Der Deutsche Ethikrat (nachfolgend auch Rat genannt; Vorläufer war von Juni 2001 bis Februar 2008 der Nationale Ethikrat) versteht sich als unabhängiger Sachverständigenrat, der „die ethischen, gesellschaftlichen, naturwissenschaftlichen, medizinischen und rechtlichen Fragen sowie die voraussichtlichen Folgen für Individuum und Gesellschaft verfolgt, die sich im Zusammenhang mit der Forschung und den Entwicklungen insbesondere auf dem Gebiet der Lebenswissenschaften und ihrer Anwendung auf den Menschen ergeben“. Deutscher Ethikrat; abgerufen am 25. Juni 2011.

Das am 1. August 2007 in Kraft getretene Ethikratgesetz (EthRG) bildet die Grundlage für seine Tätigkeit. Die konstituierende Sitzung fand am 11. April 2008 im Reichstagsgebäude in Berlin statt. 26 Mitglieder werden hälftig von Bundesregierung und Bundestag vorgeschlagen und vom Bundestagspräsidenten für vier Jahre berufen. „Eine Wiederberufung ist einmal möglich.“ Durch dieses Verfahren „sollen unterschiedliche ethische Ansätze und ein plurales Meinungsspektrum vertreten sein“. Die Ratsmitglieder „dürfen weder einer gesetzgebenden Körperschaft des Bundes oder eines Landes noch der Bundesregierung oder einer Landesregierung angehören.“

Am 16. November 2024 wählte der Rat den deutschen Rechtswissenschaftler sowie Hochschullehrer Helmut Frister zum Vorsitzenden.

Aufgaben Der Deutsche Ethikrat erfüllt eine Doppelfunktion als Dialogforum und Beratungsgremium. In seiner Funktion als ethisches Dialogforum soll er gemäß seiner rechtlichen Grundlage wissenschaftliche Spezialdiskurse zusammenführen (zentralisieren) und die gesellschaftliche Diskussion insbesondere durch öffentliche Veranstaltungen fördern. In seiner Funktion als bioethisches Beratungsgremium hat der Rat die Aufgabe, Stellungnahmen und Empfehlungen für politisches oder gesetzgeberisches Handeln entweder auf eigenen Entschluss oder im Auftrag von Bundesregierung und Deutschem Bundestag zu erarbeiten sowie die Zusammenarbeit mit anderen Ethikgremien auf nationaler und internationaler Ebene zu gewährleisten.

Der Rat erstattet dem Deutschen Bundestag und der Bundesregierung einmal jährlich Bericht über seine Aktivitäten und den Stand der gesellschaftlichen Debatte.Die Berichte zu den Jahren 2008 und 2009 auch als Bundestagsdrucksache 16/12510 und 17/1540; ebenso wie auch der neueste Jahresbericht zu 2010 unter

Parallel zur Einrichtung des Ethikrates beschloss der Bundestag im Jahr 2007 die Einsetzung eines eigenen Ethikbeirates als parlamentarisches Begleitgremium, das die Debatten des Rates im Bundestag unterstützen sollte.Bundestagsdrucksache, 16/5128 Nachdem die Wiedereinsetzung dieses Gremiums in der 17. Legislaturperiode abgelehnt worden war, führt der Rat seit März 2010 so genannte Parlamentarische Abende zum intensiven Austausch mit den Abgeordneten über ethische Fragen durch.Zum ersten dieser Parlamentarischen Abende vgl. den Jahresbericht 2010, S. 6, zum zweiten Parlamentarischen Abend am 23. März 2011 vgl.

Arbeitsweise Das Gremium tagt in der Regel einmal monatlich, die Sitzungen sind grundsätzlich öffentlich. Ergänzend zu diesen Plenarsitzungen wird die inhaltliche Arbeit im Vorfeld der Veröffentlichung von Stellungnahmen überwiegend in Arbeitsgruppen geleistet, die auf Beschluss des Plenums themenspezifisch gebildet werden und sich in unregelmäßigen Abständen zu Arbeitstreffen zusammenfinden. Die Arbeit des Rates wird von einer Geschäftsstelle mit Sitz in Berlin unterstützt, die an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften angesiedelt ist. Die Kosten des Rates und seiner Geschäftsstelle trägt der Bund. Für seine Arbeit waren im Jahr 2018 im Haushalt des Deutschen Bundestages 1,895 Millionen Euro eingestellt.Jahresbericht 2018. Deutscher Ethikrat, Berlin 2019, S. 55; ethikrat.org (PDF; 2,4 MB) abgerufen am 17. April 2020.

Einmal jährlich finden je eine öffentliche Jahrestagung sowie eine Herbsttagung des Deutschen Ethikrates, meist in Berlin, statt. Gemeinsam mit externen Sachverständigen berät und diskutiert er in einer ganztägigen Veranstaltung über Themen wie

Wissen und Macht – Wissenschaft in Politik und Gesellschaft (2025) Gelingende Solidarität (2025) Einsamkeit – Existenzielle Erfahrung und gesellschaftliche Herausforderung (2024) Lost in „Metaverse“? Zur Verschränkung realer und digitaler Welten (2024) One Health: Gesundheit für alle(s)? (2023) Triff den Ethikrat! Unser Leben in der Pandemie (2022) Hohe Preise – Gute Besserung? Wege zur gerechten Preisbildung bei teuren Arzneimitteln (2022) Selbstvermessen: Ethik und Ästhetik veränderter Körperlichkeit (2021) Wohl bekomms! Dimensionen der Ernährungsverantwortung (2021) Meinen – Glauben – Wissen: Klimawandel und die Ethik der Wissenschaften (2019) Pflege – Roboter – Ethik. Ethische Herausforderungen der Technisierung der Pflege (2019) und weitere.

Daneben veranstaltet der Rat in etwa jährlich und mit wechselnden thematischen Schwerpunkten ein Forum zur Bioethik. Diese Abendveranstaltungen in Berlin, die für gewöhnlich durch Gastvorträge eingeleitet werden, sind ebenso wie die Jahrestagungen darauf ausgerichtet, konkrete biopolitische Themen öffentlich zu diskutieren.Themen und Protokolle abzurufen bei Weitere Veranstaltungsformate sind: Anhörungen mit Experten, zumeist im Rahmen der Vorbereitung von Stellungnahmen; reine Online-Veranstaltungen, im Dezember 2023 zum Beispiel zum Thema „KI im Klassenzimmer – Ethische Fragen zu ChatGPT und Co.“.

Geschichte / Gründung als Nationaler Ethikrat Deutschlands Der Rat wurde am 2. Mai 2001 durch Beschluss der damaligen rot-grünen Bundesregierung unter Bundeskanzler Gerhard Schröder eingesetzt. Der Rat trat am 8. Juni 2001 zu seiner konstituierenden Sitzung in Berlin zusammen. Seine bis zu 25 Mitglieder aus verschiedenen Wissenschaftsbereichen wurden vom Bundeskanzler für die Dauer von vier Jahren, mit der Möglichkeit einmaliger Wiederberufung, berufen. Laut Einrichtungserlass schloss die Mitgliedschaft im Nationalen Ethikrat eine aktive politische Tätigkeit aus. Zudem konnte gemäß § 1 Abs. 2 der Geschäftsordnung ein Mitglied im Einzelfall von Beratung und Beschlussfassung ausgeschlossen werden, insofern ein konkreter Interessenkonflikt vorlag.

In den Jahren 2001 bis 2007 veröffentlichte der Nationale Ethikrat zwölf Stellungnahmen, sieben Tagungsdokumentationen und vier Jahresberichte sowie zahlreiche weitere Dokumente zu bioethischen Fragestellungen.Diese Publikationen sind abrufbar über das Archiv der Website des Deutschen Ethikrates.

Der Nationale Ethikrat tagte letztmals im September 2007 und wurde durch einen Beschluss des Bundeskabinetts vom 13. Februar 2008 aufgelöst.

Besetzung Laut dem Ethikratgesetz gilt folgendes:

Berufung der Mitglieder

Die Berufung der Mitglieder erfolgt entsprechend §5(1) des Ethikratgesetzes (EthRG): "Der Präsident des Deutschen Bundestages beruft die Mitglieder des Deutschen Ethikrates je zur Hälfte auf Vorschlag des Deutschen Bundestages und der Bundesregierung."

Mitglieder 2008 Am 15. Februar 2008 ernannte der Bundestagspräsident erstmals auf der Grundlage der Vorschläge der Bundesregierung und des Bundestages die 26 Mitglieder des Rates für die Zeit bis 2012: Hermann Barth, evangelischer Theologe, Präsident des Kirchenamts der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) Axel W. Bauer, Professor für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin Alfons Bora, Soziologe und Professor für Technikforschung Wolf-Michael Catenhusen, ehemaliger Forschungsstaatssekretär Stefanie Dimmeler, Biologin und Professorin für Molekulare Kardiologie Frank Emmrich, Immunologe Volker Gerhardt, Professor für Philosophie Hildegund Holzheid, ehemalige Präsidentin des Bayerischen Verfassungsgerichtshofs Christoph Kähler, Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Thüringen und stellvertretender EKD-Ratsvorsitzender Regine Kollek, Biotechnologie-Expertin Anton Losinger, Weihbischof im Bistum Augsburg Weyma Lübbe, Philosophin Eckhard Nagel, Mediziner und Professor für Medizinmanagement und Gesundheitswissenschaften Peter Radtke, Autor und Schauspieler Jens Reich, Molekularbiologe Ulrike Riedel, Juristin Edzard Schmidt-Jortzig, ehemaliger Bundesminister der Justiz Jürgen Schmude, ehemaliger Bundesminister für Bildung und Wissenschaft, der Justiz sowie des Innern und ehemaliger Präses der Synode der EKD Eberhard Schockenhoff, katholischer Theologe, stellvertretender Vorsitzender des Rates Bettina Schöne-Seifert, Professorin für Ethik in der Medizin Spiros Simitis, Jurist Jochen Taupitz, Professor für Rechtswissenschaft Erwin Teufel, ehemaliger Ministerpräsident von Baden-Württemberg Kristiane Weber-Hassemer, Juristin und ehemalige Staatssekretärin Christiane Woopen, Professorin für Ethik und Theorie der Medizin Michael Wunder, Psychologe und Psychotherapeut

Am 30. Juni 2010 wurden Heike Walles, Lehrstuhlinhaberin für Tissue Engineering und Regenerative Medizin an der Universität Würzburg, und Wolfgang Huber, evangelischer Theologe sowie ehemaliger Bischof von Berlin-Brandenburg und von 2003 bis 2009 EKD-Ratsvorsitzender, anstelle der im März 2010 auf eigenen Wunsch ausgeschiedenen Mitglieder Hermann Barth und Bettina Schöne-Seifert in den Rat berufen.

In ihrer konstituierenden Sitzung wählten die Mitglieder des Rates am 11. April 2008 Edzard Schmidt-Jortzig zu ihrem Vorsitzenden sowie Christiane Woopen und Eberhard Schockenhoff zu stellvertretenden Vorsitzenden.

Mitglieder 2012 Zum 11. April 2012 hat Bundestagspräsident Norbert Lammert folgende Mitglieder des Ethikrates ein zweites Mal beziehungsweise erstmals berufen:

Auf der konstituierenden Sitzung des neu zusammengesetzten Ethikrates wurde Christiane Woopen am 26. April 2012evangelisch.de zur Vorsitzenden, Wolf-Michael Catenhusen, Peter Dabrock und Jochen Taupitz zu Stellvertretenden Vorsitzenden gewählt.

Mitglieder 2016 Zum 11. April 2016 hat Bundestagspräsident Lammert folgende Mitglieder des Ethikrates erstmals beziehungsweise ein zweites Mal berufen:

Folgende Mitglieder, deren Berufungsperiode im April 2016 noch nicht abgelaufen war, gehörten dem Rat im Jahr 2016 ebenfalls an: Carl Friedrich Gethmann, Philosoph (Mitglied seit 14. Februar 2013) Martin Hein, evangelischer Theologe, Bischof der Evangelischen Kirche Kurhessen-Waldeck (Mit Ablauf seiner Berufungsperiode am 13. November 2018 aus dem Ethikrat ausgeschieden); Elisabeth Gräb-Schmidt wurde als Nachfolgerin von Bischof Martin Hein mit Wirkung zum 14. November 2018 in den Rat berufen.

Auf der konstituierenden Sitzung des neu zusammengesetzten Ethikrates wurde Peter Dabrock am 28. April 2016 zum Vorsitzenden, Katrin Amunts, Andreas Kruse und Claudia Wiesemann zu stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Nachdem Andreas Kruse Ende April 2018 seinen Rücktritt aus dem Vorstand erklärt hatte, wurde das Ratsmitglied Volker Lipp in der Plenarsitzung am 17. Mai 2018 zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt.

Carl Friedrich Gethmann wurde im Februar 2017 für eine zweite Amtsperiode (bis zum 13. Februar 2021) wiederberufen.

Judith Simon wurde mit Wirkung zum 1. Juli 2018 als Nachfolgerin von Gabriele Meyer in den Ethikrat berufen.Prof. Dr. Judith Simon in den Deutschen Ethikrat berufen. ethikrat.org, 22. Juli 2018; abgerufen am 16. August 2022.

Mitglieder 2020 Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble hat zum 30. April 2020 21 Mitglieder in den Ethikrat berufen. Er wurde neu zusammengesetzt, nachdem ein Teil der Ratsmitglieder am 10. April 2020 turnusmäßig aus dem Gremium ausgeschieden war, darunter auch der bisherige Vorsitzende Peter Dabrock. Drei Mitglieder eingerechnet, die zwischen 2016 und 2018 außerhalb des regulären Turnus berufen worden waren, gehören dem Rat damit seit dem 30. April 2020 24 Mitglieder an.Pressemitteilung. ethikrat.org, 29. April 2020; abgerufen am 15. Mai 2020.