Das Tannheimer Tal ist ein etwa 1100 Meter hoch gelegenes Hochtal in den Tannheimer Bergen, einem Teil der Allgäuer Alpen im Tiroler Bezirk Reutte. Es ist ein linksseitiges Nebental des Lechtales von rund 20 Kilometern Länge mit breiter Talsohle. Stärkste Einkommensquelle ist der Tourismus, da vor allem die vielen Wander-, Kletter- sowie Fahrrad- und Schimöglichkeiten im Tal Touristen anziehen.

Geographie

Lage Das Tannheimer Tal liegt am nordwestlichen Rand des Bezirkes Reutte und erstreckt sich in west-östlicher Richtung, wobei es bei dem Ort Nesselwängle nach Süden abknickt. Das Tal ist lagebedingt stark zum süddeutschen Raum hin orientiert. Ein Zugang in das Tal führt von Westen von der deutschen Gemeinde Oberjoch über den kleinen Oberjochpass in das Tal. Ein anderer Zugang führt in nord-südlicher Richtung zwischen dem Aggenstein und dem Einstein durch ein enges Tal über Grän in den deutschen Ort Pfronten. Somit sind zwei Zugänge nur von Deutschland aus zu erreichen.

Die Anbindung an Tirol ist über das Lechtal. Das Tannheimer Tal zweigt bei Weißenbach vom oberen Lechtal nach Westen ab, führt über den Gaichtpass und Nesselwängle zu einer Talwasserscheide auf rund vor dem Haldensee.

Beschreibung mini|Topographische Karte des Tannheimer Tals Das Tal erstreckt sich in den Ausläufern der Allgäuer Alpen meist in Ost-West-Richtung auf einer Höhe von 1080 bis 1140 Metern und ist rund 20 km lang. Es verfügt über eine breite Talsohle. Gerahmt wird das Tal durch folgende Gebirgsgruppen und Berge: im Nordosten durch die schrofigen Klettergipfel Schartschrofen, Rote Flüh, Gimpel und Kellenspitze; im Süden durch die Kette der Vilsalpseeberge, unter anderem durch Krinnenspitze, Kugelhorn, Rauhhorn, Gaishorn, Ponten, Bschießer und Kühgundkopf; im Nordwesten durch den Einstein, den Aggenstein und das Brentenjoch.

Verkehr Von Weißenbach ausgehend, durchzieht die Tannheimer Straße B 199 das gesamte Tal. Sie zweigt in Weißenbach am Lech von der Lechtalstraße ab und führt über den Gaichtpass und das Tannheimer Tal zum Oberjochpass, wo sie in die deutsche B 308 übergeht. Bei Grän zweigt von der B 199 die Gräner Landstraße ab, die nördlich durch ein enges Tal nach Pfronten führt.

An den öffentlichen Nahverkehr ist das Tal mit dem Postbus angeschlossen. Eine Verbindung fährt mehrmals täglich von Pfronten über Grän, Tannheim nach Nesselwängle und wieder retour. Der Vilsalpsee ist ebenfalls mit einer Verbindung ab Tannheim angeschlossen.

Hydrologie Die Entwässerung des Tals bis zur Talwasserscheide vor dem Haldensee wird über die Nesselwängler Ache, Warpsbach und Weißenbach insgesamt zum Lech gewährleistet. Das Wasser des Haldensees dagegen fließt zunächst westwärts in der Berger Ache in Richtung dem für das Tal namengebenden Ort Tannheim. Dort mündet diese in die aus einem engeren Tal vom Vilsalpsee im Süden kommende Vils. Die Vils verläuft in einem großen, nach Westen ausholenden Bogen um die Tannheimer Berge, zunächst in langsam schmaler werdendem Tal nach Westen und Nordwesten über Zöblen bis Schattwald, das am Ostfuß des Oberjochpasses liegt, der nach Bayern führt. Unterhalb des Vilsfalls wird die nun zunächst nordwärts laufende Fortsetzung des Tals zum eingekerbten oberen Vilstal, das über die bayerische Grenze wechselt, bei Pfronten sich zum Trogtal erweitert und auf Ostlauf über die Grenze zurück nach Tirol bei der Stadt Vils flussabwärts des Weißenbachs wieder ins Tal des Lechs mündet.

Gemeinden und Bevölkerung mini|Nesselwängle und darüber Rote Flüh und Köllenspitze Der Hauptort im Tannheimer Tal ist die namensgebende Gemeinde Tannheim, die weiteren Gemeinden sind Nesselwängle, Grän, Zöblen und Schattwald. Sie bilden zusammen den Tiroler Planungsverband Tannheimer Tal. Zu diesem gehört auch die Gemeinde Jungholz, eine funktionale Enklave in Bayern. Die Bevölkerung in den einzelnen Gemeinden beträgt (Stand Dez. 2024):

+GemeindeEinwohnerGrän 612Jungholz 311Nesselwängle 478Schattwald 464Tannheim 1166Zöblen 245

Die sechs Gemeinden des Planungsverbandes haben zusammen Einwohner (Stand ) und eine Fläche von 127,2 km², davon 16,7 % Dauersiedlungsraum. Die Bevölkerung ist seit 1961 leicht gestiegen mit einem Höhepunkt 2001, bei dem die Bevölkerung im Tal 3.098 Personen umfasste. Seitdem ist die Bevölkerung wieder leicht gefallen, zeigt aber seit 2021 wieder eine positive Tendenz.

Seit 1971 fand im Zuge des wirtschaftlichen Aufschwunges eine rege Bautätigkeit statt: Gab es 1971 im Tal 723 Gebäude, so waren dies 2024 1396, also nahezu doppelt so viele. Die meisten der Gebäude werden zu Wohnzwecken genutzt. 151 Gebäude sind Hotels und andere Beherberungsgebäude. 2024 gab es im Tal 2153 Wohnungen. Die Anzahl der Wohnungen ist auch deshalb gestiegen, da die durchschnittliche Anzahl der Personen pro Haushalt gesunken ist und zwar von 3,8 Personen im Jahr 1961 auf 2,4 Personen pro Haushalt im Jahre 2022. Im gleichen Zeitraum ist die Anzahl der Ein-Personen-Haushalte von 74 im Jahr 1961 auf 403 im Jahr 2022 gestiegen.

Klima Die hauptsächlich niederschlagsbringenden Wetterfronten kommen von Nordwest und Nord an den Alpenrand, dadurch wirken die ersten Berge wie ein Regenfänger. Dadurch sind die Randgebiete nördlich des Inns, wie das Tannheimer Tal, deutlich niederschlagsreicher und kühler, sodass von einem sub-ozeanischen Klimatyp gesprochen werden kann. Die Monats- und Jahresdurchschnittstemperaturen ändern sich wie viele Klimafaktoren mit der Seehöhe. Stark ausgeprägte Sonnenschein- und damit Temperaturdifferenzen treten zwischen nord- und südexponierten Lagen auf, besonders in Täler die wie das Tannheimer Tal eine west-ost Orientierung aufweisen.

Die Tannheimer Berge gehören zu den niederschlagsreichsten Gegenden in den österreichischen Randalpen, wobei die regenreichsten Monate diejenigen von Mai bis September sind. Die Niederschlagsmengen steigen mit der Meereshöhe noch an. Im Januar sinken die Temperaturen auf durchschnittlich −6 Grad, während die Sommermonate von Juni bis September angenehme Temperaturen bieten, es wird selten sehr heiß. Die moderaten Temperaturen begründen sich darin, dass das Hochtal auf durchschnittlich 1100 Höhenmetern liegt. Die Monatsmittelwerte für Schattwald basieren auf einem Klimamodell, wobei Temperatur und Niederschlag den Zeitraum 1991 bis 2021 abdecken während die Sonnenstunden von 1999 bis 2019 gemittelt wurden. Ein Vergleich mit alten Daten ist für Schattwald aufgrund fehlender Daten nicht möglich. Die Auswertung von Klimadaten des nur 20 km entfernt liegenden Reutte, zeigt auf, dass der Klimawandel auch in der Region angekommen ist. So betrug die durchschnittlichen jährliche Niederschlagsmenge in Reutte von 1991–2020 1419 mm. Demgegenüber betrug 2024 diese 1736 mm. Die durchschnittliche Temperatur in Reutte zwischen 1991 und 2020 betrug 7,9 Grad, der Mittelwert im Jahr 2024 betrug jedoch 9,8 Grad.

Geologie und Tektonik Die Berge um das trogförmige Tannheimer Tal gehören vollständig zur tektonischen Großeinheit des Kalkalpins. Vorherrschend sind der ladinische Wettersteinkalk und der charakteristische Hauptfelsbildner der Gegend, der norische Hauptdolomit. Der Wettersteinkalk, der teils als reines, weißes, massiges Riffgestein, teils als gebankter Kalk auftritt, baut die steilen Felswände und die hohen Gipfel auf, wie z. B. Gimpel und Kellenspitze. Die im Norden und Nordosten gelegenen, etwa niedrigeren Gipfel des Vilser Kegels und des Plattjochs sind im Hauptdolomit entstanden. Beide Gesteinsarten zeichnen sich nicht nur als Gipfelbildner aus, sondern sind auch bedeutende Schuttbildner, wobei der Dolomit höhere Schuttmengen ergibt als die Kalkgesteine. Von relativ weiter Verbreitung sind außerdem die karnischen Raibler Schichten, die eine Schichtenfolge mit Schiefertonen, Sandsteinen, Mergeln, Rauhwacken, Dolomiten und Evaporiten aufwiesen und mit unterschiedlicher Mächtigkeit auf dem Kalk aufliegen. Raibler Schichten sind meist in Verebnungen oder Depressionen erhalten.

Im Tal wurden typische mittlere Allgäu-Schichten mit Manganschiefer-Linsen nur nördlich von Nesselwängle im Waldsbach auf 1390 m Höhe und im Gröbenbach angetroffen. Im Waldsbach sind es mindestens 15 m dunkle Schiefer mit feinspätigen Kalklagen. Im Göbenbach bilden 80-100 m dunkle Mergelschiefer die Basis der oberen Jura-Schuppe. Die auffallend große Mächtigkeit ist hier wahrscheinlich durch Anschoppung vorgetäuscht.

Das Visalptal ist ein großes trogförmiges Seitental des Tannheimer Tals, welches von Süden eben in dieses einmündet. Sowohl südlich des Ortsteils Schmieden als auch im Bereich zwischen dem auf 1165 m gelegenen Vilsalpsee und dem Bärgacht genannten Talschluss ist es mit Bergsturzmassen aufgefüllt. Der Abschnitt dazwischen ist von Murschuttfächern und Hangschutt dominiert, wobei der vom Gappenfeldbach aufgebaute Kegel den Vislalpsee aufstaut. Hingegen ist das Strindental weiter östlich ein kerbförmiges Hängetal, das bei Haldensee auf 1130 m in das Tannheimer Tal mündet. Der Strindenbach fließt im nördlichsten Abschnitt durch eine Klamm. Die Schwemmkegel am Ausgang der Klamm haben den Haldensee auf 1124 m an dessen Westseite aufgestaut. Das Birkental, ein westlich verlaufendes Seitental des Tannheimer Tals, mündet bei Gaicht auf 1117 m in dieses. Der Talschluss des Birkentals ist ein großer, flacher mit Moränenwällen bedeckter Karboden, der von Lachenspitze im Westen und den Krottenköpfen im Süden umschlossen wird. Das Tal ist im Westabschnitt in Gesteine der Raibl-Gruppe und des Hauptdolomits der Lechtaler Decke eingetieft. Die umgebenden Gipfel sind schroff und von Hangschutt umgeben.

Naturschutzgebiet Vilsalpsee und deren Vegetation mini|Naturschutzgebiet mini|Vilsalpsee mit Aggenstein im Hintergrund Im Tannheimer Tal liegt das Naturschutzgebiet Vilsalpsee. Es liegt südlich des Ortes Tannheim mit einer direkten Grenze zu Deutschland und umfasst eine Fläche von 18,3 km². Es liegt auf einer Höhe zwischen 1165 und 1770 m. Das Gebiet ist seit 2002 Naturschutzgebiet und seit 2003 Natura 2000 Gebiet. Das Naturschutzgebiet umfasst mehrere Seen auf verschiedenen Höhenstufen: den Vilsalpsee auf 1168 m, den Traualpsee auf 1630 m, die Lache auf 1770 m und den Alplsee auf 1600 m. Entwässert wird das Gebiet über die Vils. Das Schutzgebiet ist von alpinen Gelände umgeben, das aus zahlreichen schroffen Gipfeln besteht.

Der Vilsaplsee ist umsäumt von 2000–2200 m hohen Gipfel: im Westen liegt das Gaishorn-Rauhhorn, im Süden das Kugelhorn und die Rote Spitze (2130 m), im Osten die Lachen-, Schochen- und Sulzspitze mit der Blässe. Die unteren, den See umgrenzen Hänge sind bewaldet. Um den Vilsalpsee erstreckt sich ein Talboden, der als Almweide genutzt wird. Gespeist wird der See durch zahlreiche kleine Bäche und Quellen. Die beiden größten Zuflüsse münden bei der Vilsalpe an der südwestlichen Seite des Sees und bei der Unteren Traualpe in der Mitte des Südwestufers in den See. Letzterer Zufluss hat einen Schwemmkegel von ca. 9 ha gebildet. Die größte Tiefe des Vilsalpsees beträgt rund 27 m, die Seefläche umfasst etwa 700 ha.

Zwischen Vilsalpsee und Traualpsee erstreckt sich steiles Felsengelände, das mit Fichtenwald und in den höheren Lagen mit Latschen (Pinus mugo), Grün-Erlen (Alnus alnobetula), Birken (Betula) und Zwergsträuchern bewachsen ist. Südlich des Vilsalpsees ist das Gelände stufenförmig gegliedert; flache Kare wechseln sich mit steilen Schwellen ab. In der Karschwelle über dem Traualpsee und im Gappenfelder Notländ stehen Zirben (Pinus cembra), sie bilden das nördlichste Vorkommen in den Kalkalpen. Den Talschluss der Vilsalpe bilden steile Kalkwände, Fichten-Block-Urwald und ein Wasserfall.