mini|„Schwarze Miao“ im Dorf Langde Shang in der Provinz Guizhou spielen die Mundorgel lusheng zur Begrüßung von Touristen. Die Miao () sind eine Übergruppierung mehrerer Völker, welche aus den bewaldeten Berggebieten Südchinas stammen und verwandte Sprachen sprechen. Die größten Völkergruppen der Miao sind die Hmong, Hmu, Qoxiong und Hmau. In China stellen sie heute eine der 56 staatlich anerkannten Völkergruppen dar. Weltweit zählt das Volk der Miao über 15 Millionen Menschen.Jacques Lemoine (2005). "What is the actual number of (H)mong in the world?" (PDF). Hmong Studies Journal. 6.
Geschichte Über die Geschichte der Miao gibt es seit etwa 2000 Jahren ausführliche schriftliche Aufzeichnungen in chinesischen Chroniken und Geschichtsbüchern. Eigene schriftliche Überlieferungen entstanden seit dem 17. Jahrhundert, als europäische Missionare ihre Arbeit in China aufnahmen.
Die ethnischen Wurzeln der Miao gehen vermutlich 4000 Jahre zurück.
Die Han gründeten vor 3000 Jahren expandierende Agrarstaaten und die Vorfahren der heutigen Miao wurden von der schnell wachsenden Han-Bevölkerung immer weiter nach Süden und in die Berggebiete zurückgedrängt. So wurden sie zu einer ethnischen Minderheit. Besonders während der Qing-Dynastie (1644–1911) kam es immer wieder zu Aufständen der Miao, die blutig niedergeschlagen wurden. Erst mit Gründung der Volksrepublik China erlangten die Miao eine gleichberechtigte Stellung in der chinesischen Gesellschaft.
Miao oder Hmong Je nachdem, auf welches Territorium man sich bezieht, dienen die Namen Hmung, Hmu, Meo, Meau und Hmong als Synonym für Miao. Viele Miao außerhalb Chinas bevorzugen Varianten von Hmong als Eigenbezeichnung. Einige glauben, dass Miao im Chinesischen „Barbaren“ bedeute (vgl. Man). Tatsächlich war Miao vor Gründung der Volksrepublik China eine Sammelbezeichnung für verschiedene Völker Südchinas, unter der auch viele ethnische Gruppen geführt wurden, die sich nicht zu den Miao zählen. Die heutige chinesische Bezeichnung Miaozu, also „Miao-Volk“, wird in China nicht mit den chinesischen Begriffen für „Barbaren“ in Verbindung gebracht, weshalb die Miao in China sich nicht herabgewürdigt fühlen und keine Unzufriedenheit äußern. Nicht in China lebende Miao sehen dies jedoch anders und nennen sich stattdessen Hmong, denn aus ihrer Sicht bedeutet Hmong „freie Menschen“,siehe: Hmong Women and Reproduction was ihren Wunsch nach einem Leben in Freiheit zum Ausdruck bringt. Die tatsächliche Bedeutung des Wortes ist allerdings unklar.
Sprachen
Die Sprachen der Miao gehören zur Sprachgruppe der Miao-Yao-Sprachen. Es gibt mehrere Schriftsprachen. Chinesische Wissenschaftler zählten die Miao-Yao-Sprachen in der Regel zur Sprachfamilie der sinotibetischen Sprachen, dies gilt heute jedoch als widerlegt.
Zur Miao-Nationalität werden auch ethnische Gruppen gezählt, die keine Miao-Sprache sprechen. In Chengbu und Suining (Hunan), in Longsheng und Ziyuan (Guangxi) und in Jinping (Guizhou) gibt es Miao, die Chinesisch sprechen (insgesamt etwa 100.000); in Sanjiang (Guangxi) sind Sprecher der Dong/Gaeml-Sprache Teil der Miao-Nationalität (über 30.000) und in der Inselprovinz Hainan gehören Yao-Sprecher zu den Miao (über 100.000).
Kultur mini|Miao-Mädchen aus Guizhou mit Kopfschmuck mini|Junge Miao-Frau in Yangshuo Eine Krefelder AusstellungHaus der Seidenkultur, bis Mai zeigte 2015 Textilien der Miao. Die Exponate hatte die Reisende Ien Rappoldt in Guizhou entdeckt. Die verschiedenen Miao-Untergruppen tragen vielfältige Trachten. Die Frauen der „Langhorn Miao“ in Guizhou und Hunan tragen bei traditionellen Anlässen einen gewaltigen Kopfschmuck aus Silber mit Hörnern, welche denen eines Wasserbüffels ähneln; sowie lange Gewänder mit reichen Verzierungen aus Silber. Ein derartiges Kostüm wiegt bis zu 22 Kilogramm. Bisweilen sind Ohrringe so schwer, dass sie die Ohrläppchen in die Länge ziehen.
Religion Die Miao huldigen verschiedenen Gottheiten und Vorfahren. Im Laufe der Geschichte wurden theoretische und praktische Elemente des Daoismus hinzugefügt, außerdem wird Wert darauf gelegt, den Gesetzen der Natur zu folgen und sich in Einklang damit zu bringen. Die größte Gottheit wird Saub oder Yawm Saub genannt, er gibt den Schamanen ihre Fähigkeiten. Der Gott Saub darf in Zeiten von Not angerufen werden. Die Gottheiten der kosmischen Natur werden Dab genannt, wohingegen Dab Need oder Qhua Neeb schamanische Geister sind, die durch die Welten schweben und mit Schamanen zusammenarbeiten. Bei diesen Geistern wird unterschieden zwischen wilden Geistern und zahmen und freundlichen Hausgeistern. Eine weitere Kategorie von Geistern sind die Xwm Kab, die aus der Welt der Vorfahren stammen, auch sie werden bei schamanischen Ritualen eingesetzt. Ein Hausaltar wird vornehmlich dem Gott Dab Xwm Kab, dem Gott des Glücks, gewidmet. Er wird an der Wand des Wohnzimmers befestigt. Auf dem Altar werden Gaben wie Reis, Huhn und Suppe dargereicht. Am letzten Tag des alten Jahres wird den Vorfahren Reis und ein Huhn geopfert, außerdem werden Seelen angerufen. Die meisten Miao praktizieren heute weiterhin die traditionelle Religion; einige sind zum Buddhismus übergegangen. Viele Miao in Amerika und Australien sind zum Buddhismus oder Christentum übergetreten.
Verbreitung der Miao Provinzebene Beim Zensus im Jahre 2000 wurden in China 8.940.116 Miao gezählt. Verteilung der Miao-Bevölkerung in China: Verwaltungsgebiet Anteil 2000 Anteil 1990 Provinz Guizhou 48,1 % 49,84 % Provinz Hunan 21,49 % 21,05 % Provinz Yunnan 11,67 % 12,12 % Stadt Chongqing 5,62 % — Autonomes Gebiet Guangxi 5,18 % 5,75 Provinz Hubei 2,4 % 2,71 % Provinz Sichuan 1,65 % 7,24 % (inkl. Chongqing) Provinz Guangdong 1,35 % ? Provinz Hainan 0,69 % ? Rest Chinas 1,85 % ?
In der Provinz Guizhou sind 12,2 % (1990: 11,38 %) der Gesamtbevölkerung Miao, in Hunan 3,04 % (2,57 %), in Yunnan 2,46 % (2,43 %), in Chongqing 1,65 % und in Guangxi 1,06 % (1,01 %).
Kreisebene Verbreitungsgebiete der Miao Chinas auf Kreisebene (2000)
Hier wurden nur Werte ab 0,25 % berücksichtigt. AG = Autonomes Gebiet; AB = Autonomer Bezirk; AK = Autonomer Kreis.