1908 erstellte Eusebius Mandyczewski für den Verlag Breitkopf & Härtel eine Liste der Sinfonien Joseph Haydns, die 104 Werke aufführt. Da von vielen frühen Werken kein Kompositionsdatum bekannt war, hatte Mandyczewski die Nummernfolge nach den Daten, die auf den erhaltenen Quellen notiert oder durch Anschaffungs- und Verkaufskataloge bekannt waren, geordnet. Die Nummerierung spiegelt somit nicht die Entstehung, sondern eher die Verbreitung der Werke wider.Ullrich Scheideler: Sinfonien um 1761–1765. In: Joseph Haydn-Institut Köln (Hrsg.): Joseph Haydn Werke. Reihe I, Band 2. G. Henle-Verlag, München 2012, , Seite VI. 1957 wurde diese Liste von Anthony van Hoboken in sein thematisch-bibliographisches WerkverzeichnisAnthony van Hoboken: Joseph Haydn: thematisch-bibliographisches Werkverzeichnis. Band 1. Schott, Mainz 1957 als Gruppe I übernommen und um vier Werke erweitert: die Sinfonia concertante von 1792 (Hob. I: 105), eine damals noch verschollene Sinfonie in D-Dur (Hob. I: 106) und zwei frühe Sinfonien (Hob. I: 107 und 108). Letztere wurden von Howard Chandler Robbins LandonHoward Chandler Robbins Landon (Hrsg.): Joseph Haydn. Kritische Ausgabe sämtlicher Sinfonien. Philharmonia-Ausgabe. Universal Edition, Wien. in der von ihm herausgegebenen Gesamtausgabe der Sinfonien mit „A“ und „B“ bezeichnet. Für die Sinfonie Nr. 63 griff Haydn teils auf Sätze aus anderen Werken zurück. Von den zunächst bei dieser Sinfonie unterschiedenen und veröffentlichten zwei Versionen wird heute die erste Version als ungültig angesehen. Ihre beiden Schlusssätze sind zusammen mit den ersten beiden Sätzen einer Ouvertüre als eigenständige Sinfonie veröffentlicht.Andreas Friesenhagen, Ulrich Wilker: Sinfonien um 1770–1774. In: Joseph Haydn–Institut Köln (Hrsg.): Joseph Haydn Werke. Reihe I, Band 5b. G. Henle-Verlag, München 2013, , Seite XIII ff.Stephen C. Fischer, Sonja Gerlach: Sinfonien um 1777–1779. In: Joseph Haydn–Institut Köln (Hrsg.): Joseph Haydn Werke. Reihe I, Band 9. G. Henle-Verlag, München 2002, , Seite XIII ff. sowie 272 ff.

Die Haydn-WerkausgabeHeide Volckmar-Waschk, Stephen Fisher: Sinfonien um 1780/81. In: Joseph Haydn-Institut Köln (Hrsg.): Joseph Haydn Werke. Reihe I, Band 10. G. Henle-Verlag, München 2016, . führt auch den Finalsatz D-Dur (Hoboken-Verzeichnis Ia:4) in den Bänden zu den Sinfonien auf. Zu welcher Sinfonie er gehörte, ist unklar (möglicherweise zur Sinfonie 73, siehe dort).

Die Sinfonie Nr. 106 war ursprünglich nur aufgrund der Eintragung der Anfangstakte in Haydns Entwurf-Katalog bekannt. Als eine Abschrift eines D-Dur-Allegros von Haydn wieder aufgefunden wurde, erkannte man darin den Kopfsatz der mutmaßlichen Sinfonie. Aufgrund stilistischer Merkmale vermuteten Haydn-Forscher, dass es sich bei dem Werk um die Ouvertüre zur Oper Le Pescatrici handeln könnte. Diese – möglicherweise im Original dreisätzige – Ouvertüre galt bis dahin als verlorengegangen, vermutlich durch den großen Brand in Eszterháza von 1779.Walter Lessing: Die Sinfonien von Joseph Haydn, dazu: sämtliche Messen. Eine Sendereihe im Südwestfunk Baden-Baden 1987–89. Band 2. Baden-Baden 1989, S. 37.

Die Chronologie der Werkgruppe nach Mandyczewski bzw. nach dem Hoboken-Verzeichnis gilt mittlerweile als überholt; die Hoboken-Zahlen sind dennoch die in Verlags- und CD-Katalogen am weitesten verbreitete Referenzierung von Haydns Sinfonien. Dazu Anton Gabmayer: „Die Beibehaltung der in Literatur und Praxis längst schon etablierten Zählung Hobokens bewahrt damit Haydns umfangreiches Schaffen vor der heillosen Verwirrung, die eintreten müsste, wenn seinen Werken alle paar Jahre neue ‚richtigere‘ Nummern zugewiesen würden.“ Abruf am 9. November 2012.

Einige Werke tragen programmatische Titel – etwa Die Uhr, Der Bär oder mit dem Paukenschlag –, die aber meist nicht von Haydn stammen. Die Gruppe der Sinfonien Nr. 82–87, 1785–1786 komponiert, wird Pariser Sinfoniengleicher Populärname Pariser Sinfonie für die 31. Sinfonie Mozarts genannt. Besonders bekannt sind Haydns letzte Sinfonien (Hob. I: 93–104), die für Londoner Konzerte zwischen 1792 und 1795 geschrieben wurden und darum Londoner Sinfonien genannt werden.

Haydn war wesentlich an der Entwicklung der Formanlage der klassischen Sinfonie – z. B. Viersätzigkeit, Sonatenhauptsatzform – beteiligt.

Liste der Sinfonien Joseph Haydns Hob. Tonart Beiname Entstehungszeit HussZählung nach: Manfred Huss: Joseph Haydn. Klassiker zwischen Barock und Biedermeier. Roetzer, Eisenstadt 1984, ISBN 3-85374-094-4. 1 D-Dur 1757 1 2 C-Dur 1757/59 5 3 G-Dur 1761 19 4 D-Dur 1757/60 9 5 A-Dur 1760/61 15 6 D-Dur „Le matin“ 1761 20 7 C-Dur „Le midi“ 1761 21 8 G-Dur „Le soir“ 1761 22 9 C-Dur 1762 23 10 D-Dur 1758/60 10 11 Es-Dur 1760/61 16 12 E-Dur 1763 27 13 D-Dur 1763 28 14 A-Dur 1762 25 15 D-Dur 1761 13 16 B-Dur 1763 7 17 F-Dur 1760/61 8 18 G-Dur 1757/59 3 19 D-Dur 1760/61 4 20 C-Dur 1758/60 12 21 A-Dur 1764 31 22 Es-Dur „Der Philosoph“ 1764 32 23 G-Dur 1764 33 24 D-Dur 1764 34 25 C-Dur 1760/61 24 26 d-Moll „Lamentatione“ 1768 46 27 G-Dur 1757/60 18 28 A-Dur 1765 38 29 E-Dur 1765 36 30 C-Dur „Alleluja“ 1765 35 31 D-Dur „Hornsignal“ 1765 37 32 C-Dur 1760/61 14 33 C-Dur 1761/62 17 34 d-Moll 1763 39 35 B-Dur 1767 41 36 Es-Dur 1762 26 37 C-Dur 1757/58 2 38 C-Dur „Echo“ 1767 43 39 g-Moll 1765 40 40 F-Dur 1763 29 41 C-Dur 1768 47 42 D-Dur 1771 52 43 Es-Dur „Merkur“ 1770/71 51 44 e-Moll „Trauer-Sinfonie“ 1770/71 49 45 fis-Moll „Abschiedssinfonie“ 1772 56 46 H-Dur 1772 54 47 G-Dur „Das Palindrom“ 1772 55 48 C-Dur „Maria Theresia“ 1769 48 49 f-Moll „La Passione“ 1768 44 50 C-Dur 1773/74 58 51 B-Dur 1773 53 52 c-Moll 1771 50 53 D-Dur „L’Impériale“ 1778/79 75 54 G-Dur 1774/76 61 55 Es-Dur „Der Schulmeister“ 1774 62 56 C-Dur 1774 63 57 D-Dur 1774 64 58 F-Dur 1767 45 59 A-Dur „Feuer“ 1768 42 60 C-Dur „Il distratto“ 1774 60 61 D-Dur 1776 69 62 D-Dur 1780 74 63 C-Dur „La Roxelane“ 1779 70 64 A-Dur „Tempora mutantur“ 1773 59 65 A-Dur 1769 57 66 B-Dur 1774/75 ca. 65 67 F-Dur 1774/75 ca. 66 68 B-Dur 1774/75 ca. 67 69 C-Dur „Laudon“ 1774/75 ca. 68 70 D-Dur 1778/79 72 71 B-Dur 1778/79 73 72 D-Dur 1763 30 73 D-Dur „La Chasse“ 1781 ca. 77 74 Es-Dur 1780 76 75 D-Dur 1779 71 76 Es-Dur 1782? 78 77 B-Dur 1782? 79 78 c-Moll 1782? 80 79 F-Dur 1784 81 80 d-Moll 1784 82 81 G-Dur 1784 83 82 C-Dur „L’Ours“ (Der Bär) 1786? 87 83 g-Moll „La Poule“ (Die Henne) 1785 84 84 Es-Dur 1786 88 85 B-Dur „La Reine“ (Die Königin) 1785? 85 86 D-Dur 1786 89 87 A-Dur 1785 86 88 G-Dur 1787 90 89 F-Dur 1787 91 90 C-Dur 1788 92 91 Es-Dur 1788 93 92 G-Dur „Oxford“ 1789 94 93 D-Dur 1791, UA 17. Februar 1792 97 94 G-Dur „Mit dem Paukenschlag“ 1791, UA 23. März 1792 98 95 c-Moll 1791, UA Frühjahr 1791 96 96 D-Dur „Le Miracle“ (Das Wunder) 1791, UA 11. März 1791 95 97 C-Dur 1792, UA 3. oder 4. Mai 1792 100 98 B-Dur 1792, UA 2. März 1792 99 99 Es-Dur 1793, UA 10. Februar 1794 102 100 G-Dur „Militär“ 1794, UA 31. März 1794 103 101 D-Dur „Die Uhr“ 1794, UA 3. März 1794 104 102 B-Dur 1794, UA 2. Februar 1795 105 103 Es-Dur „Mit dem Paukenwirbel“ 1795, UA 2. März 1795 106 104 D-Dur „Salomon“ oder „London“ 1795, UA 13. April 1795 107 105 B-Dur Sinfonia concertante 1792 101 106 D-Dur Ouvertüre zu „Le pescatrici“ (Die Fischerinnen)? 1769 — 107 B-Dur Sinfonie A 1760/61 11 108 B-Dur Sinfonie B 1762 6 — C-Dur Sinfonie in C (früher teils zur Sinfonie 63 gezählt) 1773/74? —

Literatur Howard Chandler Robbins Landon: The Symphonies of Joseph Haydn. Universal Edition & Rocklife, London 1955, archive.org Sonja Gerlach: Die chronologische Ordnung von Haydns Sinfonien zwischen 1774 und 1782. In: Haydn-Studien, Band II/1, März 1969, S. 34–66. Sonja Gerlach: Joseph Haydns Sinfonien bis 1774. Studien zur Chronologie. In: Haydn-Studien, Band VII/1–2, Mai 1996, S. 1–287. Anthony Hodgson: The Music of Joseph Haydn. The Symphonies. The Tantivy Press, London 1976, ISBN 0-8386-1684-4. Walter Lessing: Die Sinfonien von Joseph Haydn. Dazu: Sämtliche Messen. Ausgabe in 3 Bänden. Südwestfunk, Baden-Baden 1987–89. Armin Raab, Christine Siegert, Wolfram Steinbeck (Hrsg.): Das Haydn-Lexikon. Laaber-Verlag, Laaber 2010, ISBN 978-3-89007-557-0. Michael Walter: Haydns Sinfonien. Ein musikalischer Werkführer. Beck, München 2007, ISBN 978-3-406-44813-3. A. Peter Brown: The Symphonic Repertoire. Volume II. The First Golden Age of the Vienese Symphony: Haydn, Mozart, Beethoven, and Schubert. Indiana University Press, Bloomington / Indianapolis 2002, ISBN 0-253-33487-X. Joseph Haydn-Institut Köln (Hrsg.): Joseph Haydn Werke. Reihe I, Band 1 bis 18. (Gesamtausgabe der Sinfonien in 18 Bänden.) G. Henle-Verlag, München 1963 bis 2016.

Weblinks Musik aller 107 Haydn Symphonien online – Projekt zum Haydn-Jahr 2009 Forum mit Besprechungen der Haydn-Sinfonien Wolfgang Marggraf: Die Sinfonien Joseph Haydns.

Einzelnachweise

! Haydn, Joseph, Sinfonie