Der Karlsruher Fußball-Verein e. V., kurz Karlsruher FV oder nur KFV, ist ein Sportverein aus der Stadt Karlsruhe in Baden-Württemberg. Er wurde am 17. November 1891 von Walther Bensemann gegründet, ist der älteste noch bestehende Fußballverein Süddeutschlands und zählt zu den 86 an der Gründungsversammlung des Deutschen Fußball-Bunds beteiligten Vereinen.

Bekannt wurde der KFV durch seine Erfolge vor dem Ersten Weltkrieg, als dieser zu den Spitzenmannschaften des deutschen Fußballs zählte. Er wurde achtmal Süddeutscher Meister, zweimal Deutscher Vizemeister (1905 und 1912) und einmal Deutscher Meister (1910). Mehrere Spieler kamen für die deutsche Fußballnationalmannschaft zum Einsatz, darunter die beiden einzigen deutschen Nationalspieler jüdischen Glaubens, Julius Hirsch und Gottfried Fuchs.

Zu den vielen ehemaligen Abteilungen zählen vor allem Leichtathletik, Handball und Tennis. Bis zum Zweiten Weltkrieg feierten auch die Leichtathleten mehrere nationale Meistertitel, darunter die spätere Olympiasiegerin von 1928 Lina Radke-Batschauer.

Nach einer sehr wechselhaften Geschichte musste 2004 aus finanziellen Gründen der Spielbetrieb vorübergehend eingestellt und das seit 1905 bestehende Stadion aufgegeben werden. 2007 konnte ein Neuanfang in der untersten Spielklasse des Badischen Fußballverbandes gestartet werden und seit 2026 spielt der KFV wieder auf einem eigenen Platz im Karlsruher Stadtteil Grünwinkel.

Geschichte 1889 bis 1893: Vom International Football-Club zum Karlsruher Fußball-Verein 1889 zog der 16-jährige Walther Bensemann nach Karlsruhe, nachdem seine Eltern aus Berlin in die badische Landeshauptstadt gekommen waren. Zuvor war Bensemann Schüler einer Schweizer Privatschule in Montreux gewesen, wo er mit dem englischen Fußballsport erstmals in Berührung kam und mit Schulfreunden den Footballclub Montreux gründete.

Bensemann schilderte sein erstes Wirken um den Fußball in Karlsruhe später wie folgt:

Der International Football-Club (IFC), den Bensemann schließlich am 16. September 1889 gründete, war der erste Fußballverein in Süddeutschland, der nach Association-Regeln spielte. Allmählich entstanden im noch jungen Verein persönliche Spannungen zwischen Walther Bensemann und einigen anderen IFC-Mitgliedern. Näheres ist jedoch nicht bekannt.

Bensemann trat schließlich mit seinen engsten Getreuen aus, um einen neuen Verein zu gründen. Am 17. November 1891Festschrift zum 30-jährigen des Karlsruher FV. Zusammengestellt und bearbeitet von Jörg H. Nagel. Chronik 1921, S. 6. kamen sie mittags auf dem Engländerplatz zusammen. Im bewussten Gegensatz zum International Football-Club gaben sie dem neuen Klub den schlichten, deutschen Namen „Karlsruher Fußball-Verein“ und wählten die Vereinsfarben hellblau und weiß. Da Bälle und Torstangen dem Verein bereits gestiftet wurden, begannen sie sofort mit dem Training. Gegen den zunächst einzigen verfügbaren Gegner, dem International FC, mit dem sie sich zuvor über die Nutzung des Engländerplatzes einigten, wurde im März 1892 das erste Spiel des neu gegründeten KFV ausgetragen.Ein Stück deutscher Fußballgeschichte – 125 Jahre KFV. Karlsruher Fußballverein, 2016, S. 19.

KFV – International FC Karlsruhe 0:1 KFV: von Schleinitz, König, Stutz, Pfeiffer, Walther Bensemann, Ernst Langer, Roth, Werner, Helbing, Zimmer, Fritz Langer. Kleiner Exerzierplatz (später Engländerplatz), Karlsruhe.

Im September des gleichen Jahres eröffnete der KFV mit 25 bis 30 Aktiven und einer Jugendmannschaft die Spielzeit 1892/93. Das erste Spiel mit einem auswärtigen Kontrahenten wurde am 14. September gegen den FC Baden-Baden ausgetragen (8:0). Bei einem seiner ersten Auswärtsspiele der Vereinsgeschichte schlug der KFV die Baden-Badener im Rückspiel mit 3:1. Unter Ernst Langers Spielleitung gewann der KFV drei von sechs Spielen (darunter ein 10:1 gegen eine Auswahl der Süddeutschen Union), zwei Spiele endeten unentschieden, bei einer Niederlage (gegen die mehrheitlich englische Mannschaft des College Heidelberg 0:1) und einem 22:4 Torverhältnis.

1893 bis 1898: Die Karlsruher Kickers und die Meisterschaft des Continents Binnen zweier Jahre wuchs der KFV auf über 100 Mitglieder. Schon bald etablierte sich ein junger Lehramtspraktikant namens August Marx, aus Bensemanns Gymnasium neben dem Engländerplatz, zunehmend als Autorität im noch jungen KFV. Marx fand erstmals mahnende Worte, insbesondere für die – nach seiner Meinung – unsozialen Reisepraktiken der Schülerfußballvereine, welche die Schüler vor Finanzierungsproblemen stellte und die voller Versuchungen steckten. Tatsächlich war es für die KFV-Spieler – trotz der gelegentlichen Unterstützung Bensemanns – „Ehrensache, die Auswärtsfahrten aus eigener Kasse zu bestreiten“. Um 1893 setzte sich Marx im programmatischen Richtungsstreit des KFV schließlich durch und Walther Bensemann verließ erneut einen von ihm gegründeten Verein. Zum zweiten Mal formierte er darauf, diesmal im November 1893Udo Luy: Fußball in Süddeutschland 1889 – 1908, Selbstverlag 2016, S. 18., einen anderen Verein: Die Karlsruher Kickers.

Mit Bensemann traten Dreiviertel der Mitglieder sowie 10 Spieler der ersten Mannschaft, u. a. auch seine Freunde Ernst und Fritz Langer aus dem KFV aus. Nur noch ein Dutzend Spieler hielten dem alten Verein die Treue. Die Kickers in ihren rot-blauen Blusen mit schwarzen Aufschlägen wurden zu einer erfolgreichen Mannschaft und verloren nur ein einziges Mal im ersten Jahr ihres Bestehens (insgesamt wurden 28 Spiele bestritten). Die Mannschaft erlangte schnell einen legendären Ruf in Süddeutschland, was auch daraus ersichtlich wird, dass viele Vereine sich ebenso „Kickers“ oder „Cickers“ nannten. So führten auch die 1899 gegründeten Stuttgarter Kickers ihren Namen auf die Karlsruher Mannschaft zurück.Ein Stück deutscher Fußballgeschichte – 125 Jahre KFV. Karlsruher Fußballverein, 2016, S. 23.

Sowohl die Kickers als auch der KFV waren Mitglied der von 1893 bis 1895 kurzzeitig bestehenden Süddeutschen Fußball-Union. Während der zwei Jahre der Existenz der Union wurden keinerlei Meisterschaftsspiele ausgetragen. Die Kickers waren am 7. April 1894 „wegen grober Verletzung seiner Pflichten“ aus der Union ausgeschlossen worden. Im Mai 1894 zog Walther Bensemann die Konsequenzen aus seinem Streit mit dem Restvorstand und stellte seinen Posten als „Vicepräsident“ zur Verfügung. Es gab nach einer kurzen Phase von Aktivität nur noch Stillstand und Rückschritt, die Union wurde wieder aufgelöst.

mini|Die Kickers und der KFV auf dem Cover der Kicker-Erstausgabe 1920. Die Weigerung, an Wettkampfspielen teilzunehmen, führte den jungen KFV unterdessen fast in den Ruin. 1893 überwinterte der KFV nur mit drei Spielern. Im Frühjahr 1894 vereinigte sich der KFV mit dem International Football-Club von 1889, der ebenfalls fast „pleite machte“. Ein großer Teil der englischen Spieler des IFC schloss sich nun dem KFV an. Der Name „Karlsruher Fußball-Verein“ wurde beibehalten, jedoch die Farben des International FC (rot und schwarz) übernommen. Die schwarz-rote Bluse auf dunklen Hosen wurde erst 1896 zum ersten Mal getragen (im Spiel gegen den 1. FC Pforzheim, 7:2). Das Training leitete von nun an der Engländer Captain R. Cooper, der vorherige Kapitän und hervorragende Halbrechte der „Internationalen“, der in kurzer Zeit die neu formierte KFV-Mannschaft auf „Kombinationsspiel“ drillte, d. h. „Aufgabenteilung innerhalb der Mannschaft, Platzhalten, Stellungsspiel und Ball zuschieben […] Daneben überschätzten die Spieler allerdings die Kunst des Dribbelns“. Aufgrund der anfänglichen Schwierigkeiten wurden 1894 nur fünf Spiele ausgetragen, wovon zwei gewonnen und drei verloren wurden (Torverhältnis 9:11). Im Karlsruher Adressbuch desselben Jahres findet sich nun auch erstmals die Erwähnung des Vereins unter den Namen „Roth R., I. Kapitän“.

Walther Bensemann organisierte 1894 einen von ihm selbst initiierten Wettbewerb um die Meisterschaft des Continents. Geplant waren Spiele für Vereinsmannschaften des europäischen Festlandes. Bekannt sind die Anmeldungen (Stand Mitte März) von den Vereinen Karlsruher FV, Karlsruher Kickers, FC Frankfurt, Grasshopper Club Zürich und Lausanne FC. Der Cannstatter FC verzichtete wegen seines eigenen Stiftungsfestes, später haben auch alle anderen Vereine wieder abgesagt und auf eine Reise nach Karlsruhe verzichtet. Da es weder von den Berliner Vereinen noch von weiteren ausländischen Mannschaften eine Zusage gab, entwickelte sich diese Meisterschaft zu einem Zweikampf der beiden Karlsruher Vereine. Vereinbart wurden zwei Spiele, und da jede Mannschaft ein Spiel gewann, wurde direkt nach dem zweiten Spiel noch ein zusätzliches Entscheidungsspiel ausgetragen.Spiel und Sport (Berlin), diverse Ausgaben Jahrgang 1894, abgerufen am 30. Oktober 2020 auf sammlungen.ulb.uni-muenster.de.

Spiel Datum Vereine Ergebnis Bemerkungen Aufstellung 1 30. März 1894 Kickers – KFV 0:2 (0:1) Tore: Flen, Cooper. Kickers: Strube, Moorman, Hall, E. Schricker, J. Schricker, Roth, Baumstark, F. Langer, E. Langer, Bensemann, ?. KFV: Flen, Cooper, ?. 2 geplant 6. April 1894, verschoben auf 7. April 1894 Kickers – KFV 2:1 Zuschauer: 300 (Engländerplatz). 3 7. April 1894 Kickers – KFV 5:0 Spielzeit 80 Minuten. Kickers: Strube, Grenier, Benz, Moorman, Armes, Langer, E. Schricker, J. Schricker, ?. KFV: Cooper, Grevé, ?.

Die beiden Karlsruher Mannschaften waren 1920 auf dem Cover der ersten Ausgabe des von Walther Bensemann gegründeten Kicker-Sportmagazin abgebildet. Die Kickers lösten sich Ende 1895Udo Luy: Fußball in Süddeutschland 1889 – 1908, Selbstverlag 2016, S. 33. wieder auf und Bensemann und seine Mitspieler kehrten mehrheitlich zum KFV zurück.

1895/96 war es nach einem erneuten Zugewinn an Mitgliedern nun möglich zwei volle Mannschaften zu stellen. Nachdem der KFV seine ersten Krisen überstanden hatte, lief es sportlich nicht gut: Mit einem Rekordergebnis von 0:10 verlor er gegen den Straßburger FV. „Das war ein teures Lehrgeld! […] neues Training begann – es wurde bei jeder Witterung trainiert, was bis dahin nicht geschah“. Eine Generalversammlung wurde unmittelbar einberufen, in der dann der noch recht jugendliche Unterprimaner Rudolf Wetzler zum neuen Spielführer gewählt wurde. Das Training zeigte schnell seine Wirkung: Mit 0:0 endete das Rückspiel gegen Straßburg.

1898 bis 1918: Die erfolgreichen Jahre als Süddeutscher und Deutscher Meister Saisondaten 1898–1918 Saison Spielklasse Platz Tore Punkte 1898 Süddeutsche Endrunde Finale 1898/99 Süddeutsche Endrunde 1. Runde 1899/1900 Süddeutsche Endrunde Finale 1900/01 Süddeutsche Endrunde Sieger 1901/02 Süddeutsche Endrunde Sieger 1902/03 Süddeutsche Endrunde Sieger 1903/04 A-Klasse Mittelbaden 1. 13:1 4-0 1904/05 A-Klasse Mittelbaden 1. 18:4 8-0 1905/06 A-Klasse Mittelbaden disqualifiziert 13:2 7-1 1906/07 A-Klasse Mittelbaden 1. 19:5 9-3 1907/08 A-Klasse Mittelbaden 1. 32:7 13-1 1908/09 A-Klasse Südkreis 4. 51:28 22-14 1909/10 A-Klasse Südkreis 1. 80:12 27-5 1910/11 A-Klasse Südkreis 1. 89:17 33-3 1911/12 Südkreisliga 1. 92:19 35-5 1912/13 Südkreisliga 4. 27:18 15-13 1913/14 Südkreisliga 8. 16:31 7-21 1914/15 kein Spielbetrieb 1915/16 Bezirk Mittelbaden II 1. 69:8 14-2 1916/17 Bezirk Mittelbaden II 3. 24:23 8-8 1917/18 Bezirk Mittelbaden II 4. 21:32 5-11

mini|Die Mannschaft des KFV 1898, v. l. n. r.: Karl Sauter, Wilhelm Langer, Albert Alterheim, Zinser, A. Tafel, Ernst Langer, Friedrich Gutsch, kniend: Fritz Langer und Rudolf Wetzler; davor: Hans Ruzek und Ludwig Heck mini|Die Meistermannschaft des KFV 1910, oben: Ruzek, Förderer, Bosch, Dell, Hüber, Breunig, Trainer Townley;unten: Fuchs, Hollstein, Tscherter, Hirsch, Schwarze