Business ethics oder Geschäftsethik bezeichnet die unternehmerische oder organisationsbezogene Wirtschaftsethik, die vor allem in den USA seit den 1970er-Jahren entwickelt wird. Als angewandte Ethik stützt sie sich auf die allgemeine Ethik, vor allem die Tugendethik und die Gerechtigkeitstheorien. Dabei bilden die philosophische Strömung des amerikanischen Pragmatismus und der an den Konsequenzen des Handelns orientierte Utilitarismus eine starke Hintergrundüberzeugung. Viele Ansätze haben keine einheitliche Normenbegründung, sondern greifen eklektisch auf die vorherrschenden Argumente zurück.Siehe die umfangreiche Vergleichsstudie von Bettina Palazzo: Interkulturelle Unternehmensethik. Deutsche und amerikanische Modelle im Vergleich, Gabler, Wiesbaden 2000

Praxisorientierung Das Schrifttum zu Business ethics versteht sich häufig als Handreichung für das praktische Leben und ist oftmals appellativ. So führt die 1987 gegründete Fachzeitschrift „Business Ethics“ den Untertitel: „The Magazine of Corporate Responsibility“ [Magazin für Verantwortung von Organisationen].Online-Zeitschrift „Business Ethics“ Ein bekanntes Lehrbuch über Business ethics zählt acht Gründe für die Bedeutung des Fachs und die Auseinandersetzung mit ihm auf: Durch den zunehmenden Einfluss der Wirtschaft auf das moderne Leben fühlen sich viele Menschen verunsichert. Business ethics kann helfen, das zu verstehen und wie man mit der Situation umgehen kann. Unternehmerische Tätigkeit ermöglicht die Herstellung von Gütern und Dienstleistungen, bringt Beschäftigung, zahlt Steuern und ist der Antrieb wirtschaftlicher Entwicklung. Ob und wie diese Leistung erbracht wird, kann aber signifikante ethische Themen berühren, die an die Grundfesten der Gesellschaft gehen. Wirtschaftsethisches Fehlverhalten kann erhebliche Schäden bei Einzelnen, Gemeinschaften oder in der Umwelt anrichten. Durch ein besseres Verständnis der Gründe und Konsequenzen solchen Fehlverhaltens kann Business ethics zur Verbesserung der „Conditio humana“ beitragen. Die Anforderungen der vielfältigen Stakeholder an unternehmerische Tätigkeit wird ständig komplexer und herausfordernder. Business ethics ermöglicht, diese Herausforderungen besser anzuerkennen und zu verstehen und auf die Erwartungen effektiver zu reagieren. Business ethics fehlt häufig in der formalen Ausbildung der Manager. Durch entsprechendes Wissen und Werkzeuge können Manager ethische Probleme und Dilemmata besser identifizieren, diagnostizieren, analysieren und lösen. Aufgrund von Leistungsdruck kommt es in der Praxis immer wieder zu Verstößen gegen Ethik und Gesetze. Business ethics hilft die Gründe zu verstehen und gibt Anleitung, damit umzugehen und das Verhalten zu verbessern. Mit Business ethics kann man den Nutzen und die Probleme alternativer Vorgehensweisen besser bewerten. Über die praktische Anwendung im eigentlichen Gegenstandsbereich hinaus vermittelt Business ethics ein besseres Allgemeinverständnis für die moderne Gesellschaft und Fähigkeiten, mit Problemen auch in anderen Lebenssituationen besser umzugehen.

Corporate Social Responsibility (CSR)

Ausgangspunkt für eine eigenständige Rolle von Business ethics war die Zuweisung gesellschaftlicher Verantwortung an die Unternehmen. David Burch verweist auf eine frühe Schrift von Peter F. Drucker (The Concept of the Corporation, 1946), in der dieser die Auffassung vertrat, dass Unternehmen vor allem in der Massenproduktion nicht nur eine technische, sondern auch eine soziale Verantwortung für ihre Mitarbeiter haben.David Birch: . In: Journal of New Business Ideas and Trends 2003 1(1), pp 1-19 Richard T. De George sieht die Anfänge einer Diskussion über die Ethik in der Wirtschaft in den Zeiten der Studentenbewegung und der Bürgerrechtsbewegung in den 1960er-Jahren.Richard T. De George: Unternehmensethik aus amerikanischer Sicht, in: Hans Lenk, Matthias Maring (Hrsg.): Wirtschaft und Ethik, Reclam, Stuttgart 1992, 301-316, 304 Als wissenschaftliche Disziplin etablierte sich das Fach in den 1970er-Jahren parallel zu der intensiven Diskussion über John Rawls’ Theorie der Gerechtigkeit.

An der Diskussion um die soziale Verantwortung von Unternehmen beteiligte sich 1970 Milton Friedman mit einem Artikel in der New York Times, der die provokative Überschrift trug: „Die soziale Verantwortung von Unternehmen ist die Steigerung ihrer Gewinne.“Milton Friedman: The Social Responsibility of Business is to Increase Its Profits., The New York Times Magazine 13. September 1970 Dies ist ursprünglich eine These von Friedman auf der Münchner Tagung der Mont-Pèlerin-Gesellschaft 1970.Auf Deutsch erschienen in: Blick durch die Wirtschaft, vom 2. Dezember 1976 unter dem Titel: Was heißt hier eigentlich soziale Verantwortung?, siehe: Andres Suchanek: Gewinnmaximierung als soziale Verantwortung von Unternehmen?, in: Ingo Pies, Martin Leschke (Hrsg.): Milton Friedmans ökonomischer Liberalismus, Mohr Siebeck, Tübingen 2004, 105-124 Friedman vertrat die These, dass moralische Verantwortung nur bei natürlichen Personen liegen könne, dass Manager ausschließlich ihren Anteilseigner verantwortlich seien, und dass die Behandlung sozialer Themen und Probleme Aufgabe des Staates und nicht von Unternehmensführern sei. Manager sind die Treuhänder von Investoren, die ihr Geld anlegen, um Gewinne zu erzielen. Die Gegenthese verweist darauf, dass Unternehmen eine eigene Rechtspersönlichkeit haben und unabhängig davon agieren, wer Anteilseigner oder Mitarbeiter des Unternehmens ist. Als Organisation haben sie eine von Personen unabhängige Entscheidungsstruktur und ebenso eine personenunabhängige Unternehmenskultur. Insbesondere spricht für die gesellschaftliche Verantwortung, dass Unternehmen mit ihrem Handeln auf die Gesellschaft wirken (zum Beispiel mit Umweltbelastungen) Macht haben, mit der sie verantwortungsvoll umgehen müssen mit ihren Leistungen direkt auf die Gesellschaft wirken (Produkte, Beschäftigung) Beziehungen zu einer Reihe von Stakeholdern haben, mit denen wechselseitige Abhängigkeiten bestehen.Andrew Crane, Dirk Matten: business ethics, OUP, 2. überarbeitete Aufl. 2007, 44-48

Vier-Stufen-Pyramide Zur Abgrenzung des Umfangs von CSR hat Archie Carroll eine vierstufige Pyramide vorgeschlagen. Danach kann man geschäftliche, rechtliche, ethische und philanthropische Verantwortung eines Unternehmens unterscheiden.Archie B. Carroll: The Pyramid of Corporate Social Responsibility. Toward the Moral Management of Organizational Stakeholders, Business Horizons, July/August 1991, 39-48 Be profitable (Sei profitabel): Die grundlegende Verantwortung eines Unternehmens ist es, seinen Geschäftszweck zu erfüllen, Gewinne zu maximieren, eine gute Wettbewerbsposition zu erreichen und sein Bestehen langfristig zu sichern. Obey the law (Halte dich an das Gesetz): Es gehört zur Verantwortung eines Unternehmens, dass es sowohl hinsichtlich seiner Produkte als auch seiner Prozesse seinen gesetzlichen Verpflichtungen nachkommt. Be ethical (Handle ethisch korrekt): Ein wichtiger Teil der Unternehmensverantwortung ist es, dass es im Rahmen seiner Tätigkeit nicht gegen die moralischen und ethischen Erwartungen der Gesellschaft verstößt. Be a good corporate citizen (Sei philanthropisch): Ein Unternehmen nimmt weiterhin seine Verantwortung wahr, wenn es freiwillig gemeinnützige Zwecke in den Bereichen Kultur, Bildung und Wohlfahrt der Gesellschaft unterstützt.

Stakeholder Management Eine weitere Fortentwicklung für das Feld der Business ethics entstand durch den ursprünglich als Konzeption für das strategische Management von Unternehmen gedachten Ansatz des Stakeholder Management von R. Edward Freeman, der darauf verwies, dass das Management eines Unternehmens nur erfolgreich sein kann, wenn es auch die Einflüsse der verschiedenen Anspruchsgruppen (Stakeholder) aus seinem Umfeld angemessen berücksichtigt. Als Stakeholder bezeichnete er Gruppen oder Einzelpersonen, die das Erreichen der Ziele einer Organisation beeinflussen oder von diesen beeinflusst werden (können).R. Edward Freeman: Strategic management: a stakeholder approach, Pitman, Boston/Mass. 1984, 52; Ähnlich in: Archie B. Carroll, Ann K. Buchholtz: Business and Society: Ethics and Stakeholder Management, Cengage Learning, 7. Aufl. Mason/OH 2008, 84 Den Anspruch der Stakeholder begründete Freeman mit dem Kategorischen Imperativ, wonach niemand bloß als Mittel, sondern stets auch als Zweck zu behandeln ist.William M. Evans und R. Edward Freeman: A Stakeholder Theory of the Modern Corporation: Kantian Capitalism, in: Tom L. Beauchamp und Norman E. Bowie (Hrsg.): Ethical Theory and Business, Prentice-Hall, Englewood-Cliffs 1988, 97-106, 97 Daraus ergibt sich, dass der Zweck eines Unternehmens nicht nur im Gewinnprinzip liegt. Vielmehr dient es als „Vehikel zur Koordination der Stakeholder-Interessen“, die durch das Bestehen des Unternehmens Vorteile erlangen.William M. Evans und R. Edward Freeman: A Stakeholder Theory of the Modern Corporation: Kantian Capitalism, in: Tom L. Beauchamp und Norman E. Bowie (Hrsg.): Ethical Theory and Business, Prentice-Hall, Englewood-Cliffs 1988, 97-106, 103-104 Der Stakeholder-Ansatz stellt sich damit in Gegensatz zum Shareholder-value-Konzept, nach dem der Unternehmenszweck vor allem auf die Interessen der Anteilseigner durch Gewinnmaximierung ausgerichtet ist. „Ein am Wohlergehen seiner Stakeholder interessiertes Unternehmen ist dagegen durch das gerechte Abwägen und Berücksichtigung der Interessen aller Stakeholder gekennzeichnet und integriert dadurch die finanziellen, politischen, ökologischen und moralischen Faktoren wirtschaftlichen Handelns.“Bettina Palazzo: Interkulturelle Unternehmensethik. Deutsche und amerikanische Modelle im Vergleich, Gabler, Wiesbaden 2000, 59 Aus dieser veränderten Zweckbestimmung ergibt sich die Forderung nach der Einrichtung von Management-Instrumenten, um mit den Stakeholdern in einen Dialog zu treten.

Geht man vom Begriff „stake“ (Anteil, Einsatz) aus, umfasst der Begriff Stakeholder die Parteien, die in ein Unternehmen investiert haben. Hier werden dann nur Eigenkapital- und Fremdkapitalgeber sowie Mitarbeiter, die ihr Humankapital in das Unternehmen eingebracht haben, erfasst. Etwas weiter wird der Begriffsumfang, wenn man alle die erfasst, die mit dem Unternehmen durch Vertrag unmittelbar verbunden sind. Hier kommen zusätzlich Lieferanten und Kunden in den Blick. Erst mit der erweiterten Bestimmung, dass als Stakeholder jeder gilt, der einen begründeten Anspruch an das Unternehmen hat, erfasst man die Regierung, Gemeinden, Verbände, Gewerkschaften und andere mehr. Insbesondere kommen dann auch die Personen in den Blick, die durch externe Effekte aus der Unternehmenstätigkeit beeinflusst sind. Im Grenzbereich liegen zum Beispiel Bürgerinitiativen, Medien, Kirchen, Umwelt- und Tierschützer.Elisabeth Göbel: Unternehmensethik, Lucius & Lucius, Stuttgart 2006, 113-115 Mit dem weit gefassten Stakeholder-Begriff ergibt sich das äußerst schwierige Unterfangen, die unterschiedlichen Interessen und normativen Vorstellungen einzelner Stakeholder in Einklang zu bringen. Aus normativer Sicht gibt das Stakeholderkonzept keinen Anhalt zur Lösung von Dilemmata.Bettina Palazzo: Interkulturelle Unternehmensethik. Deutsche und amerikanische Modelle im Vergleich, Gabler, Wiesbaden 2000, 65 Managern kommt daher die Aufgabe der pragmatischen Gewichtung ihrer Entscheidungen zu, wobei die Gefahr von Opportunismus und ethischem Relativismus nicht unerheblich ist.