Die Wechselkröte (Bufotes viridis,Amphibian Species of the world, Abteilung Internationale Taxonomie, Herpetologie, American Museum of Natural History, New York, NY 10024-5102 amphibiansoftheworld.amnh.org abgerufen am 3. Oktober 2021. Synonyme: Bufo viridis, Bufo pictus, Bufo roseus, Bufo variabilis, Rana picta, kurzfristig auch Pseudepidalea viridis), im deutschsprachigen Raum auch Grüne Kröte, Wandelbare Kröte, Hausunke, Dorfkrötez. B. Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume des Landes Schleswig-Holstein (Hrsg.) oder BuntkröteGustav Jäger, Johannes Frenzel, Paul Matschie: Handwörterbuch der Zoologie, Anthropologie und Ethnologie, Band 1. Verlag v. Eduard Trewendt, Breslau, 1880, S. 533 ff. genannt, ist ein Froschlurch aus der Gattung Bufotes innerhalb der Familie der Kröten (Bufonidae). Nach heutiger Auffassung handelt es sich nicht um eine einheitliche biologische Art, sondern um eine Artengruppe von 15 Spezies, die aus mehreren evolutionären Linien hervorgegangen sind. Moderne molekulare Untersuchungsmethoden wie DNA-Barcoding und restriktionsstellenassoziierte DNA-Sequenzierung (RAD-Sequenzierung) belegen die besondere genetische Variabilität der Wechselkröte.C. Dufresnes, G. Mazepa, D. Jablonski, R. Oliveira, T. Wenseleers, D.A. Shabanov, M. Auer, R. Ernst, C. Koch, H.E. Ramírez-Chaves, K.P. Mulder, E. Simonovo, A. Tiutenko, D. Kryvokhyzhar, P.L. Wennekes, O. Zinenko, A. Korshunov, A. M. Al-Johany, E.A. Peregontsev, R. Masroor, C. Betto-Colliard, M. Denoël, L.J. Borkin, D.V. Skorinov, R. Pasynkova, L.F Mazanaeva, J. M. Rosanov, S. Dubey & S. Litvinchuk (2019): Fifteen shades of green: The evolution of Bufotes toads revisited. Molecular Phylogenetics and Evolution. Vol. 141: 106615, Elsevier.
Auch in der aktuellen Roten Liste der IUCN wird die Wechselkröte inzwischen als Bufotes viridis und nicht mehr als Bufo viridis angesprochen.Rote Liste der Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands Bonn – Bad Godesberg, 2020. (bfn.de, PDF) Trotz kleinerer genotypischer Unsicherheiten ist die aktualisierte Taxonomie damit international anerkannt.ITS - Integriertes taxonomisches Informationssystem, abgerufen am 13. März 2022.Miguel Vences: Die Gattungszuordnung von Wechselkröte und Kreuzkröte und die Konsolidierung der wissenschaftlichen Benennung europäischer Amphibien. In: Zeitschrift für Feldherpetologie, Band 22, Heft 1, 2015, S. 11–24.
Von weiterem herpetologischem Interesse ist die Variabilität von Wechselkröten unterschiedlicher geografischer Herkunft. Dabei wirft die Verbreitung und Besiedelung zahlreicher Mittelmeerinseln viele Fragen auf, da man davon ausgehen kann, dass die Amphibien die meisten Inseln nicht durch eigene Kraft erreicht haben. Auch innerhalb Deutschlands bestehen hinsichtlich der Verbreitung von B. viridis noch Unklarheiten, wie z. B. das Fehlen an der Nordseeküste und den vorgelagerten Friesischen Inseln.
Ungeachtet der neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse und der taxonomischen Diskussion zeichnet sich ab, dass die aktuellen Rückgänge der Wechselkrötenbestände in Deutschland trotz strengem Schutz alarmierend sind.F. Meyer et al.: Rote Liste der Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands. Bonn – Bad Godesberg 2020, S. 47.A. Zahn, B. Pellkofer & Jochen Späth: Stirb langsam? Aussterbevorgänge bei Wechselkröte (Bufotes viridis) und Kreuzkröte (Epidalea calamita). Zeitschrift für Feldherpetologie 27, 2020: S. 229–238. Die Situation erfordert eine rasche Umsetzung wirksamer Schutzprogramme, die den besonderen Lebensansprüchen dieser Art gerecht werden. Die nachträgliche Aufnahme der subpannonischen Steppen-Trockenrasen (EU-Code 6240) als prioritärer Lebensraum im Anhang I der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie kommt dabei dem Schutz der heimischen Wechselkröte als ursprünglichem Steppenbewohner sehr entgegen.
Die durch Lebensraumverluste stark gefährdete Wechselkröte wurde von der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT) zum Lurch des Jahres 2022 gekürt.
Merkmale „Kröte wechsele dich!“Redewendung zur Wechselkröte, abgerufen beim BfN, 8. Oktober 2021 – diese Redewendung ist gut gewählt. Sie leitet sich von der Fähigkeit des Tieres ab, die Hautoberfläche rasch der jeweiligen Umgebung farblich anzupassen. Auch Licht- und Temperatureinflüsse sind daran maßgeblich beteiligt. Von dunkelbraun bis weißlich-grün finden sich alle Übergänge. Die Epidermis beider Geschlechter ist vom Rücken bis zu den Flanken mit olivgrünen polymorphen Flecken durchsetzt. Die hell-beige gefärbte Bauchseite dagegen ist deutlich geringer strukturiert, zuweilen zeigen sich dort graue Pigmente. Das Zeichnungsmuster der Hautoberfläche ist wie bei Feuersalamander, Gelbbauchunke und Mauereidechse individuenspezifisch und ermöglicht bei mehrmaligen fotografischen Bestandserhebungen eine eindeutige Wiedererkennung.A. König, W.-R. Grosse: Morphometrische Daten einer Wechselkröten-Population an den Regenrückhaltebecken des Gewerbegebiets Reidepark Halle-Queis (Sachsen-Anhalt). In: Zeitschrift für Feldherpetologie. Band 12. Laurenti Verlag, Bielefeld 2005, S. 46.J. Hallermann, T. Hornung, S. Böge: Erste Ergebnisse einer Fang-Wiederfang-Studie zur Wechselkröte (Bufotes viridis) in einer ehemaligen Kiesgrube bei Woltersdorf in Schleswig-Holstein. In: Zeitschrift für Feldherpetologie Band 29, Laurenti Verlag, Bielefeld 2022, S. 219–231. Die fotografische Erfassung mit Hilfe des Programms Photographic-Mark-Recapture – PMR ist für die Tiere schonend und damit ethisch vertretbar.D. T. Bolger et al.: A computer-assisted system for photographic mark-recapture analysis. In: Methods in Ecology and Evolution 3. 2012, S. 813–822.J. S. Doody: A photographic mark–recapture method for patterned amphibians. In: Herpetol. Rev., Nr. 26, 1995. S. 19–21.H. Pröhl, M. Nadjafzadeh & B. Caspers:, Wildbook, eine fortschrittliche Software zur Auswertung von foto-basierten Mark-Recacapture-Daten für den Amphibienschutz. elaphe Heft 5, 2021, S. 84–87.Jakob Hallermann, Tobias Hornung, Sinje Böge: Erste Ergebnisse einer Fang-Wiederfang-Studie zur Wechselkröte (Bufotes viridis) in einer ehemaligen Kiesgrube bei Woltersdorf in Schleswig-Holstein. Zeitschrift für Feldherpetologie 29, 2022, S. 219–231.
Als zusätzliches Merkmal finden sich an den Hüften und Oberschenkeln kleine rötliche Warzen. Gelegentlich treten auch albinotische Exemplare mit nur geringem Zeichnungsmuster auf. Von albinotischen Larven aus Baden-Württemberg berichtet auch Rainer Flindt.R. Flindt: Latenter Albinismus und Mißbildungen bei Kaulquappen von Wechselkröten Bufo viridis LAURENTI, 1768. Salamandra Bd. 21, 1985, S. 298–303.
Die Körpergröße der Männchen schwankt je nach Lebensalter und erreicht bis zu sieben, die der Weibchen bis zu zehn Zentimeter. Nach der gängigen Literatur erreichen Wechselkröten sowohl im Freiland als auch in menschlicher Obhut ein Alter von ca. 10 Jahren.M. Stöck, P. Roth, R. Podloucky, K. Grossenbacher: Wechselkröten. In: K. Grossenbacher (Hrsg.): Handbuch der Amphibien und Reptilien Europas. Band 5: Froschlurche II. Aula-Verlag, Wiesbaden 2009, S. 413–498. J. Fröchte berichtet 2014 im Feldherpetologischen Magazin von einer in Haltung aufgezogenen 28-jährigen Wechselkröte.Fröchte, Jürgen: Wechselkröte wird im Terrarium 28 Jahre alt. In: Feldherpetologisches Magazin. Heft 1, Laurenti Verlag 2014, S. 41–42.
Die dunklen Pupillen sind je nach Helligkeit der Umgebung elliptisch bis kreisrund, die Iris ist zitronengelb bis grünlich. Bei gedämpftem Licht sowie in der Dunkelheit füllen die Pupillen nahezu den gesamten Augapfel aus. Der optische Sinn ist sehr ausgeprägt. Kleinste Bewegungen potentieller Beutetiere werden selbst bei geringem Licht schnell erfasst und lokalisiert. Im Bereich von Millisekunden öffnet sich das rundliche Maul und schleudert die klebrige Zunge Richtung Beute. Insekten, die in Bodennähe auffliegen, können sogar noch im Flug erfasst werden. War der Beutezug erfolgreich, folgen zwei bis drei kräftige Schluckbewegungen, die die Nahrung in den Oesophagus pressen. Die Speiseröhre der Froschlurche ist äußerst dehnbar und ermöglicht das Abschlucken größerer Beuteorganismen ohne Probleme.
Wie alle Echten Kröten besitzt die Art bohnenförmige Ohrdrüsen (Parotiden) hinter den Augen. Sie zeigen sich bereits wenige Wochen nach der Metamorphose und dienen im Bedarfsfall durch die Sekretion von Bufotenin der Feindabwehr.M. Hitt & D.D: Ettinger: Toad toxicity. N. Engl. Journal Med. 314 (23), 1986: pp. 1517 In geringen Mengen finden sich im Sekret weitere Inhaltsstoffe wie Adrenalin, Noradrenalin, Catecholamine und Dopamin.
Feingliedrige Zehen optimieren die Lauf- und Kletterfähigkeiten der Tiere bei ihren Wanderungen und Beutezügen. Kräftige Unterarme sowie polsterartige Schwielen an den Fußgelenken (Fersenhöcker) ermöglichen das Eingraben in lockere Böden, um sich zu verstecken. Adulte Männchen besitzen in der Paarungszeit dunkelbraune Schwielen zwischen den ersten drei Zehen der Vorderextremitäten. Sie unterstützen die axiale Umklammerung des Weibchens während des Paarungsaktes.
Im Rahmen von Untersuchungen einer gemischten Kreuzkröten-/Wechselkröten-Population bei Gensingen (Landkreis Bad Kreuznach) in den Jahren 1966/67 fanden Rainer Flindt und Helmut Hemmer 6 Wechselkröten, die über ein deutliches Rückenband verfügten, wie es normalerweise nur bei Kreuzkröten auftritt.R. Flindt & H. Hemmer: Wechselkröten (Bufo viridis) mit Rückenband aus einer Population im Rhein-Main-Gebiet. Salamandra, Bd. 5 (Heft 1/2) 1969, S. 18–22. Die Rückenbänder variierten in ihrer Ausprägung von sehr schmal bis breit verschwommen, teilweise waren sie auch unterbrochen. Eines der Rückenband-Individuen aus Gensingen wurde auch serologisch untersucht, um eine eindeutige Zuordnung zu definieren. Das Pherogramm der Rückenband-Exemplare zeigte sowohl Serumeiweißfraktionen der heimischen Bufotes viridis als auch der Kreuzkröte (Epidalea calamita). Der wissenschaftliche Befund belegt bereits frühere Vermutungen, dass in syntop zur Wechselkröte lebenden Mischpopulationen (Erdkröte/Kreuzkröte) ein Genfluss stattfindet.R. Flindt & H. Hemmer: Variation und wahrscheinliche Hybridisation in einer Bufo viridis / Bufo ca!amita-Population. In: Zool. Beitr. N. F. 13, 1967, S. 149–160.R. Flindt, H. Hemmer & R. Schipp (1968): Zur Morphogenese von Mißbildungen bei Bastardlarven Bufo calamita x Bufo viridis, Störungen in der Ausbildung des Axialskeletts. In: Zool. Jb. Anat. 85, 1968. S. 51–71.H. Hemmer & W. Böhme: Nachweis einer natürlichen Bastardisierung der Erdkröte (Bufo bufo) mit der Wechselkröte (Bufo viridis) im Rheinland. Salamandra 10, 1974, S. 126–130. Auch bei der Nordafrikanischen Wechselkröte (Bufotes boulengeri) entdeckt man hin und wieder Exemplare mit hellgelben Rückenlinien.C. Dufresnes (2019): Amphibians of Europe, North Africa and the Middle East: A Photographic Guide. Bloomsbury Publishing. pp. 78–79.
Fortpflanzung mini|B. viridis, Paarungsruf des Männchens