaftler einen hohen Grad an historischer Authentizität im Comic. Insbesondere die Wiedergabe antiker Architektur wie der Akropolis in Athen und des Heiligtums in Olympia wird positiv hervorgehoben.
2008 erschien ein gleichnamiger Real-Spielfilm, der jedoch nur wenig Gemeinsamkeiten mit den Inhalten des Comics hat.
Handlung Im Römerlager Aquarium in der Nähe des kleinen gallischen Dorfes trainiert der Legionär Musculus für die Teilnahme an den Olympischen Spielen. Als die Gallier davon erfahren, beschließen sie, ebenfalls daran teilzunehmen, denn dank des Zaubertranks ihres Druiden Miraculix sind sie unbesiegbar. Tullius Redeflus, Musculus’ Vorgesetzter, weist sie darauf hin, dass außer Griechen nur Römer an den Spielen teilnehmen dürften. Asterix erinnert seine Landsleute aber daran, dass auch sie seit der Eroberung Galliens Römer seien. Die Gallier wählen daher Asterix und Obelix als Athleten aus; alle anderen Männer des Dorfes brechen mit ihnen nach Griechenland auf, um sie bei den Spielen zu unterstützen. Nach der Ankunft in Griechenland besichtigen die Gallier zunächst Athen und lernen die griechische Küche sowie das Athener Nachtleben kennen.
In Olympia demonstrieren Asterix und Obelix den römischen Athleten die Macht des Zaubertranks. Der Ehrgeiz der Römer erlischt; anstelle des Trainings beginnen sie mit ausgelassenen Gelagen. Durch die dabei verströmten Speisedüfte sind die griechischen Athleten nicht mehr gewillt, spartanisch zu essen. Als Kontrabas, ein Mitglied des olympischen Magistrats, die Römer zur Rede stellt und sie darauf hinweist, dass die Einnahme kraftfördernder Mittel streng verboten ist, beginnen die Römer voller Zuversicht wieder mit dem Training; die Gallier ziehen Obelix, der dank des Konsums von Zaubertrank in seiner Kindheit dauerhaft unbesiegbar ist, als Athleten zurück. Asterix soll das Dorf allein – ohne Zaubertrank – vertreten.
Bei den Wettkämpfen haben weder Asterix noch die Römer gegen die gut trainierten Griechen eine Chance. Um die ausländischen Besucher nicht zu verärgern, kündigt der Olympische Senat einen allein den Römern vorbehaltenen Wettlauf an. Asterix und Miraculix stellen den Römern daraufhin eine Falle, indem sie ihnen indirekt mitteilen, wo der Zaubertrank zu finden ist. Beim Wettlauf siegen alle römischen Läufer; Asterix kommt weit abgeschlagen als Letzter ins Ziel. Miraculix kann jedoch beweisen, dass die Römer Zaubertrank genommen haben. Sie werden disqualifiziert und Asterix gewinnt den Ölzweig.
Beim Festmahl nach der Rückkehr ins gallische Dorf gesteht Asterix dem Druiden, dass er den Ölzweig den Römern überlassen hat. Musculus und sein Vorgesetzter Tullius Redeflus werden von Cäsar für Musculus’ angeblichen Sieg bei den Spielen befördert.
Veröffentlichung und Adaptionen Der Band erschien 1968, im Jahr der Winterspiele von Grenoble und der Sommerspiele in Mexiko. Die Geschichte wurde zuerst als Serie in der französischen Zeitschrift Pilote abgedruckt, vom 15. Februar 1968 (Heft Nr. 434) bis zum 25. Juli 1968 (Heft Nr. 455). Im gleichen Jahr wurde der Band als Album im Verlag Dargaud veröffentlicht.
In Deutschland erschien die Geschichte zunächst 1968 im Magazin MV Comix (Hefte 42 bis 49). Im Jahr der Sommerspiele 1972 in München wurde die Übersetzung von Gudrun Penndorf vom Ehapa Verlag als zwölfter Band der Asterix-Reihe herausgegeben. Der Band erschien unter anderem auch auf Englisch, Spanisch, Türkisch, Altgriechisch, Latein sowie in den Mundarten Hessisch und Steirisch. Zu den Special Olympics World Summer Games 2023 in Berlin brachte der Ehapa Verlag eine Sonderausgabe in Leichter Sprache heraus. Die Zeichnungen blieben unverändert, die Texte der Sprechblasen des Originals wurden verkürzt und sprachlich vereinfacht. Auch auf die eckige Schrift in den Sprechblasen der Griechen wurde verzichtet. Die Auflage von 20.000 Exemplaren wurde vor allem an die Teilnehmenden und die freiwilligen Helfer bei den Spielen verteilt und war schnell vergriffen.
Außerdem erschien zu dem Band ein deutschsprachiges Hörspiel beim Label Karussell auf MC und CD. Wie bei den Hörspielen zu den elf ersten Asterix-Bänden führte Hans Joachim Herwald Regie, Wolf Frass war der Erzähler, Peter Heinrich sprach Asterix und Douglas Welbat übernahm die Rolle des Obelix.
2008 kam die Realverfilmung Asterix bei den Olympischen Spielen in die Kinos, die allerdings nur wenig Gemeinsamkeiten mit den Inhalten des Comics hat. Trotz hoher Produktionskosten wurde sie von Kritikern weitgehend verrissen. Im Zusammenhang mit dem Film erschienen ein Buch im Ehapa Verlag, ein Handyspiel von EA Mobile. sowie ein Videospiel von Atari für PC und diverse Konsolen. Ihr Inhalt bezieht sich auf die Handlung des Films und nicht des Comics.
Anlässlich des Filmstarts erschien der Comic-Band mit einem neuen Cover. Auf dem ursprünglichen Titelbild jubeln Miraculix, Obelix und Idefix dem auf dem Siegertreppchen stehenden Asterix zu. Das neue Titelbild zeigte nun neben den genannten Figuren auch einen wütenden Cäsar, obwohl er im Comic fast keine Rolle spielt; nur im letzten Panel sagt er etwas, ohne gezeigt zu werden. Im Film hat er jedoch eine größere Rolle. 2013 kehrte man wieder zum alten Titelbild zurück, allerdings mit verändertem Schriftbild.
Stil und Verweise
Narrativ und Humor Asterix bei den Olympischen Spielen folgt wie alle Asterix-Comics in seiner Handlung dem Narrativ des Sieges der Kleinen über die Großen bzw. des Einzelnen gegen den Apparat. So besiegen in den Comics die zahlenmäßig unterlegenen Gallier, Briten und Belgier die mächtigen römischen Legionen; das abgelegene Aremorica siegt über das dekadente und romhörige Lutetia. In Olympia siegt der kleine, körperlich eigentlich unterlegene Asterix gegen die großgewachsenen römischen Athleten. Dieses Motiv sieht der Sporthistoriker Andreas Luh als einen wesentlichen Faktor für den weltweiten Erfolg der Reihe, da es länder- und kulturübergreifend nachvollziehbar sei.Andreas Luh: Und Asterix hat doch recht! 2018, S. 71.
Der Philosoph Jeremy Barris hebt hervor, dass der Plot von Asterix bei den Olympischen Spielen sich dadurch auszeichne, die Asterix-Welt auf den Kopf zu stellen. Die Gallier – eigentlich immer darauf bedacht, den römischen Eindringlingen Widerstand zu leisten – geben sich in diesem Band begeistert als römische Bürger aus, um an den Spielen teilnehmen zu dürfen. Der gallische Zaubertrank, der sonst stets gegen die Römer eingesetzt wird, hilft ihnen hier, einen vermeintlichen Sieg gegen Asterix zu erringen. Diese Tatsache kommentiert Asterix selbst während des Rennens mit „Hier steht die ganze Welt Kopf!“. Barris zitiert die französische Ausgabe sowie die englische, die von Anthea Bell und Derek Hockridge übersetzt wurde. Das Ende des Comics ist auch ungewöhnlich. Statt dem klassischen Festmahl im gallischen Dorf zeigt das letzte Panel die zufriedenen und triumphierenden Gegner der Gallier.Jeremy Barris: Asterix, Carnival, and the Wonder of Everyday Life. 2017, S. 113–114.
Der Humor von Asterix bei den Olympischen Spielen ist laut Barris „charmant albern“ und „unprätentiös“ und folge damit dem Stil der Asterix-Reihe.Jeremy Barris: Asterix, Carnival, and the Wonder of Everyday Life. 2017, S. 105. Als vorherrschende humoristische Stilmittel identifiziert er Widersprüche, Gedankensprünge (non sequiturs), Zweideutigkeiten, begriffliche Verwirrungen und Zirkelschlüsse.Jeremy Barris: Asterix, Carnival, and the Wonder of Everyday Life. 2017, S. 114. Ein Beispiel für einen eindeutigen Widerspruch ist die Reaktion des römischen Zenturios Tullius Redeflus auf die Erkenntnis, dass die Gallier sich bei den Spielen als Römer ausgeben werden. Auf dem Weg zurück in das Römerlager sagt er empört zu sich selbst: „So ist das! Erst bekämpft man die Leute, überfällt sie, metzelt sie nieder, besetzt sie, und dann drehen sie ohne jeden Grund den Spieß um!“ Barris zitiert die englische Ausgabe, die von Anthea Bell und Derek Hockridge übersetzt wurde. Offensichtlich gute Gründe, sich gegen die Römer aufzulehnen, werden als ungültig abqualifiziert. Für den Altphilologen Jaap Toorenaar ist dies nicht nur das schönste Zitat des Comics, sondern gehört auch zu den witzigsten römischen Aussagen der gesamten Asterix-Reihe.Jaap Toorenaar: Asterix, die fröhliche Wissenschaft. 2012, S. 58, 60.